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They come for You, they come for Me
Crewmitglied der Sphinx
für 60 Gold gesucht
dabei seit Nov 2015
#3
„Oder irgendetwas anderes, das für den gleichen Zweck taugt“, ergänzte der Dunkelhaarige mit einem frechen Schmunzeln und sanftem Schalk in den grünen Augen, ehe er sich genau wie Shanaya der Tür zuwandte. Leise und nun wieder auf ihre Aufgabe konzentriert näherte er sich ebenfalls dem Durchgang, bezog auf der anderen Seite des Rahmens Stellung und bedeutete der Schwarzhaarigen mit einem Nicken, die Tür ein Stückchen weiter zu öffnen, damit er einen Blick dahinter werfen konnte. Als sich das Holz mit einem leisen Quietschen nach innen bewegte, offenbarte es einen schmalen Durchgang, der sich nach knapp zwei Schritten zu einem größeren Innenhof öffnete. Mehrere Balkone säumten die Hauswände, dazwischen waren Wäscheleinen gespannt. Eine Treppe auf der rechten Seite führte hinauf auf die Galerie, über die man wohl auch in die Wohnräume gelangte. Der Innenhof selbst war leer, die meisten Fenster dunkel. „Lass uns nachsehen, ob wir von einem der Balkone aufs Dach kommen. Sonst bleibt uns nichts anderes übrig, als in eins der Häuser einzusteigen und die Luke zum Dachboden zu suchen.“ Automatisch senkte Lucien die Stimme, bis nur noch Shanaya ihn würde hören können, während sein Blick wachsam über die Fenster im ersten Stock huschte.

Shanaya hob nur kurz den Blick, als Lucien an die andere Seite der Tür trat, richtete die blauen Augen kurz auf ihn. Sein Nicken war unmissverständlich, sodass die junge Frau die Tür ein wenig aufschob, selbst versuchte, irgendetwas zu erkennen. Ihre Augen suchten nach Bewegungen, nach Silhouetten. Aber alles schien still, zumindest vorerst. „Darin sind wir doch auch schon Experten.“ Ein amüsiertes Grinsen galt dem Dunkelhaarigen, ehe sich die junge Frau wieder dem Hof zuwandte und die Tür noch ein Stück weiter aufschob, damit sie beide hindurch passten. Einen Moment hielt Shanaya noch inne, blickte sich aufmerksam um. Gerade wollte sie sich in Bewegung setzen, als sie laute, eilende Schritte vernahm. Sofort trat sie einen halben Meter zurück, konnte jedoch nicht orten, woher das Geräusch gekommen war. Kurz nachdem die Schritte verklungen waren, herrschte wieder Totenstille, die Shanaya mit einem Zucken ihrer Schultern in Luciens Richtung kommentierte. „Sehen wir das als Prüfung, wie gut wir ohne viele Worte zusammen arbeiten können.“ Ihre Stimme war nur ein leises Hauchen, womit sie auf keinen Fall Hall auslösen konnte. Damit setzte sie sich wieder langsam in Bewegung, dabei stets darauf bedacht, ihre Umgebung im Blick zu behalten.

Lucien schmunzelte flüchtig in sich hinein. Stimmt. Im Improvisieren waren sie mittlerweile Experten. Unabhängig davon, worum genau es ging. Doch der Dunkelhaarige antwortete nicht mehr, sondern löste den Blick von Shanaya und wandte sich dem Durchgang zu. Dem Bild, das sich ihnen dahinter eröffnete. Beide lauschten sie in die Stille hinein und beinahe zeitgleich setzten sie dazu an, in den Hof hinter der Tür zu schlüpfen, als die eiligen Schritte sie zurück in die Schatten weichen ließen. Lucien lehnte sich gegen die Hauswand außer Sicht, lauschte gebannt. Die Geräusche schienen von oben zu kommen, doch sicher war er sich dabei nicht. Die Gebäude warfen den Schall so unberechenbar zurück, dass er von überall hätte kommen können. Auch ihre Schritte würde man hundertfach verstärkt wahrnehmen, wenn sie sich erst einmal in den Innenhof geschlichen hatten. Shanayas Gedanken schienen eine ähnliche Richtung zu nehmen. Die tiefgrünen Augen huschten wieder zu ihr hinüber, als sie leise das Wort ergriff und mit einem amüsierten Funkeln im Blick nickte Lucien. „Herausforderung angenommen“, flüsterte er ihr leise zu – ohne jeden Zweifel daran, dass sie so genauso gut miteinander harmonierten, wie auch sonst. Noch einmal nickte er, bevor sie sich wieder in Bewegung setzten. Shanaya voraus und er ihr folgend. Und kurz bevor der Durchgang in den Innenhof mündete, bedeutete er ihr mit einem vielsagenden Blick, sich im Schatten unter der Galerie zu halten, dicht an der Hauswand entlang, bevor er zu der Treppe deutete, die sie nach oben führen würde.

