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This mark you’ve made on me can’t be erased
Szenen-Informationen
Datum 10 Mai 1822
Ort
Tageszeit Später Abend
Crewmitglied der Sphinx
für 0 Gold gesucht
dabei seit Nov 2015
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#1
This mark you’ve made on me can’t be erased
Später Abend des 10. Mai 1822
Lucien Dravean & Shanaya Árashi


Die Sonne versank langsam über den Dächern der Stadt, tauchte inzwischen alles in ein tiefes Rot. Die Menschen auf den Straßen achteten kaum auf ihre Umgebung, die meisten eilten nach Hause zu ihren Familien. Nur Shanaya schlenderte mit ruhigen Schritten durch die Straßen, ließ den Blick dabei aufmerksam schweifen. Der Hafen war noch ein ganzes Stück entfernt, aber sie hatte alle Zeit der Welt. Sie hatte in der Stadt alles erledigt, wofür sie losgezogen war und so musste sie jetzt nur noch zur Sphinx zurück kehren. Gut gelaunt, mit einem leisen Summen auf den Lippen, bog die junge Frau in eine der Seitengassen ab, die sie als kleine Abkürzung in Erinnerung hatte. Nach wenigen Metern folgte eine erneute Abzweigung, die von einer Laterne spärlich beleuchtet wurde. Jemand stand dort, der Schatten eines Mannes fiel auf den grauen Boden. Aber Shanaya erkannte nicht das Gesicht, nur den Körper des Fremden. Sie störte sich also nicht daran, setzte ihren Weg fort, bis sie die Hauswand erreicht hatte und weiter nach rechts gehen wollte.

Ich hatte gehofft, dass du diesen Weg gehen würdest.“

Mitten in ihrer Bewegung erstarrte Shanaya. Der Klang dieser Stimme... Sie hatte den Blonden erkannt, bevor er gesprochen hatte – aber erst mit seinen Worten nahm sie ihn vollkommen wahr. Der letzte Mensch aller Welten, den sie sehen wollte. Das Summen war verstummt, augenblicklich wich die Schwarzhaarige einen großen Schritt zurück und zog in der selben Bewegung ihren Degen. Bláyron.
Er stand vor ihr, die Arme verschränkt, den grünen Blick fest auf sie gerichtet. Shanayas ganzer Körper spannte sich an, all ihre Sinne konzentrierten sich auf den Mann, der ihr nun mit einem ruhigen Schritt folgte. Sie hätte weglaufen können, wie bei Mardoc. Irgendeinen verworrenen Weg nehmen, um ihn abzuhängen. Aber ihr Körper gehorchte nicht, der Hass, den sie beinahe auf der Zunge schmeckte, lähmte sie, nahm ihr jegliche Kontrolle und klaren Gedanken. Bláyron kam einen weiteren Schritt näher, den die junge Frau weiter zurück wich, sodass ihr Rücken gegen die Steinwand hinter ihr stieß. Ihr Herz raste, unzählige Gedanken kreisten durch ihren Kopf, aber all das schien sie durch den unendlichen Zorn, der in ihr brodelte, kaum wahrzunehmen.

Kleine Schwester, du hast doch nicht etwa Angst vor mir?“

Er grinste, sein Gesicht glich mehr einer Grimasse. Ihre Hand, ihr ganzer Körper bebte und trotzdem umfasste sie den Knauf ihres Degens fester, so sehr, dass ihre Hand zu schmerzen begann.

Wo sind deine kleinen Freunde? Ich an deiner Stelle würde aufpassen, vielleicht ist mir der ein oder andere schon begegnet...“

