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Kapitel 8 - Schleichende Wasser
Crewmitglied der Sphinx
für 6.000 Gold gesucht
dabei seit Nov 2016
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Josiah nickte bloß. Sein Blick verlor sich für einen kurzen Moment in dem Nebelsud hinter Lucien, abseits der Reling, der immer noch wie ein Totentuch über ihnen allen lag, dann schnellte er herum und rannte los.
Seine Sinne waren auf das äußerste geschärft, als er versuchte, durch die dicke Suppe zu navigieren, ohne an Geschwindigkeit zu verlieren oder in andere Menschen oder vom Angriff gelöste Gegenstände zu rennen.
Immer mal wieder hörte er links und rechts Geräusche. Menschen, die herumhantierten, Rufe, Flüche. Er widerstand den Zwang, seinen Blick herumhuschen zu lassen. Er würde eh nichts sehen, rief er sich immer wieder in Erinnerung. Niemand sah hier wirklich etwas. Aber wer war ins Wasser gestürzt?

Verflucht. Vermaledeit! Das hatte ihnen gerade noch so gefehlt.

Für einen kurzen Moment kam in Trevor in den Sinn, aber den Gedanken verwarf er schnell wieder. Bei all seiner Unvorsichtigkeit war Trevor am Ende doch einer, dem es nicht an Können fehlte. Runar dann vielleicht, oder Greo? Ceallagh hatte er ja vorhin gehört, der konnte es nicht gewesen sein. Oder war einer von unten hochgekommen? Für einen kurzen Moment versuchte sich Josiah daran zu erinnern, wen er auf Deck zuletzt gesehen hatte. Dann tauchte der Hauptmast vor ihm auf und setzte Josiahs Reise ein Ende. Ruckartig kam er zum Stehen.

Lucien. Seine Haltung. Verflucht noch einmal.
Seine Finger tanzten kurz über die Seile, bis sie ihr Ziel fanden. Beherzt griff Josiah nach dem Halyard und begann, das Seil mit geübten Griffen zu lösen, während seine Gedanken erneut kurz zu Lucien glitten und dessen Verletzung. Links, rechts, links…

Mit einem Ruck schnellte das Seil nach oben und strafte Josiahs Unaufmerksamkeit. Der Mann fluchte auf, als das Segel an seinen Armen riss und ihn für einen kurzen Moment aus dem Gleichgewicht brachte. Ein stechender Schmerz in seinen Muskeln, das Gefühl von Kontrollverlust. Doch nur kurz, dann hatte er seine Beine wieder fest gegen den Boden gestemmt, atmete tief durch und lockerte seine Knie, während er sein eigenes Gewicht in das Seil legte. Die Lazy Jacks erzitterten kurz, als sie versuchten, das Segel in Zaum zu halten, während Josiah es Stück für Stück hinunterließ, bis endlich die letzte Latte geräuschvoll zur Ruhe kam. Josiah hielt inne.

Ein paar Augenblicke lang flatterte das Segel etwas hilflos umher, dann hatte der Wind es aber schon wieder gegriffen und die Kontrolle zurückgewonnen.

Das genügte Josiah. Ein letztes Mal – nahezu unbedeutend, gedanklich war er schon wieder auf und davon – ließ er seine Finger über den Knoten gleiten, dann machte er auf der Stelle kehrt und hastete weiter zum Focksegel.
Das Seil hatte sich rauer als sonst angefühlt – ein Ergebnis des Nebels oder spielten in seine Sinne inzwischen einen Streich? Josiah war sich nicht sicher. Er presste die Lippen aufeinander.
Das Deck wurde merklich nasser, und mehr als einmal verloren Josiahs Schuhe fast den Halt. Es ging langsamer voran, als ihm lieb war, aber trotzdem erreichte er den Fockmast ohne weitere Zwischenfälle.

Das kleinere Segel ließ sich ohne viel Gejammer reffen. Anstandslos glitt eine Latte nach der anderen aufeinander, bis es zufriedenstellend kleiner geworden war, und der Wind passte sich in einem fließenden Übergang an die neuen Umstände an. Als der letzte, sichernde Bogen mit dem Seil geschwungen war, wischte sich Josiah grob die Hände an der Hose ab und erlaubte sich einen kurzen Blick „über“ die Szenerie vor ihm – die aus kaum mehr als einer weißen, milchigen Substanz ein paar Meter vor ihm bestand. Wohin jetzt? Zurück zu Lucien, um in der nächsten Nähe für weitere Befehle zu sein? Hierbleiben, um die Segel schnell ansteuern zu können – schließlich würden sie sofort los schippern müssen, sobald sie ihren Mann wieder hatten? Sich auf die Suche nach eben diesen Mann machen, um im Notfall da mit anpacken zu können?
Der Nebel hatte die Crew binnen Sekunden in einzelne Gruppen zerteilt, und Josiah hasste es mit jeder verstreichenden Minute mehr. So sehr er eigentlich ein Einzelkämpfer war – jetzt waren alle gefragt. Im Team. Er schüttelte den Kopf, dann – kurzentschlossen – marschierte er los. Lucien hatte James und Soula in die Richtung der Netze geschickt, dass hatte er gehört. Sie würden damit an die Reling gehen, also wäre das auch in grob sein Ziel. Er hatte absolut nichts gegen James, aber er traute ihm auch nicht ganz zu, es nicht zu schaffen, sich bei dem Versuch, jemanden aus dem Wasser zu hieven, selbst im Netz zu verfangen und über Board zu gehen.

