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Tag der Güte
Szenen-Informationen
Charaktere Alex Mason » Jonah Blythe
Datum 20 Mai 1822
Ort Calbota
Tageszeit Nachmittag
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Mar 2020
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#1
Tag der Güte
Nachmittag des xx. Mai 1822 (vor Plot XII)
Jonah Blythe & Alex Mason

Scheiße, wiederholte es sich gelangweilt in seinen Gedanken. Dieser Nachmittag schien gar nicht vergehen zu wollen. Das Kinn auf die Handfläche gestützt saß der Dunkelhaarige über einem Buch, dessen Inhalt er schon lange nicht mehr wirklich aufmerksam überflog. Satz für Satz, Wort für Wort schaffte es nicht einmal mehr über drei Herzschläge lang, in seinem Gedächtnis zu verweilen, bis Alex sein Vorhaben schließlich aufgab und das Buch zusammenklappte, um den Blick mit flüchtigem Interesse über die Gäste am Tresen schweifen zu lassen. Aber auch da war nichts wirklich Vielversprechendes zu erkennen. Keine schöne Maid, nicht einmal intelligenzlose Muskelprotze, bei denen es sich gelohnt hätte, eine Schlägerei zu provozieren, um ein bisschen Schwung in die Bude zu bringen. Die hageren Gestalten wären vermutlich direkt beim ersten Schlag zu Boden gegangen. Alex selbst hatte sich in einer Ecke des Gasthauses niedergelassen, in der er seine Ruhe gehabt hatte. Die Wand im Rücken, um im Fall des Falles alles im Blick zu haben, sollte sich doch irgendetwas Interessantes ergeben. Aber mittlerweile rechnete er gar nicht mehr damit. Seine Hoffnung war verflogen.
 
Ein Blick aus dem schmutzigen Fenster verriet ihm, dass es noch nicht einmal spät genug war, um sich außerhalb der Stadt ein bisschen auf die Lauer zu legen. Bis zur Dämmerung blieben ihm noch einige Stunden. Die Zeit des Tages also, wo die Aussicht auf ein bisschen Wild mehr als miserabel war. Halbherzig nippte Alex abermals an seinem Bierkrug, seufzte schwer gelangweilt und lehnte sich zurück, um einen Schwung Personen zu beobachten, die das Gasthaus gerade betraten. Ein paar von ihnen hatte er in den letzten Wochen bereits öfter gesehen. Vermutlich die Verwandtschaft des Besitzers oder ähnliches, sodass es sie des Öfteren in dieses Gebäude verschlug, um ihre Liebsten zu besuchen. Ein weiteres Mal öffnete sich die Tür, doch der Dunkelhaarige machte sich nicht die Mühe, den Blick abermals auf die Gestalt zu wenden, die hereintrat. Vermutlich ein Nachzügler, der draußen vor der Tür in ein Gespräch verwickelt worden war.
 
Falsch gedacht. Aus den Augenwinkeln wirkte der Nachzügler zerschlissener als die Gruppe zuvor. Vielleicht – Alex richtete sich in seiner Ecke auf und musterte den unscheinbaren Mann, der hereingetreten war. Auch ihn hatte er in den letzten paar Tagen häufiger hier gesehen. Er übernachtete hier in irgendeinem der Zimmer, hielt sich aber meist im Hintergrund und verschwand oft aus dem Gastraum, ohne dass jemand Notiz von ihm nahm. Die dunklen Augen des Mannes schmälerten sich, während er einen genaueren Blick auf seine Züge zu werfen versuchte, was ihm im Halblicht des Gebäudes aber nur schwer gelang. Er kam ihm nämlich bekannt vor. Nicht auf die Art, wie man Freunde oder Bekannte erkannte, sondern beiläufiger, unbewusster. Vielleicht war er irgendein berühmtes Gesicht, war ihm anfangs in den Sinn gekommen, doch die Tatsache, dass seine Klamotten deutlich in Mitleidenschaft gezogen waren und niemand sich wirklich für ihn zu interessieren schien, hatten ihn schnell von diesem Gedanken abgebracht. Auf dem Weg zur Werft in den Morgenstunden dann aber, hatte er den Grund gefunden – möglicherweise. Wenn er nur mal einen genaueren Blick auf ihn erhaschen konnte. Zum Glück hatte er an diesem angebrochenen Nachmittag nicht wirklich etwas vor. Eine kleine Ermittlung zum Zeitvertreib kam ihm also nur gelegen.
 
