28.07.2022, 20:25
Die Anspannung lag in ihrem ganzen Körper, als sie ZU unachtsam für ihren Geschmack von dem Balkon gesprungen war. Jeder Dummkopf hätte sie hören können. Sie schimpfte innerlich bereits mit sich selbst, was nur dazu führte, dass sie noch mal für einen Moment unachtsamer wurde. Sie war gerade weit genug von dem Haus weg, als sie jemand am Arm packte. Soula schreckte regelrecht zusammen, suchte sich schon die erst beste Ausrede aus, die sie jemandem auftischen konnte, der sie erwischt hatte, bevor dieser die Wachen rufen konnte. Ihr wurde sofort heiß und sie glaubte, dass jetzt alles vorbei war, dass der Nervenkitzel, den sie gesucht hatte, sie wegen Diebstahl ins Gefängnis bringen würde oder sogar schlimmeres. Was auch immer diese Stadt sich als Strafe für einen Dieb ausgesucht hatte, Soula würde es ereilen. Ziemlich sicher. Trotzdem versuchte sie ihre Fassade zu bewahren und sah mit einer Selbstverständlichkeit in das Gesicht des anderen, als hätte sie ein Recht hier zu sein und eine gute Antwort parat auf alles, was nun kommen würde. Allerdings war das Gesicht, zu dem sie auf sah kein Fremdes und auch die Stimme klang vertraut. Für einen kurzen Moment konnte man in ihrem Gesicht ablesen, dass sie erleichtert war. Seine Worte zeigten ihr eher, dass er glaubte, dass SIE ihn bestehlen wollte. Das wollte sie nicht. Auch Peregryne, wie er sich nannte, schien sie nun zu erkennen. Soula brachte noch kein Wort heraus, sah ihn einfach nur an, während sich die Anspannung wieder in ihren Körper legte und sie an Peregryne vorbei zurück zum Haus sah, aus dem sie Dinge entwendet hatte, immer noch die Sorge, dass man sie gehört haben könnte.
Anscheinend ging Peregryne da nun auch ein Licht auf, dass das nicht ihr Plan gewesen war, ihn zu beklauen. Soula schüttelte den Kopf, „War es nicht“, bestätigte sie kurz und knapp. „Ich war nicht besonders leise, wir sollten das Weite suchen.“ Damit verriet sich die Veniel ein bisschen, aber sie wollte weder, dass man sie sah, ihre Taschen durchsuchte, noch dass man Peregryne für ihren Komplizen halten konnte und sie ihn mit in die Scheiße ritt. Das hatte sie bereits bei Kieran getan und das brauchte sie echt kein zweites Mal. Soula drehte sich um und huschte hinter die nächste Häuserwand in die Dunkelheit, um dem schmalen Weg zwischen den Häusern zu folgen und am Hauptplatz rauszukommen, an dem schon wieder etwas mehr los war. Bevor sie aus der Dunkelheit trat, schob sie die Kapuze zurück, damit sie nicht mehr wie das letzte Gesindel wirkte. Dann sah sie zurück, ob Peregryne ihr gefolgt war.