14.05.2017, 16:13
Einsam, aber nicht allein
im Laufe des 20. März 1822Talin Dravean & Liam Casey
Es nieselte. Allerdings nieselte es schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Alles in allem waren die letzten Tage eher ungemütlich gewesen, aber wenigstens der Wind bot ihnen eine angenehme und beständige Möglichkeit, voranzukommen und Abstand zu möglichen Verfolgern aufzubauen. Das Gute auf See war, dass sie so gewaltig, so unüberschaubar waren, dass es fast unmöglich war, jemanden zu finden, hatte man ihn erst einmal aus den Augen verloren. Sie waren frei. Und genau das liebte er so sehr an diesem Leben. Die Freiheit und die Momente, die man sich ganz alleine mit der Natur an irgendwelchen menschenleeren Orten wiederfand. Es gab nur einen Selbst und die See, das Wetter, die Fische und Möwen. Aber alles in allem hatte man seine Ruhe – wenn die Natur es gut mit einem meinte.
Offensichtlich genossen nicht viele diese Freiheit ähnlich wie der Lockenkopf. Jeder, der sich nicht draußen aufhalten musste, hatte sich an die trockeneren Orte der sanft schaukelnden Sphinx zurückgezogen. Selbst Sineca war es irgendwann zu feucht geworden, sodass sich die kleine Katze ins Innere des Schiffes verzogen hatte. Vielleicht jagte sie Mäuse oder nutzte es mal wieder aus, dass Aspens Hühner ohne Aufsicht waren, um sie ein wenig durch die Gegend zu scheuchen.
Er selbst hingegen genoss die frische Brise und den leichten Regen, der ihm eisig ins Gesicht schlug am Bugaufbau. Die Wellen brachen laut am Rumpf der Sphinx, die sich unbarmherzig ihren Weg durch die Wüste aus Wasser bahnte. Die vertäuten Fässer an Deck knarrten bei den Bewegungen des Schiffes, standen aber fest. Liam genoss die Ruhe. Er konnte ewig mit sich (und Sineca) alleine sein und seinen leeren Gedanken nachhängen.