11.06.2017, 19:12
Ihre Arme zitterten leicht und sie schielte dankbar zu Shanaya hin, die ihr beim Befestigen des Fasses half. Sie hatte das Fass schweigend bewegt, Liam dabei nur einen kurzen Blick aus dem Augenwinkel zu geworfen und auch seine Frage und Shanayas Antwort darauf nicht beachtet. Ihr war in dem Moment nur wichtig gewesen, dass der Lockenkopf mit half und das andere Mädchen ihre Fässer in die Nähe des Hauptmastes brachte. Was sollte sie auf diese Frage auch antworten? Es wäre eine Lüge, zu sagen, sie hatte keinen Spaß daran das Schiff in die Luft zu jagen und es war ihr ziemlich egal, wer dabei drauf gehen würde. Sich zu viel Mitgefühl zu gestatten, würde sie nicht weiter bringen. Und ganz ehrlich, so lange die wichtigsten Menschen – das bedeutete also ihre Crew in diesem Moment – sicher von diesem Schiff kamen, waren ihr die anderen wirklich herzlich egal. Aber wahrscheinlich war es nicht das, was Liam hören wollte.
Sie drehte sich wieder in Richtung der Fässer, sah, wie der junge Mann sich trotz seiner Bedenken an dem Fass abmühte. Trotzdem half er ihr. Ein leises Seufzen schlich sich über ihre Lippen, bevor ihr Blick zu der Schwarzhaarigen huschte und sie ihren Kommentar mit einem leichten Lächeln quittierte. Ein witziger Gedanke, das so zu betrachten und vielleicht nicht ganz so abwegig. Aber sie sagte es nicht laut, sondern eilte nur schnell zu Liam und half ihm mit seinem Fass. Ihre Gedanken irrten hin und her und sie selbst wälzte sie, auf der Suche nach der richtigen Formulierung. Wie sollte sie ihren Plan in Worte fassen?
„Ja, es muss sein, dass wir das Schiff sprengen. Ich tue das nicht zu meinem Vergnügen, auch wenn es mir Spaß macht. Aber denk doch einmal darüber nach. Wir werden nicht gänzlich unbemerkt verschwinden können, jetzt nicht mehr." Ihr Blick huschte finster zu Aspen, der Wache stand. „Wir brauchen ein Ablenkungsmanöver, damit wir entkommen können, denn mit drei Schiffen können wir es nicht aufnehmen. Sprengen wir eines, werden die anderen Schiffe hoffentlich abgelenkt genug damit sein, die Marineangehörigen, die überleben, aus dem Wasser zu fischen und wir können entkommen.“
Sie zuckte mit den Schultern, während sie das Fass, neben das andere hievte, welches sie dort schon befestigt hatte. Sie wischte sich eine kurze Strähne aus dem Gesicht und sah dann Liam direkt an.
„Und mal ehrlich: Würden wir die Gefangenen frei lassen und mitnehmen oder ohne Ablenkungen von hier verschwinden, würden weder die Verbrecher noch die Marine zögern, uns umzubringen.“
Mit diesen Worten klopfte sie kurz aufs Fass, sah sich um und nickte zufrieden. Dann nahm sie eines der kleinen Fässer, wog es ab, richtete ihren Blick auf Shanaya und hielt ihr das Fässchen hin.
„Wir müssen eine Spur ziehen, die lang genug ist, dass wir von hier verschwinden können. Liam, du und Aspen solltet vielleicht schon einmal vorgehen.“
[Frachtraum | mit Shanaya, Liam und Sineca]