30.09.2022, 22:32
Ein wenig überrascht hörte sie Luciens Antwort, die er ihr noch gab, nachdem Ceallagh sich ein wenig von ihnen entfernt hatte. Die Entspannung, die Lucien mitbrachte, fiel ihr erst jetzt so richtig auf, als er ihr kurz gegenüberstand. Am gestrigen Tag hatte sie ihm auch vertraut und es ging gut. Würde das heute auch funktionieren? Einige Dinge an diesem Abend waren anders und deswegen war sie sich nicht sicher. Ihre Sorgen und negativen Gedanken, schob sie letztendlich weg und folgte der Geste des Captains, um in den Schankraum zu treten. Es war diesig und sie brauchte ein paar Augenblicke, um sich besser umsehen zu können. Nachdem sie abwartete, in welche Richtung es weiter ging, schien Lucien seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken. Soula folgte seinem Blick zur Treppe. Wenn sie erwartet wurden, dann bestimmt in irgendeinem der Räume abseits der großen Masse. Der Kerl, bei dem sie sich angemeldet hatten, schickte gerade einen kleinen Jungen nach oben. Also war Soulas Vermutung ganz richtig. Worauf hatte sie sich hier eingelassen? Möchtegern-Ganoven… traf auf Soula definitiv zu! Denn ein bisschen hatte sie das Gefühl, dass sie hier nicht sein wollte und auch nicht hingehörte. Dem Blick, der ihr dann zugeworfen wurde, schenkte sie keine Beachtung. Sollte der Kerl doch denken was er wollte und würde er nicht nur denken, sondern handeln, würde er wissen, was er davon hatte. Natürlich war sich Soula nicht sicher, dass sie gegen ihn ankommen würde. Allerdings würde sie alles versuchen und würde sie nicht dran glauben, dann konnte sie es direkt vergessen. Deswegen versuchte sie sich hier Selbstsicherheit einzureden.
Die Veniel hüllte sich immer noch weitestgehend in Schweigen. Hatte den beiden Herren wenig zu sagen und wollte hier an Ort und Stelle auch nicht die Fragen stellen, die ihr durch den Kopf gingen, seit sie hier angekommen waren. Alle Charakterzüge der Crew hatte Soula noch nicht parat. Mit manchen hatte sie bisher mehr zu tun gehabt, mit anderen weniger und Zairym war einer derer, mit denen sie eher weniger zu tun hatte. Deswegen fiel es ihr schwer Ceallaghs Worte für sich zu deuten. Warum hätte er ihn gerne dabei? Vielleicht gab es die Möglichkeit diese Frage später noch zu stellen. Hier in der Taverne fühlte sie sich irgendwie zu sehr beobachtet, was nicht verwunderlich war. Sicher war es nicht nur der unfreundliche Kerl gewesen, der Soula einen Blick zugeworfen hatte. Sie fühlte sich nicht unbedingt fehl am Platz und war gespannt, was auf sie zukommen würde und um welche Art von Geschäfte es sich hier handelte. Kurz zupfte sie, wie nebenbei und als wäre es etwas ganz Normales, an ihrem Rock herum, um ihre Nervosität, die durch eine gewisse Erkenntnis ein bisschen nach oben geschwappt war, zu unterdrücken und wieder in den Griff zu kriegen. Nervosität konnte sie gerade nicht brauchen!
Schon von weitem sah sie zu, wie der Junge zurückkam, als hätte er die beste Laune. Nachdem er so angefahren wurde, wunderte Soula das ein bisschen. Aber wer wusste schon, was ihn da oben erwartet hatte. Vielleicht eine extra Portion Münzen für ihn? Wenn Soula ehrlich war, würde sie dazu auch nicht nein sagen. Allerdings erhoffte sie sich von diesem Treffen sogar ein bisschen mehr. Egal, um wen es sich dabei handelte. Abwartend lag ihr Blick auf dem Jungen, der Soulas Aufmerksamkeit ziemlich schnell erlangt hatte.
„Dieses Mal lernen wir also die untiefen dieser Taverne kennen?“ - Sie hoffte, dass die beiden wussten, was sie taten, denn Soula wusste es nicht.
Der Junge wartete gar nicht länger, als er seine Anweisungen losgeworden war und auch Soula zögerte nicht sehr lange. Sie war viel zu neugierig, um noch länger hier rumstehen zu können. Außerdem konnte sie es nicht bleiben lassen, sich unzählige Gedanken zu machen, was passieren könnte, wenn… Irgendetwas musste jetzt also auf alle Fälle passieren. Ihre Schuhe hallten auf der Treppe wider, während ihr Rock in Wallungen geriet. Was war es? Was erwartete sie hier oben?