Shanayas Grinsen wurde bei der Erwiderung des Mannes noch einmal etwas breiter. Natürlich. Alles andere hätte die junge Frau sehr gewundert. Ohne sich also noch lang hier aufzuhalten, bewegte Shanaya sich an der Wand entlang, möglichst immer unter der Galerie. Sie hörte keine Schritte, keine Stimmen. Trotzdem bemühte die junge Frau sich, möglichst leise voran zu schreiten, um jeglichen anderen Geräusche besser vernehmen zu können. Luciens Deuten kommentierte sie nur mit einem Nicken, folgte diesem Weg und blieb an der ersten Stufe nur kurz stehen, um einen prüfenden Blick umher zu werfen. Noch war es ruhig, aber Shanaya wäre es, auch wenn sie immer bei einem kleinen Chaos dabei war, auch lieber, wenn es dabei blieb. Die Treppe war schnell erklommen, Shanaya warf nicht einen Blick zurück. Sie verließ sich darauf, dass Lucien ihren Rücken deckte. Auch wenn sie zu gern alles im Blick gehabt hätte. Erst, als ihr ein Stuhl auffiel, der zwischen einigen Kartons stand, wog die Schwarzhaarige den Kopf etwas zur Seite. Auf besagtem Stuhl stand eine Schüssel – gefüllt mit… Dingen, die Shanaya eigentlich nicht näher betrachten wollte. Sie hatte zumindest schon zwei Äpfel erkannt. Vielleicht noch anderes Obst… aber… wer wusste schon, ob die nicht abgezählt waren? Ob sie genau das verraten würde, wenn sie sich hier bediente? Shanaya blieb stehen. Betrachtete die Schale. Erst einige Herzschläge später wandte sie den Kopf herum zu Lucien, setzte eine vollkommen wehleidige Miene auf und seufzte tonlos aber schwer, ehe sie sich abwandte. Alles für die Mission. Stattdessen ließ sie noch einmal die blauen Augen schweifen, suchte nach einem Weg weiter nach oben.

Wie zwei Schatten setzten sich die beiden Piraten in Bewegung, huschten dicht an dicht im Schutz der Hauswand bis zur Treppe, die hinauf auf die Galerie führte. Sie hatten bereits den halben Innenhof umrundet, als Lucien jedoch noch einmal innehielt und notgedrungen seinen Degen samt Scheide von seinem Gürtel löste. Denn Haken und Leder machten bei jedem Schritt einen ohrenbetäubenden Lärm in der gespenstigen Stille und schrammten viel zu oft gefährlich dicht an einem herumstehenden Blumenkasten oder der Hauswand vorbei. Er hielt sie Waffe also fest in der Rechten, als sie die Treppe erreichten und so leise wie möglich nach oben huschten. Lucien ließ den Blick über die Fenster wandern, die auf die Balkone hinaus wiesen. Doch nirgendwo regte sich etwas. Entsprechend beruhigt wandte er sich wieder seiner Begleiterin zu und bemerkte gerade noch, wie sie eine Schüssel voller Obst ansah und ihm im Anschluss einen derart wehleidigen Blick zuwarf, dass er nur die Brauen heben und halb belustigt, halb ungläubig den Kopf schütteln konnte. Dachte sie etwa gerade schon wieder nur ans Essen? Doch damit hatte Shanaya seine Aufmerksamkeit auch auf etwas gelenkt, das ihnen möglicherweise helfen könnte. Prompt huschte sein Blick zurück zu dem Stuhl und von da aus die Hauswände entlang, bis er eine Stelle fand, an der sich über dieser ersten Etage, auf der sie sich gerade befanden, bereits das Dach anschloss – während der Großteil des Gebäudes auch ein drittes Stockwerk besaß. Es wirkte niedrig genug, um Shanaya mit einer Räuberleiter hinauf zu helfen. Er selbst konnte im Anschluss erst auf den Stuhl klettern und sich dann die Traufe hinauf ziehen. So müsste es gehen. Also schnipste er leise mit den Fingern, um sich die Aufmerksamkeit der Schwarzhaarigen zu sichern, wies dann mit einem Nicken zunächst auf den Stuhl und dann mit der Rechten samt Degen auf die Dachschräge, die sein Ziel war, bevor er auch schon begann, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Als er an das Holzmöbel heran trat, fischte er einen der Äpfel aus der Schüssel und warf ihn seiner Begleiterin beiläufig zu, bevor er sich der Schüssel annahm und sie aus den Boden bugsierte.

