02.09.2023, 12:07
Während er zum Teil verärgert, zum Teil panisch, in den Lauf des Gewehres seines offensichtlich nicht erschossenen Gegners schaute, gingen ihm einige der Sprüche durch den Kopf, die er im Laufe seines Lebens, aber vor allem in seiner Jugend zu hören bekommen hatte. ‚Hilf dir selbst, dann wacht die höhere Macht über dich und hilft dir.‘ Einer der Lieblingssprüche einer der ‚Schwestern‘ aus dem Waisenhaus, in dem er eine Weile gelebt hatte. Mit anderen Worten: ‚Mach deinen Scheiß alleine und stör die Erwachsenen gefälligst nicht.‘
Dann der Spruch des Mannes in seiner hübschen Marineuniform, der ihm und seinen Freunden alles wegnahm, was sie zum Überleben brauchten: ‚Wenn ihr mir euere Sachen gebt, zeigt ihr nur die Nächstenliebe, die ihr für eure Mitmenschen habt. Ich danke euch also.‘ Sein schäbiges Lachen klang auch heute noch manchmal in Ryms Ohren nach. Aber am lautesten hallte ein anderer Spruch durch seinen Kopf. Einer, der ihm schon so oft das Leben gerettet hatte. „Remi, wenn du mal in ‚ner richtigen Scheißsituation bist und dir keine Waffe der Welt mehr hilft und der Typ vor so richtig gefährlich wird: Dann kämpf dreckig.‘ Und genau das war es auch, was er tat.
Als sein Gegner kurz abgelenkt an ihm vorbei blickte, weil Alex und Josiah hinter ihrem Wagen herauskamen – nur Sekunden nachdem sein eigener Schuss so in die Hose gegangen war – warf Rym sich noch einige Schritte vor, trat dem Mann erst gegen das Schienbein, bevor er ein Knie anhob und es ihm dorthin rammte, an der man als Mann einfach nie getroffen werden wollte. Ein schmerzhafter Laut der Überraschung war seine Belohnung, aber an der Stelle hörte er nicht auf. Er schlug zum Abschluss noch einmal ins Gesicht des Mannes, hörte ein befriedigendes Knacken, duckte sich und rollte sich mit seiner kleinen Schönheit unter dem Wagen zu seiner linken durch. Vielleicht mochte es feige sein, dass er den Kampf nicht zu ende fürhte, aber er hing an seinem verfluchtem Leben. Er hatte noch etwas zu erledigen.
In der Sicherheit seines Wagens schaute er unter diesem hindurch zu dem Getümmel. Einer lag am Boden, wenn er die Masse richtig deutete, sein eigener Gegner krümmte sich noch, erholte sich aber langsam. Zwei andere Paar Füße waren in einem innigen Kampf verwickelt, der dann aber auch bald damit endete, dass nur noch einer stand und der andere am anderen Wagen lehnte. Kurz nachdem der letzte Schuss ertönte, fiel auch der letzte Mann um. Rym runzelte die Stirn. Sollte es das jetzt wirklich gewesen sein? Hatten sie es geschafft? Langsam erhob er sich und trat um sein Schutzschild herum. Offensichtlich hatte die letzten beiden Männer der Attentäter erledigt und sie waren für den Moment in Sicherheit.
„Kann mir jetzt jemand verraten, was zum Geier das eigentlich sollte? Mir wurde gesagt, niemand wüsste etwas von dem Transport.“ Er sah sich um und runzelte dann noch einmal die Stirn, als würde ihm etwas fehlen. „Wo ist eigentlich die Quasselstrippe, Lockenköpfchen? Hast du seine Leiche irgendwo entsorgt?“
[Lavendelfeld | Alex, Josiah, (Trevor) | ohne Gegner (endich)]