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Headstrong
Enrique, Lucien & Shanaya
Szenen-Informationen
Charaktere Gast
Datum 12 April 1822
Ort An Deck der Sphinx
Tageszeit Nachts
Crewmitglied der Sphinx
für 0 Gold gesucht
dabei seit Nov 2015
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#1
Headstrong
Die Nacht vom 12. auf den 13. April 1822
Enrique de Guzmán, Lucien Dravean & Shanaya Árashi


Zwei Tage war es nun her, dass sie auf Mardoc getroffen war. Zwei Tage, in denen sie mit sich selbst gerungen hatte, ob sie sich der Erschöpfung hingab – oder ob sie sich durch biss, weil sie genau wusste, dass sie nicht zur Ruhe kommen würde, wenn sie einfach in ihrer Hängematte lag. Am Vortag hatte sie sich nach dem Gespräch mit Liam in ihre Hängematte verzogen, hatte den Schlaf nachgeholt, der ihr die letzten Tage gefehlt hatte. Aber heute? Erst das Gespräch mit Talin, dann mit Greo. Und jetzt musste sie etwas anderes tun, ihre Gedanken ein wenig umlenken. Also hatte sie ihren Platz am Steuer bezogen, und auch wenn das Stechen in ihrer Seite wieder Müdigkeit durch ihre Knochen zog, hielt sie noch durch. Noch gab es keinen Grund für sie, sich zurück zu ziehen.

Lange hatte er auf einer der Kisten an Deck gesessen, gegen eine andere gelehnt und gedöst. Seit Cornelis Tod war das für ihn viel erholsamer, als Nachts in der Hängematte zu liegen. Denn dann kamen die Alpträume. Auch sonst gefielen ihm derzeit die Nachtwachen mehr als die am Tage. Sie lagen ihm wohl immer noch von der Morgenwind im Blut. Shanaya war an ihm vorübergegangen und hatte ihn kurz geweckt. Ob sie ihn jedoch mitbekommen hatte, dass bezweiflete er. Völlig in Gedanken versunken, oder aus anderen Gründen, war sie, ohne auf ihn zu reagieren, an ihm vorbeigewankt, auf dem Weg zum Ruderstand. Seitdem waren acht Glasen vergangen. Mitternacht. Hundswache. Zeit für einen Schichtwechsel. Schwerfällig, dennoch bereit, dem Ruf zu folgen, alles für das Beidrehen vorzubereiten, stand der Schwarzhaarige auf, doch der erfolgte nicht. Irritiert sah er zum Achterdeck. Sonst wurde doch spätestens jetzt ...? Der kleine Rabe schien wirklich nicht vorzuhaben, die Sphinx, wie üblich, für die Nacht zur Ruhe zu betten. 'Ist sie nicht verletzt?' Dann sollte sie sich eigentlich erholen, gerade, wo sie, mit nur gelegentlichen Unterbrechungen, den ganzen Tag dort verbrachte. Enrique seufzte schwer. Gab es hier wirklich so wenige, die das Schiff auf Kurs halten konnten? Und waren sie heute Nacht in Gefahr? Hatte er die Sichtung von Segeln verpasst? Vielleicht wurde es Zeit, dass er anfing, wieder seinen Dienst dort zu tun, wo er hingehörte. Dazu müsste er sich ihr allerdings erneut stellen, etwas was er bis jetzt vermieden hatte. 'Sei's drum', dachte er sich. Irgendwann käme der Tag eh. Gerade jetzt, wo ihn Cornelis nicht mehr ablenkte, sondern er sich von ihm ablenken musste. Und selbst wenn sie ihn nicht ans Steuer ließe, zumindest würde ein Gespräch sie beide wach halten. "Fahren wir heute Nacht durch?" de Guzmán betrat das Achterdeck offen und mit deutlichen Schritten. Wenn sie nicht gänzlich in anderen Sphären steckte, musste sie ihn frühzeitig mitbekommen haben und genau das wollte er auch. "Gibt es einen Grund für die Eile?"