Seine Worte nahmen ihr einen Moment lang die Luft, schnürten ihr die Kehle zu. Was wusste er? Hatte Mardoc ihm etwas erzählt? Hatte ihr Bruder...? Die Schwarzhaarige schüttelte in einer fast hektischen Geste den Kopf, versuchte diesen Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen. Sie durfte sich davon nicht ablenken lassen, genau das wollte er. Sie ausspielen, sie ablenken...
Der Mann kam noch einen Schritt näher, stand nun fast direkt vor ihr. Sofort hob Shanaya die Hand, die den Degen umklammerte, holte aus, um den Blonden irgendwie von sich fort zu schlagen. Nur hatte er genau damit gerechnet, hatte selbst den Degen gezogen und wich in einer fließenden Bewegung zur Seite aus. Schneller als Shanaya hätte reagieren können, hob er selbst die Waffe, zielte mit einem Schlag auf die Hand seiner Schwester. Im nächsten Moment zog sich ein deutlicher Schnitt durch ihre Haut auf der Hand, aus Reflex löste sie die Umklammerung um ihren Degen, der laut klirrend zu Boden fiel. Sie wollte sich danach bücken, schnell genug sein, um wenigstens eine kleine Chance zu haben, aber ihr Bruder war längst noch einen Schritt näher gekommen, drückte sie nun mit seinem Körper gegen die Steinwand sodass sie sich kein Stück bewegen konnte. Sie atmtete deutlich schneller, wich dem Blick aus den grünen Augen jedoch nicht aus. Eisiger Hass lag darin, aber auch das änderte nichts daran, dass Bláyron jeden Versuch vereitelte, ihn von sich weg zu schieben, bis er ihre Arme einfach festhielt.

Du bist einfach verschwunden, ohne dich richtig zu verabschieden.“

Mit diesen Worten ließ der Blonde einen ihrer Arme los, zog einen Dolch von seinem Gürtel, den er an die Schnüre ihrer Corsage legte. Der Zorn, der mehr und mehr in Shanaya kochte, trieb ihr Tränen in die Augen, während sie den Druck der Klinge spürte, die jetzt langsam die Schnürung durchschnitt.  Tränen rannen ihr über die Wange, ihre Stimme war nur ein leises Flüstern.

Verschwinde...“

Er hörte nicht auf, schnitt die letzte Schnur durch, die Corsage rutschte an ihrem Körper hinab auf den Boden.

Ich verstehe dich nicht, du musst schon lauter sprechen...“

Mit jedem Wort des Blonden spürte sie mehr Hass, mehr Zorn und das Verlangen, Bláyron jeden Schmerz der Welt zu zufügen. Sie zitterte, wollte sich wehren und konnte doch Nichts tun. Bis zu dem Moment, in dem Bláyrons Hand, die den Dolch wieder weg gesteckt hatte, sich an ihre Bluse legt, sie mit dem lauten Geräusch von reißendem Stoff aufriss. Und wieder kam er näher, legte die Lippen an ihren Hals. In diesem Moment packte Shanaya eiskalte, blinde Wut. Ihre freie Hand löste sich aus ihrer Starre, griff nach ihrem eigenen Dolch und zielt mit aller Kraft auf das Gesicht ihres Bruders. Die Klinge traf, schnitt ihm quer über die Wange, als der Mann etwas zurück wich.

VERSCHWINDE!“

Für den Hauch einer Sekunde ließ er von ihr ab, wich jedoch nicht zurück. Shanaya wollte sich frei kämpfen, den Moment nutzen, um sich in Sicherheit zu bringen. Aber Bláyron war wieder schneller, legte ihr die Hand um den Hals und drückte sie rücklings gegen die Wand, drückte ihr die Luft ab. Er kam ihrem Gesicht noch einmal näher, in der Stimme eine deutliche Drohung.

Merk dir eins, Shanaya. Du bist allein und daran wird sich nie etwas ändern. Ich werde dafür sorgen, dass du niemals glücklich wirst. Das verspreche ich dir. Diesmal lasse ich dich gehen, aber nur, damit wir uns bald wieder sehen.“

