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Der Dorn in ihren Augen
Lucien & Shanaya
Szenen-Informationen
Charaktere Gast
Datum 10 April 1822
Ort Milúi
Tageszeit Spät abends
Crewmitglied der Sphinx
für 60 Gold gesucht
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#21
Shanaya behielt den Mann, der die Pistole auf sie gerichtet hatte aus den Augenwinkeln im Auge, achtete auf seine Bewegungen. Aber er schien nicht abdrücken zu wollen, solange sie Mardoc nicht weiter bedrohten. Er stand nur da, regte sich nicht. Und Lucien lenkte all ihre Aufmerksamkeit auf sich, dass sie den Mann fast vergaß. Sie lauschte den Worten ihres Captains, und auch wenn sich nach wie vor kein Lächeln auf ihre Lippen schlich, lösten seine Worte eine unbekannte Wärme in ihr aus, ein sanftes, lockendes Gefühl. Sie war nicht mehr allein. Und jetzt, trotz allem zog sich ein hauchzartes Lächeln auf ihre Lippen, kaum wahrzunehmen wenn man sie nicht genau ansah. Mardoc tat es jedenfalls nicht, er warf ihr nur einen verhassten Blick zu, den die Schwarzhaarige wieder mit genügend Kälte erwiderte. Auch Lucien, der ihn nun los gelassen hatte, bekam solch einen Blick zugeworfen, aber er machte keinerlei Anstalten mehr, einem von beiden zu nahe zu kommen. Sie machten sich auf und davon und die letzte Anspannung fiel von der jungen Frau ab, während ihr Blick den zwei Männern kurz folgte um sicher zu gehen, dass sie nicht zurück kamen.
Erst als sie Luciens Blick auf sich spürte, richtete sie den Kopf wieder herum. Das Lächeln war für den Moment wieder von ihren Lippen gewichen, den ernsten Blick des Mannes erwiderte sie mit ruhiger Miene. Seine Worte entlockten ihr ein beinahe vorsichtiges Nicken. Er hatte so unendlich viel für sie getan... er verdiente nicht nur irgendetwas. Auch wenn sie noch immer nach einem Grund suchte. Nach einer Idee, wieso er ihr geholfen hatte. Wieso er nicht zurück gegangen war, zur Sphinx, zur Crew. Damit wich sie kurz seinem Blick aus, auch wenn sie nicht einmal genau wusste, wieso. Vielleicht weil er sonst in ihren Augen erkennen würde, das unzählige Fragen in ihrem Kopf kreisten? Bei ihm sah es vielleicht nicht anders aus... Aber auch dieser Gedanke wurde beiseite geschoben, als sie sein leises Seufzen hörte – und im nächsten Moment die sanfte Berührung an ihrer Wange spürte. Überrascht hob sie die blauen Augen, blinzelte und richtete den hellen Blick dann wieder genau auf Luciens Gesicht, womit sie sich beinahe automatisch in seine Berührung hinein lehnte. Sie genoss das Gefühl seiner Wärme, das sanfte Kribbeln auf ihrer Haut. So sehr, dass sie einen Moment die Augen schloss, nicht direkt auf seine Frage antwortete.
Es vergingen einige lange Momente, ehe Shanaya die Augen wieder öffnete, sie direkt auf Luciens Gesicht richtete und ihn eine ganze Weile einfach nur anblickte. Keine Regung ging durch ihren Körper, kein Gefühl lag in ihren Augen. Bis zu dem Moment, in dem ihre Hand den Knauf ihres Degens einfach los ließ, er mit einem Klirren auf den Boden fiel und Shanaya sich von den Kisten weg drückte. Sie zögerte nicht lang, trat auf den Dunkelhaarigen zu und hob die Arme, umarmte ihn, sodass sie die Hände hinter seinem Nacken ineinander legen konnte. Ihr Körper lehnte sich sanft gegen seinen, während diese Nähe ihr Herz sanft antrieb. Sie schwieg, schloss die Augen während sie das Gesicht für einen Moment in seinem Hemd vergrub. Ein unbestimmtes Gefühl ließ sie beinahe nervös werden, aber sie kämpfte dagegen an, entfernte sich aber keinen Zentimeter von Lucien. Das Ziehen an ihrer Seite blendete sie für den Moment vollkommen aus. Und auch eine Antwort auf seine Frage stellte sie hinten an.

