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Too Young to Die
Szenen-Informationen
Datum 5 Mai 1822
Ort Hauptdeck der Sphinx
Tageszeit Nachts
Crewmitglied der Sphinx
für Gold gesucht
dabei seit May 2017
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#1

Too Young to Die
Rayon & Lucien | 5. Mai 1822 | Hauptdeck der Sphinx
Obwohl er in dieser Nacht keine Wachschicht hatte, war Rayon noch spät aus seiner Hängematte geklettert und hatte sich auf das Hauptdeck der Sphinx begeben. Er hatte den Schlaf eigentlich dringend nötig, doch seine Gedanken ließen ihn nicht schlafen. Gedanken, die ihn so schmerzlich an vergangene Zeiten erinnerten, an Ereignisse, die er eigentlich längst verarbeitet hatte, dass sich sein Herz in seiner Brust zusammenzuziehen schien, und dadurch die Frage aufwarf, ob er mit seiner Vergangenheit tatsächlich so im Reinen war, wie er immer geglaubt hatte.

Der Smutje hatte sich an die Reling gelehnt, die Ellenbogen auf das Holz gestützt und den Blick auf irgendeinen weit entfernten Punkt auf dem ruhigen Meer gerichtet, das vom Mond in ein nahezu mystisches Licht getaucht wurde. Er schloss die Augen und atmete einige Male tief ein, spürte die kühle Nachtluft in seiner Lunge und den lauen Wind auf seiner Haut. Die sanfte Umarmung der Elemente ließ das drückende Gefühl in seiner Brust etwas schwächer werden, aber es verschwand nicht. Dafür war die Wunde, welche die jüngsten Ereignisse in seinem Herzen hinterlassen hatte, zu frisch. Er hatte versagt, erneut. Wieder war jemandem, der ihm etwas bedeutete, Leid zugefügt worden, ohne dass er einschreiten konnte. Und diesmal hatte diese Person den ultimativen Preis bezahlen müssen.

Rayon öffnete die Augen wieder und richtete den Blick auf seine rechte Hand, die er unbewusst zur Faust geballt hatte und in der sich das einzige Erinnerungsstück an Scortias befand, das er besaß. Langsam lockerte er den Griff um den kleinen Gegenstand und blickte ihn nachdenklich an. Irgendetwas in ihm hatte ihn hier an Deck der Sphinx getrieben, um ihn der See zu übergeben, die Erinnerung loszulassen, nicht nur an den Tod des Schiffsjungen, sondern auch an das, was dadurch wieder an sein Bewusstsein geklopft hatte - mit der gleichen Subtilität, die Trevor regelmäßig an den Tag legte, wenn er etwas von ihm wollte. Nun jedoch brachte er es nicht übers Herz, die Statue von Feuerbart und dadurch das Andenken an den Jungen loszulassen. Sie hatten sich nicht allzu lang gekannt, aber nichtsdestotrotz hatte Rayon sich für ihn verantwortlich gefühlt. Und diese Verantwortung hatte er sträflich vernachlässigt, als er sich auf der Insel, auf der ihnen die Kopfgeldjäger aufgelauert hatten, vom Rest der Crew getrennt hatte, um seine Kräutervorräte aufzufrischen. Die Mannschaft der Sphinx hatte um ihr Leben gekämpft, und er war ihnen nicht beigestanden. Sicherlich gab es dafür Gründe - schließlich war er selbst von einer kleinen Gruppe angegriffen worden und konnte nur knapp mit seinem Leben entkommen... doch was war dieses Leben wert, wenn er nicht einmal in der Lage dazu war, es dafür zu nutzen, jemanden zu schützen, der sein ganzes Leben noch vor sich hatte?

Eine einzelne Träne bahnte sich ihren Weg die Wange des Schiffskochs hinab, als er ein Geräusch in seinem Rücken wahrnahm. Schnell schloss er die rechte Hand erneut und ließ die Statue darin verschwinden, richtete seinen Blick wieder auf das Meer und atmete erneut tief ein, um die düsteren Gedanken zumindest für den Moment zu verscheuchen.
Crewmitglied der Sphinx
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#2
Leise und kontrolliert die Luft ausstoßend fuhr Lucien mit der flachen Hand über den frischen Verband um seine Hüfte, der sich kaum unter dem lockeren Leinenhemd abzeichnete. Er fühlte sich müde, kraftlos, hatte laut Gregory viel Blut verloren. Und obwohl er gut aß und es bereits zwei Tage her war, stolperte das Herz in seiner Brust immer wieder, nahm ihm für einen Augenblick die Luft zum Atmen.
Das war nichts, was er dem Schiffsarzt gegenüber erwähnen musste. Nichts, was er seiner Schwester gegenüber erwähnte. Nichts, was er nicht kannte. Dennoch bereute er zumindest in diesem Moment, Talins Schicht übernommen zu haben. Obwohl er ohnehin nicht wirklich schlafen konnte und keine Position fand, in der das Liegen erträglich war.
Und offensichtlich war er auch nicht der Einzige, der keinen Schlaf fand. Im Moment fuhr die Sphinx lediglich mit Rumpfcrew, damit der Rest der Mannschaft sich von den zurückliegenden Ereignissen erholen konnte. Umso überraschter war Lucien, Rayons hünenhafte Gestalt an der gegenüberliegenden Reling zu entdecken, als er nur beiläufig den Blick von den Tauen des Hauptsegels hob, deren Knoten er zum wiederholten Mal an diesem Abend überprüft hatte.
Einen Moment lang hielt er inne, beobachtete den Dunkelhäutigen, der den Blick auf irgendetwas in seiner Hand gesenkt hielt. Was es war, konnte Lucien in der Dunkelheit zwar nicht ausmachen, doch dass der Smutje tief in trüben Gedanken versank, konnte selbst der jüngere Captain schon allein an seiner Haltung erkennen.
Mit routiniertem Handgriff zog er auch den letzten Knoten straff – ein Ruck, den seine Wunde mit einem protestierenden Stechen belohnte – und wandte sich der gegenüberliegenden Reling zu. Seine sich nähernden Schritte mussten gehört worden sein, denn noch bevor er ihn erreichte, ging ein kleiner Ruck durch den Älteren, mit dem sich seine Hand um den Gegenstand schloss, den sie hielt und sein Blick wieder hinaus aufs Meer wanderte.