Ohne noch mehr Zeit mit Nachdenken zu vertrödeln ließ er sich wieder in einen Laufschritt fallen, grob auf die Reling auf steuerboardseitens zu haltend. Diesmal erlaubte er es sich, seinen Blick immer wieder gleiten zu lassen, doch der Nebel ließ ihm keinen Spielraum. Und als er an der Reling ankam, war er immer noch alleine. Dafür waren da Geräusche. Stimmen. Eine Stimme?
Josiah dachte nicht weiter darüber nach. Ruckartig wandte er sich ab und lief wieder los, in Richtung der Geräusche, eine Hand über der Reling schwebend – für den Fall der Fälle.
Als sich wenig später eine Gestalt aus dem Nebel hervor schälte, war Josiah fast schon erleichtert, als er sie erkannte.

Tarón!

Ruckartig kam er neben dem Kleindrachenbändiger zum Stehen.

Hast…“ Sein Blick traf das Seil in seinen Händen und prompt brach er ab. Hatte er ihn gefunden?
[zuerst bei Lucien, James, Soula & Alex | dann alleine beim Hauptmast, gefolgt vom Flocksegel, Reling Steuerboards und schließlich bei Tarón]
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Aug 2020
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Der Ruf, dass jemand über Board gegangen war, hallte über das Deck. Die Anspannung, die es schon die ganze Zeit gegeben hatte, veränderte sich schlagartig. Es fühlte sich ernster an. Bei dem, was zuvor passiert war, wäre es eigentlich ein Wunder gewesen, wenn niemand über Board gegangen wäre. Soula wäre es selbst schließlich fast nicht anders ergangen. Ohne Lucien hätte es sie bei dem Verschwinden es Vogels wahrscheinlich direkt über die Reling geworfen. Das war ziemlich schlecht und sorgte für noch mehr Aufregung auf dem Schiff. Sie hörte Schritte, konnte aber nicht weit genug sehen, um zu wissen, von wem sie waren. Auch was an der Reling passierte, konnte sie nicht sehen. Ob es schon Versuche gab zu helfen? Lucien war gerade dabei einen Befehl über das Deck zu rufen, bevor er sich der kleinen Gruppe zuwandte. Sie nickte auf den Befehl, den er James und Soula gab und machte sich mit James direkt auf den Weg. Seit der Vogel verschwunden war, hatte sie ein bisschen ihrer vorherigen Ruhe zurückerlangt. Natürlich konnte er oder auch ein anderer Vogel jederzeit zurückkommen, aber darüber konnte sie dann immer noch ängstlich sein, wenn es so weit war. In erster Linie ging es ihr nun darum das Crewmitglied aus dem Wasser zu fischen. Das hatte für sie oberste Priorität.

James schien von der ganzen Aktion alles andere als begeistert zu sein und irgendwie amüsierte es Soula. Sie selbst war sehr bedacht und machte sich gerne in Ruhe Gedanken, bevor sie handelte. Gerade gab es nur wenig, worüber sie wirklich entscheiden konnte. Immerhin waren sie hier auf einem Schiff und aufeinander angewiesen. Weglaufen war nicht drin und was brachte es ihr, wenn sie sich jetzt ärgerte? Genau, nichts. Da allerdings jeder Mensch anders war, nahm sie sich nicht heraus dazu irgendeine Stellung zu nehmen. Jeder musste selbst entscheiden, wie er oder sie mit der Situation umgehen wollte. Manchmal tat Fluchen auch einfach richtig gut, das Gefühl kannte sie sogar. War Soula verrückt, dass sie sich gerade eher amüsierte? Ja, vielleicht.

Eigentlich brauchte es sehr, sehr viel, um Soula irgendwie aus der Ruhe zu bringen, doch James schaffte das hier gerade innerhalb von Sekunden, als er seine Lippen auf ihre drückte. Es war ihr möglich gewesen, sich schon eine gewisse Meinung über ihn bilden zu können, aber dass sich ihre Meinung dazu, dass er ein Lüstling war, in so kurzer Zeit bestätigen würde, hätte sie auch nicht gedacht. Soula war nicht so naiv zu glauben, dass es auf einem Schiff mit überwiegend Männern keine sexuellen Übergriffe geben würde. Trotzdem hatte sie darauf gehofft, dass ein bisschen Anstand abrufbar war. Das war es an dieser Stelle offenbar nicht! Auch mit Alex war sie alleine in einem Raum gewesen, er hatte aber nicht mal ansatzweise irgendwelche Versuchungen unternommen. Das hier übertraf einiges, wenn sie daran dachte, dass jemand draußen eventuell ertrinken konnte oder ein weiterer Angriff von irgendeinem Riesenvogel passieren könnte. Was zur Hölle… Was...? Soula verstand nicht, was in James‘ Kopf vor sich ging und eigentlich wollte sie es auch gar nicht wissen.

Die junge Frau zögerte nicht lange, ballte ihre linke Hand zur Faust und schlug mit ihrer rechten Hand so kräftig zu, wie sie nur konnte. Ihre Handfläche traf auf James‘ Wange auf und alleine das Geräusch klang schon sehr befriedigend. Er sollte froh darüber sein, dass Soula nicht mit ihrer Faust zugeschlagen hatte, denn sie war alles andere als zimperlich. An dieser Stelle hatte sie mit dem armen irren einfach zu viel Mitleid, als dass sie ihm einen Faustschlag verpassen konnte. Soula verengte die Augen und griff nach ihrem Dolch, der zwar verrostet war, James aber sicher trotzdem eine Blutvergiftung verpassen konnte, wenn er es auch nur nochmal wagen würde ihr näherzukommen.