Ich schulde dir mehr als einen gewaltigen Gefallen.“

Ihre Stimme war ein leises hauchen, aber auch mit diesen Worten entfernte sie sich kein Stück von dem Dunkelhaarigen.
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#22
Die Reaktion der Schwarzhaarigen fiel unerwartet still aus. Eine Stille und Ausdruckslosigkeit, die er von ihr nicht gewohnt war. Sie wich sogar seinem Blick aus, erinnerte ihn damit wahrscheinlich mehr, als sie ahnte, an seine kleine Schwester. Und gerade das ließ ihn wissen, wie tief und mächtig das war, was sie wirklich empfand. Was sie nur nicht nach außen trug. Sie lehnte sich in seine Berührung, entlockte ihm ein unerwartet sanftes Lächeln. Der ernste Ausdruck in den tiefgrünen Augen blieb. Nur mischte sich jetzt auch wärmende Zuneigung hinein. Er war erleichtert, so ungern er das auch zugeben wollte. Einfach nur erleichtert darüber, dass ihr nichts geschehen war. Nicht mehr zumindest, als die blutende Wunde an ihrer Seite.
Und dann ging alles ganz schnell. Von einem Moment auf den anderen ließ Shanaya ihren Degen fallen und kam ihm entgegen, überrumpelte ihn kurzerhand damit, dass sie ihn umarmte. Aber vor allem damit, dass er die Umarmung ganz intuitiv erwiderte. Er legte die Arme um ihren schlanken Körper, zog sie vorsichtig an sich und lehnte das Gesicht in ihr dunkles Haar. Sein Herzschlag, der noch nicht einmal damit angefangen hatte, sich zu beruhigen, beschleunigte sich erneut. Kräftig und gleichmäßig.
Das Lächeln auf seinen Lippen, verborgen in ihrem Haar, vertiefte sich unter Shanayas Worten ein wenig. Sie sollte längst wissen, dass man ihm ein solches Versprechen nicht leichtfertig machen durfte. Er würde es nicht vergessen, es irgendwann einmal einfordern. Aber in diesem Moment interessierte ihn vorrangig, ob sie in Ordnung war. Und vielleicht ein kleines Bisschen, was überhaupt dahinter steckte.
Also löste er sich vorsichtig von ihr. Gerade so weit, um ihr ins Gesicht sehen zu können, mit der Hand flüchtig über ihre Wange zu streichen. Die andere lag noch immer an ihrer Taille – der unverletzten – und hielt die junge Frau dicht an seinem Körper.

Sehen wir erst einmal zu, dass wir von der Straße runter kommen.“, erwiderte Lucien, zunächst ohne direkt auf ihr Angebot zu antworten. „Wir müssen uns deine Verletzung ansehen. Und überlegen, wie wir zum Schiff zurück kommen.

Damit ließ er sie los. Langsam zwar, aber dennoch bestimmt. Nur kurz blieb sein Blick auf ihr ruhen, dann bückte er sich nach dem Dolch, den Mardoc hatte fallen lassen und den er als ihren erkannte.

Und unterwegs...“ Er reichte ihr die Waffe mit dem Heft voran. „Kannst du damit anfangen, mir zu erzählen, wer dieser Kerl überhaupt war.
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#23
Shanaya wusste nicht, was sie in diesem Moment von Lucien erwarten sollte. Vielleicht wusste sie nicht einmal, was in ihr selbst vor sich ging. Er hatte ihren Dank verdient – und das mehr als es ein Wort hätte ausdrücken können. Sie wollte diesen Moment nicht lang währen lassen, überlegte schon, nach wenigen Herzschlägen wieder von dem Dunkelhaarigen abzulassen. Aber er selbst war es, der sie diesen Gedanken über den Haufen werfen ließ. Als wäre es vollkommen selbstverständlich erwiderte ihr Captain die Umarmung, zog sie zu sich und trieb ihr Herz in einen schnelleren Takt. Sie spürte seine Nähe, seine Wärme, die eine innere Unruhe in ihr aufleben ließ – sie gleichzeitig aber auch zu entspannen schien. Ein verworrenes Durcheinander, bei dem die junge Frau sich in diesem Moment nicht einmal im Ansatz die Mühe machen wollte, es zu entwirren. Jetzt gerade zählte nur der Moment, so aufgewühlt sie sich auch fühlte. Sie musste sich dazu keinerlei Gedanken machen – immerhin wusste sie, wieso sie so aufgewühlt war. Mardoc hätte beinahe bekommen, was er seit Jahren versuchte. Dass ihr Verstand in solch einem Augenblick nicht vollkommen klar war, war völlig verständlich. Immerhin war sie noch nie ein kalter Klotz gewesen, an dem all das spurlos vorüber ging.
Als Lucien sich etwas von ihr löste öffnete sie die blauen Augen wieder, lockerte auch ihre Arme und erwiderte den Blick des Dunkelhaarigen mit fester und dennoch sanfter Miene. Die Berührung an ihrer Wange entlockte ihr nun das erste, warme Lächeln an diesem Abend. Es erreichte sogar ihre Augen und ließ sie dann leise Seufzen. Irgendwo zwischen Verwirrung und Erleichterung. Seine Worte entlockten ihr dann ein leichtes Nicken.

Mir reichte erst einmal eine stille Lagerhalle. Auch wenn ich bis zum Hafen sicher nicht verblutet bin.“

Trotzdem war es ihr lieber, wenn sie die Wunde erst einmal versorgte. Erst als Lucien sie losließ, löste sich auch die junge Frau von ihm, erwiderte seinen Blick, noch immer das Lächeln auf den Lippen. Während er sich nach etwas bückte, drückte Shanaya die Hand auf ihre Wunde, schloss für einen Moment die hellen Augen. Jetzt, wo die Anspannung von ihr abfiel, spürte sie mehr und mehr das leichte Pochen. Lucien erhob sich wieder, reichte ihr ihren Dolch. Zuerst blinzelte sie, neigte dann in einer dankenden Geste den Kopf und atmete tief durch, ehe sie die Waffe entgegen nahm und in seine Scheide sinken ließ. Genau wie den Degen, den sie selbst im nächsten Moment mit der freien Hand aufhob.

