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Kapitel 5 - Melodie des Frühlings
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Aug 2017
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#31
Vielleicht hätte der Markt und die Güter, die hier vertrieben wurden, tatsächlich Scortias etwas aufgeheitert, aber alleine die Tatsache, dass er nur zum Gewürze beschaffen eingeteilt war, hatte die Laune des Zwölfjährigen ordentlich in den Keller fallen lassen. Dementsprechend unmotiviert lief er neben Rayon her, bis er dann schließlich die Kinder am Rand entdeckte, die, wie er sich sicher war, eine deutlich aufregendere Aufgabe nachgingen als er. Natürlich musste er Rayon vor ihnen warnen, denn er kannte ihre Masche, die er selber in Aelinos praktiziert hatte. Seine Augen klebten weiter an den Jungen, die wohl ein Opfer ausgemacht hatten und das auch Scortias nun erblickte. Bevor Rayon reagieren konnte, verabschiedete sich der Schiffsjunge, um nur wenige Minuten später wieder hinter dem Smutje aufzutauchen. Dieses Mal aber mit einem breiten und zufriedenen Grinsen. Er hatte fette Beute gemacht. Ein schwerer Geldsack zog an der linken Seite seiner Hose, die danach verlangte immer wieder auf die Hüfte zurück gerückt zu werden.

Rayon war aber keinesfalls dumm, was Scortias auch niemals behauptet hätte. Aus irgendeinem Grund schien es so, als würde der großgewachsene Mann wissen, was der Zwölfjährige da gerade getrieben hatte. Die vor Ironie triefende Frage, ob das nicht seine Großmutter gewesen sei und dazu der strenge Blick, den Scortias sich einfing, deuteten darauf hin, dass Rayon nicht sonderlich begeistert von der Aktion gewesen ist. Schuldig und ertappt sah der Junge mit einem zerknirschtem Gesicht zu dem Dunkelhäutigen hinauf und hob seine Schultern entschuldigend an.

„Es war … eine gute Gelegenheit.“ meinte er leise und ließ die Schulter mit einem Ruck wieder sinken. Dann biss er sich auf die Unterlippe, bevor seine Augen deutlich machten, dass er ein gutes Argument gefunden hatte, denn sie strahlten plötzlich in Rayons Richtung.

„Es hat sich aber gelohnt. Das sind locker zehn Goldstücke." flüsterte Scortias überschwänglich und klopfte sich mit begeistertem Gesichtsausdruck auf die Hosentasche. Rayons strenger Blick war nun auch wieder vergangen, der ihn aber nun belehrte, nichts auf eigener Kappe zu machen.

„Aye Sir.“ bestätigte der Junge mit einem Grinsen und salutierte vor dem Koch.

Der Zwölfjährige mochte den Smutje und auf keinen Fall wollte er den Mann enttäuschen oder verärgern. Nein, er wollte, das Rayon stolz auf ihn war, dass er sich auf seinen Schiffsjungen verlassen konnte, egal in welcher Situation. Eine Crew war wie eine Familie und Rayon übernahm immer mehr die Rolle eines großen Bruders, oder die eines Patenonkels. Feuerbart war dafür immer noch so eine Art Vater. Und Trevor war eher der Zwillingsbruder, mit dem man einfach nur Blödsinn machen konnte. Irgendwie hatte jeder so seine Rolle bekommen. Naja, bis auf ein paar Ausnahmen, mit denen Scortias noch nicht so viel zutun hatte. Ryan zum Beispiel konnte der Junge noch garnicht einschätzen. Und Shany war wie eine Schwester, mit der man sich auch mal um das größere Fleischstück streiten konnte. Aber das war es doch, was eine Familie ausmachte, oder? Am Ende würden alle, egal was passierte, zusammen halten.

Rayon und Scortias drängelten sich etwas näher an einen Stand heran. Zwischen den Leuten hindurch konnte der Junge einige, aus Holz angefertigte Figuren entdecken, aber so richtig sehen war unmöglich, bis sich vor ihnen eine Lücke auftat und die beiden Crewmitglieder der Sphinx zur Tischkante vordringen konnten. Das Tuch, dass als Sonnenschutz über den Stand gehängt wurde, tauchte alles auf den Tisch in ein freundliches Gelb. Scortias ließ seine Augen über die Figuren wandern, bis Rayon sich zu ihm hinunter beugte, ihn ansprach und auf die Figur eines Kraken zeigte.

„Ja, als ich in Aelinos auf der Straße gelebt habe, da saß ich oft auf dem Dach, am Fenster der Taverne und die Leute haben die wildesten Geschichten erzählt. Seeschlangen, die so groß wie FÜNF Schiffe waren und mit ihren Flossen einfach BOOTE umschmissen (Bäm), oder sie von unten rammten (Pfusch). Oder nackte Frauen, die SOOOO toll sangen, dass die Seefahrer unbedingt zu ihnen hin steuern wollten und dann auf ein Riff aufliefen (Krach). Die Männer wurden dann alle von den Frauen gefressen. Man sagt, dass das Wasser in der Gegend durch das Blut rot gefärbt ist. Obwohl ich ja glaube, dass sie nicht wegen den Stimmen, sondern weil die Frauen nackt waren da hin wollten. Und dann gibt es SOOO ein RIESIGEN Waal ...“

Scortias breitete die Arme in seiner Begeisterung der Geschichten so weit er konnte aus und stieß dabei ein paar Figuren um. „'tschuldigung." kam es kleinlaut von dem Zwölfjährigen an den Verkäufer gerichtet und stellte die Figuren schnell wieder auf.

„Naja der Waal war riesig und hat ein Schiff über AAALLE Meere verfolgt, nur um den Kapitän zu erwischen, der die Frau und das Kind des Waals ermordet hat. Dann gab es noch so ein … Hai..." bei dem Wort stockte die Stimme des Jungen kurz. "… ein Hai. Also … die Haigeschichte finde ich aber am gruseligsten. Der soll nämlich so groß sein, dass er ein halbes Marineschiff mit einem Bissen verschlingen kann. Ich haaaaasse Haie. ... Und ja, dann erzählten sie auch von dem Kraken, der mühelos mit seinen Tentakeln ein Schiff in die Tiefe ziehen kann und deren Saugnäpfe SOOO stark sind, dass sie einem Mann das GANZE Gesicht weg saugen. (Flop)“

Scortias hielt dabei seine Hand vor dem Gesicht und machte ein flopendes Geräusch. Generell erzählte er alles mit wilden Bewegungen und untermalte die Stories mit mündlichen Lauten. Der Zwölfjährige sah Rayon mit begeistert funkelnden Augen an, denn er hatte die Geschichten der Seeleute geliebt und fast jede Nacht mindestens eine Geschichte vor dem Schlafen angehört. Es waren sozusagen seine persönlichen 'Gute Nacht Geschichten'.

