28.04.2019, 15:17
Es war faszinierend wie entspannt die Nordskov wirkte - umringt von fremden Gesichtern und potentiellen Meisterdieben. Doch all das schien ihren Verstand nicht zu erreichen, der einfach nur noch nach Ablenkung suchte. Hinfort waren die antrainierten Verhaltensweisen und Denkmuster. Machten der Leichtigkeit Platz, die Liam ihr mit ausgestreckter Hand darbot, als wäre es das einfachste der Welt. Hatte sich Skadi bis eben noch der Musik hingegeben und vollkommen sorglos gewirkt, fiel es ihr nun sichtlich schwerer, entspannt zu bleiben. Gar wirkte es, als zöge sich jede Muskelfaser ihres Körpers krampfartig zusammen, kaum dass Liam seine Tanzeinladung wortlos formulierte. Doch es brauchte keine Begründungen, damit er die Tragweite dieser kurzweiligen Zurückweisung verstand.
Mit einem tiefen Atemzug zwang sich die Nordskov also zu etwas, dass von Enrique als „Skadi untypisch“ bezeichnet worden wäre: sie ließ die Nähe zu, die ihr bereits jetzt schon viel zu intim war. Berührte Liam zaghaft und ließ sich führen, als wäre es lediglich eine ganz kleine und leise Entscheidung gewesen.
Vielleicht würde der Musiker irgendwann erkennen, wie viel Wertschätzung sie ihm damit entgegen brachte.
Allmählich verflüchtigte sich die Musik in der Luft, bis sie vollkommen verstummt war. Die Menge um sie herum wurde lichter und verschwand sukzessive in den letzten Schatten des Abends, während Skadi langsam den Kopf hob, den sie unbeirrt auf Liams Schulter gebettet hatte. Sie fühlte sich seltsam benebelt und neben sich. Kniff eines der dunklen Augen zusammen, bevor sie ihren Blick auf den Lockenkopf richtete und kaum das Schmunzeln unterdrücken konnte, das an ihren Mundwinkeln zupfte. Diese Freude die aus jeder Pore seines Körpers troff wie Honig, war fast schon niedlich.
“Wollen wir noch etwas trinken, bevor wir zum Schiff zurückgehen?“
Die Nacht würde noch kurz genug werden und zumindest konnte sich Skadi mit reichlich Bier dazu zwingen, die Geräusche um sich herum zu vergessen und wie ein Stein bis zum nächsten Morgen durchzuschlafen.
Liam ging bereits voraus, als sie geendet hatte und beantwortete somit ihre Frage, ohne noch einmal zurückzuschauen.
Langsam folgte Skadi seiner Silhouetten, fühlte sich selbst nach einigen Schritten noch etwas unsicher auf den Beinen. Das Blut rauschte wie ein Wind durch ihren Körper und würde einige Zeit brauchen, um zu einer leichten Brise abzuschwellen.
“Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal so ausgelassen getanzt habe.“
Es war vielmehr eine Floskel, die sie zur Verdeutlichung ihres Gemütszustandes nutze, als eine rhetorische Frage. Doch vllt war es der erste kleine Hinweis, den Liam zu ihrer Vergangenheit erhielt. Wobei ihre Zeit bei der Marine Erklärung genug sein würde. Da brauchte man nicht tiefer graben, um zu verstehen, dass es wohl eine Wohltat war, diese unterdrückte Leichtigkeit wie Wasser aus sich heraus sprudeln zu lassen.
Sichtlich entspannt nahm die Nordskov ihren Tonkrug in die Hand. Richtete ihren Blick ein letztes Mal auf die Musiker, die sich zufrieden und glücklich in den Armen lagen, ehe sie Liam zum Getränkestand folgte.