26.05.2022, 22:46
Er hatte nicht nur irgendetwas mit Kaffee bezahlt – so absurd es auch klang. In einer Welt wie dieser war Gold nicht immer die beste Währung. Erst Recht nicht für einen Schmuggler. Man handelte mit seltenen Waren. Gütern, nach denen sich alle Welt die Finger leckte. Oder in ihrem Fall es sich süß auf der Zunge zergehen ließ. Was Lucien über Talin zu sagen hatte, entlockte Ceallagh ein amüsiertes Schmunzeln – die Erinnerung an ihren halben Ausbruch vor einigen Wochen, war ihm deutlich im Gedächtnis geblieben. Doch weniger ihrer Rage wegen, die ehrlich gesagt nicht sonderlich nennenswert war, sondern den liebevollen Spitzfindigkeiten und den Blicken, die sie ihm noch immer zuwarf.
“Ich nehm dich beim Wort mein Bester.“, fügte er demnach halb lachend hinzu und verstaute die langen Finger in den Taschen seiner dunklen Leinenhose. Beobachtete das kleine Zwiegespräch zwischen Soula und Lucien, ohne sich daran zu beteiligen und mehr als ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen zu tragen. Er war nicht unbedingt guter Dinge. Wartete vielmehr darauf, dass das Chaos ausbrach und sein Kopf dann so richtig auf Hochtouren lief. Angespornt vom Nervenkitzel. Der Gefahr, derer er sich und in gewisser Weise auch der jungen Frau neben sich aussetze. Es blieb abzuwarten, was passierte. Und besser er war auf alles gefasst, denn nichts.
Soulas siegessichere Antwort entlockte ihm augenblicklich ein breites Grinsen. Gut so, dass sie sich ihres Talents sicher genug war. Das machte die Herrschaften am Tisch rasend vor Wut – wenn sie nicht nur gegen ein Weibsbild verloren, sondern sich eben jenes auch mit einem Lächeln auf den Lippen daran erfreute. Selbstsicherheit – etwas das nicht nur attraktiv sondern auch Nerv tötend sein konnte.
“Alles klar?“ Ceallaghs blonder Haarschopf hatte sich zu Lucien herum gewandt – bemerkend, dass dieser knapp an der Hauswand vorbeigelaufen war und den Blick aufmerksam zurück gewandt hatte. Eine Augenbraue erhoben, musterte er seinen Freund aus Kindheitstagen. Legte den Kopf schief und verlangsamte seinen Schritt. Glaubte Lucien, dass sie beobachtet wurden? Er selbst hatte seit ein paar Tagen das Gefühl, dass hier und da Augen auf ihn gerichtet waren. Doch hatte er dem ganzen keine sonderliche Beachtung geschenkt – es gehört für ihn mittlerweile zum Alltag.
“Vielleicht sollten wir uns etwas beeilen… ist ohnehin nicht mehr weit.“ Ein nickte folgte die Straße hinab. Irgendwo am Ende, kurz vor der nächsten Kreuzung sollte die Taverne sein. Mit einem prunkvollen Schild über dem Eingang, das für Gäste edel und stilvoll aussah, den Einheimischen jedoch Gänsehaut über Nacken und Arme jagte.
[Ostya - nördliches Hafenviertel | nicht weit von der Kneipe entfernt | mit Soula und Lucien]