28.03.2017, 12:51
Neben Aspens Fehltritt bekam sie von der ganzen Angelegenheit eigentlich nur recht wenig mit. Nachdem sie Shanaya ein Zeichen gegeben hatte, glitt ihr Blick fast sofort wieder zu ihrem Bruder zurück, als müsse sich sich vergewissern, dass er es auch wirklich war. Und auch er schien von ihr Notiz zu nehmen. Sie spürte es richtig, als er erkannte, wen er vor sich hatte und ihr Griff um die Kiste verstärkte sich. Er durfte jetzt nur nichts sagen, durfte sich nicht verplappern, sonst war das alles umsonst gewesen. Doch er blieb stumm und für einen kurzen Moment entspannte sich die Blonde. Er würde nichts verraten, er würde still bleiben und darüber war sie mehr als froh. Es wäre alles vorbei, wenn sie jetzt entdeckt wurden.
Nur langsam drang undeutlich das Gespräch neben ihr zu ihr durch, wollte sie doch nichts lieber, als die Soldaten verprügeln und sich den Schlüssel zu schnappen, um Lucien zu befreien. Nur würde sie das vermutlich das Leben kosten und damit war niemanden geholfen. Also blieb sie still, verkrampfte sich aber schon wieder, als der Chef der ganzen Bagage vor ihnen Aspen zwang sich als Angehöriger der Marine zu outen. Oder eben auch nicht, denn nichts von alledem hatten sie vorbereitet. Doch bevor ein gänzlich unpassendes Schweigen hätte entstehen können, drangen laute Geräusche zu ihnen. Die johlenden, undeutlichen Laute waren jedem, der einmal bei einem Fest mit Alkohol dabei war nur zu bekannt. Wie wunderbar. Betrunkene Marinesoldaten würden die Situation retten, die Aspen beinahe in den Sand gesetzt hatte.
Als die Gruppe näher kam schien es, als wollten sie die Aufmerksamkeit aller auf sich ziehen, allein durch ihre laute, lallende Art. Wenn dies wirklich funktionierte, dann würde sie niemand beachteten und darauf hoffte sie, als sie sich wieder zu ihrem Bruder umwandte. Vor Aufregung schlug ihr Herz wie verrückt. Auch Lucien schien den Tumult, den die Soldaten veranstalten, zu nutzen. Seine Frage, so leise sie auch gestellt wurde, verwirrte sie und sie runzelte unter ihrer unbequemen Mütze die Stirn, während sie ihm in die Augen sah. Was dachte er denn bitte, was sie hier wollte? Glaubte er etwa, sie wäre zur Marine gegangen, um damit einer von denen zu werden? Ja, aber sicher doch. Innerlich schnaubte sie, doch nach außen hin ließ sie sich nichts anmerken. Ihre grünblauen Augen huschten einmal über das Geschehen außerhalb der Zelle, bevor sie ihren Blick über die Gefangenen gleiten ließ und schließlich wieder Lucien ansah.
„Was denkst du denn, was ich hier will? Wir sind hier, um dich zu befreien!“
Ihre Stimme war nicht lauter als seine, sondern hatte nur einen eindringlichen Ton. Sie wusste einfach, dass ihre Anwesenheit hier ihm gar nicht gefiel. Nun, damit musste er jetzt eben leben.
Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Tumult zu. Sie sah dass sich Liam und Shanaya in Schwierigkeiten befanden, aber war das nicht die perfekte Ablenkung, um an den Schlüssel für Luciens Zelle zu kommen? Ihr schien der Plan, so zu tun, als sollten sie ihn zu einer Befragung zu holen, immer unausführlicher zu werden. Nachdenklich biss sie sich auf die Lippen, blieb aber vorerst noch an Ort und stelle stehen und wartete ab, wie sich die Situation weiter entwickelte.
[Zellentrackt der Morgenwind | bei Lucien vor der Zelle und in der Nähe vom Rest]