Alex leerte den Bierkrug mit einem letzten Zug. Der Mann, auf den er es abgesehen hatte, hatte sich inzwischen wieder in einer dunkleren Ecke des Gastraumes niedergelassen, wo er bereits trotz des geringen Besuches zu dieser Tageszeit kaum mehr auffiel. Der Lockenkopf klemmte das Buch unter den Arm und erhob sich aus seiner Ecke heraus. An der Theke angekommen, klatschte er den leeren Krug in Begleitung einiger Münzen auf das Holz, wies auf den Tisch in der Ecke und machte sich dann auf, um den zwei bestellten Bierkrügen zuvorzukommen.
 
Ungeniert ließ er sich mit einem lockeren Ausdruck auf den Zügen dem Fremden gegenüber auf der Bank nieder, dessen Skepsis nur mehr als verständlich war. Doch Alex ließ sich davon nicht beeindrucken, konterte seine finstere Mine mit einem Lächeln und stellte fest, dass er mit seinem flüchtigen Gedanken an der Theke offensichtlich Recht gehabt hatte. Der Gute hatte etwas zu trinken mehr als nötig, um seine Gesichtsmuskeln mal etwas zu entspannen.
 
„Scheint ein anstrengender Tag gewesen zu sein, hm?“, begann er, ohne zu berücksichtigen, dass sie noch nie im Leben ein Wort miteinander gewechselt hatten. Bevor er fortfahren konnte, stellte man ihnen bereits zwei volle Bierkrüge auf den Tisch. „Dachte mir, bei der finsteren Miene tut dir ein bisschen flüssiges Glück ganz gut. Geht auf mich.“
 
Beiläufig griff er nach dem Henkel des Kruges, ob ihn zu einem angedeuteten Gruß und nahm einen Schluck, dabei unauffällig über den Rand seines Kruges zu ihm hinüberblickend, um zu beurteilen, ob er mit seiner Annahme richtig lag. Denn wenn seine Visage wirklich die war, die man auf einigen Plakaten an den Hauswänden abgedruckt hatte, hatte sein Gegenüber – spätestens bald – ein kleines Problem, wenn die ersten aus ihren Löchern krochen, um mit ihm ein bisschen Gold zu verdienen. Bis er ihn damit konfrontierte, würde er ihm allerdings noch ein bisschen Zeit lassen. Vielleicht verriet er sich ja auch von selbst oder gab etwas anderes Interessantes preis. Denn das die Marine nicht selten Dreck am Stecken hatte, wusste Alex nur zu gut.
 
„Ich bin übrigens Alex.“
 
Einem Fremden gegenüber plauderte man immerhin nicht einfach aus dem Nähkästchen. Normalerweise.
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
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#2
Chancen kamen und gingen.. Und die winzige Chance auf dem Schiff der schwarzhaarigen jungen Frau anzuheuern, war so schnell verflogen wie sie gekommen war. Dennoch hatte sie Jonah aus seiner Starre geweckt - er musste von der Insel fort. Für den jungen Marinesoldat war es generell ungewöhnlich lange seinen Gedanken nachzuhängen und nicht bei der Sache zu sein. Und mit 'Sache' waren in diesem Fall die Fahndungsplakate gemeint... Ihm war klar, dass er nicht zulange auf einer Insel verweilen sollte, wenn er der Marine dauerhaft entgehen wollte. Und trotzdem versuchte er krampfhaft die Geschehnisse so zu verarbeiten, dass er verstehen konnte was genau eigentlich passiert war. Wie konnte er desertieren? Die Marine hatte ihn aufgezogen und zu dem Soldaten gemacht, der er heute war. Und doch passten die Puzzleteile einfach nicht zusammen. Wieso zur Hölle wollten sie seinen Kopf? Weil er der einzige überlebende der Loyality war? Das machte keinen Sinn und entzog sich jeglichem logischen Denken.

Nichtsdestotrotz war er nun hier. Zur Zeit vertrieb sich Jonah die Tage damit, irgendwie an Geld zu kommen um sein Zimmer im Gasthaus zu bezahlen. Hier waren die Plakate mit seinem Gesicht nicht all zu sehr verbreitet. Niemand hatte ihn bisher erkannt - doch wenn es soweit sein würde, wenn er die Blicke bemerken würde und das flüstern hinter seinem Rücken - 'Ist er das? Kann das sein?' - würde es Zeit werden diesen Ort zu verlassen.
Es war nicht das schlechteste, von einer Insel zur nächsten Getrieben zu werden... Immerhin hatte Jonah sich nicht nur in den Kopf gesetzt seiner ehemaligen Familie zu entfliehen. Nein. Er suchte nach seinem Captain. Wenn er sie erst einmal gefunden hatte und sie bestätigen konnte das Jonah kein Verräter war, konnte er zu seinem früheren Leben zurück kehren! Vielleicht wäre es ihm sogar Möglich wieder unter Lillians Kommando zu segeln? Dieser Gedanke war so ziemlich das einzige was ihn in seiner jetzigen Situation antrieb. Der schiere Wille zu Überleben und Lillian zu finden.