Noch einen Moment hielt er die Schwarzhaarige fest, ehe er sie los und von ihr abließ, sodass die junge Frau mit einem Keuchen nach Luft schnappte. Er hatte genug fürs Erste, aber das war gewiss nicht ihre letzte Begegnung gewesen.
Ihr Bruder war fort und mit einem Mal herrschte Stille. Shanaya hörte Nichts, außer dem schmerzenden Schlagen ihres gehetzten Herzens. Zitternd sank sie auf die Knie, die Wangen voller Tränen, die nicht versiegten. Die junge Frau schlang die Arme um ihren Körper, versuchte sich irgendwie zu beruhigen. Den Schmerz der Wunde auf ihrer Hand nahm sie kaum wahr, genau wie das Blut, das ihre zerrissene Bluse beschmierte. Sie wollte hier weg, zur Sphinx, irgendwohin. Aber ihr Körper gehorchte nicht, gab ihr keine Chance, sich zu bewegen.  
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#2
Keine zwei Stunden mochte es her sein, dass er Shanaya zuletzt getroffen hatte. Nur eine kurze Begegnung, ein kleiner Schlagabtausch, bevor sie getrennter Wege gingen, um sich ihren jeweiligen Erledigungen zu widmen. Als er danach auf die Sphinx zurück kehrte, um sie zu suchen, war die Schwarzhaarige noch nicht zurück und da er sonst nichts Weltbewegenderes vor hatte, das ihn die Wartezeit hätte überbrücken lassen, zog er es vor, ihr ein Stück weit entgegen zu gehen. Dieses Nest war klein genug, um die Wege, die sie zurück zum Hafen hätte nehmen können, auf nicht einmal mehr eine Hand voll einzuschränken. Er konnte also getrost davon ausgehen, dass er früher oder später über sie stolperte.
Als er Shanaya jedoch fand, hätte er sie beinahe übersehen. Wäre an der Mündung der Seitengasse, in der sie hockte, einfach vorbei gegangen. Was ihn dazu brachte, zur Seite zu schauen, konnte er im Nachhinein auch nicht sagen. Ein Geräusch vielleicht. Eine Bewegung. Oder einfach sein Unterbewusstsein, das ihm sagte, dass die Silhouette in seinem Augenwinkel etwas Vertrautes an sich hatte. Was auch immer es war, es reichte, um ihn eher beiläufig den Kopf drehen zu lassen – bevor er ruckartig stehen blieb.
Sie kniete im Schmutz, ein hellrotes Rinnsaal zog sich ihren Handrücken und Unterarm hinab, den sie um ihren Körper geschlungen hatte, als versuche sie, die zerfetzte Bluse zusammen zu halten, die sie gerade noch so bedeckte – oder sich selbst. Und niemand, der noch einigermaßen bei Verstand war, hätte in diesem Augenblick nicht die gleichen Schlüsse gezogen, wie Lucien es tat.
Doch noch zu surreal erschien ihm diese Szene, zu taub machte sie ihn, dass er darüber etwas anderes empfand, als den drängenden Wunsch, sie aus ihrer Starre zu holen, aus dieser unglaublich verletzlichen Haltung und sie von hier weg zu bringen. Ohne lange darüber nachzudenken, was er tat, folgte er diesem Wunsch.

Shanaya?

Er sprach sie so unendlich sanft an, dass er seine eigene Stimme kaum erkannte, als er langsam vor ihr in die Hocke ging. Wann hatte er sich jemals einem anderen als seiner eigenen Schwester gegenüber so verhalten? Wann war ihm sonst je in den Sinn gekommen, den Anblick eines anderen nicht ertragen zu können? Er konnte sich nicht erinnern.
Leise, fast lautlos, stieß Lucien die Luft aus und hob vorsichtig die Hand. Zögerte einen Moment, bevor er flüchtig ihre Wange mit den Fingerspitzen berührte. Jeden Moment damit rechnend, dass sie sich zur Wehr setzte, sollte sie ihn nicht gleich erkennen.
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#3
Die Zeit verstrich, es fühlte sich an wie endlos lange, eiskalte Stunden. Shanayas Körper reagierte nicht auf ihre Umwelt, sie nahm kaum ein Geräusch war, nicht wie viel Zeit vergangen war, seitdem ihr Bruder sie hier zurück gelassen hatte. Der Drang, sich zu verstecken, schien übermannend und doch regte sie sich nicht, schlang nur ihre Arme noch ein wenig fester um ihren Körper. Niemand kam vorbei, Bláyron kam jedoch auch nicht zurück. Das war ihre erste Befürchtung gewesen, dass er wartete, sie sich in Sicherheit wiegen ließ und dann zurück kam. Aber es blieb still und vielleicht war er wirklich einfach verschwunden. Shanaya hoffte es.
Weitere Zeit verging, in der die junge Frau sich nicht bewegte, die Tränen auf ihren Wangen trockneten nicht. Und dann waren da Schritte, die ohrenbetäubend laut an den Wanden wieder hallten, die ihr Herz schneller antrieben. Sie musste an ihren Degen kommen, sie musste sich wehren können. Egal, wie bewaffnet er zurück kommen würde. Auch wenn er weitere Männer mit sich brachte. Sie musste gegen jeden einzelnen bestehen, wenn sie hier heraus kommen wollte. Die blauen Augen huschten zu ihrem Degen, der in ihrer Nähe auf dem Boden lag. Aber sie konnte sich nicht bewegen, ihr zitternder Körper gehorchte nicht. Trotzdem verließ kein Laut ihre Lippen, als hätte sie Hoffnung, nicht bemerkt zu werden. Eine Stimme drang durch die Dunkelheit, aber weder erkannte sie sie in diesem Moment, noch verstand sie, was sie sagte. Zumindest oberflächlich, nur in ihrem Innersten regte sich ein kleiner Funke, der sie hoffen ließ. Trotzdem kämpfte sie verzweifelt gegen die Ketten an, die ihren Körper fest im Griff hatten. Sie lösten sich auch nicht, als eine Silhouette vor ihr auftauchte, ihr so nah kam, dass sie aus einem ersten Reflex beinahe zurück gewichen wäre. Dann spürte sie die sanfte Berührung an ihrer Wange, das warme Gefühl, dass das Gefühl der Erkennung aus ihrem Inneren heraus kitzelte. Kaum zwei Herzschläge vergingen nach dieser Berührung, ehe die Schwarzhaarige den Kopf hoch riss, Lucien aus verwirrten, blauen Augen entgegen blickte. Mit der aufglimmenden Glut der unbändigen Freude kam jedoch auch die Kälte der Angst, die die Hand fest um sie schloss. Er war hier. Lucien war... wenn Bláyron noch in der Nähe war...
Zum ersten Mal regte sich der Körper der Dunkelhaarigen, ihr inneres Chaos für einen Herzschlag vergessend rutschte sie das kleine Stück vor, bis sie Luciens Körper nah genug war, um die Hände in sein Hemd zu graben, um sich an ihn zu lehnen. Vielleicht konnte er ihr helfen, dass ihr Körper nicht mehr unkontrolliert zitterte, dass sie sich beruhigen konnte.

