10.06.2018, 11:37
Bei seinem Dank schenkte Talin ihm ein leichtes, müdes Lächeln. Das schöne war, dass sie es nur ernst meinen konnte, denn Rayons Essen hatte nicht nur Lucien über die letzten Tage gerettet, sondern sie alle gestärkt. Gerade deshalb war ihre Dankbarkeit noch größer. Seine Worte nahm sie schweigend mit einem Nicken zur Kenntnis, denn für sie verstand es sich von selbst, sich um den Koch Gedanke zu machen. Auf anderen Schiffen mochten mehr Mäuler zu stopfen sein, aber dennoch blieb es ein Knüppeljob, fast durchgängig in der Kombüse zu stehen. Jeden Tag bei Hitze dort draußen, hier drin noch mehr Hitze zu spüren...sie wusste aus eigener Erfahrung und Beobachtungen, wie anstrengend das sein konnte. Und sie war damals nur der 'Küchenjunge' gewesen. Bei dem Gedanken daran, dass der Marineleutnant allerdings hier in der Küche mithalf, konnte sie nicht anders und zog skeptisch eine Augenbraue in die Höhe.
„Er hilft dir wirklich in der Küche aus? Alle anderen meidet er wie Seeungeheuer.“
Ihre Stirn legte sich nachdenklich in Falten. Der Soldat mied sie am allermeisten oder warf ihr zumindest ab und zu böse Blicke zu, wenn sie sich nicht irrte, aber mit ihr gesprochen, hatte er bis jetzt nicht. Und wenn sie das richtig sah, hatte er auch sehr wenig mit den anderen Crewmitgliedern interagiert. Aber mit dem Leutnant darüber zu reden, stand auf ihrer gefühlt sehr langen Liste noch nicht sehr weit oben, deshalb nahm sie es erst einmal zur Kenntnis und würde es sich für später merken.
Rayons nächste Worte zerrten sie schließlich aus ihren Gedanken und sie riss leicht überrascht die Augen auf. Oh je, damit hatte sie nun wirklich überhaupt nicht gerechnet. Sie sah dem dunkelhäutigen ins Gesicht, sah den besorgten Blick den er ihr schenkte und sie konnte nicht anders, als leise zu lachen, sobald die bittersüßen Erinnerung wieder hochkamen.
„Entschuldige, dass ich lache, aber du hast mich gerad sehr an den ehemaligen Smutje des Schiffes erinnert. Er hat mich meisten mit dem gleichen Blick angeschaut. Als wäre ich ein Küken, dass er beschützen müsste und was sich eindeutig viel zu viel aufhalst.“ Traurig lächelte sie Rayon an, schüttelte dann aber den Kopf. „Nicht nur die letzten Tage waren anstrengend, sondern das ganze letzte Jahr. Seit ich unter dem ehemaligen Captain auf diesem Schiff anfing bis zu diesem Augenblick stehe ich unter Strom, plane, mache, tue. Anfangs mit dem Ziel Lucien zu retten und jetzt um für unsere Sicherheit zu sorgen. Also ja, ich bin ziemlich fertig, aber ein paar Tage durchschlafen, kann ich erst, wenn Lucien mal länger, als nur ein paar Minuten die Augen offen halten kann.“ Sie grinste leicht. „Aber danke, dass du dir Sorgen um mich machst. Es gibt mir ein gutes Gefühl.“
Sie neigte nachdenklich den Kopf, immer noch mit dem Gefühl es wäre etwas, aber sie konnte nicht so ganz den Finger drauf legen, was genau es war.