„Und wieso bist Du deswegen zur See?“ fragte Scortias und kicherte. „Wolltest Du den Kraken erwürgen und in den Kochtopf schmeißen?“

Mit einem breiten Grinsen sah er Rayon an und boxte dem Mann spielerisch mit seiner kleinen Hand auf den mindestens viermal so großen Oberarm. Doch dann richtete er seine Augen wieder auf die Holzfigur des Kraken. 'Für einen kurzen Moment sah er das riesige Ungeheuer in seinem Gedanken, wie es bei einem wilden Sturm die langen Arme aus dem wellentobenden Wasser schob und das Schiff, auf dem sich Scortias in der Fantasie befand, umschlang und nach unten zog. Das Holz um ihn herum krachte und knarrte. Er hielt sich an der Takelage fest' … doch es war nur Rayons Arm auf dem Markt, den er in diesem Moment umklammert hatte. ... Gruselig.

[Mit Rayon auf dem Markt | bei einem Händler für Holzutensilien und -figuren]
Crewmitglied der Sphinx
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#32
"Es scheint mir, als würde deine Medizin tatsächlich helfen, Doc."
Gregory wandte sich überrascht und mit diesem wunderbaren Glücksgefühl in sich, das ihn in in so einem Augenblick immer durchflutete, Cornelis zu. Allein, dass der Rotbart ihn von sich aus ansprach wäre schon ein großer Erfolg gewesen, aber der nur noch einen Hauch Wehmut enthaltende Ton, das Lächeln und die Worte dazu - für solche Momente lebte der Schiffsarzt.
Er erwiderte das Lächeln und nickte schlicht als Antwort.
Warum hätte er auch etwas sagen sollen? Um dem Anderen unter die Nase zu reiben, das er recht hatte? Das wäre kindisch gewesen und hatte er auch nicht nötig. Außerdem wussten sie beide, dass es gut war und wieso etwas bereits Bekanntes äußern?
Stattdessen nahm er viel lieber das Du zur Kenntnis, dieses kleine aber feine Geschenk, dass zugleich Anerkennung, Respekt und Akzeptanz ausdrückte. Fast schon hätte er Freundschaft gedacht, aber er war niemand, der solche Dinge überstürzte. Vielmehr nahm er sich vor, dieses frisch gekeimte Pflänzchen mit Vorsicht zu hegen, in dem er diesen Mann, bei dem er auf einmal eine überraschend gutes Gefühl hatte, näher kennenlernen würde.

Und schon bot sich ihm die erste Gelegenheit, als er beobachten konnte, wie Cornelis auf den zugegebenermaßen ungeplanten Überraschungsangriff reagierte.
Ja, der ehemalige Captain hatte sich mit seiner Reaktion gerade ein Du verdient, dass das gleiche ausdrückte wie das des Seebären.

Geschickt fing er schließlich das kleine, rotorange Ungeheuer auf und reichte es dem Händler in eindeutiger Kaufabsicht, ehe er sich die restliche Auslage besah. Besonders konzentrierte er sich auf die Taschen. Vielleicht gab es hier etwas praktischeres als die Tuchrolle des Arztes, die er derzeit hatte? Oder etwas Ergänzendes?
Immer wieder wurde er von Trevor abgelenkt, da er allerdings kaum Konzentration brauchte, um sich zu entscheiden, ob eine Tasche in Frage käme, erheiterte ihn die Freude seines Bruders weiter.
Und auch den Käufer beruhigte er, mit ein paar schlichten Gesten, die besagten, dass er wahrscheinlich auch die Augenklappe und was Trevor sonst noch mitnähme bezahlen würde, sowie damit, dass er die kleinen Ungeheuer unauffällig wieder an ihre Plätze sortierte.
Dann entdeckte er plötzlich etwas zwischen der Ware und nutzte die Gelegenheit, dass die Umstehenden auf Trevors stolperndes Miniungeheuer sahen. Unbemerkt verschwand seine Beute in seiner Umhängetasche.

"Eine Gute Frage, aber vielleicht ist das da ja auch ein Landungeheuer?"

Der ernste Tonfall ließ ihn kurz seine volle Aufmerksamkeit auf seinen Cousin richten.
War mir klar, dass du das sagen würdest. Ich für meinen Teil kann gut darauf verzichten, dachte er und hätte es wohl auch geäußert, hätte der jüngere Scovell nicht plötzlich das Thema gewechselt. Gregory zuckte innerlich zusammen als Trevor die Onyx erwähnte.
Äußerlich völlig entspannt kam er allerdings Cornelis scheinbar beiläufig mit einer Antwort zuvor und redete weiter, während sein Bruder mal wieder laut überlegte. Hoffentlich würde das den Händler ausreichend ablenken:

"Sicher darfst du über die Onyx reden, pass nur auf, dass man dich nicht mit diesem Piratenpack in Verbindung bringt. Die Marine ist da mitunter sehr schnell. Wenn du allerdings bedenkst, wie viele von denen sich hier herumtreiben, dann lässt du es vielleicht doch besser.
"Sagt, guter Mann, wisst ihr, warum die so zahlreich in der Stadt sind? Gibt es dafür einen dringenden Anlass?"
, wandte er sich übergangslos an den Händler.
"Natürlich hört man so Einiges, aber was ist dran?
"Und hättet ihr diese Tasche vielleicht auch noch mit vier, statt zwei, Innentaschen? Oder noch mehr? Seht ihr, ich brauche eine, in der ich so viele unterschiedliche Kleinigkeiten wie möglich getrennt unterbringen kann. Beutel sind zwar eine gute Sache für Kräuter und Pülverchen aber bei Tinkturen müssen die Fläschchen aufrecht bleiben, versteht ihr? Nicht das dann doch eines ausläuft und dann eine Medizin fehlt oder eine andere deswegen gar schädlich wird.
"Oder habt ihr vielleicht noch eine andere, die dafür vielleicht sogar noch besser geeignet wäre? Ich meine..."


Er hoffte, dass Trevor den Wink verstand oder Cornelis ihn vom Tisch fortzog, denn auch 'Steindings' war aus seiner Sicht kein brauchbarer Spitzname für das Schiff, gerade weil ein Stein keine Masten oder Menschen hatte. Auf jeden Fall sprach er weiter mit dem Händler über Dinge, die ihm an Taschen gefielen oder praktisch wären und versuchte dessen Aufmerksamkeit an sich zu binden, bis die Beiden das geklärt hätten.

{ Marktplatz, Stand eines Hutmachers und Gürtelschneiders | bei Cornelis und Trevor }
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#33
Als Scortias vor ihm salutierte und ihm damit zu verstehen gab, dass er sich seinen Rat zu Herzen nehmen würde, schenkte der Koch ihm ein warmes Lächeln und wuschelte kurz mit der Hand durch seine Haare. Er war ohnehin nicht böse auf den Jungen, schließlich hatte der im Grunde genommen nur die Anweisungen ihrer Captains ausgeführt. Und vorschreiben durfte er ihm unabhängig davon sowieso nichts, schließlich war er nicht sein Vater - wer auch immer das eigentlich war, ob er noch lebte und wenn ja, wo. Verantwortlich fühlte er sich dennoch, und zwar nicht nur für ihn, sondern die gesamte Crew.

