01.05.2020, 12:15
Liam schien zumindest schon einmal nicht tödlich von ihrer Feststellung verletzt zu sein. Lebte seine Mutter also noch? Oder ging er damit einfach nur, der Liam der er eben war, sehr gut damit um? Seine Worte als Antwort ließen sie leise lachen, ehe sie locker mit den Schultern zuckte.
„Ich für meinen Teil hätte auch nicht so viel spannendes zu erzählen.“
Sie rümpfte leicht die Nase, dachte einen Moment an die blonde Frau, die sich sicher seit Monaten solche Vorwürfe machte, dass ihr geliebtes Töchterlein verschwunden war. Und was die Nachbarn erst denken sollten, das wollte sie sich gar nicht ausmalen. Aber Liam hatte schon Recht, so richtig wussten sie sie alle wenig übereinander – ob nun über ihre Mütter oder andere Einzelheiten. Was der Lockenkopf dann von sich gab, ließ Shanaya ein wenig hämisch auflachen. Sie verengte die Augen zu kleinen Schlitzen und drehte den Kopf zu ihrer Begleitung herum, um Liam mit einem amüsierten Lächeln genau zu mustern.
„Habe ich da einen kleinen Wunsch in deiner Stimme mitschwingen gehört?“
Sie wackelte verschwörerisch mit den Augenbrauen, trat dann einen Schritt näher an Liam heran, um ihn locker mit der Faust anzustubsen.
„Wünsche musst du nur äußern, es findet sich sicher jemand, der dem nachkommt.“
Sie grinste ihm noch immer amüsiert entgegen, ohne den Abstand zu ihm zu vergrößern. Erst mit seinen nächsten Worten schnaufte sie leise, schüttelte dann leicht den Kopf, um ein paar aufkommende Gedanken zu verwerfen.
„Mein Vater war vielleicht Mal dort, aber wenn er zu seinen... dunklen Machenschaften unterwegs war, war ich nie dabei. Ich wurde nur darauf gedrillt, Handel in der ersten Welt vollziehen zu können. Und er wollte ja nicht die Schande seiner... Familie bis in andere Welten tragen.“
Nun knirschte es unter den Füßen der jungen Frau und sie ließ den Blick schweifen. Die letzten Häuser lagen hinter ihnen, der Weg war nicht mehr gepflastert sondern bestand nur noch aus kleinen Steinen.
„Bist du bereit, dem Tiger gegenüber zu treten?“