„WAS ZUR HÖLLE STIMMT DENN NICHT MIT DIR!?“, fuhr sie ihn regelrecht an, den Schmerz ihrer Hand ignorierend, und gab sich keine Mühe ihre Stimme ruhig zu halten. Damit hatte James sich den letzten Platz auf Soulas Sympathieliste mit Anlauf ergattert (und das noch bevor Shanaya überhaupt die Chance dazu bekommen hatte, dort hinzugelangen).

„Was auch immer du mit dieser Scheiße erreichen willst, es interessiert mich nicht und wenn du mich noch ein mal anrührst, wirst du dir wünschen mir niemals begegnet zu sein“, meinte sie bedrohlich und ihre Stimme ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass Soula ihre Worte nicht ernst meinen könnte. Ihre Körperhaltung sprach Bände und sie würde sich sicher nicht davon abhalten lassen nochmal zuzuschlagen, ebenso sicher würde ihr verrosteter Dolch sein Ziel finden, wenn auch nicht so, wie sie es sich wünschen würde. Soula wusste noch nicht genau, in welcher Form sie ihre Drohung wahr machen würde, doch sie war nicht unkreativ und ihr würde mit Sicherheit einiges einfallen. Davon abgesehen würde sie den Lüstling, nach dieser Aktion, nie wirklich ernst nehmen können und ihr Vertrauen, das er bisher nie besaß, würde er wohl auch nie bekommen.

[James | Lagerraum am Bug]
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Aug 2020
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In seinem Leben hatte James definitiv schon weisere Entscheidungen getroffen als diese hier. Sich auf die Wette einzulassen die ihn überhaupt erst auf die Sphinx befördert hatte, gehörte vielleicht nicht dazu, aber dieser Kuss landete auch nicht in der Top 10 der „cleversten Ideen“. Streng genommen nicht einmal in der Top 100. Kein Wunder, denn erstens war er nicht einmal sonderlich gut, sondern wurde nicht einmal ansatzweise mit Zustimmung belohnt. Eigentlich hätte ihm das klar sein müssen, aber seine Stresshormone erreichten gerade ganz neue Pegel, wer konnte da schon verlangen dass er klar denken konnte?
Soula war in jedem Fall nicht begeistert, nicht einmal amüsiert oder gleichgültig. Nein, stocksauer traf ihren Gemütszustand vermutlich am besten. Das machte die viel jüngere Frau unmissverständlich klar, in dem sie nur ein, zwei Millisekunden nach Ende des Kusses ihre Handfläche mit Schwung in sein Gesicht klatschen lies, sodass seine Wange ordentlich zu zwiebeln begann. Reflexartig schoss seine eigene Hand an eben diese Wange, während er Soula ein wenig entgeistert anstarrte. Und als wäre ihre Reaktion noch nicht eindeutig genug, fuhr sie ihn ziemlich aufgebracht an und stellte die – durchaus berechtigte – Frage, was mit ihm nicht stimmte. Selbstredend hatte er darauf keine Antwort, aber es war auch nicht so als ob sie wirklich ein Interesse an einer solchen gehabt hätte. Viel mehr machte sie ihm ziemlich deutlich klar, dass er am besten eine Bannmeile um sie herumzog und sich ihr nie wieder näherte. Sofern das auf dieser Nussschale überhaupt möglich war. 
“Komm mal wieder runter.“ schnaubte der Möchtegern-Pirat ihr entgegen und auch wenn er ihre ganze Mimik und Körperhaltung gerade eher amüsant als bedrohlich fand, weil er sie dafür überhaupt nicht voll genug nahm, verstand James sehr wohl dass er hier eine Grenze überschritten hatte. Aber sei es drum, immerhin hatte er mal wieder eine Frau geküsst vor seinem unmittelbaren Ableben, dessen er sich so sicher war. 
“Ist ja nicht so, als hätte ich dir hier gerade die Kleider vom Leib gerissen um dich auf den Planken zu verführen.“ Dass das eher weniger an seinem Unwillen lag als an ihrer Reaktion, war wohl offensichtlich. Während er diese Worte aussprach, machte er einen Schritt zurück, sammelte die benötigten Netze vom Boden wieder auf und nickte dann zum Lager hinter sich. “ Es sind noch genug Netze da, bedien dich. Falls du aufhören kannst, vor Wut zu kochen.“ und mit diesen Worten tastete er sich durch den Nebel wieder voran, zurück zu Lucien, um den „Mann über Board“ gegebenenfalls mit den Netzen wieder an Board zu ziehen. Keine zwei Schritte später bewegte James allerdings vorsichtig seinen Kiefer, denn Soulas Handabdruck schien sich förmlich in seine Wange zu brennen. Ordentlich Kraft hatte die Kleine jedenfalls. 

(Bei Soula am Bug, dann auf dem Weg zurück zu Lucien)
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Aug 2020
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Der Schmerz in ihrer Hand wandelte sich in ein Kribbeln, sie ignorierte es aber weiterhin so gut es ihr möglich war. Was bildete sich dieser Mistkerl eigentlich ein? Sie bekam mehr und mehr das Gefühl, dass Frauen für ihn nur als Lustobjekte galten und nicht ernst zu nehmen waren. Damit täuschte er sich gewaltig. Frauen hatten Mittel und Wege einem Mann das Leben schwer zu machen und wenn er diesen Krieg wirklich wollte, dann konnte er ihn gerne haben. Hatte sie nicht erst neulich von Kräutern gelesen, die getrocknet und in Pulverform brennenden Juckreiz auf der Haut verursachen konnten? Da gab es noch weitere tolle Pflanzen und Soula spann sich schon die ersten Ideen zusammen. Soula war nicht nur sauer und wütend, sie war von diesem Verhalten auch irgendwie...angeekelt. Sie wischte sich mit dem Ärmel ihrer Bluse über die Lippen. Ein schöner Charakter sah definitiv anders aus, offensichtlich stellte James sich als Mann automatisch eine Stufe höher als alle Frauen an Board. Soula glaubte nicht, dass es etwas mit ihr persönlich zu tun hatte, es hätte jede andere Frau auf diesem Schiff sein können. Ihr entgleisten sämtliche Gesichtszüge, als er meinte, dass sie mal wieder herunterkommen sollte.

