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Frei wie der Wind
Liam, Shanaya & Skadi
Szenen-Informationen
Charaktere Gast
Datum 23 März 1822
Ort An Deck der Sphinx
Tageszeit Früher Abend
Crewmitglied der Sphinx
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#1
Frei wie der Wind
Früher Abend des 23. Aprils 1822
Shanaya Árashi, Skadi Nordskov & Liam Casey


Der Trubel des Tages war längst verebbt. Der Hunger hatte die meisten in die Kombüse getrieben, um dort darauf zu warten, bis Rayon das Essen zu Tisch brachte. Bloß Liam hatte sich auf dem Weg abgekapselt, hatte sich zu seinen Sachen gestohlen und war mitsamt der Geige von Egbert zurück an Deck geschlichen, um die Zeit bis zum Abendessen ein wenig zu nutzen. Mit Pergament und einem Stift bewaffnet ließ er sich am Bug nieder, breitete das Papier vor sich auf und korrigierte das, was dort bereits stand, mit den Gedanken, die ihn den Tag über begleitet hatten. Hier und da wurde ein Wort gestrichen, eines angehängt oder gar eine ganze Zeile eliminiert, ehe der junge Künstler wieder zur Geige griff, die er griffbereit neben sich aufs Holz gelegt hatte. Mit einem letzten Blick gen Pergament hob er das Instrument an und fuhr sachte mit dem Bogen über die Seiten, während seine Lippen lautlos Worte zur Melodie formten, die meist recht abrupt wieder abbrach. Dann legte er den Bogen zur Seite, kritzelte erneut auf dem Papier herum und startete seinen Versuch von vorn.

Die Zeit verging und während das Gekritzel auf dem Zettel nach und nach etwas mehr wurde, vergaß der Lockenkopf, dass er eigentlich nur die Zeit bis zum Abendessen hatte nutzen wollen. Zu sehr war er in seine Gedankenarbeit vertieft und darauf konzentriert, das, was seine Aufzeichnungen sagten mit dem Klang der Geige und dem, was er vor seinem inneren Auge hatte, zur Übereinstimmung zu bringen. Wie viel Zeit verging und dass das Abendessen mittlerweile längst vorbei war, nahm er nicht wahr. Die andauernde Ruhe hingegen schon, ohne sich groß darüber zu wundern. Stattdessen nahm er es dankbar hin, sich solange mit seinen eigenen Dingen beschäftigen zu können.
Crewmitglied der Sphinx
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#2
Mit einer dampfenden Schüssel Eintopf erreichte Skadi die oberste Stufe der Treppe zum Deck hinauf. Schob erst die Fußspitze durch die halb offene Tür, um sie dann mit einem starken Ruck zurück zu ziehen und ihre Beute sicher in die Nacht hinaus zu tragen. Ein mattes Lächeln zierte bereits ihre Lippen, kaum dass ihr die kurzen Klänge der Geige entgegen schwappten. Sie hatte sich fast schon denken können, dass der Lockenkopf sich irgendwo aus der Zeit gestohlen hatte und mit verträumtem Kopf in der Gegend herum hing. Vielleicht die Nase in eines seiner Bücher steckte oder, wie eben jetzt, an seinem neuen Musikinstrument zupfte.

“Habe mir fast gedacht, dass du hier irgendwo bist.“

Mit einem matten Grinsen ließ sie die Schüssel neben ihm auf den Boden gleiten und versuchte in der anbrechenden Dunkelheit etwas auf dem Blatt zu seinen Füßen zu erkennen. Letztendlich gab sie sich allerdings damit zufrieden, dass sie außer ein paar runder schwarzer oder halbschwarzer Kugeln mit Strich nichts erkannte.

