09.02.2019, 12:14
Lucien brachte keinen Abstand zwischen sie, reagierte selbst nicht auf die Worte des Standbesitzers. Einen Moment hatte Shanaya gehadert, ob er diese kleine Einlage wohl einfach beenden würde. Sie hatten immerhin, was sie wollten. Aber es war, wie sie schon bei ihren ersten Treffen festgestellt hatte. Er war ein Mann – und welcher Mann ließ in so einer Situation von so einfacher... Beute ab. Und sie... sie genoss diesen Moment einfach. So, wie sie es in dem See getan hatte. Im Gegensatz zu dem Großteil der Crew benahm Lucien sich wenigstens auch wie ein eben solcher Mann und kniff nicht den Schwanz ein, wenn ihm eine selbstbewusste Frau gegenüber stand. Oder, wie in diesem Fall, an seinen Lippen hing. Auch die Hand, die über ihren Körper wanderte und schließlich an ihrer Wange ruhte... Sie gab sich einfach diesem warmen Gefühl hin, ließ diese Nähe zu. Für diesen einen Moment konnte sie auch ihren Verstand ausschalten, der ihr riet, Abstand zwischen sich und den Mann zu bringen. Sie löste ihre Lippen nicht von Luciens, biss aber einen Moment fest die Zähne aufeinander, als er selbst diesen Part übernahm. Shanaya hielt die Augen aber noch geschlossen, spürte dem Gefühl auf ihren Lippen nach, während noch ein anderer Gedanke in ihr Bewusstsein drang. Einer, den sie zuvor schon gehabt hatte, den sie aber im Eifer des Gefechts einfach geschluckt hatte. Aber jetzt, wo Lucien ihr so nah war, ihr Denken zwar noch auf ihn gerichtet, aber nicht von seinen Lippen gefangen war... er roch verdammt gut. Was auch immer das war. Es gefiel ihr.
Während die junge Frau darüber schmunzelte, ließ dieser Gedanke sie aber auch leise seufzen. Und vielleicht galt dieses leise Geräusch auch der Tatsache, das sie gestört worden warne. Zumindest für die Außenstehenden.
Nun stand der Besitzer sehr nah bei ihnen, sodass die Schwarzhaarige vorsichtiger wurde. Ihre Tasche war durch Luciens und ihren Körper verdeckt, aber sie musste damit rechnen, dass er irgendetwas sehen würde. Umso besser war es, dass der Mann, der sich für die Ware an diesem Stand interessierte, einmischte. Er lachte, folgte dem Verkäufer dann zwei Schritte und musterte ihn belustigt von der Seite. Er schien die Situation etwas gelassener zu nehmen. Und für einen Moment ließ der Verkäufer sich ablenken, eine Chance, die Shanaya nutzte, um ihre Tasche zu schließen. Das offensichtliche war damit verdeckt.
“Lass sie doch. Sie machen doch Nichts kaputt!“
Und der Fremde war auch noch auf ihrer Seite. Nun antwortete Lucien und Shanaya musste leise auf seine Worte hin auflachen, lockerte dabei den Arm, den sie noch immer eng um ihn geschlungen hatte. Sein Körper war ihrem damit noch immer nah genug, sodass sie locker in sein Hemd greifen und ihn noch einmal zu sich ziehen konnte, um ihn zu küssen. Zuvor galt ihm ein vielsagender Blick, ein beinahe diebisches Grinsen, dann schloss sie die Augen, küsste ihn mit der selben Leidenschaft wie zuvor – und lehnte sich noch ein Stück weiter zurück, den Dunkelhaarigen an seinem Hemd mit zurück ziehend. Die freie Hand nutzte sie nun, um sich auf der Ware abzustützen, die nicht sehr stabil und rutschfest war. Während sie scheinbar nur auf den Kuss und darauf bedacht war, wie Lucien ihr am nächsten sein konnte, suchte ihre Hand eines der rutschigen Teile. Vielleicht würde der Mann, sobald sie sich von seinem Stand fort bewegten, seine zwei Säcke vermissen. Es sei denn, er würde mit einem kleinen Chaos zurückgelassen werden. Und auch sein Kunde konnte ihn nicht überzeugen, dass diese beiden ihren Gelüsten hier nicht nachgehen durften. Na gut...
Das besagte Chaos entstand, als Shanayas Hand ihr Ziel gefunden hatte, ein Tuch, das rutschig genug war, um sie nicht mehr zu halten. Langsam löste sie ihre Lippen von Lucien, ließ die Augen wie zuvor einen Moment geschlossen, brachte jedoch nicht viel Abstand zwischen sie. Die freie Hand legte sich wieder um seinen Hals, während ihr Körper den Anschein machte, als wolle sie sich rückwärts auf die Auslage ziehen. Wie schade aber auch, dass der Stand sie nicht hielt, denn bevor sie auch nur ein Stück hoch gezogen hatte, rutschte ihre Hand nach unten – und mit ihr ein großer Haufen von Stoffen, Anhängern und anderem Kram. Für die zwei Männer mochte es so aussehen, als hielt sie sich nur zufällig noch an Lucien fest, aber jetzt endlich schlich sich ein wenig beschämte Reue auf ihr Gesicht. Ein kurzer Blick galt den grünen Augen des Mannes, der noch immer direkt vor ihr stand. Ein leichtes Glühen in dem hellen Blau, ehe sie sich nun das erste Mal selbst zu den zwei Fremden herum wandte. Sie wirkte mit einem Mal unglaublich beschämt.
„Oh... vielleicht... sollten wir jetzt doch lieber gehen. Das wollte ich nicht...“
Sie stammelte ein wenig, wich dann den Blicken der Beiden aus und erhob sich schließlich ganz, lehnte damit kurz an Luciens Körper, ehe sie sich leicht an ihm vorbei schob, darauf bedacht, auf keines der Tücher zu treten. Nur noch ein kurzer, schuldbewusster Blick zu den Männern, ehe sie sich abwandte und dem Ort des Geschehens den Rücken zu wandte.