„Du scheinst dich echt für den dicksten Hecht im Meer zu halten was?“, meinte sie nur abwertend. „Du bist echt das allerletzte.“ Auch wenn er ihr nicht die Kleider vom Leib gerissen hatte, wer sagte ihr, dass er das nicht tun würde, wenn sich die Gelegenheit ergab und ihm die Sicherungen durchbrannten? Genau, niemand. Soula traute ihm das durchaus zu.

Da er nicht mal eine Entschuldigung übrig hatte, was an dieser Stelle nichts besser gemacht hätte, ließ ihn ebenso wenig in gutem Licht erstrahlen. Im Gegenteil, es ließ ihn in ihrem Ansehen sogar eher NOCH weiter sinken, wenn das überhaupt noch möglich war. Gut war aber, dass er sich recht schnell vertreiben ließ und Soula hoffte, dass er nie wieder so einen Versuch wagen würde. Keinen Raum würde sie mit ihm mehr alleine betreten, das stand fest. Als er den Raum verließ, atmete sie erleichtert auf und sah auf ihren Dolch hinunter. Er hatte ihr gute Dienste geleistet, es gab zwar Möglichkeiten Rost zu entfernen, aber ob das noch was brachte? Sie steckte ihn trotzdem zurück in sein Heft und wartete noch einen Moment, bis sie sicher war, dass James außer Reichweite war. Die Veniel war emotional stark, von so etwas würde sie sich weder verschrecken noch erschüttern lassen. Ihre Meinung zu James hatte sich dadurch sehr verfestigt.

Tatsächlich schnappte sich Soula nun auch besagte Netze, unabhängig von diesem Mistkerl und ging in Richtung Reling, aus der sie die Unruhen vermutete. Sie wusste nicht, wohin James verschwunden war, es war ihr auch ziemlich egal, an der Reling konnte sie ihn allerdings nicht sehen. Soula sah allgemein recht wenig, Stimmen konnte sie aber wahrnehmen. Josiah hatte es auch an die Reling verschlagen, ihn sah sie zuerst, dann erblickte sie Tarón. Tarón war gut, bei ihm fühlte sie sich sicher.

„Ich habe die Netze dabei, falls sie gebraucht werden“, meinte sie zu den Beiden und sah auf das Seil, das ins Wasser führte. Vielleicht waren die Netze nicht mehr nötig, was alles andere als Schlimm war, denn besser sie schöpften alle Möglichkeiten aus, die sie hatten.

„Wie ist die Lage? Geht es nur um eine Person?“ ‚Nur‘, eine Person war schon genug!

[James | Lagerraum am Bug | Dann Tarón und Josiah an der Reling]
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Mar 2021
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Das kalte Wasser brannte wie Feuer auf seiner Haut, als die nächste Welle über seinen Kopf schwappte und ihn für einen Moment unfreiwillig untertauchen ließ.

Als er die Arbeit auf dem Handelsschiff angenommen hatte, aus keinem geringeren Grund als Geldmangel, hatte er anfangs noch leise Zweifel gehabt. Nach und nach hatte er sie dann unter den Teppich gekehrt. Sich gesagt, dass er ja zumindest für die Arbeit entlohnt werden würde, ein paar Gold pro Tag. Nicht viel, aber mehr als genug, mehr als er bei all den anderen Jobs in den vergangenen Wochen verdient hatte. Davon abgesehen, es war keine schwere Arbeit und er hatte das Glück gegen das ständige Schaukeln auf dem Schiff praktisch immun zu sein. So richtig angefreundet hatte er sich mit der Besatzung nicht; das nötige Vertrauen fehlte. Vielleicht, weil er doch nicht lange genug auf dem Schiff war, um die anderen einschätzen zu können. Um deren Absichten deuten zu können. Das schönste Lächeln konnte auch das falscheste sein.

Der Vogel war wie aus dem Nichts aufgetaucht, zusammen mit dem Nebel, obwohl er nicht klar sagen hatte können, ob beide Erscheinungen einher gingen. Ob die eine die andere ausgelöst hatte. Bevor er sich zum zweiten Mal nach dem geflügelten Biest umsehen hatte können, war es aber schon zu spät gewesen; die ungeahnte Wucht des Flügelschlags hatte ihn unmittelbar über Bord geworfen. Er hatte noch mit den Armen gerudert, gewunken, aber in der hellen Aufregung war der Rest der Mannschaft wohl zu sehr darauf fokussiert gewesen, ihre eigenen Leben zu retten. Und Per hatte sich nur gewünscht, er wäre doch an Land geblieben.

Die unbarmherzige Kälte des Wassers beförderte sein Bewusstsein schlagartig zurück in die Realität. Er riss die Augen auf, als hätte man ihm den eigenen Dolch mitten in die Brust gerammt, begann augenblicklich mit den Armen zu rudern und die Beine zu bewegen, um nicht von den Fluten verschlungen und von seinem eigenen Gewicht in die Tiefe gezogen zu werden. Der Nebel erschwerte die Orientierung noch einmal zusätzlich und für einen viel zu langen Moment hatte er das Gefühl in die Leere zu schwimmen. Nie irgendwo anzukommen.

