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Hello cold sweat and those shivers down my spine
Crewmitglied der Sphinx
für 0 Gold gesucht
dabei seit Nov 2015
#11
Skadis Worte lenkten seinen Blick prompt zurück zu seinem Gegner. Und tatsächlich machte der ganz den Eindruck, einen weiteren Angriff starten zu wollen. Das Gesicht vor Wut und Schmerz verzerrt und die Hand noch immer an der vermutlich ausgekugelten Schulter fletschte der Werftarbeiter die Zähne, fixierte Lucien und stürzte nach vorn.
Gerade noch so schnappte der junge Captain die Anweisung der Frau hinter der Absperrung auf, wiederholte wie ein Schuljunge im Geiste das Wichtigste – Deckung oben lassen, vorsichtig bleiben – bevor er sich mit einem Satz zur Seite in Sicherheit brachte. Der Hüne krachte mit der unverletzten Schulter voran in die Absperrung, eben dort, wo Lucien Sekundenbruchteile zuvor noch gestanden hatte und wo auch Skadi von außen an den Sprossen gehangen hatte.
Jedenfalls konnte er nur hoffen, dass sie rechtzeitig abgesprungen war, bevor der Aufprall sie unfreiwillig zwischen die Füße der Umstehenden befördern konnte, denn dieser Schrank von einem Kämpfer rappelte sich schnaubend wieder auf und wandte sich bereits erneut seinem Gegner zu. Lucien machte sich bereit, hob die Deckung und fast zeitgleich setzten sie zum Angriff an, als eine laute, herrische Stimme ihren Kampf unterbrach.

GENUG!

Beide Männer im Ring hielten inne, suchten und fanden den Urheber des Rufs in einer dritten, hünenhaften Gestalt, die sich soeben zwischen zwei Latten der Absperrung zwängte und den Ring betrat. Die Züge des Neuankömmlings wirkten rau, boshaft und ganz so, als wäre er es gewohnt, Anweisungen zu geben. Er hob beide Hände, schenkte ihnen ein haifischartiges Grinsen und eröffnete:

Meine Herren, ich fürchte, ich muss diesen Kampf für beendet erklären. Es wird Zeit, den Ring für ein ordentliches Schauspiel zu räumen. – „Der Kampf ist noch nicht entschieden“,

warf Lucien mit gerunzelter Stirn ein und ließ die Arme sinken. Ohne Sieger kein Wettgewinn. Und er hatte nicht vor, sich um sein wohlverdientes Geld bringen zu lassen. Doch das schien den Älteren wenig zu kümmern. Er wandte sich zur Menge um, winkte zwei bulligen Männern zu, die prompt mit drohender Körpersprache auf den Ring zuhielten und wandte sich dann wieder an den Dunkelhaarigen. Leider muss ich darauf bestehen.

Dieses Mal war es an dem 21-Jährigen, beschwichtigend beide Arme zu heben, denn er sah durchaus ein, dass er bei einer Auseinandersetzung gegen drei oder mehr nur unterliegen konnte – und das war ihm sein Wettgewinn dann doch nicht wert. „Schon gut, schon gut.

Also zog er sich zur Absperrung zurück, hinter der Skadi auf ihn wartete. Nicht ohne einen misstrauischen Blick über die Schulter zu werfen und bei dem, was er da sah, kurz ins Stocken zu geraten. Auf der anderen Seite des Ringes teilte sich die Menge gezwungenermaßen, ließ zwei deutlich kleinere Gestalten hindurch, die alles andere als begeistert über die ihnen zuteilwerdende Ehre wirkten. Und einen von beiden erkannte der junge Captain zweifelsfrei.
Während der machtgewohnte Hüne das kommende Schauspiel anzukündigen begann, huschte Lucien zwischen der Absperrung hindurch und landete neben Skadi, berührte dabei flüchtig ihren Unterarm, ohne den Blick von Liams Gestalt zu lösen, die sich beständig dem Kampfplatz näherte.

