07.04.2017, 21:05
4 Soldaten. So viele brauchte es um einen Bullen umzuwerfen oder von A nach B zu ziehen, wenn sein Spatzenhirn mit ihm durchging und er nicht einmal mehr dazu bereit war, die Hufe zu heben. Doch keinesfalls brauchte es 4 Soldaten, um einen einzigen Piraten aus dem Zellentrakt zu holen. Geschweige denn ihn in eine Kiste zu stopfen oder selbige dem Kapitän mit in die Kajüte zu tragen, da er ohnehin tief und fest schlafen musste. Skadi kannte die Gewohnheiten Harpers gut, lebte sie doch seit mehreren Jahren auf diesem Schiff unter seiner Aufsicht. Und leider Gottes zählte er zu eben jenen Schreckensgestalten, die die Drecksarbeit anderen überließen. Er nahm sich mit Leib und Seele und einem süffisanten Unterton in der Stimme jene Freiheiten heraus , die er anderen verwehrte. Vor allem jenen, denen er gern die Spitze seines verräterischen Dolches in den Rücken bohrte - einfach weil er es konnte. Nichts desto trotz blieb die Tatsache mehr als fragwürdig, dass er sich augenscheinlich ungeachtet seines geliebten Schönheitsschlafes dazu hinreißen ließ, dem Offizier in seiner erniedrigenden Lage mit seinen Sonderwünschen auf die Nerven zu gehen. Unter anderen Umständen hätte die Dunkelhaarige es ihm durchaus zugetraut. Denn er mochte den Mann in ihrem Rücken nicht. Ließ es ihn letzter Zeit deutlicher Spüren als noch zu Beginn seiner Arbeit auf der Morgenwind. Und doch bezweifelte sie, dass sein Hass ihm wichtiger war, als sein Schlag. Ein kurzer Blick huschte zu Enrique hinüber, dessen Anblick alles verriet, was Skadi zu wissen brauchte. Man musste kein Hellseher, Schamane oder Voodoo Priester sein, um die Skepsis zu erkennen, die sich dort auf den Zügen abzeichnete wie dunkle Schatten, die man kaum im Zwielicht erkennen konnte. Der Offizier traute dieser Konstellation an Zufällen und Personen genauso wenig, wie sie selbst, ganz gleich ob er sich ebenso offensiv dagegen stellte wie sie. Zumindest schien er im ersten Moment keine Anstalten zu machen, gegen die Verletzung jeglicher Etikette vorzugehen. Und es war irgendwie eine bittere Spur von Ironie, das die Nordskov selbst so viel Wert darauf legte, obwohl sie die Marine und ihre Gepflogenheiten so sehr verabscheute. Doch das Gefühl in ihrem Magen war etwas, auf das sie gelernt hatte zu vertrauen. Dessen Wichtigkeit sie nie mit einem Achselzucken unter die Teppichkannte fegte, weil ihr Vater sie gelehrt hatte auf ihre Instinkte zu vertrauen. Und ganz gleich, was sich noch herausstellen sollte, beobachtete sie den Blickwechsel zwischen den zwei kleineren Gestalten mit Misstrauen. Verschränkte die zierlichen Arme vor der Brust, weil es wohl an der Zeit war zu beobachten. Abzuwarten und die Situation in ihrer gesamten Form zu betrachten, statt sich blind links wie Haifischfutter hinein zu werfen.