Und auch wenn die Aktion in Anbetracht der anderen Jugendlichen, die dasselbe Ziel gehabt hatten, etwas waghalsig gewesen war, musste er auch anerkennen, dass Scortias dieses Handwerk augenscheinlich sehr gut zu verstehen schien.

Die Art, wie Scortias sich am Stand des Künstlers über die Geschichten ereiferte, die er über die ungeheuerlichsten Meereswesen gehört hatte, entlockte Rayon abermals ein Lächeln. Offenbar mochte der Junge diese Art von Geschichten - und er liebte es, sie zu erzählen. Ein unschätzbarer Charakterzug von Kindern war, dass sie wissbegierig und begeisterungsfähig waren, anders als viele erwachsene Männer und Frauen, mit denen er in seinem Leben zu tun gehabt hatte. Genau diese Art von Zuhörern war es jedoch, die dem Geschichten erzählen überhaupt erst einen Sinn gab, und Rayon freute sich jetzt schon darauf, dass in Zukunft vielleicht nicht nur Trevor gebannt an seinen Lippen hängen würde, wenn sie abends an Deck der Sphinx saßen, ohne dass ihnen die Arbeit über den Kopf wuchs.

"Nun, der Unterschied ist", begann er, nachdem Scortias ihm von den Seeschlangen, Haien und Sirenen berichtet hatte, "dass es diese Kraken wirklich gibt. Viele der Dinge, von denen Seefahrer erzählen, sind nichts weiter als Märchen, die ihre Reisen wie die ungeheuerlichsten Abenteuer wirken lassen sollen, doch irgendwo in den Untiefen der Meere lauern tatsächlich riesige Monster mit Tentakeln, doppelt so dick wie ein Schiffsmast. Einer meiner Kameraden von der Sirène hat einmal einen gesehen."

Er hielt kurz inne und zwinkerte Scortias dann zu.

"Zumindest behauptet er das. Und er schien mir ein ehrlicher Mann zu sein."

Die Vorstellung des Schiffsjungen, einen solchen Kraken mit bloßen Händen zu erwürgen und danach zu einem schmackhaften Mahl zuzubereiten, ließ Rayon dann breit grinsen.

"Nein, ich bin nicht wegen eines Kraken zur See gefahren. Aber ich bin der einzige aus meiner Familie, der sich sich trotz der Existenz solcher Wesen getraut hat, das zu tun. Furcht ist nichts für Seemänner, aber es ist wichtig, Respekt vor dem Meer zu haben, denn schließlich können wir nur annehmen, was sich alles in den unerforschten Weiten unter unseren Füßen tummelt."

Der Dunkelhäutige bemerkte, wie Scortias' Blick bei dem ganzen Gerede über Seeungeheuer und Abenteuer abschweifte und seine Hand unwillkürlich den rechten Arm des Koches umklammerte. Wieder lächelte er, löste sanft die Umklammerung, legte den Arm dann um die Schulter des Jungen und drückte ihn leicht an sich. Dass Scortias mutiger war als die meisten Kinder in seinem Alter, hatte er bei ihrem ersten Aufeinandertreffen schon zur Genüge bewiesen, als er sich ihnen zum Schutze Feuerbarts allein gezeigt hatte, allen eventuell daraus entstehenden Gefahren zum Trotz. Dennoch war die Vorstellung, von einem riesigen Ungeheuer in die Tiefen der See gezogen zu werden, unheimlich. Selbst für einen gestandenen Mann wie ihn.

Apropos Feuerbart...

"Sieh mal, wen wir da haben", meinte er plötzlich zu Scortias und zeigte mit dem Finger auf eine weitere, relativ große Figur in der Mitte des Standes. Es handelte sich dabei um die detailreich geschnitzte und sogar mit Farbe versehene Miniatur eines Menschen mit feuerrotem Haar, einem Säbel in der rechten Hand und einer Flagge mit einem Totenkopfsymbol in der linken. Um ihn herum standen weitere solcher Figuren, die zweifelsohne weitere berühmte Piraten darstellen sollten, auch wenn Rayon die meisten davon unbekannt waren. Unwillkürlich blickte er sich um, suchte in der Menge nach Cornelius' Mähne, konnte sie jedoch nicht entdecken.

[ Mit Scortias bei einem Händler für Holzutensilien und -figuren auf dem Markt ]
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#34
Er spielte seine Rolle fantastisch. Zumindest für die wenigen Momente, in denen niemand ihm offen ins Gesicht blicken konnte. Skadi sah jedes Muskelzucken in ihrem Augenwinkel. Hoffte, dass er seine Maskerade solange aufrecht erhielt, bis ihr eine Ablenkung eingefallen war, die ihn auf andere Gedanken brachte. Manchmal erschreckte sie regelrecht davor, wie gut sie den einstigen Offizier doch zu kennen schien - zumindest die Reaktionen seines Körpers allemal besser zu interpretieren wusste, als sonst jemand. Mit Ausnahme von Cornelis vielleicht.

"Ich dachte, dass du gern alles mit mir teilst.", entgegnete sie mit einem gespitzten Schmollmund und schnaubte sobald sie den Kopf zu ihm hinauf wandte. Es war erschreckend einfach, eine klassische Frau zu sein. Ohne wildes Gefuchtel mit dem Schwert. Ohne einen tödlichen Bogen in der Hand. Ohne dieses dreckige Lachen, das tief aus ihrer Kehle drang, sobald sie ein paar Bier zu viel intus hatte. Und ganz gleich, ob sie kurz zusammenzuckte, als Enriques Hand nach ihrer griff und wie selbstverständlich auf seinem Oberarm platzierte, lief dieses Schautheater wie von ganz allein. Ob es so geworden wäre, hätte sie ein anderes Leben geführt, als das auf der Insel? Ts. Wie albern. Sie war noch nie dieser Typ Frau gewesen, der sich gern hofieren ließ und glaubte, dass einem die Sonne aus dem Arsch strahlte wie ein verfluchtes Höllenfeuer. Sie hatte sich gern mit ihren Cousins im Dreck gerauft und für ihre Werte eingestanden. Nicht ohne Grund gehörte sie zur dickköpfigen Seite ihrer Familie,  die dann und wann mit dem Kopf blindlings durch die Wand donnerte.

Tief atmete die junge Nordskov also ein und aus. Drosselte den aufsteigenden Puls auf einen normalen Rhythmus zurück, der weniger unangenehm gegen ihren Kehlkopf pochte und schielte zum frisch rasierten Gesicht de Guzmáns hinauf. Ihr Instinkt riet ihr, die Hand unter seiner fort zu ziehen. Die Wärme seiner Haut brannte ungewohnt stark an ihren Nervenbahnen. Und doch ignorierte sie das Gefühl gekonnt und kickte es mit einem entschlossenen Gedanken in die Leere ihres Magens. Bis zu jenem Moment, als sie ungewohnte Worte vernahm, von denen sie nicht sonderlich wusste, wie viel Ernsthaftigkeit darin lag. Mit zusammengepressten Lippen kniff sie ihm kurzerhand mit den freien Fingern in die Seite. Blickte mit funkelnden Augen zu ihm hinauf und spürte bereits, wie sich ein seltsames Lächeln auf ihren Lippen ausbreitete während sich ihr Kopf dicht an sein Gesicht heran wagte.  