Willst du die lange Version? Oder lieber die Kurzfassung?“

Abwartend musterte sie den Dunkelhaarigen, seufzte bei seiner Antwort leise. Sie hätte es wissen sollen. Trotzdem zögerte sie, ob sie an diesem Ort schon beginnen sollte. Aber letztendlich... wenn sie sprach, pulsierte der Schmerz vielleicht nicht ganz so spürbar. Sie wartete also nur einen Moment, ehe sie sich in Bewegung setzte, in Richtung Hafen. Irgendwo würden sie sicher eine dunkle Ecke finden. Und dieses Mal nicht für irgendwelche Spielereien.

Sagt dir der Name Árashi etwas? Die Familie, die zur Zeit versucht, in den Adel aufzusteigen. Weil sie machtbesessen sind und alle unterjochen wollen, die sich ihnen in den Weg stellen.“ Eine kurze Pause, Shanayas Blick blieb ruhig nach vorn gerichtet. „Meine Familie. Und Perrin... der Mann, den wir auf dem Fest 'getroffen' haben war einer ihrer größten Bewunderer. Als ich noch klein war, war er andauernd bei uns, hat meinen Eltern... vor allem meinem Vater, Honig ums Maul geschmiert, sich vor ihnen in den Dreck geworfen. Er wollte ihr Aufmerksamkeit, ihren guten Willen, um jeden Preis für sich. Ich glaube, dass er mich doch erkannt hat... und irgendwelche Informanten auf der Insel hatte, die meinem Vater Bescheid gesagt haben. Und der... tja. Der will mich zurück bei sich haben. Um mir bei lebendigem Leib die Haut abzureißen oder so...“ Ihre Stimme klang ein wenig resigniert. Sie wusste nicht, was er mit ihr anstellen wollte. Aber etwas Gutes war es gewiss nicht. „Aber er hatte schon immer Leute, die er vorschicken konnte, um die Drecksarbeit für ihn zu übernehmen. Egal, ob es darum ging, Geld einzutreiben, irgendwem Angst zu machen... oder seine Tochter so lange zu prügeln, bis sie gerade noch am leben ist.“ Die Schwarzhaarige zuckte mit den Schultern, richtete den Blick jedoch noch nicht zu Lucien herum. „Ich weiß nicht wie oft ich vor Mardoc auf dem Boden lag. Wie oft er trotzdem weiter auf mich eingeprügelt, mich getreten und mir Wunden zugefügt hat. Während mein Vater daneben stand, sich all das in Ruhe angesehen hat. Und jetzt... jetzt bin ich den Weg gegangen, den ICH wollte. Das passt meiner Familie natürlich nicht und mein Vater würde mich lieber tot sehen, als dass ich weiter eine Schande für seinen Ruf bin. Also schickt er bei der ersten Gelegenheit seinen liebsten Schläger, von dem er glaubt, dass ich ihn fürchten würde.“

Jetzt richtete die Dunkelhaarige den Kopf leicht herum, musterte Lucien von der Seite und versuchte auf seinen Zügen eine Reaktion zu erkennen. Das Lächeln ruhte, wenn auch nicht mehr ganz so warm, noch immer auf ihren Lippen.

Deswegen bin ich mir auch sicher, dass er zurück kommen wird. Mein Vater wird keine Ruhe geben, bis er hat, was er will. Und das ist mein Kopf auf einem Spieß.“
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#24
Gut. Bis zu den Lagerhäusern ist es von hier aus nicht mehr weit.

Der junge Captain wandte sich bereits leicht herum, wartete nur darauf, dass sie sich ihm anschloss, als Shanaya sich nach ihrem Degen bückte. Die tiefgrünen Augen jedoch ruhten auf der jungen Frau. Fast ein wenig nachdenklich. Er wusste inzwischen, dass sie all das hier nicht kalt ließ. Dass sie nicht der undurchdringliche Felsen war, für den man sie nach einem ersten Eindruck hätte halten können. Und hätte er es vorher nicht zumindest schon geahnt, wäre es ihm spätestens in diesem Moment deutlich bewusst geworden. Hinter der eisigen Schale war Shanaya weicher und verletzlicher, als sie zugeben wollte. Genau das war es, was ihn stetig mehr an ihr faszinierte. Das Wissen, dass sich hinter diesem ersten Eindruck noch so viel mehr verbarg. Und seine eigene verdammte Neugier darauf, was das war.
Doch er vertrieb den Gedanken mit einem leichten Kopfschütteln, richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Schwarzhaarige und erneut spielte ein kleines Lächeln um seine Mundwinkel.

Die lange, wenn ich schon die Wahl habe.