Während er sich zusehends von seinem Schiff entfernte und sich dem anderen näherte — oder zu nähern glaubte, in dem Nebel konnte man ja doch nichts sehen — glaubte er auch Stimmen zu hören. Ihren exakten Ursprung zu orten schien allein aufgrund des Nebels ein tollkühnes Unterfangen. Die Stimmen waren zu leise, um einzelne Worte herauszufiltern, um irgendetwas vom Gesagten zu verstehen. Er glaubte die Phrase Mann über Bord vernommen zu haben und fragte sich im selben Moment, ob jemand ihn gesehen hatte. Was zumindest feststand — da war jemand. Irgendjemand. Wer oder was war in diesen Sekunden zweitrangig — er wollte nur aus dem kalten Wasser. Irgendwie. Weil jede Bewegung ihn anstrengte, jeder zurückgelegte Meter ihn zunehmend müder werden ließ.

Als er bereits ein gutes Stück näher (und ein gutes Stück müder) war, glaubte er mit seinem guten Auge etwas im Wasser zu erkennen. Bewegung. Eine Figur.

[im Wasser - kommt vom Handelsschiff - schwimmt auf Rúnar zu in der Hoffnung gerettet zu werden]
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Oct 2019
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Noch während der Falke versuchte trotz besserem Wissens etwas im Nebel, der die Welt um sie herum mittlerweile völlig einnahm, zu sehen, hörte er Isas Stimme von oben und zumindest was ihre Sicherheit anging überkam ihn eine Welle der Erleichterung.

„Rúnar ist über Board! Keine Sorge, ich fisch ihn raus!“

Bellte er nach oben und hoffte, dass dies die Wahrheit war. Er vertraute auf seinen schuppigen Freund, der da unten grade nach dem Mann in Seenot suchen sollte – zwar war die Echse sicher nicht glücklich über ihren Auftrag, aber den Befehl würde sie ausführen. Sie spürte in solchen Situationen immer, dass es Ernst war.

Doch nicht ganz so dumm wie er manchmal aussieht…

Doch selbst wenn Calwah Rúnar fand und dieser damit das Seil fassen konnte, an dessen anderem Ende Tarón auf ein Signal harrte, musste er ihn noch aus dem Wasser ziehen. Und bei all den romantischen Vorstellungen und der Tatsache, dass Tarón sicher kein Schwächling war: einen Seeman, dessen Kleidung sich komplett vollgesogen hatte herauszuziehen war ein bedeutender Kraftakt. Vorerst jedoch würde Rúnar nicht ertrinken – zumindest nicht, wenn das andere nagende Bedenken, das Tarón unweigerlich in den Sinn kam nur im Reich seiner Befürchtungen blieb. Hier rottete alles – potenziell auch das Rettungsseil.
Und dieses bewegte sich nun. Dann hallte Rúnars Stimme zu ihm empor und erneut gesellte sich Erleichterung und vorsichtiger Optimismus zu der Gefühlswelle, die ihn bereits beim Klang von Isas Stimme durchströmt hatte.

„Ich bin hier min Jung!“

Wie sehr er in solchen Momenten wie Black Tooth klang, würde ihm wohl nie wirklich bewusstwerden.

„Keine Sorge, wir ziehn dich schon wieder hoch!“

Irgendwie.

Und diesem irgendwie kam er plötzlich sehr viel näher.

„Josiah!“

Erwiderte er den Ausruf des Anderen mit einem erfreuten Lächeln.

„Es ist Rúnar – zusammen bekommen wir ihn sicher rausgezogen.“

Informierte er den anderen knapp, ehe er wieder über die Reling nach unten sah.

„Rúnar, sag, wenn du soweit bist. Josiah ist auch hier, also keine Sorge!“

Dann jedoch ließ etwas anderes den Falken den Kopf heben – und seine blauen Augen verengten sich zu Schlitzen. Die eben noch vorherrschende Positivität angesichts der kleinen Erfolge löste sich in Rauch auf – oder in Nebel, wenn man so wollte.

„Was ist nun da hinten los?“

knurrte er eher zu sich selbst, als Soulas Rufe zu ihnen herüberdrangen und Nichts Gutes ahnen ließen – und Tarón hatte auch ohne genauere Infos bereits einen scharfen Verdacht mit WEM zur Hölle etwas nicht stimmte. Vielleicht war es die Erfahrung, die er hatte sammeln müssen, vielleicht auch ein natürliches Gespür für derlei Situationen. Was auch immer es war: in Taróns Magen verkrampfte sich beim Tonfall ihrer Stimme etwas zu einem glühenden beißenden Ball.

Ich schneid ihm seinen scheiß Schwanz ab…

Doch auch wenn er am liebsten – geleitet von einem Beschützerinstinkt, den er wohl doch in sich haben musste und der bei einem Verdacht wie diesen besonders stark hervortrat (Danke, Onkel Faran) – gleich aufgesprungen und der Sache auf den Grund gegangen wäre, kam er hier nicht weg, ehe Rúnar in Sicherheit war.

Aber offenbar kam die Antwort – oder zumindest die Person, die sie geben konnte – von alleine zu ihnen. Und Tarón hielt sich nicht erst mit einer Antwort auf ihre Frage oder den Netzen auf, so nützlich sie sich vielleicht noch erweisen würden.