Shanaya nahm sich den Moment, schloss die Augen und atmete tief durch. Körper und Geist konnten in solchen Augenblicken kaum zusammen arbeiten, während das eine sich nach Ruhe sehnte, zog sie das andere immer wieder zur Arbeit, zur Beschäftigung. Hauptsache, sie musste nicht sinnlos herum liegen. Und ohne diese verdammte Begegnung hätte es ihr jetzt auch keine Probleme gemacht. Ein weiterer, tiefer Atemzug, ehe sie von leisen Geräuschen abgelenkt wurde. Deutlich Schritte, die sich ihr näherten und als sie den Blick herum wandte, erkannte die junge Frau, wen sie vor sich hatte. Sie musste zugeben, sie war vollkommen überrascht. Sie hätte mit jedem gerechnet – nicht jedoch mich Enrique. Sie ließ jedoch Nichts von dieser Überraschung auf ihrem Gesicht erscheinen, musterte den Älteren nur mit prüfender Miene. Wollte er etwas bestimmtes? Anders konnte die Schwarzhaarige sich seine Anwesenheit nicht erklären. Sie wartete seine zweite Frage ab, ehe sie den Blick wieder nach vorn wandte. Tja, gab es einen Grund zur Eile? Vermutlich. „Das nächste Abenteuer wartet, wieso also nicht so lang fahren, wie es möglich ist?“ Auf den Lippen lag ein ruhiges, wenn auch müdes Lächeln. In ihrem Inneren lauerte sie jedoch, ob Enrique nicht doch irgendetwas erwartete.

Enrique stand einfach da, aufrecht, die Händen hinter dem Rücken ineinandergelegt, ruhig. Vielleicht ungewöhnlich ruhig, fehlte ihm doch die Energie, die ihm sonst etwas rastloses, wildes gab. Sein Blick hielt ihrem stand und musterte im Gegenzug die Schwarzhaarige. Bei ihrer Antwort stieß er ein Schauben aus, in das sich ein Hauch Amüsiertheit mischte. "Wenn es nur das ist, dann sag mir den Kurs und ich löse dich ab, sowie du nicht mehr kannst." Noch immer sah er sie an, maß ihre Haltung, fügte kleine Details in das Puzzle und fand seine Theorie bestätigt. 'Du rennst also auch vor deinen nächtlichen Schatten weg.' Enrique behielt den Gedanken für sich. Zum einen war er sich sicher, dass sie nicht darüber reden, zum anderen war er sich gewiss, dass er sich derzeit nicht auch noch Probleme Anderer aufhalsen wollte. Trotzdem fügte er noch ein Paar Sätze an: "Willst du bis dahin Gesellschaft haben? Es gibt sicherlich das Eine oder Andere, über das man reden könnte oder auch nicht." Er wartete ihre Antwort nicht ab, sondern wandte zunächst ebenfalls den Blick, dann sich gänzlich nach vorne. Immerhin hatte er ihr auch angeboten, dass sie, selbst wenn er bliebe, nicht miteinander reden mussten.

Irgendetwas störte Shanaya ganz gewaltig. Enrique, der sonst so wenig mit ihr wie möglich zu tun hatte, kam zu ihr um... zu plaudern? Vielleicht hatte er ja drei Nächte nicht geschlafen und wusste nicht, wo ihm der Kopf stand? Oder er war betrunken? Dazu stand er jedoch viel zu gerade. Sehr verwirrend. Was er dann sagte, ließ sie jedoch aufmerken. „Kannst du ein Schiff steuern?“ Es lag ja im Bereich des Möglichen, dass der Dunkelhaarige die meiste Zeit bei der Marine herum gesessen und andere hatte arbeiten lassen. Trotzdem lag in ihrem Blick eine gewisse Neugierde. „Woher kommt dieser Umschwung, dass du von ganz allein zu mir kommst?“ Kein Vorwurf schwang in ihrer Stimme mit, es interessierte sie wirklich. Enrique wirkte nicht wie jemand, der seine Prinzipien brach und spontan Entscheidungen umwarf. „Aber du darfst gern hier bleiben.“ Auch wenn sie nicht so recht wusste, über was sie mit ihm sprechen sollte.