... Geh... bitte...“ Ihre Stimme war brüchig, hatte Nichts von der Sicherheit, die sonst darin mitschwang. Aber alles an ihr strafte diese Worte Lügen. Sie wollte nicht, dass er ging. Auch wenn er in Gefahr war, sie wollte nicht von seiner Seite weichen. „Er darf dich hier nicht sehen.“

Ihre zittrigen Hände krallten sich mit diesen Worten nur noch fester in den Stoff seines Hemdes, während ihr Kopf langsam gegen seine Brust sank. Sie schloss die blauen Augen, hoffte, so vergessen zu können, in was für einer Situation sie sich befand. Dass sie sich einfach auf die Sphinx denken konnte, fern von dieser lähmenden Kälte, die sie fest im Griff hielt.

Bitte...“
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#4
Sie zuckte nicht zurück, auch wenn er die Anspannung in ihren Schultern bemerkte, noch während er sich ihr näherte. Doch als seine Finger ihre Haut streiften, schien sie ihn zu erkennen und hob, nur Herzschläge später, den Blick zu ihm. Lucien hielt für einen Moment den Atem an, hätte sich dem nicht entziehen können, selbst wenn er es gewollt hätte.
In ihren Augen stand ein Ausdruck von Verwirrung. Er meinte sogar, Angst darin zu erkennen. Und über ihre Wangen zog sich eine feuchte Spur aus Tränen, die einfach nicht versiegten. Doch ihre Iris war so klar und hellblau wie der Himmel an einem strahlenden Sommertag. Wie konnte sie nur so verletzt und zugleich so schön sein?
Seine Hand legte sich sanft an ihre Wange und zugleich lehnte Shanaya sich ihm entgegen, brachte ihn beinahe aus dem Gleichgewicht. Ganz intuitiv verlagerte er seinen Schwerpunkt nach vorn, sackte mit einem Knie auf den Boden, sodass er nun halb hockte und halb kniete, um sie beide halten zu können, während er sie in seine Arme schloss. Sie zitterte, brachte ein paar leise, brüchige Worte heraus, die er kaum verstand. Erst mit dem nächsten Satz wurde ihm ihre Bedeutung gänzlich bewusst und ließ Lucien unwillkürlich die Stirn runzeln.
Er darf dich hier nicht sehen? Er? Der erste, an den er dachte, war Mardoc. Aber das ergab keinen Sinn. Shanaya wusste durchaus, wie wenig er eine Begegnung mit diesem Mann fürchtete. Eher sehnte er sie herbei – auch das musste ihr bewusst sein. Beide Männer waren sich durchaus ebenbürtig. Erst recht jetzt, da er mehr und mehr zu alter Kraft zurück fand.