"Dir ist schon bewusst, dass man auf sehr verschiedene Arten und Weisen "Spaß haben" kann... oder mein Lieber?"

Nicht, dass sie solcherlei "Dinge" im Augenblick in Erwägung zog, doch hatte Enrique sie mit diesem womöglich unbedachten Kompliment kurzzeitig leicht aus der Bahn geworfen. Schließlich war sie über 4 Jahre in Folge nur "der dürre Kerl" gewesen, dessen Attraktivitätsgrad wohl einer Karotte geglichen hatte. Mit einem verschmitzten Augenzwinkern löste sie die kurzweilige Nähe, klopfte ihm mit den Fingerspitzen ihrer linken Hand auf seinen Unterarm und wandte den dunklen Schopf herum. Irgendwie legte sich ein mulmiges Gefühl in ihre Magengegend, sobald die dunklen Augenpaare auf die Menschenmassen fielen. Vielleicht war sie Ansammlungen wie diese nicht mehr gewohnt - doch irgendwie zweifelte Skadi stark daran, dass ihr Unterbewusstsein sich so sehr von "Veränderungen" blenden ließ. Bisher hatte sie stets darauf vertrauen können. Sogar auf dem Marineschiff. Für einen kurzen Moment verzogen sich ihre Augenbrauen. Formten kleine Furchen in ihre Stirn, bis Enrique sich gänzlich zu ihr wandte.
Er musste wirklich lernen sich zu entspannen. Nicht alles auf dieser Welt war seine Schuld. Und vor niemandem hatte er sich weniger zu rechtfertigen als vor ihr. Nicht nur, weil sie weder seine Frau noch Geliebte war, sondern weil sie einfach tickte wie ein  Mann. Oder wahlweise ein Stück Stoff. Man konnte viel mit ihr anstellen, doch man musste sich schon anstrengen und es wirklich wollen, bis sie auseinander riss und die Fassung verlor.

"Entspann dich mal etwas. Wir werden schon noch beide auf unsere Kosten kommen. Betrachten wir es als... freien Tag von der Arbeit. Einverstanden?"

Fast schon beschwichtigend klopfte sie ihm mit der freien Hand auf die Schulter und lächelte. Dieses Mal sogar ohne gespielte Freundlichkeit.

"Ich hätte Lust ein wenig zu Spielen... und da ich für die Faustkämpfe zu weiblich gebaut bin, um mitmachen zu können, sollten wir es vielleicht mit etwas versuchen,  worin ich noch viel besser bin."
Oh ja. Sie wollte sich an einem der Schießstände mehr als nur ein gutes Taschengeld verdienen. Viel zu lange hatte sie keinen Bogen mehr zwischen ihren Armen gespannt. Die harte Sehne an ihren Fingern gespürt oder gar das leise Zischeln vernommen, das der Pfeil beim Vorausschnellen in der Luft hinterließ. Ihr fehlte die Jagd. Noch mehr, als sie nicht einmal ein menschliches Ziel vor Augen hatte. Es juckte bereits in ihren Fingern bei der bloßen Vorstellung und brauchte alle Selbstbeherrschung, die sie aufbringen konnte, ruhig weiter zu laufen und nach einer weißen Zielscheibe Ausschau zu halten.

"Andernfalls müssen wir dich wohl mit weiteren Scmuckstücken eindecken."

Langsam wandte sich der dunkle Haarschopf herum. Ließ es sich nicht nehmen den Älteren von Kopf bis Fuß zu mustern und die Lippen zu verziehen.

"Du schreist irgendwie noch  zu sehr Marine... und da wir dir kein so schönes Paar Brüste anbringen können wie mir, müssen wir aus dir einen wilden Freigeist heraus kitzeln. Was hälst du von einem Goldzahn?“
Skadi lachte auf bei der Vorstellung, wie albern Enrique damit wohl aussehen würde. Er war vielleicht etwas geradliniger in seiner Haltung und Ausstrahlung, doch das würde ihn in ihren Augen einfach nur entstellen.

{ Zwischen den Buden auf dem Marktplatz, blindlings auf dem Weg zu einem Schießstand | unmittelbar bei Enrique| langsam außer Sichtweite von Yaris }
Crewmitglied der Sphinx
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#35
Die Schwarzhaarige antwortete ihm als erstes auf seine Frage und so huschte sein Blick von dem blonden Wahrsager zu ihr hinüber. Kurz nur, bevor sich seine Augenbraue in einem Anflug düsteren Humors hob. Sie hatte dem Fremden also seine Zukunft vorher gesagt? Na. Wie das ausgesehen haben mochte, hätte Lucien tatsächlich nur zu gern erlebt. War vermutlich nichts gewesen, woran der Mann an jenem Morgen beim Aufstehen gedacht hätte.
Doch keiner von beiden verlor ein Wort darüber, ob Shanayas Vorhersage tatsächlich zutraf und der 21-Jährige sparte es sich vorerst, genauer nachzufragen. Dennoch mit einem fast neugierigen Ausdruck in den grünen Augen hob er seinen noch halbvollen Krug an die Lippen, nur um inne zu halten, als der Wahrsager die Ausführungen zu ihrer ersten Begegnung richtig stellte.

Du bist doch Wahrsager... hättest du das nicht kommen sehen müssen?“, meinte der Dunkelhaarige daraufhin zynisch und irgendetwas an seinem Unterton verriet, dass diese Frage eher rhetorischer Natur war. Welcher Zweifler ließ sie schließlich nicht vom Stapel, wenn sich die Gelegenheit ergab: Diese flachen Wahrsager-Witze.
Erst jetzt beendete er die Bewegung von gerade eben, hob den Grog an die Lippen und kippte den warmen Alkohol in einem Zug hinunter, der sich mit wohliger Wärme fast sofort in seinem Magen und seinem Kopf breit machte. Das Gefäß noch in der Hand, wischte er sich mit dem Unterarm über den Mund und warf den Krug danach mit lockerem Schwung grob gezielt an die Seite einer Essensbude, die nicht weit von ihnen auf der anderen Seite der Gasse stand. Niemand störte sich daran und an der nächsten Ecke, an der ausgeschenkt wurde, würde er sich einen Neuen holen.
Nur beiläufig lauschte er dabei den Worten, die Shanaya und der Fremde wechselten, konnte sich jedoch ein belustigtes Schnauben und einen kurzen, freundschaftlich-spöttischen Seitenblick zu der Schwarzhaarigen nicht verkneifen. Wie immer so endlos von sich selbst überzeugt.