Ganz davon abgesehen spielte sie sowie nur die "zweite Geige" in diesem Orchester und würde sicher nicht dazu herab lassen, irgendein Machtwort zu sprechen. Ihr Temperament war zur Zeit ohnehin feurig und ungestüm. Es war kaum klug, sich aus dem Schatten hervor zu tun und zu riskieren, ihren Posten als Sergeant auf diesem Schiff zu verlieren. Der Wunsch nach Vendetta war hartnäckiger als die Wahrung ihres Gesichtes. Und die Nordskov hoffte, dass sich das Gefühl von Erleichterung und Zufriedenheit wie Seide auf ihren Körper legen würde, sobald die Klinge ihres Schwertes den Körper des Kapitäns durchbohrte. Beinahe wäre ihr bei diesem Gedanken sogar ein Lächeln in die Mundwinkel gehuscht, hätte sich das Gepolter über ihren Köpfen nicht alarmierend in ihr Bewusstsein gedrängt. Scharf einatmend hob sich der dunkle Kopf gen Decke, starrte mit zusammengezogenen Augenbrauen gegen die Dielen, dessen Holz womöglich fast so alt war wie sie selbst. Das konnte ja noch eine schöne Nacht werden, wenn sie die Trunkenbolde in den Zellentrakt verirrten. Und Skadi schickte bereits ein Stoßgebet an ihre Götter, dass Enrique nicht gänzlich die Fassung verlor und explodiert wie ein angezündetes Pulverfass. Noch nie hatte sie ihn in jener Verfassung erlebt, die sie wohl gleich zu spüren bekommen sollte, doch reichte ihre Vorstellungskraft um Längen aus, um sich auszumalen, wie intensiv die Adern auf seinem Gesicht pulsierten. Sich unter der braunen Haut abzeichneten wie zischelnde Schlangen, die sich aus seinem Körper heraus ins Freie zwängten. Kein schöner Anblick, noch weniger, wenn die Wut sie selbst treffen sollte. Und dann waren sie da, die fleischigen Berge. Stanken nach irgendeinem billigen Fusel, den sie wohl beim letzten Landgang erworben hatten und ihn dezent aufdringlich in Skadis Gesicht hauchten. Angewidert trat sie einen Schritt zurück, wirkte wütend und genervt, kaum dass die dunklen Augenpaare das Gespann hinter sich trafen, während Jones - sie sollte diesen Vollidioten endlich kastrieren!!!!- sich am Offizier vorbei zu dem Vierergespann vorwagte. Nur aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie sich der jüngste Gefangene ans Gitter schlich, die Lippen bewegte, ohne dass sie unter dem tosenden Gewitter des Offiziers nur ein Wort verstand. Schien zu sehr abgelenkt von den Männern in ihrem Rücken, deren Füße unschlüssig von einer auf die andere Stelle traten. Sie hatten absolut keinen blassen Dunst von den Ausmaßen, die dieses Verhalten noch annehmen sollte. Den Dimensionen und Abgründen, die sie damit herauf beschworen wie kleine Kinder beim Albern im Sand. Skadi verfluchte diese Männer gerade allein für ihre dümmliche Existenz und strafte sie mit einem Zucken der dichten Augenbrauen und angespannten Atemzügen. Griff mit einer schnellen Bewegung zur Seite und umfasste den weichen Stoff eines mit Alkohol durchtränkten Oberteils.
"Ganz dumme Idee mein Freund."
Ein vielsagender Blick huschte über ihre Schulter aufwärts. Direkt in die schweren Lider des Soldaten, die sich unter dem Vollrausch kaum aufrecht halten konnten. Ebenso wie der massive Körper, der gegen ihren Arm drückte und seinen Atem über ihre scharfen Züge legte. Jeder Zentimeter ihres Körpers sträubte sich just dagegen auch nur eine Sekunde länger hier zu bleiben. Wünschte sich von diesem Schiff zu verschwinden und in einem Wald unterzutauchen, der ihr so viele Jahre ein zu Hause gewesen war. Doch Aufgeben war keine Option, würde es nie sein.
"Geh schön zurück auf deinen Platz." Oder es setzt was.
Mit Nachdruck drängte sie den massiven Oberkörper zurück und presste dabei die schmalen Füße fest gegen den Dielenboden. Hoffentlich besann sich Enrique und schickte alle Anwesenden an Deck, mit einem Arschtritt, der sich gewaschen hatte. Denn was sie unter dem Stimmengewirr aus dem Mund des zuvor so schüchtern wirkenden Mannes vernahm, ließ ihre Ohrenspitzen zucken. Es stünde dem Offizier frei, sie zu begleiten. Beinahe wäre Skadi ein zynisches Prusten aus der Kehle gestolpert. Nicht nur, dass der Knilch eindeutig wusste, WIE er mit seinen Worten umzugehen hatte, war diese dezente verbale Backpfeife eindeutig auf Harpers Niveau. Schön den Dreck unter sich am langen Arm verhungern lassen. Das konnte er gut.
Erst als das Schleifen von Schuhen auf dem Boden zu ihr hinauf drang - ein gutes Zeichen, dass sich der Fleischklops hinter ihr auf den Weg zurück zu seinem Kollegen machte und den Versuch aufgab, Jones aus dem offensichtlichen Schlamassel zu befreien, in das er sich seines Spatzenhirns sei Dank manövriert hatte - wandten sich die dunklen Augenpaare durch das fahle Licht unter Deck voraus. Fixierten den dunklen Haarschopf Enriques, dessen ganze Körpersprache vor Anspannung überquoll. Und entweder war dieses Ziepen in ihrem Magen ein seltsamer Schrei nach Essbarem oder ein Hinweis darauf, dass hier etwas im Argen lag. Und der Offizier mehr wusste, als er augenscheinlich zu erkennen gab.
[Hinter Enrique und dem 5er Gespann | die restlichen 5 Betrunkenen im Rücken | in Sichtweite zur Zelle mit Talin, Lucien, Yaris und Samuel]