Schweigend wartete de Guzmán auf ihre Antwort, bemühte sich um Gleichgültigkeit und Gelassenheit, auch wenn er mit beißendem Spott, Häme oder ähnlichem rechnete. Er war schon fast überrascht, dass ihre Reaktion zunächst nur aus einer Gegenfrage bestand, die ihn beinahe sogar amüsierte. Das schaffte dann die zweite Frage. Noch immer nach vorne schauend schüttelte er schmunzelnd den Kopf, leicht verwundert, dass sie jetzt so anders war. Vielleicht ... Doch die Erheiterung schwand schnell wieder, machte Zweifeln und düsteren Gedanken nur zu bereitwillig Platz und nahm die Überlegung gleich mit. Er wäre ein elender Traumtänzer, wenn er daran glaubte. Trotzdem blieb er. Am Ende nickte er ansatzweise, ehe er ruhig antwortete: "Mit zehn konnte ich das Ruder bedienen, kein Jahr später nach Landmarken navigieren und mittels eines Sextanten die Position bestimmen. Lange bevor ich meinte, zur Marine gehen zu müssen. Das kam erst später. Danach war es dann mein Beruf." Nur wie ferne Schatten erschienen die Erinnerungen vor seinem geistigen Auge, berührte ihn kaum. Und doch hielt er inne, sah, mit schwerem Seufzen, gen Himmel, ehe er den Blick wieder zu Shanaya senkte. "Also ja, ich kann ein Schiff steuern." Sie musternd überlegte er kurz, wie er es formulieren sollte. Schließlich fuhr er fort: "Zum einen habe ich mich, wie du bereits weißt, darüber gewundert, dass wir nicht wie sonst für die Nacht beidrehen. Zum anderen ist ein Schiff eine kleine Welt. Zu klein, als das sie funktionieren würde, wenn man sich nicht darum bemüht mit den Anderen auszukommen. Je kleiner die Crew, um so entscheidender ist es, dass sie gut miteinander funktioniert." Fakten, die sie wohl wusste. Genau wie möglicherweise auch das nächste. "Als Offizier war ich, unter anderem, eben auch lange dafür zuständig, dafür zu sorgen, dass die Crew untereinander auskommt. Und auch wenn das hier nicht meine Aufgabe ist, sollte ich wenigstens anfangen meinen Teil dazu beizutragen, meinst du nicht auch?" Der Schwarzhaarige seufzte leise, wandte den Blick wieder gen Bug. "Unser erstes Zusammentreffen war, was das betrifft — nicht gerade ideal ... Ich ..." Eine kurze Pause trat ein. Wie jetzt weitermachen? Als er es wusste, räusperte er sich: "Also — dachte ich es wäre vielleicht auch eine gute Gelegenheit, es auf einen zweiten Versuch ankommen lassen, herausfinden, ob wir weiterhin nur neben- oder doch auch miteinander arbeiten können." Er zuckte leicht mit den Schultern. "Das ist alles."

Shanaya konnte aus den Augenwinkeln das Kopfschütteln des Mannes sehen und hob daraufhin leicht eine Augenbraue. Auf ihre Frage kam kein einfaches Ja oder Nein – er holte weiter aus, blickte kurz zum Himmel, ehe sie junge Frau seinen Blick wieder auf sich spürte. Aber sie unterbrach den Dunkelhaarigen nicht, lauschte einfach weiter seinen Worten, ohne den Blick dabei ganz zu ihm herum zu wenden. Und was sollte sie sagen... sie war beinahe wirklich begeistert von dem, was er sagte. Da steckte doch mehr Verstand in seiner Birne als sie gedacht hatte – sofern er seine Worte ernst meinte. Dass er sich hier irgendetwas zusammen dichtete um sonst etwas zu erreichen war noch immer möglich. Aber sie musste es wohl so nehmen, wie es kam. Was blieb ihr sonst übrig? Für den Frieden auf diesem Schiff. „Ich muss zugeben, ich bin überrascht. Das hätte ich dir nicht zugetraut, so viel Mumm in den Knochen.“ Sie verkniff sich mit aller Kraft einen Kommentar, der sich auf seine Hose und deren Inhalt bezog. „Aber...“ Nun wandte sie den blauen Blick doch zu Enrique herum, betrachtete ihn aufmerksam, ein aufmerksames Lächeln auf den Lippen. „... auch wenn du Erfahrung haben magst, so einfach bekommst du mich hier nicht weg.“