Sie hätte ihm dieses Angebot sicherlich nicht gemacht, wenn sie nicht bereit dazu wäre, auch die lange Version zu erzählen. Also nahm er, was er kriegen konnte. Hauptsächlich deshalb, weil er wissen wollte, warum er gerade seinen Arsch aufs Spiel gesetzt hatte.
Gemeinsam setzten sie sich in Bewegung, machten sich auf den Weg in Richtung Hafen und während der Dunkelhaarige schweigend ihrer Geschichte lauschte, hakte er die Daumen in seinen Gürtel und behielt beiläufig die Straße im Auge, der sie folgten. Nur flüchtig runzelte er die Stirn.
Árashi. Er wusste, dass diese Familie Ambitionen hatte. Hohe, sogar. Sie waren die Favoriten des Hauses Pirréaux für das Herzogtum Birlan. Das zumindest hatte er aus den wenigen Gerüchten heraus gehört, die er bewusst aufgeschnappt hatte. Ohne genug Geld kam man dabei nicht besonders weit. Sie war also aus reichen Hause – aus einer Welt, die ihm selbst vollkommen fremd und weit entfernt, geradezu unerreichbar erschien. Witzig, wie das Leben manchmal so spielte.
Er warf seiner Begleiterin einen Seitenblick zu. Nach wie vor nachdenklich, aber genauso aufmerksam. Zumindest erklärte das, was auf dem Brunnenplatz vor ein paar Tagen tatsächlich passiert war. Der Grund, weshalb das ganze eskalierte. Weil sie es sich wohl nicht nehmen lassen konnte, ihrem Vater auf der Nase herum zu tanzen... nach allem, was er ihr angetan hatte.
So langsam fügte sich all das in seinem Kopf zu einem bruchstückhaften Bild zusammen. Nicht vollkommen lückenlos – aber zumindest ein Bild. Die Gewalt ihrer Familie hatte sie dazu gebracht, ihre Heimat zu verlassen. Den Zwängen zu entkommen, die sie überhaupt erst zu einem Menschen gemacht hatten, der dagegen offen rebellierte. Und das hatte sie auf die Sphinx geführt.

Aber du fürchtest ihn nicht...?“, hakte Lucien nach, gerade als sie die ersten Lagerhäuser zwischen einzelnen Wohngebäuden passierten. Es war eigentlich keine wirkliche Frage. Mehr eine Art Feststellung, von der er sich nur vergewissern wollte.
Wieder huschte sein Blick über ihre Züge, suchte dort nach einer Antwort, dann richtete er einen Teil seiner Aufmerksamkeit auf die Gebäude um sie herum. Ganz kurz streckte er die Hand nach Shanaya aus, berührte sie flüchtig an der Schulter und machte sie mit einem Nicken in die entsprechende Richtung auf ein mittelgroßes Lagerhaus aufmerksam, eingefasst von einer schmalen Gasse und einem weiteren Gebäude. Kurzerhand steuerte er auf dessen Tür zu.

Und wie hast du in ihre Pläne gepasst? Ich meine, bevor du deine Heimat verlassen hast? Die brave Vorzeigetochter?

Er probierte die Klinke. Abgeschlossen. Und selbst ein kräftigeres Ruckeln brachte die Tür nicht dazu, sich doch noch zu öffnen. Lucien stieß einen gedämpften Fluch aus, hielt kurz inne und richtete den Blick dann auf die schmale Gasse, die um das Gebäude herum führte. Dann bedeutete er der Schwarzhaarigen mit einem Wink, ihm zu folgen.

Komm mit. Vielleicht finden wir ein Fenster, durch das wir einsteigen können.
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#25
Shanaya war es relativ egal, was Lucien mit diesem Wissen nun anfing. Ob er weiter nachfragte, ob er ihr überhaupt zuhörte. Sie schuldete ihm wenigstens diese Erklärung, also hatte er sie bekommen. Nicht, dass sie ihm so sehr vertraute... es war ihr schlicht egal, ob er irgendetwas davon herum erzählte. Der Name Árashi war eher selten, jeder der also nicht von alleine auf den Gedanken kam, woher sie stammte... Die junge Frau neigte den Kopf ein wenig zu beiden Seiten, verwarf diesen Gedanken einfach. Denn Lucien ließ ihre Worte nicht einfach so auf sich ruhen, er fragte weiter nach. Zumindest ging er auf ihre Worte ein.

Ich habe vor keinem Menschen Angst. Mehr als töten können sie mich nicht... und in jedem Fall weiß ich, dass ich niemals kampflos sterben würde.“ Ein leises Schnaufen. „Aber das Ego von meinem Vater und meinem Bruder lässt gar Nichts anderes als den Gedanken zu, dass ich vor Angst erzittere, sobald ich nur an sie denke.“

Sie zuckte leicht mit den Schultern. Auch wenn sie an ihrem Leben hing... es wäre endlos naiv gewesen zu glauben, niemand würde ihr ans Leder wollen. Sie war Piratin, sie stand mit dem Risiko auf, jeden Moment eine Kugel zwischen die Augen zu bekommen. Nicht einmal ihren Bruder und ihren Vater fürchtete sie. Ihr blauer Blick lag kurz auf Lucien, der bereits die Umgebung im Blick hatte. Sie tat es ihm also gleich, ließ die Augen umher schweifen, bis sie die kurze Berührung an ihrer Schulter spürte und sich herum wandte. Sie folgte ihrem Captain also, drückte dabei noch immer die Hand auf die Wunde, die noch nicht aufgehört hatte zu bluten. Shanaya unterdrückte ein Seufzen, hob dann den Blick, als der Mann eine weitere Frage stellte. Einige Herzschläge lang überlegte sie, setzte dann mit ruhiger Stimme zu einer Antwort an.