Na? So spät noch auf den Beinen?“,

fragte er mit ruhiger Neugier in der Stimme, noch bevor er Rayon ganz erreicht hatte und neben ihm an der Reling stehengeblieben war. Eine Hand fand das Geländer, sodass er sich mit der unverletzten Seite dagegen lehnen konnte, während die tiefgrünen Augen das Profil seines Gegenübers musterten.

Wenn ich mich richtig erinnere, hast du doch frei, oder nicht?
Crewmitglied der Sphinx
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#3
Rayon war sich nicht ganz sicher, ob er Gesellschaft gerade gut gebrauchen konnte. Seinen eigenen Gedanken nachzuhängen konnte manchmal durchaus heilsam sein, gerade, um Trauer zu verarbeiten. Auf der anderen Seite stand er nun schon eine ganze Weile hier und starrte Löcher in die Luft, ohne dass sich großartig etwas änderte - weder an seinem Gemütszustand, noch an der Tatsache, dass er nicht schlafen konnte. Ja, vielleicht konnte ein wenig Gesellschaft tatsächlich nicht schaden... wobei das vermutlich auch stark darauf ankam, um wen es sich dabei handelte.

Er hörte Luciens Stimme, bevor er bei ihm angekommen war und erwischte sich bei dem Gedanken, dass er es hätte schlechter treffen können. Der Captain war jemand, mit dem er sehr gern Zeit verbrachte, mit dem man sich gut unterhalten konnte, der aber zumindest subtilere Gefühlsregungen meist zu übersehen schien. Für diese Situation war das vermutlich eine sehr begrüßenswerte Kombination. Sein Körper entspannte sich ein wenig, während er darauf wartete, dass der Braunhaarige sich neben ihn stellte, den Kopf drehte und den Blick des Gegenübers im fahlen Licht der Laternen erwiderte. Lucien hatte bei der Flucht von der Insel, auf der die Kopfgeldjäger ihnen aufgelauert hatten, deutlich mehr abbekommen als er selbst; Rayon hatte sich zwar ebenfalls mehrerer Angreifer erwehren müssen, war dabei fast wie durch ein Wunder jedoch größtenteils unverletzt geblieben. Nicht zuletzt deshalb war der Smutje auch ein wenig überrascht, den jungen Mann um diese Uhrzeit hier an Deck des Schiffes zu sehen. War er tatsächlich schon wieder gesund genug, um die Nachtwache zu übernehmen, obwohl es dafür eigentlich keinen triftigen Grund zu geben schien?

"Und das aus deinem Mund", sagte er schließlich und zwang sich zu einem etwas müden Lächeln. "Gerade du solltest eigentlich in deiner Hängematte liegen und dich erholen, Lucien."

Kurz fiel sein Blick wieder auf seine rechte Hand, um sich zu vergewissern, dass die Statue sicher und gut darin verborgen war, ehe er die Aufmerksamkeit wieder auf den Mann an seiner Seite richtete.
Crewmitglied der Sphinx
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#4
Lucien fing den bedeutungsvollen Seitenblick des Älteren auf, ließ die zumindest leicht überraschte aber nicht wirklich missbilligende Musterung über sich ergehen, bevor Rayon Retoure gab und damit ein leicht amüsiertes Schmunzeln auf die Lippen des jungen Captains lockte. Ja, das musste er gerade sagen. Stimmte schon. Er sollte sich lieber ausruhen.
Doch Lucien zuckte nur flüchtig mit den Schultern, bemerkte dabei ganz beiläufig Rayons Blick, der flüchtig zu dessen Händen hinab wanderte, und wandte sich im nächsten Moment ganz der See zu, die sich bis zum dunklen Horizont erstreckte. Die Unterarme auf die Reling gestützt, antwortete er schließlich.

Ich finde ohnehin keine Position, in der ich bequem liegen kann. Dann kann ich genauso gut wach bleiben und Talin die Chance geben, sich auszuruhen.

Immerhin war auch seine Schwester nicht gänzlich unbeschadet von der Insel gekommen, auch wenn ihre Schulterverletzung nicht ganz so ernst ausgesehen hatte, wie das Loch in seiner Seite. Es spielte ohnehin keine Rolle. Hätte sie sich nur einen Kratzer zugezogen, hätte sie für ihn noch immer Vorrang. Also ließ er sie schlafen.
Die tiefgrünen Augen huschten wieder zu der dunklen Gestalt Rayons und er nickte bezeichnend auf die Hand des Smutje, die sich blickdicht zur Faust geballt hatte. Doch nicht so, als wäre er wütend, sondern vielmehr so, als hielte er darin etwas verborgen.

Was hast du da?

Wieder lag ein Hauch Neugier in seiner Stimme, allerdings ohne jegliche Erwartung. Ihm war eine offene Antwort genauso recht, wie ein gehütetes Geheimnis.


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