Der Dunkelhäutige zuckte nur mit den Schultern. "Wer weiß, vielleicht überrasche ich dich nicht nur in dieser Hinsicht." Noch immer stand er aufrecht, die Hände hinter seinem Rücken verschränkt, das Gesicht neutral, wirkte fast so, als berührte ihn das Alles nicht. So locker er sich allerdings gab, so schwer fiel es ihm auch, doch er wollte jetzt nicht zeigen, dass sein Verstand alles schwarz malte, wollte nicht darauf anspringen, dass er alles als Provokation wahrnahm. Und selbst wenn sie es so meinte, wie er es hörte, was hätte es gebracht, schlecht darauf zu reagieren? Da sie lächelte, lächelte auch er. "Und was muss ich tun, um dich dort wegzubekommen? Warten bis du zusammenbrichst? Selbst dafür sorgen? Oder schwebt dir was anderes vor."

Sein Kopf dröhnte immer noch. Den ganzen Tag schon. Und er wusste nicht, ob es an dem Alkohol am gestrigen Abend lag, mit dem er es himmelweit übertrieben hatte, oder an dem Kopfzerbrechen, dass ihm dieser Großkotz von Landstreicher bescherte. Oder an beidem gleichermaßen. Er hätte ihn direkt über Bord werfen sollen. Stattdessen überließ er ihn Talin, die ihre dämlichen Schulden selbst zu begleichen hatte. Indem sie das Passagierschiff für ihn spielten. Recht unwirsch stieß Lucien die Tür zum Deck auf, sog die kühle Nachtluft in seine Lungen und rieb sich einige Herzschläge lang die Schläfen gegen das Bohren dahinter. Es half, zumindest ein wenig. Bis er die Hände sinken ließ und aufhorchte. Stimmen drangen an sein Ohr, beide nur zu vertraut. Nur, sie an einem Ort zu vermuten, war eher ungewöhnlich und weckte seine Neugier. Er lauschte einen kleinen Moment lang, schüttelte dann mit einem halbherzigen Schmunzeln den Kopf und setzte sich wieder in Bewegung. Sein Weg führte ihn zu einer der seitlichen Treppen, die nach oben führten und unter leisem Knarzen der Planken erklomm er die Stufen, bis die beiden Gestalten sich im Schein einer Laterne aus der Dunkelheit schälten. „Ich bin gespannt, wie du sie dazu bekommen willst, zusammenzubrechen.“, begrüßte er sowohl Enrique als auch Shanaya mit einem halb unterdrückten Lächeln in der Stimme.

Shanaya ließ sich Nichts davon anmerken, aber sie lauerte. Auf die Reaktionen des Mannes, auf irgendetwas, was ihn verraten würde. Vielleicht war es seine Haltung, vielleicht die Erinnerung an ihr erstes Zusammentreffen. Aber sie wartete, immerhin war sie ja eine geduldige Seele. „Was meinst du, wie überrascht DU von manchen Seiten von mir wärst.“ Seine nächsten Worte ließen sie amüsiert eine Augenbraue heben und einen Moment lang kniff sie die blauen Augen grüblerisch zusammen. „Tja, weißt du...“ Eine andere Stimme nahm ihr eine Antwort ab und ihr Klang ließ die junge Frau den Kopf leicht herum wenden, womit ihr Lächeln ein wenig wärmer wurde. „Das klingt ein bisschen so, als ob du eine Ahnung hättest, wie man das schafft, Captain.“ Ein vielsagender Blick in die Richtung des Dunkelhaarigen, ehe sie die hellen Augen wieder auf Enrique richtete. „Du kannst es gern versuchen, aber mich hier weg zu bekommen ist nicht sehr einfach.“