Was zum Geier macht er hier?“,

raunte er der Jägerin leise zu. Wohl in der Annahme, sie wüsste über die nächtlichen Aktivitäten des Lockenkopfes besser Bescheid, als er selbst.
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Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Mar 2020
#12
Ihm war heute nicht mehr nach großem Risiko. Seine Laune hingegen rechtfertigte durchaus, heute Abend zumindest sein Tagesgehalt auf den Kopf zu hauen. Bestmöglich dort, wo sich hünenhafte, zahnlückige Affenhirne ebenfalls gegenseitig die Köpfe einschlugen. Man hätte meinen können, er hätte genug von Mord und Todschlag nach diesem Tag – in erster Linie allerdings reichte es ihm, wenn es einfach nicht sein verdammtes Problem war, sondern das von anderen Menschen. Von Fremden. Namenlosen Gesichtern, die er, wenn alles gut lief, nie wieder sehen würde. So zumindest sein Plan, der ab einem gewissen Punkt unangenehm aus dem Ruder lief. Bislang hatte sich Alex mit ein paar Bieren begnügt, während er kaum mehr aus seinem Einsatz herausholen konnte, als er gesetzt hatte. Die Kämpfe an diesem Abend waren nicht sonderlich schwer einzuschätzen gewesen. Das Spannendste bislang war abermals einer dieser Newcomer, der in den letzten Tagen aus dem Nichts aufgetaucht war. Der Lockenkopf warf dem Trubel im Ring nur beiläufig immer mal wieder einen Blick zu und beobachtete stattdessen an einen der Scheunenpfeiler gelehnt ein unauffälliges Tauschgeschäft zweier zwielichtiger Gestalten. So lange jedenfalls, bis sich etwas Unvorhergesehenes tat und sich sein Vorhaben mit den ‚fremden Gesichtern‘ schlagartig in Rauch auflöste.
 
Schlagartig zogen sich seine Augenbrauen zusammen und seine lässige Haltung wich einem angespannten, überraschten Stand, mit dem er versuchte, einen besseren Blick zu erhaschen. Er tauchte zwischen ein paar Gestalten weiter nach vorne. Sein Verstand sagte ihm noch immer, dass er sich irren musste – aus mehreren Gründen. Weil der Zufall nicht imstande war, so etwas einzufädeln. Und, weil das Gesicht, was er da zu kennen glaubte, dort eigentlich nicht stehen sollte. Je näher er dem Ring allerdings kam, desto sicherer war er sich. Und desto stärker wurde das ungute Gefühl, dass hier etwas gewaltig nicht stimmte. Eine Zeit lang beobachtete er das Geschehen noch immer überrumpelt. Dann konnte er nicht mehr tatenlos zusehen, wie in diesem Kampf immer mehr zu unfairen Mitteln gegriffen wurde. Sein Krug fiel zu Boden, doch bereits bevor sich die ersten erzürnt umwenden konnten, war Alex in der Masse verschwunden, um sich zum Ring vorzudrängeln. Unruhe machte sich in der Menge breit, wo er unsanft die Körper der anderen Männer zur Seite drängte, um sein Ziel zu erreichen. Sein Blick war unentwegt auf das eine Gesicht gerichtet, das sich hämisch grinsend hinter seinem Freund aufgebaut hatte und offensichtlich nicht damit zu rechnen schien, alsbald unterbrochen zu werden.
 
„He, Affenarsch!“, war die einzige Warnung, die Flints Handlanger erreichte, ehe ihn Alex‘ Faust seitlich ins Gesicht traf. „Machen wir doch einen fairen Kampf draus.“
 
Der Lockenkopf schüttelte kurz den Schmerz aus seiner Hand, beobachtete flüchtig, wie der Kerl überrascht ächzend in die Knie ging und warf seinem Freund schließlich ein kurzes Schmunzeln zu, das allerdings jäh in Alarmbereitschaft überging. Flints Grinsen hatte sich in Entrüstung und Wut gewandelt und seine Schritte waren schneller geworden.
 
„Achtung!“, rief Alex Liam zu, dessen Gesicht im noch immer voller Überraschung entgegenstarrte und scheinbar vergessen hatte, in welch misslicher Lage er sich gerade immer noch befand – aber zumindest nicht mehr in seiner Bewegung eingeschränkt.
 