Es war nicht gerade leicht, arbeit zu finden ohne große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die besten Chancen hatte er bisher bei ungebildeten Bauern gehabt - ihnen war in der Regel egal wer da vor ihnen stand. Sie interessierten sich nur um sich selbst und darum die Ware zum Markt oder Kontor zu schaffen.
Wenn Jonah mitbekam, dass ein Wagenrad eines solchen Bauern im schlammigen Terrain des Hafens stecken blieb, half der junge Mann. Wenn er sah dass sich ein alter Mann mit schweren Getreidesäcken abmühte, half er. Und so ging es immer weiter.. Arbeit konnte man das natürlich nicht nennen - aber man steckte ihm jedes Mal ein paar Münzen als Dank zu. Und so schaffte es der dunkle Lockenkopf sich von einem Tag zum nächsten zu hangeln.

Der Mittag neigte sich seinem Ende entgegen.. Die Sonne stand schon tief und am Hafen wurde es dadurch etwas ruhiger. Zumindest was seine Zielgruppe in Form von Bauern und Händler betraf. Also war auch Jonahs 'Tag' erst einmal zu Ende. Und wieder einmal stellte er fest, dass es für ihn nicht gerade einfach war, mehr über seinen Captain heraus zu finden. Denn so gut er Situationen erkannte in denen er Helfen konnte um dadurch ein paar Münzen zu verdienen - so schlecht war er darin eine Unterhaltung zu starten. In der Regel wusste er nicht was er sagen sollte und starrte sein gegenüber dann einfach endlos lange an. Viele empfanden dies als unangenehm, wenngleich Jonah auch hier nicht verstand wieso.

Und genau so tat er es jetzt mit dem Mann der sich ohne Vorwarnung an Jonahs Tisch setzte, nachdem er das Gasthaus wieder aufgesucht hatte. Ehe er sich versah, standen zwei Bierkrüge vor ihm und der Fremde sprach ihn an. 
Jonahs Blick wanderte von dem Krug, zu seinem Gegenüber. Dabei starrte er ihn an ohne zu blinzeln oder eine Miene zu verziehen... Nichts. Er schien sich nicht einmal zu bewegen oder Anstalten zu machen, nach dem Bier zu greifen. Stattdessen überlegte er, was der Fremde wohl von ihm wollen würde? Und tatsächlich kam ihm nur ein Gedanke in den Sinn: Er hatte ihn erkannt. Doch weder Panik noch Unruhe überkam ihn. Die Dinge waren einfach so, wie sie sind. Jonah würde sich am besten am nächsten Tag noch nach einer Reisemöglichkeit umsehen müssen.
Vorerst allerdings, würde er mitspielen müssen. Gelassen bleiben. So tun als wäre er nichts besonderes - und das war schon schwierig genug. Denn er wusste nur zu gut dass seine puppenhafte Art alles andere als unauffällig war.

Jonah griff nach dem Bierkrug und zwang sich zu Lächeln. Es sollte ein dankbares Lächeln sein, allerdings sah es eher wie eine verzerrte Fratze aus die drauf und dran war seinem Gegenüber hinterrücks ab zu stechen. Um 'offener' zu Blicken, riss er die Augen etwas auf - an blinzeln dachte er jedoch keine Sekunde. Dafür bemühte er sich einfach zu sehr freundlich drein zu gucken. 
Ging allerdings vollkommen nach hinten los - es machte seine Erscheinung nur noch gruseliger.

Aye." Endlich eine mündliche Reaktion. Als sich Alex vorstellte, befand er sich im Zugzwang sich ebenfalls vorzustellen.

Und ich bin John. Freut mich."

Das Lächeln - der starre Blick, nichts änderte sich. Jonah wollte immerhin keine einzige Reaktion seines Gegenübers verpassen, es viel ihm ohnehin schon schwer Mimik und Gesten zu verstehen.
Im Grunde interessierte er sich zwar nicht für Fremde, aber in diesem Fall blieb ihm keine andere Wahl als so zu tun als ob.

Du bist ebenfalls schon länger hier im Gasthaus, aye? Wartest du auf jemanden?"