Da war sie wieder, ihre Arroganz, wenn auch nur ein Hauch davon, doch es hätte ausgereicht, um ihn auf die Palme zu bringen, wäre nicht Lucien erschienen. So verfinsterte sich zwar sein Blick, doch der wandte sich just dem Capitán zu und es war so, als läge die Missstimmung daran, dass der sie störte. Lange musterte er Dravean, las die Zeichen des Katers auf dessen Gesicht und in dessen Haltung. 'Welch ein Glück, dass er und Talin sich den Posten teilen', dachte er bei sich und stutzte prompt. War er gerade tatsächlich darüber froh, dass die Blonde, über die er sich immer wieder aufregen konnte, an Bord war? Perplex hielt er inne und sein Zorn wich von ihm. Beinahe hätte er über sich selbst gelacht. Tief atmete er durch, wandte den Blick zurück gen Bug und antwortete halb gelassen halb gleichgültig und mit einem Hauch Spott in der Stimme: "Sie zum zusammenbrechen zu bekommen, ginge recht einfach mon Capitán. Aber das wäre weder im Sinne der Carta, noch zuträglich für das, weswegen ich herkam." Dann drehte er sich der Schwarzhaarigen zu, seufzte leise, ehe er sich ein halbes Lächeln abrang: "Ich ging davon aus, dass es nicht leicht werden wird. "Notfalls werde ich wohl warten, bis dein Körper das mit dem Zusammenbrechen für mich erledigt. Noch habe ich allerdings auch andere Ideen." Er zuckte die Schultern, war kurz davor, die erste davon zu verwerfen, aber das hieße auch, eine Möglichkeit zu verspielen. Ernst sah er sie an, glaubte nicht daran, dass es funktionieren würde, aber wer wusste das schon? Also überlegte er seine Worte gründlich und ließ es drauf ankommen: "Würdest du mir bitte das Ruder überlassen und dich eine Weile ausruhen? Du nützt uns und dir wenig, wenn du nicht bei vollen Kräften bist."

Er hatte seinen Satz kaum beendet, als Shanayas Blick dem seinen begegnete. Keine Ahnung, wie sie es schaffte und doch hellte sich seine Stimmung beinahe augenblicklich etwas auf. Sie hatte so eine Art an sich. So spielerisch, so locker. Nie zu ernst, sodass sie ihm selbst dann, wenn ihm der Schädel dröhnte und kalter Groll in seiner Brust loderte, ein flüchtig amüsiertes Schmunzeln entlockte. „Gib mir ein paar Minuten, dann ergibt sich schon was.“, erwiderte er nicht weniger mehrdeutig. „Ich bin da eher spontan.“ In den tiefgrünen Augen flackerte es kurz amüsiert, dann folgte er ihrem Blick zu Enrique. An dessen Musterung oder dem Missmut auf seinen Zügen störte Lucien sich nicht weiter. Vielmehr spiegelte sich jetzt, da er im Groben verstand, worum sich das Gespräch der beiden drehte, ehrliches Interesse auf seinen Zügen. Sein erster Gedanke dazu war, Enrique unterstützend unter die Arme zu greifen – immerhin wusste er ganz genau, was die Schwarzhaarige in den letzten Tagen durchgemacht hatte. Und ihre Verletzung konnte noch nicht einmal ansatzweise verheilt sein. Doch der Spott in der Antwort des ehemaligen Soldaten brachte ihn davon ab und entlockte ihm stattdessen ein lautloses Seufzen. Wer wird denn gleich zu so aggressiven Mitteln greifen? Er trat an die Brüstung heran, die das Achterdeck zum Hauptdeck hin begrenzte und lehnte sich mit dem Rücken zum Bug dagegen, verschränkte unschlüssig die Arme vor der Brust. Wahrscheinlich wäre es weit unterhaltsamer, es den Älteren noch eine Weile versuchen zu lassen. Andererseits traute er Shanaya durchaus zu, dort so lange zu stehen, bis sie ohne es zu merken das Bewusstsein verlor. Und irgendwie entlockte ihm der Gedanke erneut ein Schmunzeln, als er den Blick wieder auf die junge Frau richtete. „Ganz Unrecht hat er nicht.“

