13.07.2023, 20:29
Riegan war wahrlich ein Meister darin, seine Macht zu demonstrieren, ob mit bloßen Blicken, seiner Körperhaltung oder der gespielten Selbstlosigkeit die Herrlichkeit seiner Schätze mit seinen Besuchern zu teilen. Ceallagh schmunzelte ob des Angebots, dass ihm der Ältere unterbreite. Mit ziemlicher Sicherheit würde er es sich nicht nehmen lassen, darin herum zu blättern - sobald Soula ihren Teil des Geschäfts besiegelte und bis auf seine Leibwächter, niemand ein Auge auf ihn hatte. Denn einer Sache war sich der Hayes mehr als sicher: dieses Spiel würde dafür sorgen, dass die Emotionen hochkochten. Es war vollkommen gleich ob aus Belustigung, weil Soula ihr Gesicht entgegen ihrer Einschätzung verlor, oder weil sich Riegan vor den Augen seiner protestierenden Männer die Blöße einer Niederlage gab. Insgeheim belustigte es ihn bereits jetzt schon, wie geschäftig sich die Umstehenden auf den Tisch und das Spiel stürzten. Bis auf ein oder zwei Leibwächter, die ihn und Lucien mit missbilligenden Blicken bedachten, verschwanden sie gänzlich im Hintergrund. Und so wie die Verhandlungen bisher gelaufen waren, war das die beste Gelegenheit den Geizhals um ein paar seiner Schätze zu bringen. Denn sollte sich Ceallaghs erster Eindruck bewahrheiten, beglich Riegan seine Schulden nicht. Egal ob sie auf ehrliche Weise dieses Spiel gewannen oder nicht. Er hatte nicht vor, ihnen auch nur ein Stück weit entgegen zu kommen. Womöglich duldete er sie für ein paar Wochen, bis sich herumsprach, dass sie gutes Geld mit ihrer Schmuggelei verdienten. Und spätestens dann verlangte er nach mehr, als er bereit war zu geben. Ihres Schutzes wegen. Wegezoll, der es ihnen ermöglichte ihrem Geschäft nachzugehen ohne dass etwas Unvorhergesehenes passierte. Ceallagh schnalzte bei Luciens Worten mit der Zunge. Hatte bereits eines der goldenen Bücher in der Hand, die ihm so schmackhaft angepriesen worden waren. Riegan war bereits mit dem Spieltisch verschmolzen, ohne ihnen gänzlich den Rücken zuzukehren. Er mochte vielleicht entspannt und freundschaftlich wirken, doch war das genauso Fassade, wie seine eigene Höflichkeit. Mehr Schein als Sein.
“Glaubst du wirklich, dass das noch eine Rolle spielt?“, raunte er seinem Freund über die Buchseiten zu, die leise flatternd durch seine Finger glitten. Bemerkenswert wie gut erhalten dieses Exemplar war. Wie viel es den Geizhals wohl gekostet haben musste, es aus der Bibliothek zu entwenden? Wenn man ihn fragte, war es bestimmt aus dem Besitz eines reichen Edelmannes, mit dem er gute Geschäfte hegte. So gute Geschäfte, dass sie sich zweimal überlegen sollten, mit wem sie es sich verscherzten. Das war natürlich keine Drohung. Lediglich ein gut gemeinter Hinweis. Man achtete ja auf seine Kollegen. Ts. Wer’s glaubte.
“Aber solange sie entspannt bleibt und nen kühlen Kopf bewahrt… sehe ich kein Problem.“
Bis sie Riegan in Grund und Boden spielte. Spätestens dann sollten sie vielleicht einen guten Fluchtplan parat haben, der nicht darin gipfelte, dass sie über die Dächer davon hechten und sich im schlimmsten Fall das Genick brechen würden. Ceallagh hatte vor an einem weitaus edleren Tod zu sterben. Neben einer hübschen Frau zum Beispiel. Oder an Altersschwäche.
[Ostya - nördliches Hafenviertel | Riegans Büro | Lucian, Soula und Cole]