Genau so. Das süße, kleine Mädchen, das brav jeden Befehl befolgt, ihren Ehemann umsorgt und liebt und springt, wenn er es sagt. Mein Ehemann sollte die Geschäfte meiner Eltern übernehmen, ich sollte sein hübsches Anhängsel mit gutem Ruf sein.“ Kurz senkte sich ihr Blick, als überlegte sie noch einmal, richtete die Augen dann aber wieder auf ihr Gegenüber. Ein hämisches Lächeln auf den Lippen. „Aber ich habe mit keiner Faser in ihr Bild gepasst. Also haben sie mich in ein Internat gesteckt. Aber... ganz offensichtlich hat auch das Nichts gebracht.

Sie breitete die Arme aus. Sie war hier, Teil einer Piratencrew, in diesem Moment unterwegs mit ihrem Captain. Und dieser stand vor einer verschlossenen Tür. Shanaya ließ den Blick kurz an dem Gebäude hoch wandern, seufzte und folgte ihm dann wie geheißen.

All die Männer, von denen sie sich erhofft hatten, dass ich sie heirate wollten mich komischerweise auch nicht mehr.“ Shanaya Lächeln wurde deutlich breiter, ein vielsagender Blick galt ganz offensichtlich Lucien. „Es kann eben nicht jeder mit selbstbewussten Frauen umgehen.“

Einen Moment noch ruhte der blaue Blick auf dem Dunkelhaarigen, ehe sie sich genauer umsah.

Da, bei den Kisten ist ein offenes Fenster.“

Sie deutete in die besagte Richtung, steuerte dann direkt darauf zu.
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#26
Nichts von dem, was Shanaya ihm in diesem Augenblick erzählte, wollte Lucien gegen sie verwenden. Dazu gab es keinen Anlass. Es war auch nicht so, dass er ihre Geschichte wirklich kennen musste, um sie zu kennen. Ihre Vergangenheit mochte sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie heute war – aber wie dieser Mensch hinter der hübschen Fassade aussah, machte er stets an ihrem Verhalten im Hier und Jetzt fest. Nicht an den Dingen, die sie an diesen Punkt geführt hatten. Vielleicht konnte er deshalb so ruhig zuhören und vielleicht fehlte ihm deshalb jedes Mitleid, das den ein oder anderen bei ihren Worten erfüllt hätte. Was nützte ihr das im Nachhinein?
Nein, alles was er wollte und auch bekam, war ein gewisses Verständnis dafür, wer dieser Mardoc war, wer ihr Vater war und womit er rechnen konnte, wenn Shanaya bei der Crew blieb. Sie schloss definitiv nicht aus – spekulierte sogar darauf – dass sie es noch einmal versuchen würden. Und Árashi Senior wusste jetzt, dass sie nicht mehr allein unterwegs war.
Der Blick des jungen Captains wanderte zurück zu Shanaya, deren todesverachtende Worte ihm ein kleines, wissendes Lächeln entlockten. Natürlich nicht. Auch das war etwas, was sie miteinander teilten. Der Tod machte ihnen keine Angst. Es gab Schlimmeres. Das war etwas, das nicht jeder verstand, doch diejenigen, die es taten, verband es miteinander. Weil es nichts mit Leichtsinn zu tun hatte und auch nichts mit Mut. Das war etwas anderes.

Ja, offensichtlich.“, bestätigte Lucien mit sanfter Belustigung in der Stimme, als sie schließlich endete. „Aber wie es aussieht ist dich an einen potenziellen Erben zu verschachern inzwischen keine Option mehr.

Er hielt kurz inne, bedachte sie mit einem kurzen Blick, der ihrem gelassen begegnete. Seltsamerweise hatte er überhaupt kein Problem mit charakterstarken Frauen. Doch sie hatte ihm mehr zu denken gegeben, als er in diesem Moment verriet. Nicht über diese Welt, die er ohnehin nicht ändern konnte – und auch nicht wollte. Talin und er schufen ihre eigene kleine Welt. Einen Ort, an dem ihre Regeln galten und an dem Menschen wie sie und er – und Shanaya – sein konnten, wer sie waren. Nein, die Schwarzhaarige selbst war es, die ihm zu denken gab.
Und ihre Verletzung machte ihm Sorgen.

Dann komm.“ Nur zu bereitwillig nahm er ihren Hinweis auf das offene Fenster als Ablenkung und beschleunigte seine Schritte. Als er es erreichte – es stand nur einen kleinen Spalt weit offen – schob er vorsichtig die flache Hand ins Innere und löste den Haken, der es verschlossen hielt. Es schwang aus eigenem Antrieb nach außen auf, sodass er kurz ausweichen musste, bevor er schließlich einen Blick ins Innere werfen konnte. Stille empfing ihn. Dunkelheit.
Die tiefgrünen Augen kehrten zu Shanaya zurück, musterten sie kurz.

