11.09.2022, 13:19
Shanaya hob bei den Worten des Mannes leicht eine Augenbraue, während sich ein sachtes Schmunzeln auf ihre Lippen schlich. Sie war ja, was die Crew anging, kein durchgängiger Unmensch – aber es gab nun einmal Dinge, die sie nicht interessierten.
„Ich bin einfach kein guter Mensch.“
Das leichte Schmunzeln lag auch in der Stimme der jungen Frau, dann zuckte sie unberührt mit den Schultern. Jeder war sich selbst der Nächste. Wobei sie nicht wirklich davon ausging, dass der Mann solch eine Hilfe erwartete. Zumindest nicht, wenn er sich bewusst war, auf was für einem Schiff er sich befand. Es war ja noch längst nicht ausgeschlossen, dass er eine Hohlbirne war, der noch von einer kleinen Rundreise auf einem unschuldigen Schiff ausging.
Sein Vorschlag, dass er Lieder über sie schreiben wollte (die Ironie war Shanaya durchaus bewusst), entlockte der Schwarzhaarigen ein amüsiertes Lachen und einen Moment richtete sie den Blick zum Himmel, als müsse sie genau darüber nachdenken. Dann legte sie sich in einer gespielt gerührten Geste die flache Hand an ihre Brust, seufzte leise und blickte den Dunkelhaarigen dann wieder an.
„Ich bin mir sicher, wenn du noch ein wenig mit uns segelst, fallen dir noch andere, bezaubernde Eigenschaften an mir auf, über die es sich zu schreiben lohnt.“
Was sie dann sagte, schien irgendetwas bei dem Mann zu verändern, er schien sich etwas anzuspannen – und bevor er weiter sprechen konnte, hatte Shanaya einen Verdacht, was diese Reaktion hervor gerufen haben könnte. Erneut hob die junge Frau leicht eine Augenbraue, neigte dann in einer fast anerkennenden Geste den Kopf, bevor sie zu einer ruhigen Antwort ansetzte. Eine, die nicht darauf schließen ließ, dass ihr Inneres in Lauerstellung ging, auf jede Reaktion ihres Gegenübers achtete. Es hatten nicht viele geschlussfolgert, zumindest hatten sie die wenigsten darauf angesprochen. Umso vorsichtiger war sie, wenn es jemand doch tat.
„Soso. Du hast also nicht nur heiße Luft im Kopf, sondern kannst ihn auch dafür nutzen, ein bisschen zu kombinieren.“
Und das meinte die Schwarzhaarige sogar ernst. Es gab manch einen, ob er lesen konnte oder nicht, hatte damit nicht viel zu tun, der ihren Namen las oder hörte und in hundert Jahren vermutlich keine Schlüsse ziehen würde. So oft kam ihr Name in dieser Welt nicht vor – und trotzdem wurde sie selten darauf angesprochen. Gut, manch einen interessierte es vielleicht auch einfach nicht. Die Antwort auf ihre letzte Frage lenkte die Gedanken Shanayas jedoch um, womit sie den Kopf ein wenig zur Seite neigte, einen fragenden Ausdruck in den blauen Augen.
„Du meinst, du hast keinen eigenen Willen und hältst dich nur daran, was Soula dir vorgibt?“