Das war zumindest in den meisten Fällen der Anlass, wenn jemand über längerem Zeitraum irgendwo ein Zimmer mietete. Oder in der Stadt stand irgendein Fest aus von dem Jonah nichts wusste. Dafür war es aber im Gasthaus doch noch zu ruhig.

Bauer war sein Gegenüber auf jedenfall nicht. Dafür war Alex' Kleidung zu sauber. Von der kräftigen Statur her ging Jonah dennoch von einem Handwerker aus. Zwar kein Schmied.. Aber Steinmetz. Granit war schwer und Alex sah durchaus so aus als könne er ohne Probleme einige Felsen von A nach B schieben.
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Mar 2020
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#3
Während er sich einen Blick über den Rand seines Kruges hinaus genehmigte, stellte er fest, dass er nicht – wie angenommen - Überraschung erkennen konnte. Viel mehr starrte ihn der Fremde derart steif an, als hätte er soeben einen Geist gesehen. Keinen furchtbar schrecklichen, aber zumindest einen, der ihn derart in seinen Bann zog, dass er alles drum herum zu vergessen schien. Außer Atmen nahm Alex an, sonst wäre sein Gegenüber zumindest früher oder später blau angelaufen. Die Stirn des Mannes legte sich unscheinbar in Falten, während sich seine Lippen langsam von seinem Getränk lösten und sein Blick unauffällig zu den Händen des Jüngeren huschten. Doch auch da war trotz der Einladung zum Trinken keine Regung zu erkennen, kein Zucken, dass darauf hindeutete, dass sein Gegenüber seinen Gruß zumindest annehmen würde. Langsam stellte er sich doch die Frage, ob er ihm vielleicht Hilfe besorgen sollte. Andererseits konnte vermutlich nicht mal ein Arzt etwas tun, wenn das Gehirn des anderen gerade langsam aber stetig den Geist aufgab, weil er angesprochen worden war. Und dann – plötzlich! – doch eine Regung. Innerlich wollte Alex schon aufatmen, hätte diese Bewegung die Fratze seines Gegenübers nicht noch mehr entstellt. Nun schob sich dann doch ganz deutlich eine seiner Augenbrauen skeptisch in die Höhe, während der den ‚Blick‘ des anderen erwiderte. Sein Verdacht erhärtete sich, dass er schlichtweg behindert war. Das wiederum hätte zwar die Deserteur-Geschichte entkräftigt, aber dann sah er dem Gesuchten einfach nur unfassbar ähnlich. Vielleicht ein Zwillingsbruder, der im Mutterleib zu wenig abbekommen hatte. Oder eine verdammt gute Masche, weil er wusste, dass man ihn suchte. Und er nun befürchtete, Alex hätte den Plan, ihn einfach auszuliefern. Clever.
 
Entschlossen, das herauszufinden, stellte er seinen Krug zurück auf den Tisch und lehnte sich entspannt ein Stückchen zurück, während sich die Skepsis auf seinen Zügen zurückzog und sich an sein entspanntes Gemüt anpasste, obwohl der Fremde ihn noch immer anstarrte wie eine leblose, menschengroße Porzellanpuppe. Wäre er ein bisschen blasser und hätte er ihn eben nicht noch hier hereinlaufen gesehen, hätte man ihn tatsächlich für ein Ausstellungsstück für ein Gruselkabinett halten können. Kinder während wahrscheinlich wirklich schreiend davongelaufen, hätte er sich plötzlich in einer staubigen, dunklen Kammer bewegt, um ihnen einen Schrecken einzujagen. Und dann passierte das, womit Alex fast schon nicht mehr gerechnet hatte: Das Püppchen konnte doch sprechen, auch wenn das rein gar nichts an seinem steifen Gesichtsausdruck änderte. Vermutlich doch behindert. Armes Kerlchen.
 
„Ebenfalls, John.“, erwiderte er und hob abermals den Krug in seiner Hand leicht an.
 
Vielleicht hatte er nicht verstanden, dass dies hier wirklich eine Einladung war und der Krug vor ihm tatsächlich für ihn gedacht war. Man konnte beschränktem Verstand ja nicht immer so gut folgen. Aber immerhin schien er tatsächlich zur Konversation fähig zu sein. Vielleicht war er ja auch irgendein Versuch der Marine? Ein herangezogener Spion, der dazu gedacht war, die Feinde in Sicherheit zu wiegen, weil ihr Gegenüber nicht ganz so mit geistiger Unversehrtheit gesegnet war? Und jetzt hatte ihr Spielzeug doch verstanden, was sie mit ihm trieben und war davon gelaufen. Eigentlich hatte Alex ja vor gehabt, ihm zu seiner Entscheidung, zu desertieren, zu gratulieren. Aber er wartete erstmal noch damit.
 