„Was ist passiert?“

fragte er ohne Umschweife und in einem so ernsten Ton, dass die Ankündigung jemanden seine Verfehlung überdeutlich vor Augen zu führen, wenn dieser jemand ihr etwas getan hatte, bereits darin mitklang. Seine blauen Augen wanderten an der Frau vorbei zum Nebel und suchten dort bereits nach dem Schuldigen.
 


[Mit der Rúnar Rettungscrew an der Reling]
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Oct 2020
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Obwohl Jón nur mit der Stirn und Schläfe gegen den Boden geditscht war, tat ihm sein ganzes Gesicht weh und er dachte daran, dass ihm auch Holzsplitter entgegengeflogen waren. Die kleinen Schnitte davon taten mehr weh als die vermutlich kleinen Schürfungen vom Aufprall. Aber das war alles halb so wild -- er hatte schon Bisse in die Rippen, aufschreckende Schädel ins Gesicht, und Hufe unwillkürlich auf den Fuß oder willkürlich auf den Schenkel bekommen, sodass sein ganzes Bein danach blau geworden war.

Er richtete sich auf, auf die Knie. "Ja, aber es ist nicht schlimm. Du?" Er sah sich um, vorsichtig, geduckt. Der Vogel war weg und die größte Aufruhr kam von den Leuten, die entweder hin- und herrannten und Schutz suchten und ihre Habseligkeiten an sich pressten, oder sich schon -- oder noch immer -- am Beiboot tummelten.

Er stand auf und hielt dabei Néniel die Hand hin. Auf ihre nächste Frage hin nickte er. "Was ist überhaupt passiert? Wir sind doch mitten auf dem Wasser?" Er lief vor zur Reling und sah hinab um vielleicht unter der Wasseroberfläche etwas zu erkennen, das ihm sagte, was das Schiff gestoppt hatte. Aber der Nebel war viel zu dicht. Er konnte die Wasseroberfläche kaum sehen -- da unten sah es aus, als gäbe es nichts, rein gar nichts. Als würde das Schiff über einem endlosen Abgrund schweben, so wie sie immer die Fahrt nach dem Tod ins Anderswo beschrieben. Das einzige, was ihm sagte, dass sie nicht auf dem Weg dorthin waren, war die Tatsache, dass das Schiff sich kein Stück mehr bewegte.

"Sicher, dass du einfach so da rein springen willst -- oder was war deine Idee?" Er wandte sich zu Néniel und zeigte mit einer ausladenden Bewegung nach unten auf das Wasser – oder besser gesagt den Nebel. Immerhin wussten sie wirklich nicht, was da unten eigentlich war.
 
Etwas anderes zog Jóns Aufmerksamkeit auf sich. Seine Augen suchten das Deck ab um die Rufe zu orten. Zwischen all dem ziellosen Geschrei konnte er jemanden ausmachen, der gezielt nach Hilfe rief. Und nach seinem Vater. Seine Augen folgten seinem Gehör und er konnte den Jungen oder jungen Mann* sehen, der da saß und so gänzlich hilflos wirkte.
 
*Jón konnte es nicht mal wirklich sagen. Die Unsicherheit ließen ihn jünger wirken, als er es vermutlich war.

{ auf dem Handelsschiff | Néniel und Griffith }
Crewmitglied der Sphinx
für 0 Gold gesucht
dabei seit Feb 2016
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Liams Blick wanderte über die abgehetzten, unschlüssigen Gesichter, ehe er wieder an Talin hängen blieb, die mit einem Mal noch einen Hauch bleicher wirkte als den Moment zuvor. Skeptisch zog sich eine Furche über seine Stirn, ehe er ihrem Blick zu ihren Händen und schließlich zum Dolch zwischen ihren Fingern folgte. Der Nebel, der sich durch die Spalten im Holz drückte, schlang sich förmlich um das einst schimmernde Metall und hinterließ eine rostigbraune Oberfläche. Was, bei allen Welten, war hier los? Überraschung zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Überraschung und Ehrfurcht und mit einem Mal verstand er – oder erahnte viel mehr – was die kleine Gruppe oben an Deck offenbar festgestellt hatte. Die kleine Gruppe unter Deck rutschte ein Stück enger beisammen und besah sich das Messer, doch einen Augenblick später wurde der Moment vom Klang der Alarmglocke unterbrochen. Der Lockenkopf riss den Kopf in die Höhe. Er ahnte nichts Gutes. Sein Puls raste und die Schwerelosigkeit in seinem Magen hinterließ eine unangenehme Übelkeit vor Sorge. Talin war die erste, die wieder zu ihrer Stimme fand und ihn damit beauftragte, sich mit den anderen weiter um Ablenkung und Stoff zu kümmern. Etwas in ihm wäre ihr am liebsten nach oben gefolgt, um sich selbst zu beruhigen, doch stattdessen nickte er abwesend, schluckte trocken und redete sich ein, dass die, die oben waren, alles unter Kontrolle bringen würden.

„Sei vorsichtig.“, warf er ihr hinterher, als würde es irgendetwas an der Situation ändern.

Es dauerte einen Moment, bis die Geschäftigkeit unter Deck wieder zunahm. Die Starre löste sich erst von ihm, als Rayon mit einem der aufgeregten Hühner im Korb wieder in der Tür erschien. Abermals fühlte sich sein Herz schwer an in seiner Brust. Er tat es nicht gern. Aber solange sie keinen anderen Plan hatten, konnte es ihnen vielleicht etwas bringen. Oder sie gingen so oder so drauf.

„Sehr gut.“, wandte er sich an den Dunkelhäutigen, während Gregory, Elian und Farley sich wieder an die Stoffe begaben.