“Woran arbeitest du gerade?“ Entspannt ließ sich der hohe Körper der Nordskov auf den Planken in einem Schneidersitz nieder und musterte das braungebrannte Gesicht gegenüber.
Crewmitglied der Sphinx
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#3
Der eigene Teller war leer, die Ration aufgebraucht und nicht einmal Greo hatte sie etwas von seinem Teller stibitzen lassen. Also hatte Nichts mehr die junge Frau noch unter Deck gehalten, ihr Weg hatte sie irgendwann nach oben geführt, ans Steuer. Sie hatte keine Karte dabei, nur ein paar lose Zettel, auf denen einige Daten standen. Irgendwann hatte sie diese Zettel jedoch zur Seite geschoben, hatte nur der Musik gelauscht, die immer Mal wieder durch den sachten Wind zu ihr getragen worden war. Sie wusste nicht, wer da spielte, aber für den Moment nahm sie sich einfach die Zeit, zu zuhören. Bis die Musik wieder verstummte, diesmal etwas länger und eine bekannte Stimme hallte stattdessen zu ihr hinüber. Ein kurzes Zögern, ehe die Schwarzhaarige ihre Zettel zusammen nahm, kurz mit den Fingern über das Holz des Steuerrades fuhr und sich dann auf den Weg, die Treppe hinab auf das untere Deck machte. Und so erkannte sie schon die beiden Gestalten, die dort saßen.

Du bist doch bestimmt so konzentriert, dass du gar keinen Hunger hast, oder?“

Das Kinn ein wenig angehoben musterte sie Liam ein wenig von oben. Auch Skadi galt ein kurzer Blick.

Er opfert seine Portion bestimmt für mich!“

Ein munteres Lächeln lag auf den Lippen der Schwarzhaarigen, während sie bei den Beiden zum stehen kam.
Crewmitglied der Sphinx
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#4
Eine deutliche Welle verlockendem Eintopfsgeruch erreichte ihn, als die Tür zum Deck geräuschvoll aufschlug. Ein wenig überrascht war er dann doch, dass man ihn offenbar extra darüber informierte, dass das Essen fertig war, doch er tat es mit einem zufriedenen Lächeln ab, während er mit gesenktem Kopf weiter auf sein Pergament kritzelte. Zumindest mit diesem Teil musste er fertig werden, bevor er sich zum Essen begab, sonst würde er vergessen, wo er aufgehört hatte. Als Skadi die Stimme erhob, nahm er nur beiläufig wahr, dass sie dieses Mal tatsächlich seine Gönnerin war. Mit einem „Hmm?“, verdeutlichte er ihr, dass er sie wohl wahrgenommen hatte, seine Gedanken aber viel zu konzentriert waren, um ihr in diesem Moment zu folgen. Erst, als er den letzten Strich gesetzt hatte, sah er auf, schenkte der Jüngeren für einen Sekundenbruchteil ein fröhliches Lächeln, ehe ihm die Schüssel Eintopf ins Auge fiel, die sie neben ihm zu Boden stellte.

„Oh, ihr seid schon fertig mit Essen?“, fragte er irritiert und schob die Geige langsam von seinem Schoß auf die Holzplanken. „Ich hatte eigentlich nur die Zeit bis zum Abendessen nutzen wollen.“

Tja. Wäre besser gelaufen, hätte er auch wirklich auf die Zeit geachtet. Sein Glück war, dass Skadi offensichtlich mehr an ihn dachte als er selbst. Aber selbst, wenn sie ohne Eintopf aufgetaucht wäre, hätte es sich Liam vermutlich zwei Mal überlegt, ob sich der Weg in die Kombüse lohnte. Selbst, wenn die Zeit auf Milui sehr beschränkt gewesen war, hatte er die Zeit mit Skadi zu schätzen gelernt. Nicht aus den körperlichen Dingen heraus, sondern die Sorglosigkeit und die Offenheit, mit denen sie ihre Gespräche gestaltet hatten. Dass es auf der Sphinx nicht so bleiben würde, war zumindest ihm klar gewesen. Umso intensiver musste er die kleinen Situationen nutzen, um sich von all den Nörglern und Griesgramen an Board zu erholen. Dann machte das Arbeiten auch direkt ein kleines bisschen mehr Spaß. Bei ihrer Frage senkte sich sein Blick abermals kurz auf das Pergament, doch er blieb ihr eine Antwort schuldig. Wo auch immer Shanaya herkam – er hatte sie vorher nicht bemerkt, obwohl sie theoretisch so nah gewesen war – sie hatte es auf seine Portion Eintopf abgesehen. Und Liam hatte dieses Mal noch nichts – weder Messer noch Gabel - , womit er sich gegen ihren räuberischen Angriff zu Wehr setzen konnte.