Es war Talin, die schließlich seine Aufmerksamkeit von den beiden löste. Er spürte ihre Hand, die sich um seine schloss, kurz bevor er den fragenden Blick auf sie richtete. Sie sah nicht zu ihm auf und trotzdem – oder gerade deshalb – schien er zu ahnen, was sie störte. Und das ließ ihn leise, fast resignierend die Luft ausstoßen.
Sanft erwiderte er den Händedruck seiner Schwester, unterband damit auch das Bedürfnis, ihr durch das Haar zu streichen und ihr einen entschuldigenden Kuss auf den Scheitel zu drücken. Immerhin entzog er sich ihrer Nähe nicht, entspannte sich vielleicht sogar ein wenig. Dafür, dass er seine Schwester nach drei Jahren wieder hatte, benahm er sich furchtbar. Ihr zu Liebe war er hier und ihr zu Liebe konnte er sich vielleicht auch ein bisschen zusammen reißen.
Als wäre nichts gewesen, wandte sich Talin an den Wahrsager und auch Lucien richtete den Blick aus grünen Augen wieder auf den Blonden. Er wirkte ein bisschen beleidigt über die wenig schmeichelhafte Aussage seiner Schwester und der junge Mann beschloss, dessen Worte gleich noch einmal aufzugreifen.

Wie steht es um Shanayas Talent? Wie sieht die Zukunft aus, die sie dir prophezeit hat?

Ein kurzer Seitenblick huschte zu der Schwarzhaarigen und tatsächlich erschien soetwas wie ein Schmunzeln auf seinen Lippen. Vielleicht sollte sie ihm ja mal die Karten legen. Was dabei heraus kam, würde ihn sehr interessieren.

[Brunnenplatz | am Wahrsagerstand | mit Shanaya, Talin und Thaddeus]
Cornelis Feuerbart
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dabei seit Keine Angabe
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#36
Cornelis wurde unter seiner Sonnenbräune blaß, als Trevor anfing von der Onyx zu sprechen und daß sie ihn da runtergeschissen hatten. Doch da ergriff auch schon Gregory das Wort und suchte den Verkäufer vom eben Gesagten abzulenken. Dafür erntete dieser einen dankbaren Blick des ehemaligen Kapitäns, bevor er Trevor freundschaftlich den Arm um die Schultern legte und diesen, samt Augenklappe und sechsbeinigem Ungeheuer, mit sanfter Gewalt vom Stand wegzog in die Mitte des Ganges zwischen den Ständen. Leise sagte er dicht neben Trevors Ohr:

"Meinst du nicht, daß die Leute wissen, was die Schwarze für ein Schiff ist? Schließlich ist sie jetzt schon mehr als zehn Jahre auf den Meeren unterwegs..."

Nun wartete Cornelis dort in der Mitte des Ganges auf den Schiffsarzt. Trevor war natürlich nicht zu halten, sondern sprang schon wieder begeistert um die nächsten Marktstände herum, dabei machte er immer wieder sensationelle Entdeckungen. Cornelis beobachtete den blonden Schlacks schmunzelnd, bis sich Gregory zu ihm gesellte und sie langsam weiter über den Markt schlenderten.

Nach einer kurzen Weile blieb Cornelis plötzlich stehen. Sein Blick war auf den Stand eines Juweliers gefallen, dessen Auslage mit den weit hinten aufgestellten Glaskästen verriet, daß er nicht nur Schmuck aus unedlen Metallen und bunten Steinen verkaufte. Sofort begann sein Hirn zu arbeiten, zumal er wußte, daß sie noch finanzielle Mittel für die Reparatur und Ausstattung der Sphinx brauchten. Mit geübten Augen begann Feuerbart zunächst die Situation abzuschätzen.

Die Menschen um sie herum sahen sie zwar, nahmen sie jedoch nicht wirklich wahr, waren sie doch zu sehr von den Köstlichkeiten des bunten Marktes abgelenkt. Außerdem hatten sie noch das Glück, daß ganz in der Nähe ein Schausteller seine kleinen Tricks aufführte und so ebenfalls die Aufmerksamkeit der Marktbesucher auf sich zog. Trevor war glücklicherweise ein Stück hinter ihnen an einem Stand mit allerlei Kuriositäten hängengeblieben, so daß die vom Schmuckstand noch nicht auf ihn aufmerksam geworden waren. Da der Juwelier außer seinem Schmuck nichts anderes anbot, war der Stand nicht allzu groß - etwa 1,5 Meter in der Breite und 2 Meter in der Tiefe, schätzte Cornelis. Er war zu beiden Seiten von weiteren Ständen zugebaut und stand nach hinten gegen eine weitere Standreihe, die ihre Auslagen auf der anderen Seite hatten. Die beiden Verkäufer, der Juwelier und sein Geselle vermutete Cornelis, wären kein großes Problem. Doch vor dem Stand hielten sich zwei recht dunkel gekleidete kräftige Typen auf, die der Schmuckhändler mit ziemlicher Sicherheit als Wachen eingekauft hatte, zur Abschreckung und zur Not auch zur Festnahme von Dieben. Doch Feuerbart wußte, daß die Menschenmassen immer auf Trubel und Aufruhr ansprachen und so sollte es möglich sein, auch die beiden auszuschalten - zur Not mußte man eben selbst ein wenig nachhelfen.

Cornelis Gesicht verzog sich zu einem zufriedenen Grinsen, als ein Plan in seinem Kopf heranreifte. Zwar achteten die Leute nicht auf sie, doch gab es hier einfach zu viele Ohren um großartige Absprachen treffen zu können. So stieß er Gregory neben sich mit dem Ellbogen leicht in die Seite, sah ihn kurz an und lenkte dann seinen Blick demonstrativ auf die Auslagen des Schmuckhändlers. Dann ging er zu Trevor.

"Komm, mein Freund, ich habe etwas Unglaubliches entdeckt, das mußt du dir unbedingt ansehen!"

Als dieser ihm daraufhin bereitwillig folgte, legte er ihm kameradschaftlich einen Arm um die Schultern, kam dabei wie zufällig mit seinem Gesicht ganz nahe an sein Ohr heran und raunte ihm in diesem Augenblick zu:

"Spiel einfach mit!" Er wählte bei diesen Worten einen eindringlichen Ton in der Hoffnung, Trevor würde begreifen, daß es hier um etwas Wichtiges ging.

Und plötzlich war Cornelis besoffen - oder spielte es jedenfalls. Mit Trevor im Arm schwankte er durch die Marktbesucher und stieß so viele von denen an, wie es möglich war ohne daß es zu auffällig wurde, um deren Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

"Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste...", sang er lallend und torkelte weiter, bis sie vor dem Stand des Juweliers angekommen waren. Dort schubste er Trevor plötzlich aus seinem Arm, packte ihn mit beiden Händen an den Schultern und hielt ihn nun auf Armlänge vor sich.

"Was hast du gesagt? Was hast du gesagt?", rief er lallend und scheinbar aufgebracht. Dann begann er Trevor an den Schultern kräftig zu schütteln, um scheinbar die Wahrheit aus ihm herauszubekommen. Hoffentlich begriff der junge Mann, daß es ihm darum ging, einen gespielten Streit mit ihm anzufangen, um die Aufmerksamkeit der Umstehenden auf sich zu ziehen.

