02.05.2023, 16:31
Innerhalb eines Wimpernschlags hatte sich die Stimmung in dem kleinen Innenhof beträchtlich gewandelt. Jede einzelne der vier Gestalten – von Calwah abgesehen – verharrte in angespanntem Schweigen und als die Schritte immer näher kamen und aller Augen sich auf die Ecke richteten, an der Isala stand, wanderte Beiros‘ Hand einem Instinkt folgend an seine Hüfte, als trüge er dort noch immer eine Waffe. Doch der Platz war leer, der Impuls entstammte einem anderen, einem älteren Leben. Unverrichteter Dinge ließ er die Hand sinken und erinnerte sich daran, dass er nun ein anderer war.
Keinen Herzschlag später erschien die Gestalt, deren Schritte sie vernommen hatten, auch schon am Eingang des Innenhofs und ließ die Anspannung in seinen Gliedern einen ohnmächtigen Zenit erreichen. Er hielt den Atem an und sein Blick huschte für einen Sekundenbruchteil zu Rúnar hinüber, der die Echse in einem unbeobachteten Augenblick unter seinen Mantel hatte verschwinden lassen. Gut so.
Beiros stieß die Luft aus und als er wieder einatmete, trug ihm der laue Wind, der durch die Gassen strich, den bitteren Geruch von Alkohol und Urin an die Nase. So penetrant, dass er ihm unter die Haut ging. Er unterdrückte den kleinen Schauder jedoch, der seine Muskeln zu schütteln gedachte und musterte die Gestalt an der Ecke umso wachsamer.
Ihr Geruch war nicht das einzige Auffällige an ihr. Sie war beeindruckend hoch gewachsen und – was sie alle einen Moment später feststellen durften – eine Frau. Eine Frau mit dunkler Haut, schlohweißem Haar und einem so markanten Akzent, dass selbst der reisende Barde Mühe hatte, sie sofort zu verstehen. Dann jedoch horchte er auf. Rote Segel?
Nicht, dass er damit wusste, wovon sie sprach, oder dass es ihn beträfe – ganz im Gegensatz zu seinen drei Freunden, wie ihm ihre Blicke verrieten. Doch es war auch nicht gänzlich ohne Bedeutung für ihn. Wenn auch aus einem anderen Grund, als man vermuten würde. Und eben dieser Grund entlockte Beiros ein beinahe wehmütiges Lächeln, das flüchtig an seinen Mundwinkeln zupfte.
Nun, dies war wohl der Augenblick, in dem er die Bühne verlassen musste. Nur eines... eines sollte er noch erledigen. Also wandte er sich mit ernstem Blick erneut an den bärtigen Echsenbesitzer, bevor die kleine Gruppe entschied, was sie als nächstes tun würde.
„Tarón...“