Seine Hand streifte kurz Gregorys Schulter, weil ihm die Blässe auf seinen Zügen ebenfalls nicht entgangen war und er seine Sorge nachvollziehen konnte. Es fiel ihm erstaunlich schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Einen Gedanken, der sich nicht um Gesichter drehte, die scheinbar von Bord gegangen waren. Aus weiser Voraussicht behielt er den Blick gesenkt, musterte das totgeweihte Huhn in seinem Gefängnis und fing nur einen flüchtigen Blick seines Freundes auf, ehe er sich wieder umwandte und um einen Überblick bemühte. Den Nebel, der sich mehr und mehr fast schon lebendig um sie herum nach unten seilte, versuchte er so gut es geht zu verdrängen.

„Sobald ihr welche fertig habt, benutzt sie auch. Wer weiß -“

Rayon hinter ihm riss den Arm in die Höhe. Instinktiv und bereit wirbelte Liam herum, doch da war nichts außer einem Ausläufer des Nebels. Der Lockenkopf hob den Blick und stellte beunruhigt fest, dass sich mehr und mehr Nebelschlangen nach unten kämpften. Ungeduldig hoffte er auf Talins Rückkehr mit Informationen, obwohl sie gerade erst verschwunden war.

„Macht weiter.“, versuchte er sich und die anderen wieder anzuspornen. „Was auch immer es ist, ich würde es mir gerne erstmal aus der Ferne ansehen. Rayon, meinst du, es reicht, wenn wir das Huhn kurz vorher mit diesem Zeug hier einreiben? Ich weiß nicht, wie tödlich es über Federn und Haut wirkt. Und ich bezweifle, dass dieser Seefahrerschrecken gerne mit toter Beute spielt.“

Er hielt die Hand hoch, in der die Phiolen mit Skadis Gift lagen. Obwohl er dazu tendierte, optimistisch zu sein, sah man ihm die Zweifel an. Aber sie hatten keinen anderen Plan.

„Immerhin würde ihnen dann auch das Handelsschiff reichen.“, dachte er laut und blinzelte das Gift in seiner unverletzten Hand an.

Indes hatte sich eine der Schwaden an seinem anderen Ärmel heruntergehangelt Es hinterließ ein unangenehmes Gefühl wie eine Spinne auf der Haut, bis das Kribbeln an seiner Hand angekommen war und mit einem Mal einem Messerstich gleich in stechenden Schmerz überging. Im ersten Moment blieb ihm die Luft weg, während sich seine Linke krampfartig wieder um die Giftgläschen schloss und er die Augen aufriss. Instinktiv krallte er die Rechte in den Stoff seines Hemdes in der Hoffnung, diesen plötzlichen, diffusen Schmerz damit lindern zu können. Er biss sich auf die Unterlippe, um ein schmerzverzehrtes Stöhnen zu unterdrücken.

„Wir müssen hier, verdammt nochmal, raus.“

Zu ihrem Pech hielt das Schiff allerdings statt an Fahrt aufzunehmen.


{ Talin & Rayon (& Elian & Gregory & Farley) }
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Aug 2020
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Es war wirklich abstrus. Bisher hatte James in seinem Leben nicht sonderlich viel Zurückweisung von der Damenwelt erfahren müssen. Und bisher hatte er über diese Tatsache auch nicht wirklich nachgedacht, sondern es als Gegebenheit hingenommen. Wieso sollte er sich auch über etwas den Kopf zerbrechen, was für ihn so gar kein Problem darstellte? Und jetzt, wo er auf diesem verfluchten Schiff war, merkte er vielleicht zum ersten Mal, dass ihm nicht unweigerlich jedes Herz zuflog, nur weil er einmal schief lächelte. Gut, streng genommen hatte er nicht einmal darum gebeten dass Soula ihm sonderlich viel Zuneigung zeigte, aber diese Ablehnung als wäre er einfach irgendein Lustmolch den sie so gar nicht kannte. Das war doch etwas übertrieben. Er hatte definitiv schon mehr Worte mit ihr gewechselt als mit vielen, vielen anderen Frauen die sein Bett geteilt hatten. Da war doch so ein lächerlicher Kuss, geboren aus der Angst vor dem Tod, echt nicht zu viel verlangt. 
 
Seine brennende Wange teilte ihm allerdings mit, dass er mit dieser Einschätzung gehörig falsch lag. Wenigstens hatte sich dieser Nebel so um die beiden gelegt, dass niemand seine Avancen – wenn man das überhaupt so nennen wollte – mitbekommen hatte. Zumindest so lange, bis Soula ihrer Empörung lautstark Luft gemacht hatte. James war seinerseits ebenfalls sauer, weil sie ihn behandelte wie einen Schwerstverbrecher, dabei hatte er sie ja nur geküsst. Darin sah der 32 Jährige nun einmal wirklich gar kein Problem. Aber sein Kopf war immerhin etwas klarer und so konnte er einige Netze zur Reling tragen, wo er in der Nähe von Josiah, Tarón und bald auch wieder Soula zum stehen kam. Als Tarón dann auch noch nachfragte, was passiert war, warf er einen Blick auf den Älteren durch den Nebel und antwortete nur:
“Geht dich nichts an.“, bevor Soula hier ein Faß aufmachen konnte. Dazu war später immer noch genug Zeit und irgendetwas sagte ihm, dass die junge Frau auch jede einzelne Sekunde des eben Geschehenen rekapitulieren würde, nicht ohne die ganze Sache zu überdramatisieren. Um alle Nicht-Beteiligten davon abzulenken, deutete er Richtung Wasser.
“Sollten wir nicht lieber Runar da rausziehen, statt hier einen Kaffeeplausch zu halten?“ berechtigte Frage, wie er fand. Auch wenn der vermeintliche Drachenzähmer ihm jetzt nicht sonderlich wichtig war. Streng genommen war ihm überhaupt niemand hier wichtig.