Ich hebe dich hoch, du ziehst dich auf die andere Seite, einverstanden? Das tut vermutlich kurz weh.

Sie würde es wegstecken, aber er wollte zumindest vorgewarnt haben. Und als sie schließlich nickte, legte er vorsichtig die Hände an ihre Seite, spürte unwillkürlich klebrigfeuchte Wärme an seiner Hand, und hob sie dann mit sanftem Schwung zum Fenster hoch, damit sie nach dem halbhohen Sims greifen und sich in die Lagerhalle ziehen konnte.
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#27
Ohne etwas davon nach außen dringen zu lassen fragte Shanaya sich, was der Dunkelhaarige wohl noch fragen würde. Es gab genug, was er noch hinterfragen konnte.

„Definitiv nicht. Es reicht schon, dass ich einen von diesen Kandidaten jeden Tag in meiner Nähe habe. Aber... er ist ein gutes Beispiel für all die Kerle, denen ich versprochen war.“

Ein leises, verächtliches Schnaufen folgte. Aspen war... Aspen eben. Niemand, den sie für den Rest ihres Lebens an ihrer Seite wissen wollte. Zumal sie noch niemandem begegnet war, von dem sie sich das wünschte. Dazu gehörte so viel mehr. Aber Lucien schien vorerst genug gefragt zu haben, vielleicht wartete er auch nur auf die Sicherheit, die ihnen diese offene Straße kaum bieten konnte. Wieder folgte sie ihm, erwischte sich jedoch bei, wie sie inzwischen öfter blinzelte. Die Wunde blutete weiter und allmählich spürte sie den leichten Schwindel. Ihr Körper war vorher schon erschöpft gewesen, dazu musste sich nun die Wunde und das Adrenalin, das langsam abklang. Sie wollte einfach nur noch einen Ort erreichen, an dem sie die Wunde versorgen konnte.
Mehr am Rande nahm die junge Frau wahr, wie Lucien das Fenster öffnete. Sie hatte die Umgebung halbherzig im Blick behalten, noch immer fest auf die Wunde drückend. Erst als der Dunkelhaarige sich wieder an die wandte, richtete sie die blauen Augen zu ihm, musterte kurz das geöffnete Fenster. Sie trat näher zu ihm, bei seinen Worten jedoch legte sich eine wenig begeisterte Miene auf ihr Gesicht. Aber sie leistete trotzdem keinerlei Widerstand, nickte widerwillig. Allein weil sie wusste, dass ihre Kräfte allmählich aufgebraucht waren. Sie ließ sich also hochheben, nahm dafür die Hand von der Wunde und griff im nächsten Moment nach dem Fenstersims. Sofort spürte sie das Ziehen an ihrer Seite, unterdrückte jedoch ein schmerzvolles Aufstöhnen. Mit ihrer letzten Kraft zog sie ihren Körper nach oben, spürte wie ihre Arme unter dieser Anstrengung zitterten, dennoch schaffte sie es, sich durch das Fenster hoch zu ziehen und sich auf der anderen Seite fallen zu lassen. Ihre Füße kamen auf dem Boden auf, trotzdem taumelte die junge Frau leicht. Instinktiv lehnte sie sich an die Wand in ihrem Rücken, schloss kurz die Augen.

„Hier haben sie uns ausnahmsweise nicht aufgelauert.“

Ihre Stimme war leiser geworden, klang erschöpfter. Trotzdem kramte sie nun in ihrer Tasche, vorbei an der Flasche, die unter ihren Bewegungen leise gluckste. Hier gab es genügend Möglichkeiten, diese verdammte Wunde endlich zu nähen.
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#28
Ausnahmsweise verkniff er sich das Schmunzeln über ihren wenig begeisterten Gesichtsausdruck. Die Farbe ihrer Haut verstärkte seine Sorge und ganz allmählich war dem Dunkelhaarigen nicht mehr nach Lachen zumute. Also tat er, was er angekündigt hatte und als Shanaya sich durch die Fensteröffnung gezogen und ein dumpfes Geräusch auf der anderen Seite ihm verkündet hatte, dass sie dort sicher auf dem Boden angekommen war, machte er sich daran, ihr zu folgen.
Das Fenster befand sich etwa auf halber Höhe. Gerade so weit oben, dass man sich allein hinauf ziehen konnte, aber es einiges an Kraft kostete. Unter hörbarer Anstrengung zog Lucien sich durch das Fenster, ließ sich neben der Schwarzhaarigen vorsichtig zu Boden gleiten und hielt in dem Moment lauschend inne, da seine Stiefel den Boden berührten. Nichts. Nichts regte sich, weder draußen, noch drinnen. Für's erste sollten sie unentdeckt bleiben.
So leise wie möglich zog der 21-Jährige das Fenster wieder zu, dieses Mal gänzlich, und verriegelte es von dieser Seite aus. Dann ließ er den Blick durch das dunkle Lagerhaus schweifen.
Durch eine Reihe Oberlichter fiel Mondlicht in den Raum, erhellte ihn gerade weit genug, um die Umrisse von Kisten und Säcken zu erkennen, die gruppenweise überall verteilt standen. An der Wand zu ihrer Rechten reichte ein gewaltiges Regal mit Fässern bis hinauf zu einer schmalen Galerie. An der Wand links zog sich die Treppe entlang, die dort hinauf führte. Vielleicht in eine Art Bürobereich, der der Verwaltung diente.
Zuletzt kehrte seine Aufmerksamkeit zu Shanaya zurück, musterte sie genau.