Bei Gregory mit dem wachen Verstand war er sich ziemlich sicher, daß dieser schnell erkennen würde, wozu er ihm den Weg freimachen wollte. Bei Trevor hingegen hoffte er einfach darauf, daß dieser mitspielen würde. Sicher war er sich zwar nicht wirklich, doch obwohl - spielen war doch eigentlich genau das richtige für Kinder, oder nicht?
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#37
Talins hochdramatische Reaktion entlockte der Schwarzhaarigen ein Grinsen, aber mit dem Neuzugang schien sich dieses Thema auch schon wieder erledigt zu haben. Also kaute die junge Frau auf ihrem Brot herum, ließ den Blick abwartend zwischen den dreien hin und her schweifen. Die (ihr gegenüber) Skeptische, der Griesgram für den Moment und ein Wahrsager. Und mittendrin sie, die jetzt schon nicht mehr an einer Stelle stehen bleiben wollte. Das war furchtbar anstrengend, zumal das, was ihre Hand umschlossen hielt, zur Neige ging. Den letzten Bissen spülte sie mit einem großen Schluck aus ihrem Krug runter, seufzte dann tonlos über diese beiden Nörgelgeschwister.

Er hat angefangen und mir die Karten gelegt. Und dann hatte er einfach keine andere Chance, als es mich Mal versuchen zu lassen. Und... mich kann man eben einfach nicht vorher sehen. Das kann keine Karte und kein Wahrsager der Welt.“

Mit den Schultern zuckend musterte sie bei der jeweiligen Antwort den Betreffenden, dabei immernoch munter grinsend. Starrsinnig. Das war ein gutes Wort dafür. Als ob sie ein nein akzeptiert hätte. Und damit schob sie sich den letzten Bissen ihres Brotes in den Mund, kaute darauf herum und ließ den hellen Blick wieder von einem zum anderen wandern. Nur einen Moment musterte sie die beiden Geschwister, Talin, die wohl versuchte, ihren grummeligen Bruder ein wenig aufzumuntern. Na, vielleicht würde das ja helfen. Also wandte sie sich für den Moment an Thaddeus.

Das tue ich ja! Deswegen habe ich all das, was ich will. Und der Liebhaber, den deine Karten mir vorher gesagt haben, der blickt mir grinsend aus dem Spiegel entgegen. Das reicht mir fürs Erste.“

Luciens Blick hatte sie wohl bemerkt, hatte ihn mit einem noch etwas breiteren Grinsen erwidert. Er hatte inzwischen wahrscheinlich genug über sie erfahren, sodass solch eine Aussage von ihr für ihn nur ganz... normal war. Und nun war er schon von seiner Schwester abgelenkt gewesen.

Du kannst dich nicht beschweren! Meine Karten waren super.“

Damit hob die junge Frau den Krug, warf Thaddeus mit ihren Worten noch einen vielsagenden Blick zu. Während sie das Getränk zu ihren Lippen führte, ließ sie den Blick über den Platz schweifen. In der Bewegung hielt sie inne und fixierte einen bestimmten Punkt, die Miene wechselte vom beständigen Lächeln zu einem konzentrierten Ausdruck. Die blauen Augen suchten die Umgebung ab. Das, was sie glaubte, gesehen zu haben, war schon wieder verschwunden. Dieses viel zu bekannte Gesicht. Mit all dem, was man so hörte, würde es passen. Allerdings konnte sie sich gerade bessere Gesellschaft vorstellen. Und die hatte sie ja in diesem Moment. Luciens Stimme, die ihren Namen nannte, holte sie aus diesem Gedanken zurück, ließ sie kurz den Kopf schütteln und die blauen Augen auf den Mann richten. Aber seine Frage hatte nicht ihr direkt gegolten, also hob sie doch den Krug, trank einen Schluck und blickte den Dunkelhaarigen dann über den Rand ihres Kruges an. In den Augen ein leicht zu deutender Ausdruck. Das Lächeln lag wieder auf ihren Lippen, es folgte ein eindeutiges Zwinkern in Luciens Richtung.

Willst du etwa auch eine kleine Kostprobe von meinem Talent? Hauptsache, wir stehen hier nicht länger herum.“
[Brunnenplatz | Lucien, Talin & Thaddeus]
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#38
Noch immer stand der Attentäter im Schatten des Hauses und tat das, was ihm schon vor langer Zeit in Fleisch und Blut übergegangen war. Noch bevor er diesen Lebensweg eingeschlagen hatte. Als er noch das Opfer gewesen war. Yaris beobachtete. Er stand am Rand und beobachtete. Wie so viele Jahre bereits. Während sich die anderen relativ unerkannt unter die Bewohner gemischt auf den Feierlichkeiten bewegten. Es hatte eine Zeit gegeben, als er das auch gekonnt hatte. Lange war sein Gesicht eine Unbekannte gewesen. Ein durchschnittlicher Mann im besten Alter. Doch seine Ergreifung hatte dem ein Ende gesetzt. Sein Bild war um die erste Welt gegangen. Yaris war zwar dem Henker entkommen und frei, aber er war doch ein Gefangener der Schatten, in denen er sich eigentlich immer sehr wohl gefühlt hatte. Doch während er die beiden Ex-Marine-Soldaten beobachtete, wie sie sich unbeschwert zwischen den Ständen bewegten und miteinander agierten – lachten –, da fragte sich der Attentäter zum ersten Mal seit langem, wie sein Leben hätte verlaufen können, wenn Dinge anders gekommen wären oder wenn er andere Entscheidungen getroffen hätte.

Äußerlich gab Yaris keinerlei Regung von sich, während er die Bewegung des Duos von Stand zu Stand verfolgte. Langsam bewegten sie sich von Händler zu Händler, langsam von ihm fort. Auf Grund der Entfernung und dem allgemeinen Lärmpegel auf dem Markt, konnte er nichts von ihrem Gespräch aufschnappen. Aber sie plänkelten ungezwungen, obwohl die Umstände sicher seltsam sein mussten. Bis vor wenigen Tagen waren sie beide Marineoffiziere in unterschiedlichen Hierarchieebenen. Ganz zu schweigen davon, dass sie ein er gewesen war. Doch sie meisterten es. Vertraut und auch die Distanz zwischen ihnen sprach von Vertrautheit. Yaris wusste nur zu gut, dass er selbst keinerlei Sozialkompetenz besaß. Er fühlte sich am wohlsten, wenn er für sich war. Er fügte sich in die Crew ein, doch dieses Leben in einer Gruppe war anstrengend. Auch wenn er sich nichts anmerken ließ. Obwohl er von Berufswegen oft auf Tuchfühlung gehen musste, war es anders. Diese von Vertrauen sprechende Nähe barg das Potential, Panik in ihm auszulösen, die ihn veranlasste schleunigst die Flucht anzutreten. Tja, sozial absolut unfähig.

Den Blick auf das bunte Treiben auf dem Markt gerichtet, fuhr eine Hand über seinen Unterarm. Das locker sitzende Hemd verbarg die Klinge darunter vor neugierigen Augen. Yaris aber fühlte die scharfen Konturen und beruhigte sich damit. Das war vertrautes Terrain.