Auch Flints Handlanger hatte sich unlängst wieder aufgerichtet, fluchte leise und fixierte nun Alex, um sich zu rächen.
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Crewmitglied der Sphinx
für 250 Gold gesucht
dabei seit Apr 2016
#13
„Liam.“ Aus Skadis Gesicht war jegliche Regung gewichen. Selbst  was sie eigentlich hatte an Lucien richten wollen, war in den Äther verschwunden. Der braune Lockenkopf ragte wie ein  Lichtschein in der Masse auf und fixierte ihren Blick mit eiserner Faust. Was bei allen sieben Welten tat er hier? Wieso zierte sein Gesicht  etwas, das vor wenigen Stunden noch nicht da gewesen war, als sie ihm einen letzten Blick zugeworfen hatte - noch bevor sie mit Talin das Zimmer am frühen Morgen verließ?
“Keine Ahnung… aber das sieht nicht gewollt aus.“, glitt es nach einer gefühlten Ewigkeit über ihre Lippen, in der sie sich bereits gegen die Absperrung gelehnt und einen Schritt voraus gemacht hatte. Sie würde dem Ganzen nicht tatenlos beiwohnen. Nicht, wenn es ein Kampf zwischen David und Goliath war, den Liam nur mit etlichen Knochenbrüchen und lädiertem Gesicht überlebte.
“Sorg für Chaos… ich hol ihn da raus und dann verschwinden wir von hier.“ Ihr fester Blick schnellte herum und fixiert sich auf den angeschlagenen Lucien, dessen Anwesenheit sie in den letzten Tagen mehr und mehr zu schätzen gelernt hatte. Und so wenig sie auch auf das Preisgeld des heutigen Tages verzichten wollte, war ihr Liam zu wichtig. Selbst nach allem, was sie ihm vor etlichen Tagen an den Kopf geworfen hatte.
Dann war es nur noch ein Wimpernschlag, der sie durch die Umzäunung des Ringes klettern und auf Flint zumarschieren ließ. Impulsiv und ohne zu zögern. Vielleicht würde sie diese Aktion bereuen, wenn ihr der Lockenkopf lauthals erklärte, dass sie sich zum Teufel schicken sollte. Doch selbst wenn – sie würde einfach nicht tatenlos dabei zusehen. Egal was er davon hielt. Und egal, wie sehr ihr Körper bereits von den letzten Kämpfen schmerzte.
Fest biss sie die Zähne aufeinander und beschleunigte ihren Schritt, als sich hinter Liam ein zweiter Hüne aus der Zuschauermasse schälte und ihn mit festem Griff an Ort und Stelle fixierte. Mit einem Lächeln, das nur so vor Selbstüberschätzung triefte. Hatte Frust und Unmut ihre Stimmung dominiert, zeichnete sich urplötzlich pechschwarze Wut auf ihrem Gesicht ab. Selbst das Grölen der Umstehenden verstummte in ihrem Kopf, die beim Anblick der „zierlichen“ Gestalt im Ring lauter und lauter wurde. Bemerkte aus den Augenwinkeln nur noch wie sich ein weiterer dunkler Haarschopf aus der Zuschauermasse schälte, als sie zu einem Sprung ansetzte und mit den Füßen voraus in Flints ungeschützte Seite krachte.
Staub stieg vom Boden auf, kaum dass Angreifer und Opfer geräuschvoll zu Boden gegangen waren. Benebelte einen Atemzug lang Skadis Sicht und hinterließ ein unangenehmes Kratzen in ihrem Hals. Sie hustete, als sie sich aufrappelte. Behielt Flint für einen Lidschlag im Blick, bevor sie sich zu Liam herum wandte und ihn musterte.
“Verschwinde von hier. Los!“

“Was zur… DU!  Du abscheuliches Weibsbild!“

Flint richtete sich auf. Die eine Hand auf sein Knie gestützt, die andere mit vor Schmerz verzerrtem Gesicht an die Seite gelegt. Er hustete. Hatte jegliche Siegessicherheit verloren, die bis eben noch an seinen Lippen gehangen hatte.
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Crewmitglied der Sphinx
für 0 Gold gesucht
dabei seit Feb 2016
#14
Es brauchte nicht viel, um festzustellen, dass es gerade alles andere als gut für ihn aussah. Vermutlich hätte das selbst ein Blinder gemerkt, wenn er – wie Liam gerade – grob gegen eine Mauer gepresst worden wäre, um ihm möglichst jeden Handlungsspielraum zu nehmen. Der Lockenkopf biss sich auf die Lippen und zwang sich, den Blick für einen flüchtigen Moment von Flint abzuwenden, um Nathan irgendwo in seinem Rücken zu erspähen. Nathan, der sich zwar vom zweiten Handlanger hatte losreißen können, aber dann eher bewegungslos in der anderen Ecke des Rings stand, statt die Bereitschaft zu zeigen, einen Schlag für ihn abzufangen. Wunderbar. So viel zum selbstbewussten Casanova, der sich durch Fenster davonschlich und nichts davon hielt, seine Konsequenzen selbst zu tragen. Fakt war also: Liam sah schwarz für die nächsten Sekunden. Und er bezweifelte, dass dieser Affe hinter ihm ihn danach wieder loslassen würde. Und die Menge grölte voller Schadenfreude statt sich einen fairen Kampf zu wünschen. Ein letztes Mal versuchte er, sich mit einem Ruck loszueisen, doch Flints Handlanger rechnete damit, während sein Obergorilla sichtliche Genugtuung empfand, Liam die Erkenntnis aus den Augen abzulesen, während er mit schweren, langsamen Schritten näherkam.