Ich vermute, sie haben erst mal andere Probleme, als uns zu folgen. Du hast ihn ordentlich an der Schulter erwischt...

Ein unleugbar beeindrucktes Lächeln huschte über seinen Lippen. Doch es wandelte sich schnell in etwas sanfteres, wärmeres. Langsam trat Lucien näher, legte die Hand an ihre Wange und in die tiefgrünen Augen trat ein Ausdruck von Unruhe. Sorge.

Du bist blass.“, stellte er fest, etwas leiser als gerade eben noch. Fuhr ihr dabei sanft mit dem Daumen über die Wange. „Setz dich, bevor du mir umfällst.

Der Platz, an dem sie gerade standen, war so gut wie jeder andere. Und falls jemand durch den Haupteingang kam, bot ihnen das Fenster immerhin noch einen Fluchtweg. Auch wenn er sich nicht sicher war, wie lange die Schwarzhaarige überhaupt noch würde laufen können. Wahrscheinlich nicht bis zum Schiff. Nicht heute Nacht.

Ich helfe dir mit der Korsage, in Ordnung? Und dann sehe ich mich kurz um, ob ich etwas finde, womit wir die Wunde verbinden können.
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#29
Solange Shanya Nichts von Lucien hörte, hielt sie die Augen geschlossen, konzentrierte sich für den Moment nur auf ihren Herzschlag, auf die Stille, die sie umgab. Erst als der Mann neben ihr auf dem Boden aufkam, blickte sie ihm wieder entgegen. Er selbst sah sich einige Momente um, betrachtete ihren Zufluchtsort. Etwas, was sie selbst getan hätte, hätte dieser verdammte Typ nicht eine zweite Pistole bei sich gehabt. Auf die Worte des Mannes hin lachte sie leise auf.

Ich glaube, so viel Gegenwehr hat ihn ziemlich überrascht.“

Als Kind, ohne Waffe hatte sie einfach nicht die Möglichkeiten gehabt, sich zur Wehr zu setzen. Aber bevor sie genauer darüber nachdenken konnte, kam Lucien ein Stück näher, legte noch einmal die Hand an ihre Wange. Zuerst hob ihr Blick sich in seine Augen, ehe sie die eigenen schloss und sie sich nur auf die sanfte Wärme konzentrierte, auf das sanfte Gefühl, den schnellen Herzschlag, der nicht nur durch die Schmerzen angetrieben wurde. Beinahe vorsichtig legte sie ihre freie Hand auf seine, strich sanft mit den Fingern über seine Haut. Seine Worte nahm sie wahr, ging jedoch vorerst nicht darauf ein. Erst, als er von Verbandszeug sprach, zog sich ein munteres, wenn auch erschöpftes Lächeln auf ihre Lippen. Langsam zog sie die Hand, die die ganze Zeit in ihrer Tasche geruht hatte, wieder hervor und hielt ein hölzernes, rundes Döschen und ein Stück Holz, um das ein Faden gebunden war nach oben.

Auf solche Fälle bin ich jederzeit vorbereitet.“ Eine kurze Pause, ein vielsagender Blick. „Und dass du so eine Situation nutzen willst, um mich auszuziehen...“

Sie lächelte, strich sich dann mit den Fingern über die Augen. Jeder Herzschlag schien sie mehr zu erschöpfen, also ließ sie sich ohne Widerwillen von dem Mann helfen, die Corsage los zu werden. Die Tasche hatte sie auf dem Boden abgestellt, dann folgte sie selbst. Mit dem Rücken gegen die Wand gestützt ließ sie sich auf den Boden sinken, holte im nächsten Moment die Flasche aus ihrer Tasche und öffnete sie. Eigentlich war das das schlimmste an der ganzen Sache... Sie lehnte die Flasche gegen ihre angewinkelten Beine, hob dann leicht ihre Bluse an. Die Wunde saß recht weit oben... ein Seufzen, ehe sie die Arme ein wenig anhob, um mit langsamen Bewegungen den Stoff über ihren Kopf zu ziehen.