„Also hat Greo seine Portion heute erfolgreich verteidigen können?“, schloss er amüsiert aus ihrem Versuch, ihm seine eigene Portion streitig zu machen. „Du lässt nach, Shanaya. Aber wenn du lieb bist, gebe ich dir vielleicht ein Häppchen ab.“

Welch großherziges Angebot! Vorsichtshalber streckte er die Hand nach der Schüssel aus und zog sie ein wenig näher zu sich heran.

„Danke.“, galt nun wieder Skadi seine Aufmerksamkeit, ehe er sich daran erinnerte, dass er ihre Frage noch nicht beantwortet hatte. „Und um zu deiner Frage zurückzukommen: Wenn ich schon so laut verkünde, die Flauten ein wenig verschönern zu wollen, muss ich euch ja auch irgendetwas bieten.“

Mit einer Hand griff er nach dem Pergament auf seinem Schoß und hielt es in die Richtung der beiden Frauen. Shanaya war mit Sicherheit genauso interessiert daran. Während die Vorderseite mit Noten gespickt war, konnte man auf der Rückseite Verse lesen.

„Es ist noch lange nicht fertig, aber ich dachte mir… Wenn ich schon keine Musiker aufs Schiff holen konnte, dann verdient wenigstens die Sphinx ihr eigenes Lied.“
Crewmitglied der Sphinx
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#5
Lange hatte sie niemanden mehr so akribisch bei der Arbeit gesehen, dass sogar Zeit und Raum vergessen waren. Selbst Greo, der irgendwie immer tüchtig seinem Handwerk nachging, ganz gleich wann sie ihm über den Weg lief, hatte nicht dermaßen vertieft gewirkt. Vollkommen mit der Welt seiner Gedanken verschmolzen und alles um sich herum ausblendend. Somit setzte sich Skadi vorerst schweigend auf die schweren Planken, während Liam scheinbar noch immer seinen Gedanken nachhing. Den Blick erst vom Papier zu seinen Füßen abwandte, als der dampfende Topf in seinem Augenwinkel auftauchte und dazu verleitete aufzusehen. Skadi schnaubte sichtlich amüsiert beim Anblick seiner irritierten Miene. Schüttelte kaum merklich den dunklen Haarschopf und bettete dabei die langen Finger auf ihren Knien. Dieser Kerl war einfach unverbesserlich.
Nur knapp wandten sich die dunklen Augenpaare herum, als sich eine weitere Stimme erhob. Unverkennbar und messerscharf. Wortlos musterte Skadi die Miene der jungen Navigatorin, schielte aus den Augenwinkeln wieder zu dem Lockenkopf zurück, dessen knappe Handbewegung ziemlich deutlich machte, dass er vielleicht gewillt war sein Essen mit ihr zu teilen, doch hergeben tat er es sicherlich nicht.

“Wäre ich mir nicht so sicher.“, murmelte sie fast zur Antwort. Schmunzelte mit zuckenden Mundwinkeln unter Liams verbaler Gegenwehr und zuckte auf seine Danksagung nur mit den Achseln.
“Ich halte meine Versprechen.“
Und dass sie ihm eine lebenslange Zufuhr an Nahrung versprochen hatte, würde sie wohl so schnell nicht vergessen. Ebenso wenig wie alles andere, das zu jenem Zeitpunkt viel zu weit in der Vergangenheit lag. Fast schon zu einer Erinnerung geworden war, von der sie nicht wusste, ob sie nicht doch ein Produkt ihrer Träume gewesen war.

“Ein Lied für die Sphinx?“ Mit etwas skeptischer Miene folgte sie seinen langen Fingern auf die ersten Zeilen des Pergaments hinab. Entzifferte nur ein paar Worte, bevor sich der dunkle Schopf zur Seite legte und wieder an den durchschimmernden schwarzen Punkten hängen blieb. Zu gern hätte sie bereits jetzt die Melodie in ihrem Kopf vernommen. Sie aus den Noten gezogen, die sie nicht verstand. Doch bis dahin würden noch einige Tage ins Land gehen.
“Hast du das etwa die ganze Nacht über im Schlaf gesummt?“
Ungewollt huschte ein Grinsen über ihre Züge. Ließ die braunen Augenpaare über den Rand des Pergaments schweifen und fixierte die widerspenstige Locke, die knapp an seine Augenbraue reichte. Hatte sie ihm im Halbschlaf gelauscht? Durchaus. Es war allemal angenehmer, als das monotone Schnarchgeräusch, das sonst die Hängematten verließ.
Crewmitglied der Sphinx
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#6
Hunger war ein grausames Gefühl. Eines der schlimmsten – und das war nicht einmal überdramatisiert. Liam schien dieses zehrende Gefühl nicht ernst zu nehmen, anstatt ihr selbstlos seine Portion zu opfern, knöpfte er dran Bedingungen. Worte, die sie mit einem leisen Brummen beantwortete. Auch Skadi war da nicht sonderlich hilfreich, sodass sie der Dunkelhaarigen einen vielsagenden Blick zuwarf.