Shanaya Blick richtete sich bei Luciens Worten wieder direkt auf ihn. „Ich bin bei Spontanität doch immer dabei.“ Sie grinste dem Dunkelhaarigen entgegen, folgte seinem Blick dann aber zu Enrique, der... sie wertete einfach nicht, unterdrückte nur ein lautes Seufzen. Jetzt wandte der Ältere sich auch ihr zu und Shanaya hob leicht eine Augenbraue, war fast gespannt, was als nächstes kommen würde. Ein weiterer Versuch, sie vom Steuer weg zu bekommen. Jetzt seufzte sie doch, jedoch ohne dass ein Ton über ihre Lippen drang. „Dann versuchs oder hol die anderen Ideen raus, darauf warten kann die ganze Nacht dauern.“ Sie spürte die Erschöpfung in ihren Knochen, aber jetzt würde sie gewiss erst Recht nicht einfach nachgeben. Kurz huschte ihr blauer Blick zu Lucien, der jetzt mit verschränkten Armen an der Reling lehnte. Zurück zu Enrique, der es jetzt auf die nette Tour versuchte. Die junge Frau wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ihr Captain noch einmal das Wort erhob. Shanaya grinste. „Mag sein, aber da ich noch fit bin...“ Sie warf Lucien einen weiteren Blick zu, patete sich, ganz locker, auf die Stelle, wo die Wunde unter ihrer Bluse lag und musterte dann wieder Enrique. „Ich rechne dir das an, aber bevor du mich hier weg bekommst, musst du mich leider wirklich ko schlagen.“ Ihre Stimme blieb gut gelaunt, auch als sie locker mit einer Schulter zuckte.

"Dann schließe ich mich mal der Spontanität an und lasse dir erstmal das Ruder. Vielleicht ergibt sich was, bevor du entgültig nicht mehr fit bist." Die überraschende Heiterkeit hallte noch nach und so schüttelte er ob ihrer Seufzer und Shannys Dickköpfigkeit nur leicht amüsiert den Kopf. "Oder meinst du, es brächte was, den Schiffsarzt herzuzitieren, damit er Shanaya in die Hängematte schickt?" Enrique rechnete damit, dass er darauf auch von ihr eine Antwort bekäme. Glauben daran tat er nicht wirklich, weshalb er diesen Versuch auch nicht unternahm und so war diese Frage auch recht deutlich als nicht ernst gemeint zu erkennen. Zumindest für Lucien, der den Anflug eines Grinsens zu sehen bekam. "Und sonst? Was treibt dich an Deck Capitán?"

Shanayas selbstsichere Erwiderung entlockte ihm ein halb amüsiertes, halb spöttisches Schmunzeln und er senkte den Blick für einen Moment auf die Planken vor sich, um so zu tun, als müsse er seine Belustigung tatsächlich verbergen. Natürlich war sie noch fit. Wieso nur war er über diese Antwort nicht im Geringsten überrascht? Doch er schwieg darauf. Immerhin hatte er nicht die Absicht, sie eines Besseren zu belehren. Die tiefgrünen Augen kehrten zu dem Leutnant zurück, der sich von ihrer gelassenen Heiterkeit scheinbar anstecken ließ und sich endlich mal ein bisschen lockerer machte. Der junge Captain stieß ein Schnauben aus, mit dem er auf Enriques scherzhaften Vorschlag einstieg. „Ich fürchte, das wäre noch viel weniger erfolgversprechend. Weniger zumindest, als einfach abzuwarten, bis sie von selbst ohnmächtig wird.“ Ein Blick gelassener Fröhlichkeit galt in diesem Moment der Schwarzhaarigen, doch da Enrique sich gleich darauf an ihn direkt wandte, richtete sich seine Aufmerksamkeit wieder auf den ehemaligen Soldaten. „Ich?“ Er stieß ein leises Seufzen aus und verschränkte die Arme am Hinterkopf. „Ich flüchte.“, gab er ganz ungeniert zu. „Vor unserem unsagbar ätzenden Passagier.“ Er hatte die Crew heute Morgen von Sylas' Auftauchen auf dem Schiff berichtet und versuchte seit dem, dessen überhebliche Visage zu meiden, die überall da aufzutauchen schien, wo auf der Sphinx Arbeiten verrichtet wurden. „Mich wundert fast, dass er nicht hier ist. Er hätte Shanaya bestimmt gern erklärt, wie sie ihren Job machen muss.“

