04.09.2017, 13:24
Kaladars Verwunderung, das leise Schnauben und dann dieser Vergleich hatten Enrique erneut schmunzeln lassen.
"Und wenn schon, unser unfreiwilliges Bad sorgt gerade für Besserung", meinte er provokant und grinste verwegen.
¡Por los dioses! Versuchte er den Sergeanten aufzuheitern? Was sollte das werden? Gemeinsam lachend in den Untergang? Kopfschüttelnd waren ihm die nächsten Worte über die Lippen gekommen. Dann hatte er das Gesicht verzogen, als er Skadis Schmerzen mitbekam.
Mit den Worten des Unteroffiziers kam Klarheit über das Geschehen in und um die Kapitänskajüte. Und damit war auch die Entscheidung gefallen:
Sie würden dem kleinen Fuchs und der Blonden auf das unbekannte Schiff folgen, so es denn käme und sie sie ließen.
Ein langer Blick zur Morgenwind zurück zeigte ihm, dass sie in Sicherheit waren, enthüllte ihm aber auch den erbärmlichen Zustand des Schiffes.
Wut und Schmerz mischten sich in seiner Brust, während seine Aufmerksamkeit an der Morgenwind wie festgemacht hing. Verflucht seist du bis in alle Ewigkeit Harper!
Wenigstens hatten die verbliebene Besatzung genug Zeit gehabt, die meisten Boote zu Wasser zu lassen und die Evakuierung war in vollem Gange als sie erneut bockte und die Menschen auf ihr wieder wie aufgescheuchte Ameisen panisch hin und her eilten. Aber es schien, als gäbe es Jemanden, der Ordnung in das Chaos brachte. Ravenport musste noch leben und an Bord sein. Enriques Respekt vor diesem jungen Adligen wuchs in ungeahnte Höhen.
Dann zerriss die Explosion die Nacht.
Blendend grell zerrte sie Alles aus den Schatten und enthüllte gnadenlos das Schauspiel des Todes, zumindest für jene, die nicht in ihre Richtung geschaut hatten. Gehobenen von einem Wellenkamm lagen Enrique und Kaladar für Liam (und vielleicht auch für einige der anderen Befreier und Befreiten) wie auf einem Präsentierteller. Auch war der Lockenkopf nahe genug um das in seine Richtung gewandte Gesicht des Dunkelhäutigen eindeutig zu erkennen, der schützend den Arm über den Sergeanten riß und gleichzeitig den Kopf einzog. Schräg dahinter, einem blutigen Engel gleich, stand überraschend nah die Sphinx.
Kurz darauf kehrte schlagartig die Dunkelheit zurück und blendete sogar jene kurzfristig, die bis jetzt nicht betroffen waren. Und mit ihr kamen die Trümmer wie Hagel der Verdammnis über die Schiffbrüchigen, die nicht wie sie, weit genug fort waren.
Der 2. Leutnant blinzelte wütend und knurrte erbost. Das leise 'Danke' seines Begleiters überhörte er fast und drückte erst mit Verzögerung zur Antwort leicht die Schulter.
"¡De Nada!", grummelte er, immer noch darum bemüht, seine Augen wieder an die erneut herrschende Nacht zu gewöhnen.
Wenn sie hier weg wollten, dann musste er sehen können. Zu seinem Glück hatte er angestrengt die Augen zu schmalen Schlitzen verengt um vielleicht doch das eine oder andere Detail auf der Morgenwind zu erkennen, so dass seine Sicht schnell zurückkehrte.
Doch was er sah erfüllte ihn mit Entsetzen. Die hintere Hälfte des Schiffes war fort, was noch übrig war verschwand rasend schnell im Meer und zog unerbittlich an der sich sträubende andere Hälfte. Die Wahrscheinlichkeit, dass hiermit der einzigen anderen tüchtigen, nautischen Offizier der Morgenwind soeben aus dem Leben geschieden worden war, ging gegen 100%. Und mit ihm die anderen Getreuen...
Den sich nähernden klatschnassen Lockenkopf registrierte er nicht und sollte Liam etwas zu ihm sagen bekam er nur eine fahrige Geste als Erwiderung.