Und dann passierte alles irgendwie zu schnell, als dass er es wirklich realisieren konnte. Die Stimme in seinem Rücken kam ihm bekannt vor. Sehr bekannt vor. Und nicht nur das – auch die Wortwahl passte 1:1 zu dem, was sein Kopf ihm gerade vorgaukeln wollte. Plötzlich lockerte sich der Griff um seine Arme. Nicht einmal Flints bedrohliche Gestalt konnten ihn in diesem Augenblick davon abhalten, ihm den Rückenzuzukehren und tatsächlich – da stand er, als wären sie vorhin erst gemeinsam hierher aufgebrochen. Als hätten sie einen Plan geschmiedet, das Preisgeld abzugreifen. Als hätten sie sich nicht ein halbes Jahr nicht gesehen. Alex‘ Warnung holte ihn zurück in die Gegenwart. Gerade rechtzeitig – und auch nur, weil er nicht darüber nachdachte – wich er mit dem Kopf nach unten aus und ein paar Schritte zurück, um wieder mehr Distanz zwischen sich und seinen Angreifer zu bringen. Und vor allem, um nicht wieder den Fehler zu begehen, zu nah an der Bande zu stehen. Liams Blick huschte zwangsläufig zurück zu seinem Freund, der just in dem Augenblick abermals ausholte, um Flints Unterstützung eine weitere zu zimmern.
Aber es war nicht nur Alex‘ Anwesenheit, die ihn verwirrt zurückließ und es ihm schwer machte, sich auf die breiten Schultern zu konzentrieren, die auf ihn zustapften. Flints Lächeln war inzwischen einem verärgerten Ausdruck gewichen, kaum dass er gemerkt hatte, dass sein Plan nicht ganz so aufging, wie er es sich vorgestellt hatte. Und dann, keine zwei Sekunden später kippte sein Kopf zur Seite und verzerrte sich zu einer schmerzerfüllten, wutentbrannten Grimasse. Der Lockenkopf brauchte einen Moment, bis er Skadis Gesicht zugeordnet hatte, die ihn durchaus überzeugend dazu anwies, zu verschwinden. Liam bewegte sich keinen Schritt.

Er kam sich irgendwie verarscht vor, ohne das Gefühl genau lokalisieren zu können. Was war hier los? Warum war Skadi hier – war sie ihm gefolgt? Hatte sie ihm dann nicht einfach vorher einreden können, gar nicht erst hier aufzutauchen? – Und Alex, wo zum Henker war er plötzlich aufgetaucht? Warum bei allen Welten trafen sie sich ausgerechnet hier alle – an einem Ort, an dem keiner von ihnen sein sollte? Im ersten Moment folgte auf das diffuse Gefühl, im falschen Abenteuer gelandet zu sein, einfacher, kindischer Trotz. Er konnte seine Kämpfe alleine zuendeführen. Auch, wenn er nicht zu stolz war, sich einzugestehen, dass er über ein bisschen Hilfe wirklich, wirklich dankbar gewesen war. Aber dass ausgerechnet Skadi ihm nun sagen wollte, was er zu tun und zu lassen hatte, traf auf keinen fruchtbaren Boden. All der Trotz und Ärger, den er empfand, löste sich aber für den Moment in Luft auf, als Flint nun sie zu seinem neuen Ziel auserkor und ihrer vergleichsweise zierlichen Gestalt seine wutentbrannte Fratze zuwandte. In seiner Stimme lag Erkennen. Liam dachte nicht darüber nach.