Shanaya lauschte den Worten der beiden Männer, während die blauen Augen Lucien einige Momente fixierten, ein Lächeln auf den Lippen. Es brauchte weit mehr als eine abheilende Wunde, um sie auszuschalten. Besonders wenn es darum ging, ihre Pflichten zu erfüllen – oder sie jemandem zu überlassen, dem sie nicht über den Weg traute. Sie war erschöpft, ja. Aber sie war keiner dieser Mimosen, die sich wegen jedem kleinen Wehwehchen schwächelnd in ihre Hängematte zurück zog. Enriques Frage, was Lucien hierher trieb ließ sie den Mann mit den grünen Augen wieder anblicken und auf seine Antwort hin leise schnauben. Sie hatte noch Nichts mit dem Fremden zu tun gehabt, aber... Lucien schien er ziemlich sympathisch zu sein. „Ihr beide reicht mir vollkommen.“ Jetzt warf sie auch Enrique einen Blick zu, ehe sie sich wieder an den Captain wandte. „Hätte er das getan, hätte ich das Steuerrad raus gerissen und ihn damit einfach vom Schiff geprügelt.“

Schmerzhaft schnell verflog die gute Laune, was ihn den Blick abwenden ließ. Enrique wollte das nicht, weder wegsehen, noch erneut in Trübsinn versinken. Er gab sich Mühe, das nicht zu zeigen, doch ohne die steife Haltung des Offiziers fiel es ihm wesentlich schwerer. Denn es war, als flösse die Heiterkeit, einem Wasserfall gleich, in einen riesigen, bodenlosen Abgrund, während er versuchte, sie mit bloßen Händen daran zu hinder. Zwar kamen die Antworten der Beiden gelassen und wenig vorwurfsvoll, doch was hieß das schon? Und was sollte Shanaya schon vom Steuerrad vertreiben? Nichts. Das war ihr Posten und es gäbe nichts wichtigeres, wozu man sie— 'Maldita, no!' Zornig stoppte er stumm seine Gedanken. Er war hier, um sich das Recht auf diese Aufgabe zu erkämpfen und das würde er auch tun! Also schnaubte er nur heftig, straffte sich anschließend etwas, drehte den Kopf zu Lucien und meinte: "Na dann lassen wir den Doc wohl besser schlafen." Eigentlich hatte er Lucien zuzwinkern wollen, doch ihm fehlte die Kraft dazu. Stattdessen hielt er mühsam weitere Worte zurück. Jetzt Schwarzmalerei zu betreiben würde ihn nicht an sein Ziel bringen. Also wandte er sich, fast wieder heiter, und nur eine wenige gezwungen grinsend, an die kleine Elster: "Auch ja: "Ich hege keinerlei Interesse daran, dir deine Arbeit zu erklären, so du nicht mit einer Frage zu mir kommst. Ich weiß, dass du weißt, was du tust." Warum sollte er ihr auch irgendetwas erklären? Es interessierte Fräulein Árashi eh nicht, was er sagte und sie hatte sie zu einem sicheren Versteck und dann zurück in die Zivilisation gebracht. Selbst bei starker See und heftigen Winden war die Sphinx von ihr sicher geführt worden. So jung die Crew auch war und so viele Landratten sie auch mit sich führte, an den wichtigen Positionen standen Leute, die wussten, was sie taten und ihn in den wenigsten Fällen mochten. Warum hatte er sich also eingebildet— Erneut musste er die Resignation abwehren, zeigte dieses Mal jedoch nichts davon, sondern hielt stattdessen ihrem Blick stand. Sein Grinsen vertiefte sich. "Was mich hingegen interessieren würde, wäre, wie du hinterher ohne Ruder, die Sphinx steuern würdest, sollte er hier tatsächlich auftauchen." Gleichgültig lehnte er sich danach gegen die Brüstung zum Hauptdeck, gab ihr Zeit zum Antworten und wandte sich anschließend, auch hier mit etwas Sarkasmus in der Stimme, dem Jüngeren zu. "Aber wäre es da nicht sinnvoller für dich, dich in die Kapitänskajüte zu flüchten? Weil er dort nicht hingelangen kann, so ihr ihn nicht lasst? Oder hat er auch diese schon okkupiert?"


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