Luciens Kopfschütteln bemerkte Shanaya nur noch halb aufmerksam, ihr Blick ihre Aufmerksamkeit, waren schon wieder viele Schritte weiter. Das Schnipsen aus der Richtung des Mannes nahm sie dennoch wahr, riss die blauen Augen von den Dächern los und wandte sich zu Lucien herum. Dieser deutete auf den Stuhl – für sie im ersten Moment auf das Obst. Erst beim zweiten Deuten verstand die junge Frau und war einen Moment beinah enttäuscht. Ihr Captain wandte sich dem Stuhl zu und im nächsten Moment hatte Shanaya ihre Mühe damit, den Apfel zu fangen, der ihr herzensgut zugeworfen wurde. Sofort wurde das Grinsen auf den Lippen der Schwarzhaarigen etwas wärmer und sie zwinkerte dem Dunkelhaarigen charmant zu. Der Apfel wanderte trotzdem erst in ihre Tasche, zu der eisernen Kette. Um jetzt stehen zu bleiben und genüsslich etwas zu naschen hatten sie einfach keine Zeit. Während Lucien also die Schüssel auf den Boden stellte, trat Shanaya selbst an den Stuhl heran, fasste an die Lehne und hob ihn an, um ihn zu der Stelle zu tragen, an die Lucien gedeutet hatte. Die blauen Augen huschten kurz zum Innenhof, aber außer ein paar Vögeln war nichts zu sehen. Es war nur die Frage, wie lang das noch dauern sollte. So lautlos wie möglich stellte die Schwarzhaarige den Stuhl an eine passende Stelle, ohne ihn dabei zu verrutschen. Zuerst glitt ihr Blick nach oben, ehe sie sich wieder zu Lucien herum wandte, mit einem einladenden Lächeln auf das Möbelstück deutete.

Ein amüsiertes, aber geradezu warmherziges Schmunzeln huschte über seine Lippen, als er ihrem Blick begegnete, während sie sich den Apfel in die Tasche steckte. Als wäre es eine besondere Geste gewesen, dass er ihren geradezu unstillbaren Appetit bediente. Doch dann wandte er sich wieder der Stelle an der Hauswand zu, an der das Dach niedriger stand. Shanaya griff sich bereits den Stuhl und der Dunkelhaarige ging vor, um seinen Degen gegen den rauen Putz zu lehnen, um beide Hände frei zu haben. Seine Begleiterin brachte derweil die improvisierte Leiter in Position und als sie nun einladend auf den Stuhl wies, winkte er sie zunächst zu sich, verschränkte beide Hände ineinander und deutete eine Räuberleiter an, um ihr zu zeigen, dass sie als erstes nach oben klettern sollte und er ihr dabei helfen würde. Das ging schneller, als wenn sie sich nacheinander mittels des Stuhls nach oben hieven würden, denn er konnte zumindest Shanaya mit ein bisschen Schwung bis hinauf befördern.

