15.10.2017, 20:37
Yaris blickte sich nach allen Richtungen um. Um sie trieben teilweise brennende Wrackteile. Die Nacht war erfüllt von Schreien und hektischen Rufen. So viel Tod lag in der Luft. Heute Nacht feierte der Sensenmann ein Festmahl. Den Attentäter ließ es kalt. Er wandte den Blick von dem Spektakel ab. Nur ein oder zwei Meter weiter tauchte sein ehemaliger Zellengenosse auf und ebenfalls unweit der andere Typ. Ihre Blickte trafen sich für einen Moment und der Typ sah doch echt so aus, als sei er versucht, ihm helfen zu wollen. Denn sein Blick ging eindeutig in diese Richtung, ließ es dann jedoch sein … zu seinem Glück. Vielleicht war es auch der Blick, den Yaris ihm hatte zukommen lassen. Ein Blick, der so viel sagte wie ‚versucht es und du bist tot. Ein zuvorkommender Hinweis auf die freundliche Attentätermanier.
Irgendwie schaffte es der Attentäter, die Planke so unter seinen Oberarmen zu platzieren, dass sie ihm nicht entglitt und ihn tatsächlich trug. Kraftlos trieben Arme und Beine im Wasser und die Wellen drohten ihn von der kleinen illustren Gruppe abzutreiben. Die wenigen Paddelbewegungen dagegen wirkten dem nur bedingt entgegen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wünschte sich Yaris an einen anderen Ort. Jeden anderen Ort, der nichts mit Wasser, in die Luft fliegenden und untergehenden Schiffen zu tun hatte. Ach verdammt, selbst das Gefängnis auf Linara mit seinem sadistischen Hurensohn eines Vorstehers klang gerade wie das Paradies.
Den Kopf müde auf dem Oberarm abgelegt musterten die grünen Augen das nun unaufhaltsam sinkende Marineschiff und die armen Hunde, die die Explosion zwar überlebt hatten, aber noch zu nahe am sinkenden Wrack waren und dem Sog höchstwahrscheinlich nicht mehr entkommen würden. Empfand er Mitleid für sie? Nicht die Bohne. Mitleid gehörte nicht gerade in sein Repertoire.
Der dunkle Schopf hob sich allerdings, als aus dem Feuerschein ein weiteres, kleineres Schiff mit roten Segeln auftauchte. Eindeutig kein Marineschiff, was die Reaktion seines ehemaligen Zellengenossen nur bestätigte. Es schien wieder ein wenig Lebenskraft in seinen erschöpften Körper zu fahren. Eines musste man diesem Haufen lassen: Sie wussten einen großen Auftritt hinzulegen. Von ihrem Knaller-Abgang mal ganz zu schweigen.
„Da drüben! Ich glaube, das sind sie.“ Yaris folgte der Richtung und erkannte nun ebenfalls das seltsam aufleuchtende Licht. „Na los.“ Sein Körper wollte eigentlich nichts anderes als die Anstrengung einstellen und sich in die nagende Kälte zu ergeben. Es wäre so einfach. Doch Yaris erinnerte sich einmal mehr an das Motto, nach dem erlebte.
Zu sterben war einfach, leben hingegen schwer. Und er hatte sich nie für den einfachen Weg entschieden. Kurz schloss er die Lider spannte seine schmerzenden Muskeln an und schob sich ein Stück weiter auf die Planke, um besser schwimmen zu können. Nach einer Weile erhob sich eine Stimme über das aufgewühlte Wasser. Yaris versuchte über die Wellen hinweg zu verstehen, was sie rief. Er würde schwören, es waren … Namen … Frauennamen.
“Folgt der Stimme.“, gab er seinen beiden Begleitern keuchend zu verstehen. Yaris kämpfte mit den Wellen, die ihm immer wieder ins Gesicht schlug und ihn gefühlt Literweise Salzwasser schlucken ließ.<