„Einen Scheiß werd‘ ich.“, zischte er und rückte kampfbereit an ihre Seite.

Die Situation war zu kurzweilig, um Nuancen zu erkennen. So sehr er sich auch bemühte, seine Worte mehr wie ein ‚Einen Scheiß werd‘ ich, ich entscheide selbst was ich tue‘ klingen zu lassen – es war mehr ein ‚als würde ich dich jetzt einfach allein zurücklassen‘. Und das, obwohl er ihr ihre letzte Begegnung tatsächlich noch immer übelnahm. Nathan hatte das Chaos inzwischen scheinbar genutzt, um stiften zu gehen. Der zweite Handlanger kletterte gerade über die Reling, um seinem Chef zur Seite zu eilen – ähnlich wie Alex, der sich Flint im Blick schwungvoll über das Holz warf. Hinter ihm, ein wenig mitgenommen, rappelte sich gerade sein vorheriger Sparringspartner wieder auf, um ihn an seinem Vorhaben zu hindern.
Es war aber keine Zeit, um das Geschehen um sie herum lange zu beobachten. Flint hatte es inzwischen eiliger, seinem Ärger Luft zu machen. Sein Blick lag zielsicher auf der Jägerin, die ihm bereits so viel Schmach bereitet hatte, dass er ziemlich entschlossen war, den Ausgang dieses Abends zu ändern. Mit gebleckten Zähen schritt er voraus, wollte sie packen und den geringen Widerstand ausnutzen, den ihr gebrechlicher, unterernährter Körper eigentlich zu bieten hatte. Dass die schmächtige Gestalt ihres Freundes das zu verhindern glaubte, war fast schon putzig, als er Liams Angriff mit dem linken Arm abblockte und ihn zur Seite stieß, ohne auch nur einen Blick an ihn zu vergeuden. Dann holte er mit der Rechten aus, um ihr die Kampfbereitschaft aus dem hübschen Gesicht zu wischen.
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Crewmitglied der Sphinx
für 0 Gold gesucht
dabei seit Nov 2015
#15
Lucien konnte der Jägerin in diesem Augenblick nur zustimmen. Das sah bei aller Liebe nicht gewollt aus. Das sah eher danach aus, als hätte man Liam in einer kleinen Gasse überfallen und als Futter für die Schaulustigen verschleppt, damit er sich hier zum Amüsement der Wettenden eine gehörige Tracht Prügeln einfangen konnte. Und angesichts der Art und Weise, wie der Kerl in der Mitte des Ringes das Spektakel inszenierte – sich darin inszenierte – vermutete der junge Captain, dass die Situation, in der der Lockenkopf sich wiedergefunden hatte, wahrscheinlich noch eine Vorgeschichte hatte. Auf die war er nachher wirklich sehr gespannt.
Der Dunkelhaarige wandte sich seiner Begleiterin zu, die bereits Anstalten machte, sich durch die hölzernen Latten der Ringabsperrung zu zwängen. Ihre Blicke begegneten sich und ohne jedes Zögern nickte Lucien ihr seine Zustimmung entgegen. Dann wandte er sich ab, wischte sich in einer flüchtigen, fast beiläufigen Bewegung das Blut aus der Platzwunde über seiner Braue und sah ein letztes Mal über die Schulter, registrierte kaum bewusst den Tumult, der sich unmittelbar hinter Liam am Rande des Rings ereignete, bevor er sich endgültig abwandte und in der wogenden Menge untertauchte und sich durch die ihm entgegendrängenden Leiber schob.
‚Sorg für Chaos‘. Das würde an einem Ort wie diesem nicht schwer werden. Die Menschenmenge pulsierte vor Gewaltbereitschaft. Die Rufe, Pfiffe, das Gegröle dröhnte ihm in den Ohren und trieben seinen Herzschlag zu einem geradezu mörderischen Rhythmus an. Dieser Stimmung konnte er sich nicht entziehen, selbst wenn sie sich gegen jemanden richtete, der zu seiner Mannschaft gehörte. Dennoch steckte sie ihn an und er sehnte sich geradezu nach dem Chaos, um das Skadi ihn gebeten hatte. Stellte sich nur die Frage, wie er das anstellte, ohne auf irgendjemanden zu schießen.
Am Rand des großen Raumes lichtete sich die Menge, gab den Blick auf die Tür zu einem angrenzenden Abstellraum frei. Dahinter hörte er über den Lärm der Menge hinweg nun auch wütendes Hundegebell. Den Bruchteil einer Sekunde ließ Lucien noch den Blick schweifen, dann fasste er einen Entschluss, schob sich schnellen Schrittes an den letzten Umstehenden vorbei und schlüpfte durch die Tür, ließ sie hinter sich jedoch weit offen stehen.
Das, was vorher mal eine Abstellkammer gewesen sein musste, entpuppte sich als eine Art Hundezwinger. Links und rechts eines schmalen Ganges reihte sich nun ein mannshoher Käfig nach dem anderen an der Wand entlang. Bei den Hunden, die darin eingesperrt waren, handelte es sich um massige Tiere mit breitem Brustkorb, kurzen Hälsen und stämmigen, mit Muskelpaketen überzogenen Läufen. Die meisten hatten in etlichen Kämpfen wulstige Narben davongetragen, Teile ihrer Ohren oder ihrer Ruten eingebüßt und jeder von ihnen machte den Eindruck, als könne er den nächsten Kampf gar nicht erwarten. Der Lärm ihres Gebells war ohrenbetäubend laut und als sie ihn eintreten sahen, warfen sich die Tiere in den vordersten Käfigen wie im Wahn gegen ihre Gefängnisse, ließen die Käfigtüren erzittern. Die Atmosphäre der Menschenmenge tat auch bei ihnen seine Wirkung.
Lucien ging kurz in die Hocke, zog seinen Dolch aus dem Stiefel und fluchte im Stillen darüber, ansonsten gänzlich unbewaffnet hergekommen zu sein. Er war nicht sonderlich scharf darauf, eins dieser Biester an seinem eigenen Bein hängen zu haben. Sie überhaupt auf die Menge loszulassen, war schon riskant genug. Er konnte nicht beeinflussen, an wem sie sich festbissen. Aber für Chaos waren sie allemal gut – und wenn das nicht klappte, konnte er immer noch Feuer legen.
Er steuerte den letzten Käfig auf der rechten Seite an, um im Fall der Fälle wenigstens die Wand im Rücken zu haben. Dann packte er den Dolch fester und ließ den unteren Knauf mit aller Kraft auf das grobe, aber nicht besonders stabile Vorhängeschloss krachen, das die Käfigtür versperrte. Der Zylinder platzte auf und das Schloss fiel zu Boden. Lucien zögerte nur einen Moment, dann hielt er den Dolch bereit und zog die Tür auf – sorgsam darauf bedacht, sie zumindest zwischen sich und dem Hund zu halten.