Mit einem beinahe warmen Ausdruck in den blauen Augen betrachtete Shanaya einige Herzschläge lang den Degen, den Lucien an die Wand lehnte. Die Vorfreude kochte noch einmal in ihr auf, ehe sie kurz den Kopf schüttelte und sich wieder auf den Dunkelhaarigen konzentrierte. Als sie zu ihm hinüber trat, setzte die junge Frau ein vornehmes Lächeln auf, deutete einen kleinen Knicks an, ehe sie einen Fuß auf die Hände ihres Captains anhob, sich dann für den ersten Moment an seinen Schultern fest hielt. So dauerte es nicht lang, bis sie die Hände an die Kante des Daches legen konnte, um sich jetzt aus eigener Kraft hinauf zu ziehen. Bevor sich die Schwarzhaarige jedoch umdrehte um zu sehen, ob sie Lucien helfen konnte, prüften die blauen Augen genau die Umgebung. Keine Bewegung, keine Geräusche. Nichts auffälliges, trotzdem blieb die junge Frau in geduckter Haltung, wandte sich dann zu dem Dunkelhaarigen herum. „Alles unauffällig. Hier oben sollten wir einen Moment Ruhe haben.“

Den Blick, mit dem Shanaya den Degen bedachte, bemerkte Lucien nicht. Wohl aber den vornehmen Knicks, den sie ihm widmete, als er sich wieder ihr zuwandte. Ein amüsiertes Schmunzeln huschte über seine Lippen, in den tiefgrünen Augen blitzte warmherziger Schalk auf. Standen ihr gar nicht so schlecht, diese höfischen Etikette. Doch er verfolgte den Gedanken nicht weiter, konzentrierte sich wieder auf ihre Aufgabe und seine Begleiterin, die in diesem Moment einen Fuß in seine verschränkten Hände stellte, sich kurz an seinen Schultern festhielt. Dann drückte er sie nach oben, half ihr hinauf zur Dachkante, bis Shanaya sicheren Halt fand und sich aus eigener Kraft nach oben ziehen konnte. Dann verschwand sie für einen Augenblick aus seinem Blickfeld, nur um Sekunden später wieder aufzutauchen und ihm zu versichern, dass die Luft rein war. Sehr gut.
Lucien nahm den Degen von der Wand, bedeutete ihr kurz, die Waffe entgegen zu nehmen, damit er die Hände frei hatte und wandte sich dann dem Stuhl zu. Nach nur wenigen Augenblicken stand er auf der Sitzfläche, überbrückte das letzte Stück bis zum Dach, indem er die Lehne als Stufe nutzte, und zog sich schließlich mit den Armen bis hinauf. Etwas, das definitiv anstrengender war, als es beim bloßen Zusehen wirkte. Leise schnaufend rutschte der Dunkelhaarige von der Kante weg, damit sie vom Innenhof aus nicht mehr zu sehen waren, und erlaubte sich, einen Moment sitzen zu bleiben, bevor er Shanaya einen gut gelaunten Blick von unten zuwarf. „So weit, so gut“, kommentierte er leise und sah sich kurz um. Von hier aus reihte sich ein Dach an das nächste. Nicht unbedingt alle auf gleicher Höhe – es würde also weiterhin eine Kletterpartie werden – aber zumindest auf den ersten Blick ohne größere Zwischenräume, die sie hätten überspringen müssen. „Wir sollten uns nahe am Markt halten, damit wir das richtige Dach finden“, schlug er noch immer mit gedämpfter Stimme vor. Selbstredend sollten sie dabei außer Sicht bleiben, aber bestenfalls kamen sie dann unbehelligt bis zum Lagerhaus.


Shanaya nahm die Waffe des Mannes entgegen, rutschte dann ein Stück zurück, um ihrem Captain Platz zu machen. Noch einmal ruhten die blauen Augen auf dem Degen, ein Lächeln, bevor Lucien sich auch auf das Dach gehievt hatte. Der Mann blieb noch einen Moment sitzen und die junge Frau hockte sich neben ihn, seinen Degen zwischen ihren Beinen, die Hände beide auf den Knauf gelehnt. Die blauen Augen folgten dem Blick des Dunkelhaarigen, betrachtete die Umgebung. Hier oben gab es einige verwinkelte Ecken, unterschiedliche Dächer, Verstecke für sie, genau wie für ihre Gegner. Mit einem Nicken und einem vielsagenden Blick in die Richtung des Dunkelhaarigen, wandte Shanaya sich wieder zu Lucien herum, erhob sich, in dem sie sich auf seinen Degen stützte, mit dem sie ihn schließlich auffordernd antippte. „Weißt du, was das Problem an der Sache ist? Adrenalin macht süchtig, das hier wird eine perfekte Endlosschleife sein.“ Eine kurze Pause, ihr Grinsen wurde noch ein wenig breiter. „Und ich liebe es jetzt schon.“ Einen Moment noch ruhten die blauen Augen auf ihrem Gegenüber, ehe sie sich wieder in Bewegung setzte, den hellen Blick noch immer aufmerksam schweifen lassend, aber nah genug von der Kante weg.