{auf Beobachtungsposten im Schatten eines Hauses am Marktplatz | unweit von Enrique und Skadi}
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit Aug 2017
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#39
Es gab gewisse Gesten, die Scortias gerne hatte und eine davon war, wenn ihm jemand den er mochte, durch die Haare wuschelte. Und genau das tat Rayon gerade, was zur Folge hatte, dass Scortias den Smutje breit angrinste. Es war eine Art von Geborgenheit, die der Schiffsjunge in dem Moment verspürte. Generell war er recht selbstständig, was die harte Zeit auf den Straßen von Aelinos ihn zwangsläufig gelehrt hatte, aber Zuneigungen dieser Art hatte er, nach dem Tod seiner Eltern vor fünf Jahren, keine bekommen. Erst mit seinem Eintritt in der Crew von Feuerbart ergaben sich ab und an Situationen, in denen Cornelis ihm zeigte, dass sich jemand um den Zwölfjährigen sorgte und kümmerte. Vielleicht war das auch der Grund, wieso der Junge sich auf einem Schiff Zuhause fühlte.

Seitdem Scortias auf der Sphinx war, hatte er sich nach und nach gewisse Crewmitglieder heraus gepickt, denen er etwas mehr Vertrauen schenkte, als anderen. Und unter diesen Leuten zählte definitiv auch Rayon. Zumal er viel mit dem Schiffskoch zutun hatte, arbeitete er ja oft mit ihm in der Küche. Er half dabei das Essen vorzubereiten, das benutzte Geschirr abzuspülen und auch neue Lebensmittel aus dem Frachtraum in die Kombüse zu schaffen. Demnach kannte Rayon ihn, neben Cornelis natürlich, wohl auf der Sphinx am besten, obwohl sie privatere Gespräche bisher noch vermieden hatten.

An dem Holzschnitzerstand auf dem Markt erzählte Scortias Rayon, was für unglaubliche Geschichten er von den Seeleuten in der Taverne in Aelinos mitbekommen hatte. Er war wieder total überwältigt davon, als ihm nach und nach diese wilden Erzählungen der Leute einfiel. Das dabei einige Holzfiguren zum Opfer seiner Begeisterung wurden und umfielen, dafür entschuldigte er sich sofort bei dem Verkäufer und stellte sie auch nebenher geschwind wieder auf. Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah er den Smutje an, der meinte, dass es nur den Unterschied gab, dass der Kraken wirklich existierte. Aber sollte das etwas heißen, dass die anderen Geschichten nicht stimmten? Scortias wollte nicht glauben, dass es Märchen gewesen sind, die er da zu hören bekommen hatte. Wieso sollten die anderen Geschichten denn nicht wahr sein, wenn es auch den Kraken gab und wieso sollten die anderen Seeleute, die das alles erzählten, weniger vertrauenswürdig sein, als der Bekannte von Rayon?

“Woher willst Du denn wissen, dass es keine nackten Frauen gibt, die Seefahrer fressen? Und dass es keinen so großen Hai gibt?“ fragte Scortias dann neugierig.

Diese Geschichten waren immer so aufregend gewesen und Rayon schien gerade alle Illusionen und Träume von dem Schiffsjungen zunichte zu machen. Klar hatte er auch sehr große Angst, dass sie wirklich mal eines dieser Wesen begegnen würden, aber irgendwo war doch auch ein gewisser Reiz daran. Kichernd hatte Scortias Ryaon auf die Schulter geboxt. Natürlich nicht feste, rein freundschaftlich halt. Kurz dachte der Zwölfjährige, dass der Smutje durch und durch Koch sei, wenn seine Absicht darin bestand, den Kraken zu dünsten, oder braten, oder einzukochen. Wie auch immer man einen Kraken auch zubereitete. Doch das war nicht wirklich die Absicht von dem großen Dunkelhäutigen, weswegen er zur See fuhr. Da hatte der Junge ihn wohl falsch verstanden. Der Erklärung hörte der Schiffsjunge gebannt zu und nickte verstehend. Seine Augen heftete er auf den Lippen von Rayon, denn er auch wenn Seeleute keine Angst haben sollten, Scortias hatte noch sehr viel davon. Klar war er auch mutig, schon alleine dass er sich überhaupt noch auf ein Schiff traute, nach all dem was die Leute so über komische Meeresbewohner erzählten, aber dennoch war da noch eine gewisse Angst, wirklich mal auf eines der Wesen zu stoßen.

In seinen Gedanken passierte dann genau so etwas. Scortias hatte eine sehr ausgeprägte Fantasie und die sorgte gerade dafür, dass er vor seinem innerem Augen sah, wie ein Kraken das Schiff, auf dem er sich befand, in die Tiefe zog. Instinktiv hatte er sich an das erste auf dem Schiff fest geklammert, was er erreichen konnte, aber in Wirklichkeit war es nur Rayons Arm gewesen. Der Koch löste sich wieder aus der Umklammerung und legte Scortias einen Arm um die Schultern. Der Junge spürte, wie er sanft an den großen Körper gedrückt wurde und sah wieder auf die Schnitzereien vor sich. Einige von denen sahen wirklich sehr gut aus, doch Rayon machte den Jungen dann auf eine ganz besondere Figur aufmerksam. Feuerbart. Sofort sah er begeistert zu dem Koch auf und grinste breit.

„Die muss ich haben.“ sagte er aufgeregt und sofort arbeite das kleine Gehirn an einem Plan, wie er die am besten klauen könnte. Problem war nur, das die Figur recht mittig auf dem Tisch stand.  

Bevor er jedoch den Plan zu Ende Gedacht hatte, fiel ihm das Gold ein, dass er der alten Dame entwendet hatte. Aber konnte er davon etwas nehmen? Schließlich war das doch für die Sphinx gedacht. Er war in seinem innerem hin und her gerissen. Also sah Scortias fragend zu Rayon auf. Sein Gesichtsausdruck etwas zerknautscht, weil er sich halt unsicher war.

“Meinst Du, es ist okay, wenn ich sie von dem Gold kaufe? Weil, ... das ist ja eigentlich für das Schiff gedacht.“

Mit seiner linken Hand klopfte er auf seine Tasche, in der er die Beute der alten Dame hatte, um Rayon damit zu verstehen zugeben, von welchem Gold er da sprach. Wäre doch total klasse so eine Figur zu haben, mit der er auch mal unter Deck etwas spielen konnte, wenn er nicht gerade arbeitete. Noch besser wäre es natürlich, wenn er dazu auch eine weitere Figur hätte, denn sein Held würde ja einen Gegner brauchen. Aber da würde er auf dem Schiff schon irgendetwas anderes finden, da war er sich sicher. Und wenn es nur eine alte Tomate war. Die blutete dann wenigstens rot, wenn sein 'Holzcornelis' sie aufspießte.

Als er sich so zu der Figur beugte, spürte Scortias einen kleinen Ruck an der Hose. Sofort schnellte seine Hand zur Hosentasche. Der Beutel mit dem Gold war noch da, aber er sah, wie einer der Jungen sich aus dem Staub machte und in der Menge der Leute verschwand. Verdammt … sie hatten ihn dabei gesehen, wie er bei der alten Frau war. Und aus Erfahrung wusste er, dass die nicht locker ließen, bis sie den Goldsack zurück hatten.