Also los Fiffi. Fass das Herrchen...“,

raunte er dem Köter leise zu, der dem Mann hinter den Gittern nur ein drohendes Knurren schenkte, der plötzlichen Freiheit nicht sofort zu trauen schien und sich eher vorsichtig als gewaltbereit über die Schwelle wagte. Als daraufhin noch immer nichts geschah, nahm das Tier Fahrt auf und rannte mit langen Sätzen auf die offenstehende Tür zu, die in den Kampfraum führte.
Die übrigen Käfige einen nach dem anderen aufzubrechen, war dann keine große Sache mehr. Keiner der Hunde schien sich noch für ihn zu interessieren. Stattdessen folgten sie dem ersten laut kläffend, schnappten und verbissen sich in ihren Artgenossen, wenn sie in der Enge der Kammer einander anrempelten und schafften es schließlich durch die Tür – mitten hinein in die tobende Menge, die zwischen ihnen und dem Scheunentor stand. Zwölf Hunde, die zum Kampf getrimmt worden waren und von einem Menschen nicht viel mehr kannten, als den Stock, der dazu diente, sie noch wütender zu machen.
In den ersten Sekunden, nachdem in dem kleinen Raum Ruhe eingekehrt war, geschah nichts. Die Rufe der Schaulustigen waren genauso laut und johlend, wie zuvor. Bis sich schließlich ein panischer Aufschrei dazwischen mischte. Gefolgt von einem halben Dutzend weiterer Stimmen, die vor Schmerz brüllten.
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Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Mar 2020
#16
So lange wie möglich versuchte Alex die Szenerie, um Liam im Blick zu halten, auch wenn er unmöglich so schnell über die Bande hüpfen konnte, als dass er ihn wirklich vor irgendetwas hätte bewahren können. Angespannt hielt er die Luft an – und atmete auf, als Liam tatsächlich rechtzeitig auswich und sich von der Bande entfernte. Als Alex den Blick von seinem Freund löste, der hier so fehl am Platz wirkte wie ein Reh inmitten einer Stadt, hörte er seinen vorherigen Gegner bereits schwer die Luft einziehen und ausholen. Ein wenig genervt davon, sich mit ihm abgeben zu müssen, als im richtigen Kampfgetümmel mitzumischen, zog er den Oberkörper zurück und hörte die Faust an seinem Gesicht vorbeischnellen. Dass er dem Mann an seiner Seite keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, hatte ihn überheblich werden lassen – zu seinem eigenen Nachteil. Alex griff nach seinem Handgelenk, drehte es und zog den Arm mitsamt seines Besitzers nach unten, bloß um ihm im nächsten Moment einen kräftigen Tritt zu verpassen. Mit einem Ächzen kippte sein Gegner nach hinten und Alex nutzte die kurze Pause, um sich schwungvoll über die Bande zu werfen. Eine Hand versuchte, ihn aufzuhalten, griff allerdings ungeachtet ins Leere.