Warts nur ab, ich kann sehr überzeugend sein.“

Kurz ruhten die Augen noch auf der anderen Frau, ehe sie sich hin hockte, einen Ellenbogen auf ihr Bein und den Kopf in die Hand gestützt. Mit beinahe verzweifelter Miene beobachtete sie Liam, der die Schüssel schützend zu sich zog.

Ich habe dir geholfen, dein Armband zu finden. Vollkommen selbstlos und ohne Hintergedanken, du schuldest mir etwas!“

Und war sie zu dem Lockenkopf jemals nicht 'lieb' gewesen? Als er einen Zettel hochhielt, auf dem ein Lied für die Sphinx geschrieben stand, blinzelte die Dunkelhaarige kurz, warf Skadi nur einen weiteren, kurzen Blick zu, ehe die freie Hand nach dem Papier griff, um sich das näher anzusehen. Noten... und ein paar Liedzeilen.

Und willst du alleine singen und spielen?“

Ein vielsagendes Grinsen lag auf den Lippen der jungen Frau, während ihre Augen vorerst auf Liam ruhten – immer Mal wieder jedoch zu seiner Schüssel huschten.
Crewmitglied der Sphinx
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#7
Sein Blick wanderte von Shanaya zurück zu Skadi während ihres leisen Schlagabtausches und ließ ihn blinzeln. War das jetzt sowas wie eine kleine Wette, deren Ausgang davon ausging, ob er seinen Eintopf gegen die kleine Elster verteidigen konnte oder nicht? Noch bevor einer von beiden auffallen konnte, was ihm durch den Kopf ging, wandte er sich mit einem liamtypischen Lächeln wieder dem Papier zu. Liam hatte tatsächlich nicht vor, sein Abendessen an Shanaya abzutreten. Wo ging eigentlich alles hin, was sie verschlingen konnte, denn äußerlich sah man ihr definitiv nicht an, wie unersättlich das schwarze Loch war, was offenbar ihren Magen darstellte. Hätte sie nichts abbekommen, dann hätte es der Lockenkopf ja noch verstanden und ihr großzügig seine Portion abgetreten. Aber da er davon ausging, dass sie unten nicht nur von Greo stibitzt hatte, nachdem ihr eigener Teller leer gewesen war, wäre es sogesehen eine weitere Niederlage für sein Geschlecht an Bord dieses Schiffes gewesen, wenn er ihr nun einfach nachgegeben hätte. Nachdem er das Pergament den beiden Damen hingeschoben hatte, führte er den ersten Löffel des Eintopf zu seinem Mund, ohne die Schüssel aufzunehmen. Dieses Mal klappte es noch ohne Malheur. Es war allerdings keine große Überraschung, dass dieser Zettel Shanaya nicht von ihrem eigentlichen Objekt der Begierde ablenken konnte. Kaum war der Löffel in seinem Mund verschwunden, stockte er und warf der Schwarzhaarigen einen Blick zu, der deutlich verriet, dass er diese Erwähnung fast schon unfair fand. Dagegen konnte er ja fast schon nichts mehr sagen. Schulden musste man begleichen. Jedenfalls wenn man daran dachte. Oder dran erinnert wurde. Mist.

