12.02.2019, 00:12
Im ersten Moment war Shanaya... nicht überrascht, nicht verwirrt. Aber doch irgendwie etwas dazwischen. Seine Worte entlockten ihr ein brummendes Schnaufen. Sie hatte diese kleine, absurde Szene im Dschungel fast vergessen. Oder viel mehr verdrängt. Und zuerst lag ihr als Antwort auf der Zunge, dass sie wusste, wo er schlief. Und sie sich ganz einfach nachts rächen konnte, indem sie an sein Bett schlich. Allerdings wussten sie beide, was er darauf antworten würde. Und wie er sich besagte Rache vorstellte. Also hob sie einfach nur schweigend den Zeigefinger, deutete in einer eindeutigen Geste und passendem Blick auf den Dunkelhaarigen. Dieser Dolch gehörte immerhin schließlich wirklich ihr, und nicht irgendeinem Soldaten, der sie jetzt vermutlich sehr vermisste. Armer Kerl. Lucien allerdings hätte sie im Dschungel mit dem Stock erschlagen sollen. Niemand hätte beweisen können, dass sie etwas damit zu tun gehabt hatte. Stattdessen war sie jetzt... hier. Und trotz allem lag inzwischen wieder das gut gelaunte Lächeln auf ihren Lippen.
Scheinbar ohne Hast ließ die Schwarzhaarige den blauen Blick schweifen, suchte nach einem Ausweg aus dieser Situation. Sie konnten einfach weiter laufen, irgendwann würden die Wachen vielleicht aufgeben, wenn sie sie zwischen den Menschenmassen nicht fanden. Vielleicht aber auch nicht. Dummheit war hartnäckig. Ein sicherer Weg würde also nicht schaden. Kurz ruhte der helle Blick auf Lucien, der ebenso nach einer Lösung zu suchen schien – und schon mit dem nächsten Plan beschäftigt war. Shanaya lachte, nickte.
„Wir haben ja Übung. So kann ich dich ja nicht allein auf die Welt loslassen.“
Sie zuckte beinahe beiläufig mit den Schultern, nicht minder als der Dunkelhaarige über diese Situation amüsiert. Gerade wollte sie die Augen noch einmal wachsam herum wenden, als Lucien nach ihrer Hand griff und sie sich im nächsten Moment in einem kleinen Versteck wieder fand. Gerissen, wirklich ziemlich gerissen. Sie konnte nicht einmal wirklich reagieren, bevor seine Arme sich um sie legten, sie zu ihm gezogen wurde. Ihr Herz, das sowieso von der kleinen Verfolgungsjagd etwas schneller schlug, machte einen erneuten kleinen Satz. Es war ähnlich – gleichzeitig aber auch eine ganz andere Situation als kurz zuvor. Nicht, dass sie es nicht genauso genoss... Sie wehrte sich also auch kein Stück.
Die Schwarzhaarige lehnte sich leicht zurück, um einen Blick auf die Straße zu werfen, hörte dadurch die Rufe der Soldaten, die näher kamen. Und als sie sich wieder zu Lucien herum wandte, traf ihr heller Blick automatisch seinen. Sie lächelte über seine Worte, seufzte lautlos und lehnte sich nun ganz automatisch gegen ihn, um von der Straße aus nicht gesehen zu werden. Eine Hand hob sie sanft an seine Wange, lehnte sich dann noch etwas näher zu seinen Lippen und pustete sachte dagegen. Die Augen ließ sie dabei fest auf seine gerichtet.
„Jetzt müssen wir hier wohl ausharren, bis wir sicher sind, hm? Aber sei vorsichtig, ich weiß, wo du meinen Dolch stecken hast...“
Ein erneutes Zwinkern. Die Stimmen der Soldaten, die in etwa auf ihrer Höhe waren, nahm sie kaum wahr, lauschte nur, ob sie noch näher kamen oder sich entfernten. Den zweiten Arm hob sie nun, um ihn um Luciens Hals zu legen, kam ihm so noch ein bisschen näher.