An Liams Seite hatte sich inzwischen eine weitere Gestalt gestellt. Es war nicht der Typ, der gemeinsam mit ihm den Ring betreten hatte – wohin war der eigentlich verschwunden? – sondern zierlicher, femininer.Auf seinen Lippen zeichnete sich für einen kurzen Moment Belustigung ab. Das wurde ja immer verrückter. War Liam etwa hier, um seinen Mann für eine Frau zu stehen? Ha, so dumm war selbst er nicht. Vermutlich war ihm die Flamme gefolgt, weil sie sich die große Liebe erhoffte. Erklärte allerdings immer noch nicht, was Liam hier tat. Der Kommentar, dass sie das hier lieber den Männern überlassen sollte, blieb ihm dann aber doch im Halse stecken, als er zu den beiden aufgeschlossen hatte, und Gorilla-Flint kampfbereit ins Gesicht sah.

„Na sieh mal einer an – die Amazone höchst persönlich?“, stellte Alex mit einem Seitenblick fest. Dann war das hier wohl etwas Persönliches zwischen Flint und ihr. Um Liam die Peinlichkeit zu ersparen, sich von einer Frau verteidigen zu lassen, würde er das hier trotzdem liebendgern selbst übernehmen. Dafür waren Freunde immerhin da. „Bekommst du nicht genug davon, diesen Riesenaffen zu vermöbeln?“

Auf die Idee, dass die Amazone wegen Liam hier war, kam er selbstredend nicht. Liam war nicht der Typ für Untergrundkämpfe – zumindest nicht, wenn es um mehr ging, als Preisgeld abzugreifen. Andersherum gesehen – er war ein Musiker, ein Künstler. Nichts, wofür Menschen mit derartigem Kampfgeist wie hier viel übrig hatten. Alex hörte die Schritte in ihrem Rücken. Sein letzter Gegner schien sich wohl nach einem weiteren Tritt zu sehnen. Der zweite Handlanger war an Flints Seite aufgeschlossen, während der Gorilla wutentbrannt die Zähne bleckte. Er öffnete den Mund und Alex war bereit, seine kleine, unnötige Ansprache dazu zu nutzen, seinem Freund hinter ihnen ein weiteres Mal die Fresse zu polieren, doch das plötzlich anschwellende Gekläffe ließ ihn aufhorchen. Das hatte nichts Gutes zu bedeuten. Ein schmerzerfüllter Schrei folgte, weitere gleich darauf und Alex wandte sich zwangsläufig um – der Kerl, der Liam vorhin noch festgehalten hatte, tat es ihm gleich. Die Menge, die eben noch gewaltbereit pulsiert hatte, hatte sich in einem Durcheinander verirrt – und zwischendrin blitzten immer mal wieder fellige Leiber auf, die Alex erst einen Moment später zuzuordnen versuchte. Das wurde ja wirklich immer besser. Der Blick des Lockenkopfes löste sich von der Menge. Kurzerhand nutzte er die Gelegenheit, dem Handlanger vor ihm mit einem gezielten Tritt die Beine unter dem Körper wegzuziehen, während er noch versuchte, die Situation zu begreifen.