(An der Reling bei Tarón, Josiah & Soula, beim Versuch Runár zu retten)
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Mar 2020
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Für einen flüchtigen Moment nistete ein selbstzufriedenes Lächeln in seinen Mundwinkeln, als Ceallagh ihm eine Antwort schuldig blieb. Nicht, dass Alex damit gerechnet hätte – eher im Gegenteil. Und dass er Recht behielt, erfüllte ihn auf eine gewisse Art und Weise mit Genugtuung. Schade bloß, dass dieses Gefühl nicht lange Bestand hatte – nicht in der jetzigen Situation jedenfalls, in der dieser dicke Dunst ihm das Gewehr unter den Händen wegrosten ließ. Seine Gedanken rotierten, hatten aber aufgrund der abstrusen Lage nicht wirklich eine zündende Idee parat, die nicht damit begann, einfach so schnell wie möglich wieder hinauszusegeln. Wenn der Zahn der Zeit schon so rasend schnell am Metall seines Gewehres nagte, wollte er gar nicht darüber nachdenken, wie viel Zeit der Sphinx blieb, bis sie Leck schlug und sie auf ewig in diesem Meer verschwinden würden.
 
Die Schiffsglocke riss ihn aus dem Kreis seiner Gedanken. Statt Sorge war es in seinem Fall allerdings als erstes Unmut, der ihn ereilte. Missmutig knirschte er mit den Zähen und obwohl nach dieser kleinen Achterbahnfahrt wirklich niemand etwas dafür konnte, über Bord zu gehen: Alex Ärger galt dem bislang unbekannten Crewmitglied, der ihr Schicksal durch diese Verzögerung vermutlich besiegelte. Er hatte gar nicht genug Zeit, um insgeheim doch zu hoffen, dass das Leben mehrerer über das des einzelnen gingen (natürlich hätte man ihn trotzdem nicht einfach zurücklassen können), da hörte er bereits Lucien, der seinen Namen über Deck rief. Darauf folgten Worte, mit denen er gerechnet hatte. Er hörte sie trotzdem nicht gern, wusste aber, dass es das einzig ach so moralisch richtige war, was sie tun konnten. Einen von ihnen aus dem Wasser fischen, bevor sie deshalb alle draufgingen. Er brummte, holte tief Luft und tat, wie geheißen.
 
„Aye!“, rief er zurück.
 
Indes lauschte er mit einem halben Ohr den weiteren Befehlen und den übrigen Rufen an Deck. Tarón schien an der Front zu stehen und übermittelte auch prompt, wen sie denn verloren hatten. Mehr als Schatten konnte Alex von seiner Position aus nicht im Nebel ausmachen. Er hörte Schritte, lauschte, blieb aber vorerst auf Position. Josiahs Stimme erkannte er zwischen den Schritten, die sich scheinbar an Tarón wandte, dann allerdings abbrach. Alex lauschte, hatte das nachgeladene Gewehr wieder geschultert, um sich das Elend nicht weiter ansehen zu müssen und behielt rein zur Sicherheit die Hand an einem der Ankerspills. Es war, als würde der Nebel mehr schlucken als bloß die Sicht. In seinem Nacken kribbelte es unangenehm. Dann, plötzlich, druchdrang Soulas Stimme aufgebracht die Dumpfheit dieser Welt. Alex hob überrascht den Blick, auch wenn er dadurch nicht mehr sah als vorher. Die Stimme kam von vorn und wenn er sich recht entsann, hatte Lucien nur einen von ihnen mit ihr dorthin geschickt. Im Normalfall hätte es ihn nicht groß interessiert, doch gerade in solch einer Ausnahmesituation wusste er gerne, wer wo eingesetzt war – um abschätzen zu können, wo man vielleicht besser ein Auge darauf hatte. Abermals fand sich ein unscheinbares Schmunzeln in seinen Mundwinkeln wieder – die Antwort auf Soulas recht klar gestellte Frage blieb allerdings aus oder war leise genug, dass er ihren Wortlaut nicht mehr richtig verstand. Schade, denn wenn sie damit jetzt etwas geweckt hatte, war es eindeutig Alex‘ vorwitzige und schadenfrohe Seite, die trotz all des Chaos um sie herum gerne den beschämten Blick von James gesehen hätte – ganz egal, was er angestellt hatte. Schritte wanderten über Deck, Soulas Stimme erklang erneut, dieses Mal allerdings näher als zuvor. Tarón antwortete und ließ den Lockenkopf noch ein wenig hellhöriger werden. James allerdings versuchte, jegliche Kommunikation im Keim zu ersticken – die patzige Wortwahl seiner Antwort allerdings sprach für Alex mehr als tausend Worte. Ob er mit seiner Annahme dabei richtig lag, war ihm im übrigen ziemlich egal – Es war das Naheliegenste, so wie sich die Landratte bisher gezeigt hatte. Er gluckste in sich hinein, auch wenn die Anspannung nicht von ihm abließ.
 
„Braucht ihr noch Hilfe?“, rief er zu der Gruppe auf Rettungsmission hinüber.
 
Seiner Stimme hörte man nichts von seiner Schadenfreude an. Allerdings musste er zugeben, dass seine Schadenfreude definitiv der wichtigere Grund für ihn, sich als Hilfe anzubieten.



{ Hauptmast | Tarón, Josiah, Soula, James | Ceallagh, Rúnar, Peregryne }


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