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Kapitel 9 - Der Ruf der Königin
Crewmitglied der Sphinx
für 0 Gold gesucht
dabei seit Nov 2015
Während sich der Junge unwillig erhob und Richtung Treppe davon stapfte, warf Lucien dem blonden Hünen neben sich einen Seitenblick zu, den zunächst ein fragender Ausdruck und gleich darauf ein flüchtiges Schmunzeln begleitete. Ob er Ceallaghs Worte richtig deutete, wusste Lucien in diesem Momen nicht, doch er fühlte sich unwillkürlich an seine eigene Kindheit erinnert. An einen Jungen unter dem harschen Befehl des eigenen Vaters, der sich wenig um die Befindlichkeiten seines Sohnes scherte und auch den Rest seiner Mannschaft mit eiserner Hand führte. Der 21-Jährige konnte sich an keinen Tag seines Lebens auf Kelekuna erinnern, an dem der Ton ihm gegenüber nicht ähnlich kalt und rau gewesen war.
Und doch schürte die Erinnerung daran kein Mitleid in ihm. Denn dieser Junge war er schon lange nicht mehr – und er wäre nicht der, der er jetzt war, wäre es ihm damals anders ergangen. Gedankenverloren kehrte sein Blick zu dem Kind zurück, das schließlich durch die Tür am oberen Ende der Treppe verschwand und wieder bannte das, was auch immer sich dahinter befand, mit unvergleichlicher Macht seine Aufmerksamkeit. Für wenige Momente schlug sein Herz schneller, trieb das Blut begierig durch seine Adern und Ungeduld bemächtige sich seiner, die er nur mit Mühe nieder kämpfen konnte.
Mit einem sachten Kopfschütteln wandte er sich ab, hatte derweil nicht einmal den Blick bemerkt, mit dem der Türsteher Soula musterte, geschweige denn die Worte mitbekommen, die den Piraten insgesamt gegolten hatten. Lediglich Ceallaghs leise Bemerkung dicht neben ihm drang zu dem jungen Captain durch und entlockte ihm ein weiteres Schmunzeln. Dieses Mal sichtlich amüsiert, wenn auch leicht haifischartig.

Sei dir seiner lieber nicht zu sicher. Er würde ohne zu zögern die Seiten wechseln, wenn Riegan ihm nur mehr Geld bietet, als wir es tun.

Was, nebenbei bemerkt, nicht sonderlich viel war. Dass Zairym loyal zur Mannschaft stand, hatte wahrscheinlich mehr mit dem verlockenden Gefühl von persönlicher Freiheit zu tun, als mit lukrativer Beute. Und niemand wusste, wie lange dieses Gefühl für den Söldner seinen Reiz behielt.

Es dauerte keine drei Minuten, bis der blonde Junge wieder auf der Treppe erschien und mit deutlich beschwingteren Schritten als zuvor nun auf die Piraten zuhielt. Der junge Captain verschwendete allerdings keinen weiteren Gedanken an ihn, sondern kreuzte nur für einen Sekundenbruchteil Ceallaghs Blick, bevor er bestätigend nickte und dem Kind folgte. Zumindest die erste Hürde war damit geschafft. Der Kontaktmann des Hayes, den er aus den Untiefen seines eingestaubten Netzwerks hatte ausgraben können, hatte es tatsächlich fertig gebracht, ein Treffen zu arrangieren. Der Rest oblag nun ihnen dreien.
Sie betraten die Treppe, passierten die ersten Wachen, ohne, dass sich ihnen jemand in den Weg stellte. Lucien musterte sie nur kurz, flüchtig, aus den Augenwinkeln, ehe sein Blick zu Soula hinüber wanderte und seine zielgerichtete Aufmerksamkeit damit überspielte.

