03.10.2023, 11:21
Für Cassy war es auch ein wenig verwunderlich, das die Männer ihr zuhörten. Mehr sogar noch, sie stimmten ihrem Plan ohne große Umschweife zu. Etwas, das nicht oft vorkam. Sie wirkte unscheinbar, schüchtern, wie ein kleiner Mauerblümchen und das sorgte leider viel zu häufig dafür das man sie nicht ernst nahm. Sie sei ja schließlich nur eine junge Frau und solle sich den Dingen fügen, die Männer bestimmten. Nein. DIes hatte für die junge Blondine noch nie gegolten. Nicht seitdem sie auf sich alleine gestellt war und an die Zeit davor konnte sie sich kaum erinnern. Dennoch war sie dankbar, dass die, eigentlich vollkommen Fremden ihr Gehör schenkten und ihr zustimmten. Es tat ihrem Selbstbewusstsein gut und durch diese Bestätigung fiel es ihr auch einfach dem Vorschlag zuzustimmen, sich von einem der Männer Rückendeckung geben zu lassen. Rückendeckung bedeutete, sie musste ihm vertrauen. Sie musste dem fremden Mann das vertrauen schenken, dass er im schlimmsten Fall nicht ihr eine Kugel in den Rücken jagte, sondern dem Feind. Doch so schwer wie Cassy sich normalerweise mit solchen Dingen tat, so einfach fiel es ihr in diesem Moment. Ob es daran lag, dass die Männer ihrem Plan folgen wollten, ob es daran lag, dass sie in gewisser Weise ihrer Menschenkenntnis vertraute, oder ob es an etwas ganz anderem lag, wusste die junge Frau nicht, aber am Ende spielte es auch keine Rolle. Sie hatten sich allesamt darauf geeinigt dem Jungen zu helfen seine Schwester zu finden und genau dafür waren sie hier. Nicht mehr, nicht weniger. Entsprechend nickte Cassy und ging dann mit dem Jungen voran.
Zuerst wirkte es nicht so, als würde hier jemand sein. Es wirkte nicht so, als wenn hier jemals jemand gewesen war und Cassy hatte für den Augenblick wirklich ein schlechtes Gefühl. Sie befürchtete, dass es sich doch um eine Falle handelte. Ein ruhiger, verlassener Ort, inzwischen von vielen Mausoleen und Gräbern, da bot sich ein Hinterhalt wirklich gut an. Ihr Herz schlug so schnell, dass die das Gefühl bekam, jeder würde es hören können. Doch das spielte keine Rolle. Umso weiter sie lief, umso nervöser wurde sie, doch es sollte sich als sinnvoll herausstellen, denn es dauerte nicht lange, bis sie an eine Stelle kamen, an welcher der Junge ihr deutlich, das er etwas gesehen hatte. Gerade noch war er den Tränen nah, traute sich kaum einen Schritt, ohne die Blondine voran zu gehen, rannte er plötzlich direkt auf das Mausoleum zu.
”Warte!”
Schrie Cassy ihm hinterher und rannte zu ihm, als er plötzlich ein Stofftier an sich drückte. Die junge Blondine sah sich um, achtete darauf, ob sie einen Hinweis auf die Bande erkennen konnte, die sie suchten und doch sah das nicht so aus. Sie drehte sich zu Rayon um und seufzte.
”Ich denke, sie sind weg. Vielleicht haben sie uns kommen hören.”
War das, was sie an Rayon gewandt sagte, bevor sie sich wieder dem Jungen zuwandte.
”Du kannst nicht einfach weglaufen! Was hättest du gemacht, wenn dich einer von ihnen erwischt hätte? Sie hätten dir ernsthaft weh tun können. Wenn wir dir helfen sollen, bleibst du ab sofort bei mir und rennst nicht einfach weg, verstanden?”
Sie schimpfte und doch erinnerte er sie sehr an sich selbst. Einsam. Verlassen. Hilflos. Er war doch noch ein Kind. Cassy, kniete sich zu dem Jungen und zog ihn kurz in ihre Arme.
”Alles wird gut. Wir finden deine Schwester.”
Flüsterte sie ihm zu und so mit einem ziemlich ratlosen Blick hoch zu Rayon und seufzte. Hoffentlich hatten die Männer einen Plan, oder zumindest einen sinnvollen Hinweis, der sie doch noch zu der Bande führen würde parat.
{ Per, Straßenjunge, Liam, Rayon | auf dem Friedhof }