Wer, Shanaya? Wen meinst du mit 'er'? Hier ist niemand, außer uns.

Seine Stimme blieb nach wie vor unendlich sanft. Jeder Gedanke richtete sich auf die junge Frau und das, was ihr passiert war. Doch ein kleiner Teil seiner Aufmerksamkeit lauschte auf Schritte, wagte einen kurzen Blick nach links oder rechts, ob jemand die beiden Gestalten in der Seitengasse beobachtete. Nichts.
Mit einer beruhigenden Geste strich er ihr eine kohlrabendschwarze Strähne hinter das Ohr, zog sie noch ein Stück näher an sich, bevor er das Gesicht sacht in ihr Haar lehnte.

Du weißt, dass ich nicht gehen werde.
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#5
Luciens Nähe löste so unendlich viel in ihr aus, brachte sie durcheinander. Shanaya konnte all das nicht ordnen, zu viel Chaos herrschte in ihrem Inneren. Dennoch konnte sie sich nicht entspannen, auch wenn sie Lucien kaum näher sein konnte. Ihr Körper beruhigte sich nicht, ihre Augen brannten durch die Tränen. Sie spürte die Bewegungen des Dunkelhaarigen und einen Moment lang glaubte sie, er würde sich an ihre Worte halten, würde gehen und sie hier lassen. Sie hoffte es so sehr, fürchtete sie doch, dass Bláyron zurück kam und sein nächstes Opfer in seinem kleinen Spiel gefunden hatte. Und doch fürchtete sie noch viel mehr, dass Lucien sich von ihr lösen würde, sie zurück ließ und damit auch die kleine Flamme wieder erlosch, die sie sanft wärmte. In diesem Chaos aus Gedanken schlug sie die Augen auf, auch wenn sie nicht wusste, was sie getan hätte, wäre der Dunkelhaarige nun aufgestanden. Sie wollte nicht wieder allein sein.
Lucien selbst war es, der diese Angst im Keim erstickte, sie ihr nahm und das kleine Glühen nur noch mehr anfachte. Die Arme, die sich um sie schlossen, ließen sie das erste Mal ruhiger durchatmen, als löste er damit die Kette, die sich fester und fester um ihren Hals gelegt hatte. Sie löste sich in der Umarmung des Mannes, gab ihr wieder Raum, um sich wenigstens ein wenig zu beruhigen. Trotzdem ließ sie das Gesicht gegen Luciens Brust gelehnt, schloss wieder die Augen und versuchte mit ruhigen Atemzügen zur Ruhe zu kommen. Sie ließ sich dazu fallen, verlor sich in den Armen des Mannes. Egal, wie verletzlich sie sich in diesem Moment damit machte, wie sehr sie sich ihm auslieferte. Hier fühlte sie sich sicher, ohne dieses Gefühl genauer definieren zu können. Sie entspannte sich, nur der feste Griff an seinem Hemd blieb bestehen. Seine Stimme, so sanft und weich, halfen ihr dabei, auch wenn seine Frage noch einmal etwas in ihr hochkochen lassen wollten. Aber sie schluckte es herunter, atmete einfach dagegen an.

Bláyron. Er war hier und... er... er wollte...“

Ihre Stimme brach mit einem zitternden Ton ab. Schon wieder. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass ihr Bruder ihr auf diese Art und Weise näher gekommen war. Ob Lucien verstand, was sie sagen wollte? In einem absurden Gedanken fragte sie sich still, ob er es wohl damit verbinden würde, dass sie ihn nur bis zu einem gewissen Punkt an sich heran ließ. Dass sie ihn nicht an sich heran ließ, weil der einzige, der ihr auf diese Art und Weise näher gekommen war, ihr eigener Bruder war. Ihr wurde bei diesem Gedanken speiübel, wieder wollte endloser Hass sich durch ihr Inneres fressen, aber Lucien drängte es mit einer sachten Berührung zurück, strich ihr eine Strähne hinter das Ohr und sprach leise Worte, die sie langsam die Finger aus seinem Hemd lösen ließen, nur um die Arme um seinen Körper zu legen, während er sie noch ein wenig näher zu sich zog. Ihr Zittern wurde weniger, nur seine Worte trieben ihr noch einmal Tränen in die Augen, womit sie auf seine Worte Nichts zu erwidern wusste. Er hatte ihr gesagt, dass sie nicht allein war. Und jetzt war er wieder hier, beruhigte sie in einem Moment, in dem sie geglaubt hatte, sie müsste ihn wieder und wieder allein durchstehen. Sie wollte noch immer fort von diesem Ort, irgendwo in Sicherheit, wo ihr Bruder sie nicht finden würde. Und doch... schien es in diesem Moment keinen sichereren Ort zu geben als in Luciens Armen.