Nicht nur das“, erwiderte er mit einem sachten Lächeln, bevor er fortfuhr: „Wenn wir es geschickt anstellen, eröffnet sich uns hier auch der Zugang zu einem wirklich gewinnbringenden Geschäftszweig.“ Einen kurzen Moment lang zögerte er, wartete, bis sie sich weit genug von den Wachmännern entfernt hatten und senkte dann die Stimme. „Ich habe eine Bitte an dich. Sollte Riegan dich zu einem kleinen Spiel auffordern, steig drauf ein. Ich habe so das Gefühl, er wird deutlich zugänglicher, wenn du es schaffst, ihn zu beeindrucken.

Nur einen Moment später passierten sie die Tür am oberen Ende der Treppe und folgten dem kurzen Flur, der sie zu Claude Riegans persönlichem ‚Thronsaal‘ führte. Und nicht anders ließ sich der Raum beschreiben, den sie daraufhin betraten. Wenn Ceallagh der subtile Reichtum bereits in der unteren Etage aufgefallen war, dann war er jetzt kaum noch zu übersehen. Holzvertäfelte Wände, goldgerahmte Gemälde an den Wänden, glänzende Tische aus raízuner Edelholz – und nicht zu übersehen: Die lange Kommode, die die gesamte Wand hinter Riegans Schreibtisch einnahm und stolz eine beeindruckende Anzahl verschiedenster Kostbarkeiten zur Schau stellte.
Das erste, was Lucien dabei ins Auge stach, war ein etwa unterarmgroßes goldenes Ei mit sanft geschuppter Oberfläche, das ihn unweigerlich an Calwahs Echsenhaut denken ließ. Und von einem Moment auf den nächsten flammte in ihm der Wunsch auf, dieses Ei genauer in Augenschein zu nehmen. Nur ein bisschen näher heran. Nur einen kurzen Blick riskieren. Doch er zwang sich, seine Aufmerksamkeit weiterwandern zu lassen.
Unmittelbar neben dem Ei reihte sich ein Artefakt an das nächste und die Palette reichte von einer juwelenbesetzten Krone über eine Reihe archaisch geformter Statuen bis hin zu einem Stapel in roten Samt gehüllter Bücher mit glänzendem Goldschnitt, deren Titel mit ebenfalls goldener Prägung in den Rücken gestanzt worden war. Allerdings ließ sich auf die Entfernung nicht erkennen, was dort stand, zumal sich immer wieder die massige Gestalt eines Leibwächters direkt davor schob, der unmittelbar hinter dem Schreibtisch seines Bosses Stellung bezogen hatte. Zwei Wächter vor der Tür, einer im Raum. Zusätzlich saßen an zwei der vier Tische fünf wohlhabend gekleidete Männer und taten so, als interessierten sie sich für nichts anderes, als ihr Spiel, während sie angestrengt dem kommenden Gespräch lauschten.
In diesem Moment erhob sich Riegan von seinem Stuhl und breitete mit dem Lächeln eines Geschäftsmannes die Arme zur Begrüßung aus.

Meine Herren – meine Dame“, an dieser Stelle verneigte er sich dezent vor Soula und schenkte ihr einen Blick, der zumindest den Bruchteil einer Sekunde zu lange dauerte, um von anständigen Absichten zu künden. Dann wandte er sich wieder an die Gruppe insgesamt. „Nun, ein – wie mir scheint – gemeinsamer Freund hat mir berichtet, dass Sie ein Angebot für mich haben und ich gestehe, ich bin recht neugierig. Aber darf ich Ihnen zunächst etwas zu trinken anbieten, bevor wir uns den Geschäften widmen? Ich würde mich freuen, Sie zunächst ein bisschen kennenzulernen. Wie wäre es mit einem Glas Wein?

Wie selbstverständlich davon ausgehend, dass seine Gäste ihm zustimmen würden, richtete er den Blick auf Cole und nickte auf die gegenüber liegende Seite des Raumes zum Kamin. „Würdest du uns vier Gläser aus der Vitrine dort drüben holen, mein junger Freund?

[Ostya - nördliches Hafenviertel | zunächst im Schankraum, dann in Riegans Salon | mit Soula, Ceallagh und Cole]
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