„Ist das dein Ernst?“, seufzte er mit hängenden Schultern, während er den Löffel wieder in die Schale mit Eintopf gleiten ließ. „… Wenn du diesen kostbaren Gefallen, den ich dir schulde, wirklich gegen diesen schnöden Pott Eintopf eintauschen willst, dann sind mir wohl die Hände gebunden.“

Im nächsten Moment hätte er ihr fast schon bereitwillig den Teller abgetreten. Wenn es ihr Wunsch war, ihn lieber um sein Essen zu bringen, als seinen Gefallen in einem wichtigeren Moment einzufordern, war es eben so. Wäre er nicht Liam gewesen, hätte es ihn vielleicht gekränkt, dass ihr sein Wort nicht mehr wert war als Eintopf. Liam aber nahm genügsam entgegen, dass es so einfach gewesen war, sich von seiner Schuld ihr gegenüber zu befreien. Hätte schlimmer kommen können. Indes brachte Skadi etwas zum Vorschein, was ihn ehrlich überraschte. Wie ein Hund, der gerade dabei erwischt worden war, etwas zu tun, was er gar nicht hatte tun wollen, blickte er die Jüngere an. In seinem Kopf ratterte es, denn wenn es wirklich so war, wie sie sagte, hatte er es nicht bewusst getan. Im Kopf, ja, um es nicht zu vergessen und am nächsten Morgen aufschreiben zu können, aber offenbar war er der einzige, der davon ausgegangen war, dass es nur ihn im Schlaf begleitet hatte. Etwas verlegen fuhr er sich durch die Haare.

„Immer noch besser als Schnarchen, oder?“, entschuldigte er sich indirekt. „… War ich wirklich so laut?“

Er konnte es sich kaum vorstellen. Er hatte noch nie im Schlaf geredet. Oder gesummt. Jedenfalls… War er bislang nicht davon ausgegangen, dass er es tat. Das sollte er wohl besser im Auge behalten. Doch die Frage danach, ob er im Schlaf öfter irgendetwas von sich gab, ging in Shanayas möglicher Vorfreude unter. Er hoffte jedenfalls, dass es Vorfreude war.

„Bis es fertig ist, wollte ich dich nicht belästigen. Aber wenn du schon mal da bist… Könnt ihr’s lesen? Dann würde ich euch zeigen, wie der momentane Stand ist.“

Seine Schrift war nicht zwingend leserlich, wenn er sich keine Mühe dabei gab, sondern nur so schnell wie möglich Gedanken auf Papier kritzelte. Reichte ja, wenn er es noch lesen konnte in diesem Fall. Im Zweifel würde er es ihnen einfach einmal vorlesen, damit wurde aus dem kryptischen Zeichen meist schon beim zweiten Lesen ein erkennbares Wort.

Wir wollen nicht auf der Welle reiten, sondern mitten rein
Wir hängen die Fahne nich in den Wind und woll’n kein Treibgut sein
Und sollte uns das Wasser auch mal bis zum Halse steh’n
Wir werden niemals sang- und klanglos untergeh‘n

Ja wir sind ein Geisterkutter und den meisten ein Phantom
Dafür sind wir kein Fischfutter hier im immergleichen Strom
Wir woll'n keine Feier flauten
Nie von unsern Kurs abweichen
Nie zu lange sonst wo Ankern und niemals die Segel streichen


„Mit vollem Mund kann man allerdings nicht singen.“, warf er schließlich noch ein und schob sich einen weiteren, vollen Löffel Eintopf in den Mund.
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#8
Etwas skeptisch musterte Skadi die Diskussion zwischen den beiden und spürte wie sich ihr Innerstes bei Shannys Worten verkrampfte. Nicht etwa weil es ihr  angesichts der Bedeutung, die es für Liam besaß, schwer im Magen lag, sondern weil Shanny den Eindruck erweckte, als nutzte sie den Umstand aus, um ihn jetzt für läppisches Essen zu erpressen. So viel zum Thema „vollkommen uneigennützig“, wie? Schlagartig zog sich eine ihrer Augenbrauen hinauf. Doch sagte sie absolut nichts dazu. Es war zum einen Liams Angelegenheit, in die sie sich definitiv nicht einmischte, und zum anderen hätte Shanny ihr wohl eh deutlich zu verstehen gegeben, dass es sie nicht interessierte. Unnötige Luft verschwendete sie bei der Navigatorin nur ungern. Wenn ihre Meinung wichtig und von Interesse war, würde die Dunkelhaarige es sie schon wissen lassen.