Und Doch hatte Enrique keinen Kopf dafür über diese Tragödie jetzt nachzudenken, weder über die Sphinx, noch über die Kälte des Wassers, noch über ihre neue Gesellschaft, denn Enriques Gedanken kreisten weiterhin um die Problematik des Überlebens und rasten von einer möglichen Lösung zur nächsten.
Von wo käme ihre mögliche Rettung? Wahrscheinlich wären sie der Morgenwind gefolgt und hielten sich in Luv um besser verschwinden oder kämpfen zu können, so etwas schief oder auch alles gut ginge. Damit wäre sie recht einfach zu finden.
Er wandte den Kopf und sah zum ersten Mal die noch näher gekommene Sphinx, wie sie langsam in und dann aus dem Lichtkreis glitt und beidrehte. Zum Verband gehörte dieses Schiff definitiv nicht. War sie das? Wenn nicht, wollte er einen Besen fressen. Aber egal wer es war, dieses Schiff war neben der Marine ihre einzige Rettung.
Allerdings müssten die Retter sie auch finden können. Nur: Wie sollten Augen schwarze Punkte in Schwarzer See sehen? Auf jeden Fall mussten sie näher ran.
Entschlossen änderte er die Richtung auf die Sphinx und damit schräg an Liam vorbei und auf die Anderen zu, während er das Problem in seinem Kopf hin und her wälzte. Wenn Sie nur die Möglichkeit hätten mit Licht auf sich aufmerksam machen!
Seine Pistole war nass, ebenso alles an Stoff, was er dabeihatte. Trockenes Pullover hatte er, aber nicht genug, um die Waffe funktionsfähig zu bekommen. Und selbst wenn, das Mündungsfeuer wäre mitunter falsch verstehbar. An eine Schiffslaterne hatte er nicht gedacht und ob sie nach dem Sturz ins Wasser noch gebrannt hätte? Sie hier in der See zu entzünden könnte er vergessen, selbst wenn er denn eine gehabt hätte.
Blieb also nur Laut geben. Sich blindlings in der Nacht heiser schreien in der Hoffnung, die Retter würden sie—
"¡Fuego!"
Hätte er die Hände frei gehabt hätte er sich eine vor den Kopf geschlagen.
Die brennenden Trümmerstücke verbreiteten mehr als genug Licht, sie mussten es nur nutzen!
Also steuerte er ihren schwimmenden Halt zu dem nächsten in Flammen stehenden Überrest.
Dort angekommen zog er das ungefährliche Ende zu sich heran. Im nächsten Wellental schwenkte ein schwarzer Schemen ein nasses Tuch. Vielleicht gehörte der zu ihnen. Er nahm sich nicht die Zeit nachzuschauen.
Soweit so gut. Nur wie damit das Schiff mit den roten Segeln erreichen? Oder mit dem Leuchten der Flammen?
Mit der Lösung kehrte auch das Grinsen auf Enriques Gesicht zurück. Gut, dass er den Säbel nicht aufgegeben hatte!
Umständlich zog er die Waffe, während er gleichzeitig Kaladar festhielt, damit der nicht von der Planke rutschte, und das brennende Holzstück daran hinderte abzutreiben.
"Bleib ruhig liegen, ich brauche nur etwas möglichst Trockenes, damit wir unsere Retter besser auf uns aufmerksam machen können", wandte er sich an Skadi.
Dann, nachdem er den Säbel an der Schulter von Kaladars Uniformjacke so gut abgetrocknet hatte wie es eben ging, hielt er die spiegelnde Klinge zwischen sich und die Flammen und konzentrierte sich darauf das Licht rhythmisch dorthin zu reflektieren wo die Sphinx sein musste.
{ Im Wasser | steuert sich und Skadi wieder näher zu den Anderen | bleibt außerhalb der Sogzone |
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| am Ende immer mal wieder sicht- und bedingt hörbar für Talin, Shanaya und Aspen | bei Skadi und Liam | spiegelt Licht zur Sphinx |
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| durch das brennende Holzstück für anderen Schwimmer erkennbar }
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| am Ende immer mal wieder sicht- und bedingt hörbar für Talin, Shanaya und Aspen | bei Skadi und Liam | spiegelt Licht zur Sphinx |
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| durch das brennende Holzstück für anderen Schwimmer erkennbar }