Er wird wieder kommen.“

Sie wusste nicht, wieso diese Worte über ihre Lippen kamen. So leise, dass sie sich nicht einmal sicher war, ob Lucien sie verstehen würde. Natürlich würde er das. Wenn nicht heute, dann an einem anderen Tag. Und sie wusste nichr, worauf sie hoffen sollte. Darauf, dass sie dann wieder allein sein würde... oder darauf, dass sie jemanden in Gefahr brachte, der ihr so viel mehr bedeutete, als sie sich in diesem Moment eingestehen würde.
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#6
Sie drängte sich an ihn, als versuche sie, in ihn hinein zu kriechen, erinnerte ihn in diesem Moment mehr denn je an seine kleine Schwester in einem Augenblick tiefster Verzweiflung. Sie, die immer starke ewige Einzelkämpferin. Dass es diese andere Seite in ihr gab, wusste er längst. Tief vergraben und verborgen vor den Augen anderer hinter ihrem sonst so unerschütterlichen Selbstvertrauen. Doch nie in all der Zeit seit sie sich kannten, hatte Lucien darüber nachgedacht, wie groß das Maß an Vertrauen sein musste, dass sie ihm inzwischen entgegen brachte. Das Maß, das nötig war, um in diesem Augenblick, in dem sie so endlos verletzlich wirkte, seine Nähe zu suchen. Gerade seine. Gerade er, dem das Elend anderer nicht gleichgültiger sein konnte. Gerade er, der für jene verletzliche Seite in ihr die ungesündeste Wahl war, wenn sie den Fehler beging, sie in seine Obhut zu legen.
Doch er bildete sich ein, dass es half. Das Zittern in ihren Gliedern ließ nach, nur der Griff ihrer Hände in seinem Hemd blieb unvermindert kraftvoll. Eine feine Blutspur färbte bereits den hellen Stoff eben dort, wo sie mit dem lädierten Handrücken die Leinenfasern streifte. Er störte sich nicht daran, hauchte ihr rein intuitiv einen sachten Kuss auf den Scheitel und wiederholte in immer gleicher, beruhigender Weise die Bewegung, mit der seine Finger durch ihr dunkles Haar glitten.
Bis ihre Worte ihn abrupt innehalten ließen und sich eine Welle der Anspannung durch jeden Muskel seines Körpers zog. Scharf zog er die Luft ein, bevor er in seiner Atmung kurzerhand stoppte. Bláyron? Bláyron?!?

Dein Bruder hat dir das angetan??

Abscheu regte sich in ihm, brachte ihn dazu, sich ein Stück weit von ihr zu lösen, um einen Blick in ihr Gesicht zu erhaschen. Vorsichtig zwar und ohne allzu viel Abstand zwischen sie zu bringen und ihr den Halt nicht zu verwehren, den sie suchte, aber nachdrücklich. Ihr eigener Bruder...
Lucien wusste nur zu gut, dass das Verhältnis zwischen Shanaya und Bláyron in keinster Weise dem zwischen Talin und ihm entsprach. Er hatte die Narben gesehen, hatte gehört, wie die Schwarzhaarige über diesen Mann sprach... und einen seiner Schläger schließlich leibhaftig kennen gelernt. Der Mensch, der hinter all dem steckte, konnte nichts Gutes an sich haben. Doch das er so weit gehen würde? So abgrundtief verdorben war, dass er seine eigene Schwester auf diese Art verletzte?

Komm.“ Der 21-Jährige zwang sich zu Ruhe, zu Besonnenheit, bewegte sich nur vorsichtig, um Shanaya die Gelegenheit zu geben, ihm zu folgen. „Lass uns erst mal von hier verschwinden. Wir sollten von der Straße runter.

Und auch wenn er ihre letzten Worte kaum gehört hatte, hätte das ebenso die Antwort darauf sein können.


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