Somit wandte sie sich wieder Liam zu und konnte sich ein süffisantes Schmunzeln kaum verkneifen.

“Hab vielleicht auch etwas dicht an deiner Hängematte gestanden...“

Das Schmunzeln wuchs jäh zu einem ausgedehnten Grinsen, das die Nordskov nur mit einem Auflachen auflöste.
Überließ es Shanaya sich dem Zettel zuzuwenden, den sie gierig zwischen ihre Finger nahm und Skadi somit nur schwer einen Blick darauf erhaschen konnte. Womöglich hätte sie ohnehin zu lang gebraucht, um Zeile für Zeile zu entziffern.

“Korrigiert mich, aber hatten wir hier an Board nicht noch ein paar mehr Musiker?“

Entspannt ließ sich die Nordskov mit ausgestreckten Armen ein wenig zurückgleiten und musterte Liam. Warf nur aus den Augenwinkeln einen Blick auf Shanaya, die immer wieder diebisch auf die Schüssel linste. Wie konnte ein Mensch nur so unersättlich sein? Zumindest wenn es tatsächlich um Essen ging. Bei allem anderen konnte die Nordskov das dringende Bedürfnis problemlos nachvollziehen.
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#9
Nur ein kurzer Blick galt Skadi, die sich aus dem Gespräch zwischen Liam und ihr heraus hielt. Wieso, da konnte die junge Frau nur spekulieren, aber sie machte sich auch keinerlei großen Gedanken darum. Als der Lockenkopf die dramatische Schiene fuhr, wog die Schwarzhaarige nur leicht den Kopf zur Seite, musterte den man mit etwas zusammen gekniffenen Augen.

Als ob das alles wäre, was ich von dir fordere! Da musst du mir schon drei Wochen Rationen von dir überlassen, damit dieser Gefallen ausgeglichen ist!“

So leicht kam er ihr dann doch nicht davon, diesen Gefallen hob sie sich – zum Großteil – für einen wirklich wichtigen Moment auf. Vielleicht verlor sie ja auch irgendwann etwas im Dschungel? Darin hatten sie ja inzwischen Übung. Allerdings gab es auch da sicher wichtigere Dinge, in die sie den Mann einspannen konnte. Sie behielt das Ganze erstmal im Hinterkopf, immerhin nahm sie sich in diesem Moment auch Nichts von dem Eintopf.
Skadis Frage ließ die Schwarzhaarige den Kopf etwas anheben, den Blick zu ihr herum wenden und lockte einen grüblerischen Ausdruck auf ihre Züge.

Haben wir? Dann ist ja einiges an mir vorbei gegangen.“

Die blauen Augen legten sich wieder auf den Zettel in ihrer Hand, streiften dabei kurz Liams Gesicht. Ein amüsiertes Schmunzeln galt dem Dunkelhaarigen, ein leises gespielt enttäuschtes Seufzen.

Mit so etwas kommst du nicht sofort zu mir? Mit dem ersten Wort, dem ersten Gedanken?“

Shanaya schüttelte leicht den Kopf, richtete ihre Aufmerksamkeit aber wieder auf die, teilweise wirklich schwer leserlichen, Worte auf dem Papier. Jede Zeile las sie aufmerksam, mit jeder wurde ihr Grinsen ein wenig breiter.

Dann brauchst du wohl jemanden, der den Mund nicht voll hat, halb verhungert ist und für einen Löffel Eintopf fast alles tun würde?“ Ihr Blick wurde ein wenig verschwörerisch. „Außerdem brauchst du jemanden mit einer bezaubernden Singstimme.“
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#10
Wie hatte er auch nur davon ausgehen können, dass ihr das genügen würde. Das Schmunzeln auf seinen Zügen lag teils an seiner Belustigung über seine eigene Naivität, als Shanaya ihm eröffnete, wie viel Eintopf er wohl in den nächsten Wochen noch abgeben musste, um ihren Gefallen wiedergut zu machen. Und auch, wenn Liam durchaus bewusst war, dass ihre Forderung lediglich ein Spaß zwischen ihnen war, war ihm ebenso klar, dass er die eine oder andere Ration wohl wirklich an sie abgeben müssen würde. Aber nicht mehr, als vorher auch schon. Immerhin war fast jeder Abend ein Kampf ums Überleben, wenn es ums Abendessen ging.