“Kannst Du den nehmen?“ fragte Scortias Rayon und nickte zu seiner Tasche hinunter. “Aber pass gut drauf auf.“


[Mit Rayon auf dem Markt | bei einem Händler für Holzutensilien und -figuren]
Crewmitglied der Sphinx
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#40
Elian richtete sich nach seinem Schuhbinde-Manöver auf, sah sich nach den Marinesoldaten auf seiner Fährte um und stellte erleichtert fest, dass sie sich in eine völlig andere Richtung bewegten. Er hatte sie glücklich abgehängt!

Nichtsdestotrotz war es sicherlich besser, wenn er so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf sich lenkte. Also ging er gezwungen gemütlich weiter, den Blick gen Boden gerichtet, damit ihm möglichst niemand ins Gesicht blicken würde. Dabei lauschte er wachsam auf die Gespräche um ihn her. Als Flüchtling war es in den letzten Monaten immer schwieriger geworden, sich über das Zeitgeschehen zu informieren. Ihm blieb meist nichts anderes übrig, als die Ohren nach der regen Gerüchteküche zu spitzen, wie sie in Hafenstädten allerorts brodelte. Einerseits wollte er natürlich prüfen, ob die Marine immer noch aktiv nach ihm und Aspen fahndete. Andererseits hoffte er aber auch darauf, dass eine unbedachte Bemerkung ihm einen Hinweis geben könnte, wohin er sich als nächstes wenden sollte. Wenn die Marine sich in einer Himmelsrichtung sammelte, dann wollte er davon so weit wie möglich entfernt sein.

Es dauerte nicht lange, da wurde er auch scheinbar fündig.
"Wo man hinschaut dieses Jahr, alles Uniformen." Der Mann war in den besten Mannesjahren, aber wegen der Pfeife zwischen seinen Zähnen nur schwer zu verstehen. Elian kniete sich wieder hin, 'sah nach seinen Schuhen' und hörte zu, so gut es ihm möglich war.
"Und wenn schon? Sind zu unserem eigenen Schutz hier. Solange sie mit diesem Piratenpack kurzen Prozess machen, lass sie soviel Männer herziehen wie sie brauchen," widersprach ein älteres Männchen mit wirrem weißen Haarschopf - möglicherweise der Vater des Pfeifenrauchers.
"Piraten, pah." Der jüngere Mann spuckte auf den Boden. "Den Obrigen ist doch jede Ausrede recht, um einem hart arbeitenden Mann auf die Finger zu starren und ihm in sein Geschäft zu spucken. Erst heißt es 'wir beschützen euch vor den Piraten' und dann behaupten sie, dieser Montrose-Mörder wär' gesichtet worden. Weil ein einzelner Mann ja ach-so-eine-große Gefahr darstellt. Und am Ende hängen sie zwanzig gute Männer als Schmuggler auf, und das ist dann das."
"Was für Zeiten," brummte der Ältere verstört. "Hast du das mit der Morgenwind gehört? Das ganze Schiff in die Luft gejagt, heißt es. Piratenpack."
Der Jüngere schnaubte. "Die Piraten will ich mal sehen, die sich an einen Gefangenentransport rantrauen. Müssten dämlich und verrückt zugleich sein... Viel wahrscheinlicher hat irgendeiner von diesen Hampelmännern in Uniform im Pulverlager geraucht, und jetzt bewahren sie ihr Gesicht auf die einzige Weise, die ihnen einfällt."
"Schreckliche Zeiten sind das, heutzutage. Ich sag's dir, in meiner Jugend, da wäre sowas nie passiert... und wenn doch, dann hätten wir sie geschnappt, und aufgehängt, wie es seine Richtigkeit hat."
"Jetzt zerbrich dir mal nicht den Kopf, Paps," wurde er von seinem Sohn unterbrochen, "auf Mîlui lässt sich von denen keiner blicken. Dieser Vatermörder ist längst am anderen Ende der Welt. Und falls es diese verrückten Piraten überhaupt gibt, dann haben sie sich längst selber in die Luft gejagt und feiern jetzt mit den Fischen. Aber wir haben wieder das Nachsehen... Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen... Als ob hier jemals jemand Spannendes auftauchen würde..."

Wenn du wüsstest. Elian rollte die Augen, stand auf und ging weiter. Also jagen sie mich immer noch. Je früher ich von hier wieder verschwinde, desto besser. Nur, wohin? Vielleicht nach Norden. Ob dort wohl jemand hin segelt?

So tief war er in seinen Gedanken gewesen, dass er die breitschultrige Figur vor sich erst bemerkte, als diese ihm bereits ihre Schulter in den Brustkorb rammte. Der Arzt wich mit einem unwirschen "He--" zurück, und blickte dabei unwillkürlich hoch ins Gesicht seines Gegenübers.

In diesem Moment schien die Welt um sie beide her hinter einer Nebelwand zu verschwinden. Mit einem Mal waren alle Fluchtpläne vergessen und alles was zählte war der Fremde vor Elian, der... nun, alles war, aber sicherlich kein Fremder.

"Aspen...?"

Er sagte den Namen, ehe er sich selbst davon abhalten konnte, und dann blieb ihm der Rest seiner Frage im Hals stecken.

Wie viele Nächte hatte er über diesen Moment nachgedacht, ihn sich herbeigewünscht, sich ausgemalt was er sagen, was er tun würde? Aber jetzt war sein Hirn wie leer gefegt. Er stand hier mit offenem Mund vor seinem älteren Bruder, dem Mörder ihres Vaters, und hatte nichts zu sagen. Keine Vorwürfe, keine Fragen nach dem Warum, nicht einmal ein gezielter Faustschlag, um dem Älteren die Nase zu brechen dafür, dass er durch sein unüberlegtes Handeln beinahe Elians Leben verwirkt hätte. Er war sich irgendwo längst sicher gewesen, dass entweder Aspen oder er selbst sterben würden, ehe sie eine Chance bekamen, einander wiederzusehen und diese notwendige Unterhaltung zu führen.

Die Menschen um sie her schoben sich weiter, die Montrose-Sprösslinge standen zunehmend im Weg - zwei große, breitschultrige Gestalten, deren Schweigen allmählich daran grenzte, eine Szene mitten auf dem Platz zu veranstalten.

Elian wusste irgendwo tief drinnen noch, dass er eigentlich wütend auf Aspen war. Unverständig im Angesicht seines empfundenen Verrats, und der unvorstellbaren Gewalttat gegen ein gemeinsames Familienmitglied. Und vor allem so, SO zornig darüber, dass Aspen es ihnen beiden unmöglich gemacht hatte, Charleen zu helfen. Das war vermutlich das allerschlimmste an der ganzen Situation.
Aber in diesem Moment, auf diesem Platz umgeben von Zeugen und Militär, war ihm das alles egal. Immer noch blind und taub für sein Umfeld machte er einen Schritt nach vorne. Dann noch einen. Und dann legte er seine Arme um seinen Bruder und hielt ihn einfach nur fest.

[Direkt vor Aspen und Farley, in der Nähe von Kell]


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