21.12.2022, 16:25
Jetzt, wo sie stehen geblieben waren – lange noch nicht weit genug weg, wie sie es gerne hätte – fiel ihr auf, wie viel Glück sie hatte, dass Shanaya einfach widerspruchslos mitgekommen war. Ein wenig hatte die Blonde befürchtet, dass das Mädchen den Mann ebenfalls außer Gefecht setzen würde, damit sie sich weiter in dem Laden umsehen konnte. Oder damit sie überhaupt wieder kommen konnte. Genau aus diesem Grund hatte sie sich die Spitze ja auch nicht verkneifen können.
Ein kleines Lächeln spielte um Talins Lippen herum, aber gänzlich entspannen konnte sie sich nicht. Sie befanden sich am äußersten Rand des Marktes, nachdem sie den Kartenladen durch einige kleine Gässchen hinter sich gelassen hatten. Obwohl sich hier schon viele Menschen aufhielten, gefiel es ihr nicht. Sie fühlte sich, als könnte der untersetzte Mann auf einmal auftauchen und sie mit seiner schrillen Stimme als Diebe bezeichnen. Was sie im Großen und Ganzen ja auch waren, aber was es dennoch nicht schöner machte, wenn er es so hinausposaunte. Deshalb konnte sie Shanaya nur aus vollem Herzen zustimmen, als diese sich einverstanden erklärte, einen Umweg zurück zum Schiff zu nehmen.
Die Blonde entspannte sich etwas, lockerte ihre verkrampften Schultern und legte einen etwas zügigeren Gang in Richtung der Menschenmenge ein, behielt dabei um Auge, ob die Dunkelhaarige ihr auch folgte. Als diese neben ihr lief, erschien das Lächeln auf ihren Lippen weit ehrlicher, als gerade eben noch.
„Es freut mich, dass du wenigstens etwas gefunden hast. Und ich bin froh, dass du es mitnehmen konntest. Wer weiß, was ich jetzt hätte tun müssen, um dich aus diesem Laden zu ziehen – ohne die Karten – nur damit wir entkommen können.“
Sie bemerkte, wie sich der Platz langsam füllte, Zelte und Stände ihren Weg säumten und sie neben den Körpern von anderen Passanten und vereinzelt Dung, auch die Gerüche von Speisen und Getränken, Seifen und Düften wahrnehmen konnten.
„Es tut mir leid, dass wir nicht zurückgehen können. Ich war der festen Überzeugung, sie wäre allein. Oder zumindest ihr Lakai ganz weit weg, damit wir verschwinden können, bevor er wieder kommt. Da schein ich mich ganz schön verrechnet zu haben. Aber vielleicht hast du ja Glück und es gibt noch einen anderen Laden hier, in dem du Karten kaufen kannst. Oder bist du jetzt pleite?“
Während sie über ihre Schulter schielte, glitt ihr Blick auch noch einmal über Shanaya und die Kartenrolle, die sie so beschützend hielt. Nun, vielleicht war es den ganzen Stress ja doch wert gewesen. Und vielleicht verfolgte sie der Lakai auch nicht. Oder der merkwürdige Schatten, dem sie vorhin gerade so entkommen waren.
[auf dem Weg zur Mitte des Marktes | mit Shanaya]