„Ups, ‘tschuldige.“, warf er ihm leichthin mit einem Grinsen an den Kopf und wandte sich dann wieder zu den anderen vier Gestalten herum. „Das wäre gerade übrigens ein guter Zeitpunkt für uns, zu verschwinden, Liam. Nur für den Fall, dass du hier fertig bist.“ Flint sah das offensichtlich anders, denn seine wutentbrannte Fratze presste irgendetwas wie ‚So einfach kommt hier keiner davon‘ zwischen den Lippen hindurch.

]Mit einem Schritt nach vorne wollte er Skadi packen, während der Kerl an seiner Seite dazu ansetzte, Liam davon abzuhalten, seinem Boss auf den Sack zu gehen.
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Crewmitglied der Sphinx
für 250 Gold gesucht
dabei seit Apr 2016
#17
Skadi war versucht den Kopf herum zu drehen, kaum dass sich auch noch eine dritte Person ins Geschehen einmischte. Fuck, war das nicht dieser eitle Fatzke von neulich, der sich wegen jeder Frage persönlich auf den Schlips getreten gefühlt hatte. Und das obwohl er offensichtlich versucht hatte, irgendetwas am Mord in der Werft zu verschleiern. Gott. DER hatte ihr auch gerade noch gefehlt. Als würde Liam nicht ohnehin jegliche Konzentration auf sich ziehen, die sie erübrigen konnte. Was mischte der sich denn noch ein? War er auf Rache aus? Wollte er sie ans Messer liefern? Zuzutrauen wäre es ihm. Dass seine Position auf ihrer Seite allerdings keinen Sinn machte, kam ihr kaum in den Sinn, als Liam zu einem Angriff ansetzte und sie mit aufgerissenen Augen dabei zusehen musste, wie er zur Seite rauschte. Davon geschnipst wie eine Fliege. Augenblicklich tauchte sich die Welt in ein seltsames Licht. Skadi senkte den Kopf, ließ die Finger knacken und spürte die Hitze zu ihrer Brust hinauf zwirbeln. Kein gutes Zeichen, zumindest für den Fleischberg.
Und gerade als Alex nach ihr ausholte, die Finger in Richtung ihres Handgelenkes streckte, stemmte sie sich nach vorn und tauchte ruckartig unter dem rechten Arm ihres Angreifers hindurch. Nutzte das Ungleichgewicht seines Körpers, das Liams Angriff verursachte und drückte sich, die Fäuste voraus, mit vollem Körpergewicht in die Achselhöhle nach oben. Es knirschte. Laut. Der darauf folgende Aufschrei übertönte die Unruhen außerhalb des Ringes um ein Vielfaches. Keine Sekunde später hing der Arm, der gerade noch vor Wut nach ihr gegriffen hatte, schlaff wie ein totes Huhn am Körper hinab. Die Schulter wirkte wie aus ihm heraus gewachsen, schief und nicht dort, wo sie hingehörte. Keuchend ging Flint in die Knie, wirbelte Staub auf, der Skadi unangenehm in der Nase kitzelte, während sie, nun in seinem Rücken stehend, finster zu ihm hinab sah. Fast hätte sie ihm ins Kreuz getreten. Doch es gab wichtigeres zu tun. Spürte das perfide Lächeln in ihrem Mundwinkel zucken, als der Hüne das Bewusstsein verlor und rumsend zu Boden ging.
Gerade im rechten Moment, als das Bellen erneut durch die Massen zu ihnen hinüber schwappte und die Nordskov dazu zwang aufzusehen. An den beiden Lockenköpfen vorbei, die den nächsten Gegner zu Boden schickten. Für eine Sekunde verengten sich die dunklen Augen. Dann wandte sie sich halb herum, rannte auf Liam zu – Alex blendete sie noch immer aus, registrierte nicht einmal wirklich, dass die Zwei zusammengehörten – und legte ihre Hand auf dessen Unterarm.

“Wir müssen verschwinden. Luc hat für Ablenkung gesorgt.“

Als wäre es nicht eindeutig genug, nickte sie in Richtung der aufgescheuchten Menschenmenge. Intensivierte den Druck auf seinen Unterarm, ehe sie von ihm abließ und in Richtung Absperrung voraus eilte.
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