20.08.2023, 22:58
Skadi war versucht den Kopf herum zu drehen, kaum dass sich auch noch eine dritte Person ins Geschehen einmischte. Fuck, war das nicht dieser eitle Fatzke von neulich, der sich wegen jeder Frage persönlich auf den Schlips getreten gefühlt hatte. Und das obwohl er offensichtlich versucht hatte, irgendetwas am Mord in der Werft zu verschleiern. Gott. DER hatte ihr auch gerade noch gefehlt. Als würde Liam nicht ohnehin jegliche Konzentration auf sich ziehen, die sie erübrigen konnte. Was mischte der sich denn noch ein? War er auf Rache aus? Wollte er sie ans Messer liefern? Zuzutrauen wäre es ihm. Dass seine Position auf ihrer Seite allerdings keinen Sinn machte, kam ihr kaum in den Sinn, als Liam zu einem Angriff ansetzte und sie mit aufgerissenen Augen dabei zusehen musste, wie er zur Seite rauschte. Davon geschnipst wie eine Fliege. Augenblicklich tauchte sich die Welt in ein seltsames Licht. Skadi senkte den Kopf, ließ die Finger knacken und spürte die Hitze zu ihrer Brust hinauf zwirbeln. Kein gutes Zeichen, zumindest für den Fleischberg.
Und gerade als Alex nach ihr ausholte, die Finger in Richtung ihres Handgelenkes streckte, stemmte sie sich nach vorn und tauchte ruckartig unter dem rechten Arm ihres Angreifers hindurch. Nutzte das Ungleichgewicht seines Körpers, das Liams Angriff verursachte und drückte sich, die Fäuste voraus, mit vollem Körpergewicht in die Achselhöhle nach oben. Es knirschte. Laut. Der darauf folgende Aufschrei übertönte die Unruhen außerhalb des Ringes um ein Vielfaches. Keine Sekunde später hing der Arm, der gerade noch vor Wut nach ihr gegriffen hatte, schlaff wie ein totes Huhn am Körper hinab. Die Schulter wirkte wie aus ihm heraus gewachsen, schief und nicht dort, wo sie hingehörte. Keuchend ging Flint in die Knie, wirbelte Staub auf, der Skadi unangenehm in der Nase kitzelte, während sie, nun in seinem Rücken stehend, finster zu ihm hinab sah. Fast hätte sie ihm ins Kreuz getreten. Doch es gab wichtigeres zu tun. Spürte das perfide Lächeln in ihrem Mundwinkel zucken, als der Hüne das Bewusstsein verlor und rumsend zu Boden ging.
Gerade im rechten Moment, als das Bellen erneut durch die Massen zu ihnen hinüber schwappte und die Nordskov dazu zwang aufzusehen. An den beiden Lockenköpfen vorbei, die den nächsten Gegner zu Boden schickten. Für eine Sekunde verengten sich die dunklen Augen. Dann wandte sie sich halb herum, rannte auf Liam zu – Alex blendete sie noch immer aus, registrierte nicht einmal wirklich, dass die Zwei zusammengehörten – und legte ihre Hand auf dessen Unterarm.
“Wir müssen verschwinden. Luc hat für Ablenkung gesorgt.“
Als wäre es nicht eindeutig genug, nickte sie in Richtung der aufgescheuchten Menschenmenge. Intensivierte den Druck auf seinen Unterarm, ehe sie von ihm abließ und in Richtung Absperrung voraus eilte.