„Nein. Ich arbeite in der Stadt.“
 
Er hatte keinen Grund, ihm das zu verheimlichen. Im Gegensatz zu John anscheinend, der keinerlei persönliche Dinge preisgab und stattdessen das Spielchen herumdrehte. Alex ließ sich nichts anmerken. Er hatte kein Problem mit Smalltalk.
 
„So lange jedenfalls, wie ich Lust dazu habe. Und du, John? Was treibt dich hier her? Wartest du auf jemanden?“
Crewmitglied der Sphinx
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dabei seit Feb 2020
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#4
Es war nicht ungewöhnlich dass die meisten Männer ihren Lohn abends beim Wirt auf den Kopf hauten. Aus diesem Grund war zunächst nichts ungewöhnliches an Alex' Aussage, er arbeite in der Stadt. Was ihn aber suspekt machte war einfach die Tatsache dass er Jonah plötzlich wesentlich mehr Aufmerksamkeit schenkte als dem jungen Deserteur lieb war. Ja - er fühlte sich Bedroht. Und wenn Jonah den tieferen Sinn hinter diesem Gefühl verstehen hätte verstehen können, würde er vermutlich darüber Sinnieren wie absurd das Leben einem manchmal zuspielte: Er hatte Angst davor an die Leute ausgeliefert zu werden, für die er seit er denken konnte gearbeitet hatte.

Jonah fiel es nicht schwer zu Lügen, es war nur immer wichtig so nahe wie möglich an der Wahrheit zu bleiben - um sich gegebenenfalls nicht in widersprüchlichen Aussagen zu verstricken. Und der Kerl hatte offensichtlich vor herauszufinden ob Jonah wirklich der war, für den er ihn hielt.
Also wägte Jonah seine Möglichkeiten ab um heile aus dieser Situation heraus zu kommen und egal wie diese Aussahen, er würde definitiv diese Insel verlassen müssen. Mal wieder.
Trotz der rasenden Gedankengänge sah man dem jungen Mann seine Anspannung nicht an. Wenngleich er mit der Antwort auf Alex' Frage definitiv länger brauchte als es einer flüssigen Unterhaltung gut tun würde.

Ohne auch nur einmal zu Blinzeln starrte er sein Gegenüber unentwegt an, was seine ganze Gestalt nur noch unheimlicher wirken ließ. Welcher Mensch blinzelte denn bitte schön nicht? Doch Jonah wollte nicht eine einzige Regung oder Miene die eventuell auf das Vorhaben von Alex schließen könnte übersehen.

"Nein."

Endlich. ENDLICH eine Antwort. Er musste wirklich den Eindruck eines Beschränkten machen. Und irgendwie.. War er das ja auch. Emotional und Sozial gesehen. Doch zum Glück fehlten ihm gerade jene Fähigkeiten um sich dessen überhaupt bewusst zu sein.

"Tatsächlich... Ist es so, dass ich nach jemandem Suche."

Keine Lüge. Es war die Wahrheit. In diesem Punkt konnte er ehrlich sein, denn was sollte Alex mit dieser Information schon anfangen?

"Als was arbeitest du?"

Vielleicht konnte Jonah den Spieß herum drehen und Alex ein paar Informationen entlocken, die ihm helfen konnten seinen Captain zu finden. Je nachdem wo und als was er arbeitete, wusste er vielleicht von einer gestrandeten jungen Frau die womöglich ihr Gedächtnis verloren hatte - warum sonst sollte sie sich nicht zum Dienst zurück gemeldet haben?
Doch noch ehe Alex hätte antworten können, schwang die Tür zum Gasthaus erneut auf. 
Die Nachmittagssonne stand tief und ihre Strahlen fielen so ungünstig in den Schankraum, dass man nur die Silhouetten zweier Männer erkennen konnte.
Nichtsdestotrotz kippte die Stimmung von einem Moment auf die andere. Mit erhobenen Hauptes und amüsiert zuckenden Mundwinkel traten die beiden Marinesoldaten ein. 
Niemand sprach mehr ein Wort und alle Augen waren auf die beiden Kerle gerichtet.

Für den winzigen Bruchteil einer Sekunde schien sich in Jonahs puppenhaftes Gesicht eine Regung zu zeigen. Ein Funke in seinen Augen - wie bei einem Gaul das drauf und dran war zu Scheuen. Und wenngleich das Adrenalin durch seine Adern schoss, war der kurze Moment so schnell verflogen, wie er gekommen war. Er schien wieder genauso 'Untot' zu sein wie zuvor.


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