21.04.2022, 12:52
„Du siehst f a b u l ö s aus“, sagte Trevor und rückte die Blümchenkrone auf Josiahs Kopf zurecht. „Passt zu … dem da.“
Er fuchtelte vor dem herum, was man als Josiahs Lächeln bezeichnen konnte. Vielleicht war das auch das Gesicht, das er machte, wenn er Mordpläne schmiedete, das war bei einem Auftragsmörder immer schwer zu sagen. Das Violett der Lavendelblüten komplementierte es jedenfalls ganz hervorragend. Apropos – er brauchte mehr von denen!
„Rühr dich nicht vom Fleck.“
Er hob warnend einen Finger – teils damit Josiahs Krone nicht verrutsche und teils damit er, Trevor, von seiner wackligen halb-drauf-halb-drunter Position auf dem Kutschbock springen konnte, bevor ein Armbrustbolzen seine Stirn verzierte.
Da es drei Wagen, aber vier Piraten gab, hatte Trevor, selbstlos und aufopfernd wie er war, es auf sich genommen, nebenher zu laufen. Oder vorneweg. Oder hinterher oder im Slalom um die Wagen herum oder oben drüber oder unten drunter – man wusste ja nie, wo sich potenzielle Angreifer versteckt hielten. Einzig von den Pferden hielt er respektvollen Abstand.
Josiahs Wagen bildete die Nachhut, deshalb lief Trevor diesmal ein Stück voraus, damit die Wagenkolonne an ihm vorbeiziehen konnte statt andersherum. Ganz der gewissenhafte Teilzeit-Söldner, lies er seinen Blick über die Umgebung schweifen auf der Suche nach irgendetwas oder irgendjemanden, der nicht hier hergehörte – er sah aber nichts, also hüpfte vom Weg, um Blümchen zu pflücken.
Es gab ja ganze Felder davon, da würde es doch nicht auffallen, wenn ein, zwei, drei … Hände voll fehlten, oder? Eine einzelne Pflanze bekam einen besonders dekorativen Platz in einem der Löcher in seinem Hemd, noch mehr wanderten in seine Hosentaschen – für Greg. Trevor wusste zwar nicht, ob die irgendeinen medizinischen Wert hatten, aber hey, sie rochen gut. Das konnte man nicht mal von der Hälfte der Tinkturen behaupten, die sein Bruder sonst so zusammenmischte.
Inzwischen war der erste Wagen an ihm vorbei und Trevor hatte die Chance verpasst, Alex Grimassen zu schneiden. Josiah plottete vermutlich immer noch seinen Vergeltungsakt. Also machte Trevor sich auf zum zweiten Wagen, um zu schauen, wie viele Blümchen er (noch) in Zairyms Gewehr schmuggeln konnte, bevor es ihm auffiel.
„Hey Rym.“
Er schwang sich auf den Rand des Wagens – ein gerade zu graziöser Balanceakt, bei dem er seine Beine geschickt vor den Rädern in Sicherheit brachte, ohne auf die Fracht hinter ihm zu kippen. Er räusperte sich, schenkte dem Kutscher ein Lächeln und setzte an Zairym gewandt seinen ernstl– ernstete– ernstesten? wie auch immer, seinen „Das hier ist ein Geschäftsausflug und ich bin absolut konzentriert und bei der Sache“-Gesichtsausdruck auf.
„Was transportieren wir eigentlich?“
Und schon langte er nach dem Segeltuch, das die Ware bedeckte.
[Wagenkolonne | letzter Wagen bei Josiah – Straßenrand – zweiter Wagen bei Rym]