Sein Blick folgte ihr, als Shanaya sich erhob und ihn schließlich mit seinem eigenen Degen auffordernd anstubste. Ein Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen, während er noch einen Augenblick mit den Unterarmen auf die Knie gestützt sitzen blieb. „Glücklicherweise bin ich gänzlich unempfänglich für jegliche Art von Sucht“, erwiderte er amüsiert – und nicht ohne schalkhafte Ironie in seiner Stimme. Oh nein, er war mindestens genauso abenteuersüchtig, wie es ihn nach einer Flasche Rum verlangte. Oder dem Schoß einer Frau. Bis es ihn irgendwann umbrachte – mal sehen, was davon zu erst. Doch er vertrieb den Gedanken, indem er sich mit der Hand auf die Dachziegel stützte und sich wieder in die Höhe drückte, um ihr im Anschluss seinen Degen abzunehmen. „Also los, holen wir uns unsere Beute.“ Er nickte zu der Häuserschlucht, an deren Boden sich Stand um Stand des Schwarzmarktes reihte und an der entlang sie sich bis zum Lager durchschlagen wollten. „Wenn du irgendjemanden hier oben siehst, gib mir ein Zeichen“, flüsterte er leise und setzte sich wieder in Bewegung. Langsam, um auf dem trügerischen Grund den Halt nicht zu verlieren, und jeden erhöht liegenden Gebäudeteil als Deckung nutzend, steuerte er die Dächer oberhalb des Marktes an, bis er nahe der Kante einen Blick auf das Gedränge darunter erhaschen konnte. Sein Blick wanderte zu den Lagerhäusern, die er Shanaya von unten bereits gezeigt hatte und suchte das entsprechende Dach auf ihrer Höhe. „Das Flachdach dort hinten müsste es sein.“ Mit dem ausgestreckten Arm wies er auf das Gebäude, etwa 20 Meter vor ihnen.

Shanaya konnte den Drang, Lucien bei seinen Worten durch die Haare zu streichen, nicht widerstehen. Dabei grinste sie ihm vielsagend entgegen, wog den Kopf dann leicht zur Seite, als sie die Hand wieder zurück zog, setzte eine gespielt theatralische Miene auf. „Dann… muss ich wohl demnächst allein los ziehen, ist schon okay.“ Sie nickte noch einmal, schwer traurig, ehe sich wieder das Lächeln voller Vorfreude auf ihre Lippen legte. Lucien stand auf, bekam als Antwort auf seine Worte ein Nicken zu geworfen. Wie lang war es her, dass Shanaya über Dächer getänzelt war? Sie war nur froh, dass sie frei von Höhenangst war… ansonsten hätte sie sich jetzt vermutlich an Luciens Bein geklammert – mit wenig Chancen auf Erfolg. Sie folgte Lucien, weiterhin darauf bedacht, keine lauten Geräusche zu verursachen. Selbst, wenn sie in diesem Moment niemanden sehen konnte, wer wusste schon, was um die Ecke auf sie wartete. Auch ihr Blick folgte seinem, blieb schließlich an dem Dach hängen, auf das der Dunkelhaarige deutete. Aber etwas anderes zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Leise flüsternd wandte sie sich noch einmal an Lucien. „Hast du den Schatten dort gesehen? Er ist hinter dem schrägen Dach vor der Lagerhalle verschwunden. Er wirkte aber nicht so, als hätte er irgendetwas gesehen.“ Damit glitt ihr Blick noch einmal hinter sie, prüfend. Noch schien ihnen jedoch niemand zu folgen. Noch. Shanaya hob einen Fuß, überbrückte die kleine Stufe, die sie auf das nächste Dach führte, die blauen Augen nun wieder aufmerksam nach vorn gerichtet. Bei diesem Einen würde es vermutlich nicht bleiben, also brauchte sie nun jede Konzentration und Aufmerksamkeit, die sie aufbringen konnte. Umso besser also, dass sie Lucien nicht allein bei dieser Aufgabe gelassen hatte.
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RE: They come for You, they come for Me - von Shanaya Árashi - 24.12.2021, 11:04

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