Du guckst mir ja Nichts weg, oder?“

Ein vollkommenes, schüchternes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, als sie den Blick zu Lucien herum wandte. Irgendwie glaubte sie nicht, dass er diese Situation ausnutzen würde. Nicht, solange die Wunde noch vor sich hin blutete. Trotzdem weckte die Tatsache, dass sie halbnackt vor ihm saß die Erinnerung an den Stand, an seine Berührung und seine Nähe. An das Verlangen, mehr davon zu wollen. Die Erregung, die sie auch jetzt mit diesem Bild im Kopf wieder leicht durchflutete... Da half nur eins... Also griff sie erneut nach der Flasche und hob sie leicht die über die Wunde, ehe sie mit einem leisen „Cheers“ etwas von dem Alkohol darüber kippte. Sie kniff die Augen zusammen, gab jedoch keinen Ton von sich. Bevor sie sich nun dem Faden und der Nadel widmete, hob sie die Flasche an ihre Lippen, trank ein, zwei (kleine) Schlücke und stellte die Flasche neben sich. Dann griff sie nach der kleinen Dose, holte eine Nadel hervor und trennte ein Stück vom Faden ab, fädelte es in das Oer ein. Ein kurzer, wahnsinnig leidender Blick galt Lucien, ehe sie ansetzte, um den ersten Stich zu setzen.
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#30
Wieder entlockten ihre Worte dem Dunkelhaarigen ein Schmunzeln, als er ihrem Blick begegnete. Zwar mit einem Anflug von Besorgnis darin, aber unverkennbar anerkennend. Vorerst beließ er es jedoch dabei, stellte seine Fragen hinten an. Das hatte Zeit, bis sie ihre Wunde versorgt hatten, bis sie zumindest fünf Minuten Luft hatten holen können. Danach.
Als sie die Hand über seine legte, vertiefte sich sein Lächeln. Dann lenkte sie seine Aufmerksamkeit auf ihre Tasche und das, was sie daraus hervor zog. Unwillkürlich stieß er ein leises Lachen aus, halb amüsiert, halb spöttisch, und die tiefgrünen Augen suchten noch einmal ihren Blick, ehe er die Hand vorsichtig von ihrer Wange löste.

Gib dich lieber nicht der trügerischen Hoffnung hin, ich hätte irgendwelche Skrupel dabei.“,

konterte Lucien mit einem vielsagenden Ausdruck in den Augen und einem ziemlich dreisten Schmunzeln auf den Lippen, als er die Hände zielgerichtet zu der Verschnürung ihrer Korsage wandern ließ und dort die einzelnen Knoten löste. Tatsächlich kannte der Dunkelhaarige wenig Zurückhaltung dabei, ihre Unpässlichkeit auszunutzen – wäre Shanaya nur betrunken gewesen. In seine Nähe begab man sich besser nur im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten. Zumindest als Frau. Doch solange sie ihm dabei noch halb verblutete, hielt er sich zurück. Lockerte nur so vorsichtig, wie es ihm möglich war, die Schnürung, bis sie das Kleidungsstück nach unten rutschen lassen konnte und wich einen halben Schritt zur Seite, um ihr den Raum zu geben, den sie brauchte, als sie sich zu Boden sinken ließ.
Etwas langsamer folgte er ihr, ging neben ihr in die Hocke, während sie die Flasche aus ihrer Tasche zog, die sie vorhin aus dem Haus hatte mitgehen lassen und dazu ansetzte, ihre Bluse auszuziehen. Doch bevor sie weit genug kam, schien sich die Schwarzhaarige daran zu erinnern, dass er auch noch da war, hielt kurz inne und entlockte dem jungen Captain damit ein leises Lachen. In die grünen Augen trat sanfter Schalk.

Da zeigst du mir nichts, was ich nicht schon mal gesehen hätte.

Wenn auch, das zumindest würde sie ihm vorhalten, sicher nicht in dieser Qualität.
Er besaß auch nicht den Anstand, den Blick abzuwenden. Schon allein deshalb nicht, weil er sich das Ausmaß der Verletzung selbst ansehen wollte. Sein Interesse war also... rein wissenschaftlicher Natur – jedenfalls konnte man sich das einreden, als sein Blick an ihr hinab bis zu dem Schnitt in Haut und Fleisch wanderte. Der Alkohol spülte den Großteil des breit verschmierten Blutes fort, offenbarte schließlich, wie ernst die Verletzung wirklich war und ließ den 21-Jährigen leise seufzend die Luft ausstoßen. Gut. Nicht ganz so schlimm, wie zunächst befürchtet. Wenn sie es schafften, die Wunde zu nähen und die Blutung zu stoppen, bekam sie hoffentlich wieder etwas Farbe im Gesicht. Unwillkürlich huschte sein Blick zu Shanayas Händen, die geschickt einen Faden in die Nadel fädelten. Ein Bild, das ihn flüchtig erschaudern ließ.

Also gut... Wenn du nicht zufällig auch ein paar Bahnen Stoff in deiner Tasche versteckt hast...“ Lucien hob den Blick, begegnete wieder dem ihren und lächelte leicht. „Sehe ich zu, dass ich zumindest dafür etwas Passendes finde.

Er wartete nur kurz darauf, dass sie ihm seine Vermutung bestätigte, erhob sich dann langsam und wandte sich halb der Treppe zu, die nach oben führte, bevor er noch einmal zu der Schwarzhaarigen zurück sah.

Ruf mich, wenn irgendetwas nicht stimmt. Ich beeile mich.


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