19.05.2022, 09:10
Die Blicke die sie ernteten, entgingen ihr keineswegs. Aber die junge Frau interessierte sich nicht dafür. Es war ihr ziemlich gleichgültig geworden was andere von ihr dachten und wie Situationen für Außenstehende auszusehen schienen.Viel wichtiger war es doch, das sie sich selbst nicht Unwohl fühlte und mit dem, was ihr gerade geschah, zurecht kam. Mit dem jungen Mann und seiner Katze kam sie ziemlich gut zurecht. Zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt. Denn Cassy war durchaus vorsichtig was solche Begegnungen anging, wobei sie bei dem Mann der ihr gegenüber stand nicht das Gefühl hatte, dass er das Tier nur vorgeschickt hatte um ein Gespräch aufzubauen. Nein, er war auch nicht alleine hier, seine Begleiter beobachteten sie nicht dauerhaft und so war es Cassys Meinung nach genau das wonach es zu sein schien : Ein junger Mann, der seinen tierischen Begleiter wieder einfing. Nicht mehr und nicht weniger.
Cassy Blick lag noch einen Moment länger als notwendig auf dem durchaus elegant wirkenden Wesen, als der Mann vor ihr erklärte, das es ihr nicht um das Brot gegangen war. Natürlich war es das nicht. Wieso sollte man sich mit dem zufrieden geben, wenn auf dem Teller ebenso Fleisch zu finden war? Auch wenn sie durchaus hin und wieder ein frisches Brot, einem guten Stück Fleisch vorzog, verstand sie den tierischen Gedanken. Sie nickte und als sich die Katze um den Hals ihres Besitzers förmlich zu wickeln schien, sah sie in das Gesicht des Fremden.
”Natürlich war sie auf etwas anderes aus. Darauf hätte ich auch von selber kommen können.”
Waren schließlich die einzigen Worte, welche sie ihm daraufhin entgegnete. Sein Blick wanderte von der Katze zurück zu ihr und nun wurde sie aus vier Augen und gerade der eindringliche Blick der Katze hatte etwas, das Cassy so noch nicht gesehen hatte. Es wirkte auf sie fast so, als würde sie genau darauf achten was Cassy tat um gegebenenfalls einzugreifen. Ob der Grund hierfür das Essen, oder aber die Sicherheit des Mannes war, das wusste sie nicht. Bevor Cassy dem gedanken jedoch mehr Aufmerksamkeit hätte schenken können, war er es, der sie für ihren Auftritt lobte. Cassy, deren Blick immer noch auf ihm lag, erwiderte sein aufrichtiges Lächeln.
”Vielen Dank. Das höre ich sehr gerne, was wäre schon ein Musiker, dessen Musik niemand hören mag?”
Auch wenn es wie eine Frage wirkte, so war es mehr eine Aussage. Ihre Meinung. Denn obwohl sie die Musik durchaus für sich selbst machte, dafür um bestimmte Gedanken zu vergessen und bestimmte Situationen besser zu verarbeiten, so war ihr Ansporn doch jener, das es den Menschen gefiel. Ihre Musik vermittelte Leichtigkeit, das wusste sie. Ebenso wusste sie, das andere dadurch genauso die Zeit vergessen konnten und abgesehen davon, das sie ihr Geld damit verdiente, war es ein gutes Gefühl zu wissen, den Menschen etwas Leichtigkeit mit in den Tag geben zu können. Immerhin war das Leben so schon schwer genug.
Den Blick, den der junge Mann auf ihre Leier warf, den bekam die Blondine nicht direkt mit, erst als er sie darauf ansprach. Sie drehte sich kurz um, sah zu der Leier und dann wieder zu dem jungen Mann.
”Ja, sie gefällt mir auch sehr. Ich spiele schon seit acht Jahren. Eigene Sachen mache ich seit sechs. Diese Leier hier habe ich allerdings erst vor zwei Jahren erworben. Sie hat einen wesentlich sanfteren Klang als es bei den älteren Modellen der Fall ist.”
Das sie vermutlich zu viel sagte was den Mann nicht einmal interessierte, war ihr egal. Er hatte gefragt, hatte die Leier angesprochen und dann musste er auch damit Leben das sie ein wenig ausholte. Sicherlich hätte Cassy noch viel mehr dazu sagen können, aber sie wusste das den meisten Menschen solche Dinge ziemlich gleichgültig waren. Eigentlich war es sogar eher selten, das sie jemand darauf ansprach. Genauso wie sie es wichtig fand die Menschen, mit denen sie kommunizierte, anzusehen. Deshalb lag ihr Blick weiterhin auf seinem.
Kennst du dich mit Musik aus? Oder hast du einfach so gefragt?”
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