„Wo steckst du das eigentlich alles hin? Dein Magen ist wie ein Fass ohne Boden. Das Gemeinste daran ist aber eigentlich, dass man’s dir nicht ansieht.“

Beim ersten Mal erwischte es jeden eiskalt, der Shanaya nicht kannte. Aber immerhin hielt sie sich bei den Neuzugängen zurück und belagerte eher den älteren Teil der Crew mit ihrer Unersättlichkeit. Vermutlich gar nicht mal, weil sie wirklich noch Hunger hatte, sondern einfach, weil sie es konnte. Andererseits wäre sie wohl die letzte, die verhungerte, wenn ihnen die Vorräte ausgingen. Skadis Grinsen hingegen erwiderte er vielsagend, verkniff sich aber die Frage danach, ob es Sineca gewesen war, die sie aus ihrer eigenen Hängematte ferngehalten hatte. Mit ein bisschen Glück allerdings wäre es ein Leichtes gewesen, ihm anzusehen, was ihm durch den Kopf ging. Nur langsam löste sich sein Blick von ihren Zügen und bedachte Shanaya, die sich den Zettel nun genauer besah. Neugierig bedachte er ihre Züge, um anhand ihrer Regung einzuschätzen, was sie davon hielt, ging aber nach einer kurzen Zeit wieder dazu über, abwartend an einem Faden zu zupfen, der sich am Saum seiner Hose gelöst hatte.

„Hm, zumindest hat der Jüngere der Gebrüder Eisenherz einen Geigenkoffer an Bord geschafft.“, überlegte er laut ohne aufzusehen und wunderte sich gar nicht mal so groß darüber, dass der Schwarzhaarigen etwas entgangen war. Vielleicht, weil es sich um die Monrose-Brüder handelte, von denen ja zumindest einer eine recht schwere Stellung bei ihr besaß. „Heißt aber ja nicht zwingend, dass er auch ein Instrument darin versteckt. Vielleicht ja auch eine Leiche. Oder es ist ein Versteck für geheime Extrarationen.“

Die Anspielung auf den vermeintlichen Mord Aspens war gar nicht mal geplant gewesen, fiel Liam dieses Mal aber sogar selbst auf. Trotzdem galt das verhaltene Schmunzeln auf seinen Lippen eher dem indirekten Vorschlag, dass Shanaya sich die Sache mit dem Geheimvorrat ja auch mal überlegen konnte.

„Du warst…“ Liam überlegte kurz, wie er es am besten ausdrückte, ohne näher darauf einzugehen. „… Beschäftigt.“

Er ließ vom Faden ab und erwiderte Shanayas Blick einen kurzen Moment. Sie hatte die Zeit gebraucht, um sich ein wenig auszuruhen. Und wenn sie schon tagsüber nicht die Finger davon hatte lassen können, Arbeiten zu erledigen, hatte er sie nicht auch noch nachts wachhalten wollten. Die meiste Zeit hatte er nämlich daran gearbeitet, wenn er nachts keine Ruhe gefunden hatte. Und in diesen Momenten war ihm bestimmt nicht in den Sinn gekommen, die Schwarzhaarige zu wecken, wenn sie ihrer Verletzung gerade mal Ruhe gönnte. Außerdem war er es gewohnt, alleine an solchen Dingen zu werkeln. Er kannte es kaum anders. Shanaya fuhr fort, beschrieb die optimale Person für das, was sie vor hatten und ließ Liam kurz nachdenklich die Stirn runzeln.

„…Stimmt. Wir sollten Talin fragen.“, schlug er vor und bedachte die Dunkelhaarige mit einem möglichst ernsten Blick. „… War sie heute nicht beim Abendessen oder warum sollte sie halb verhungert sein?“

Halb verhungert sah Shanaya nämlich auf keinen Fall aus. Doch kaum, dass Liam geendet hatte, verriet sein Grinsen, dass er sie bloß aufzog. Er schob ihr sogar die Schüssel Eintopf zu, denn das war es ihm allemal wert gewesen.

„Also, was ist? Bist du dabei? Was ist mit dir Skadi?“, wandte er sich einladend und hoffnungsvoll an die Nordskov. „Es wäre mir eine Ehre, für euch beide zu spielen. “


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