05.04.2022, 21:52
Es hatte eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, bis Elian endlich von ihr abgelassen hatte und seine letzten Worte im Bauch des Schiffes verhallt waren. Die Launen des jungen Arztes waren seit Wochen unverändert schlecht. Manchmal wirkte es, als wäre DAS seine eigentliche Natur. Zumindest war sie ihm schier in Leib und Seele übergegangen. Skadi nahm es ihm nicht krumm. Sie verstand es sogar. Was sie jedoch nicht davon abhielt mit einem Zucken im Mundwinkel aufzusehen, als der Fremde seine Stimme erhob und entspannt neben ihrer Truhe stand.
“Manchmal hat er mehr Haare auf den Zähnen, als an seinem ganzen Körper.“, entgegnete die sie mit zurück gewandtem Blick spöttisch und schulterte den Bogen, den sie geradewegs aus einem Tuch gewickelt hatte.
“Aber nimm’s ihm nicht übel.“
Das leise Knarzten der Scharniere mischte sich unter das schwere Aufatmen, das Skadi verließ, als der Deckel zurück auf seinen Platz glitt und sich der schmale Körper der Nordskov erhob. Ein hat ne harte Zeit hinter sich musste sie nicht einmal hinzufügen. Er könnte es spielend leicht an ihrer Miene ablesen, die sich zu ihm herum und mit wenigen Schritten an ihm vorbei manövrierte.
Bevor sie an Deck zurückgekehrt waren hatte sie Per einen Degen und eine Pistole in die Hand gedrückt. Für den Fall, dass die Vögel zurück kamen und er ihnen „gezielt zwischen Körper und Flügel“ schießen musste. Was jedoch in den kleinen Fläschchen abgefüllt war, die klimpernd in der Gürteltasche verschwanden und dessen Inhalt etliche Fragen aufwerfen konnte, verriet sie ihm nicht.
Stand stattdessen jetzt eine Hand breit vor ihm und starrte auf die kleine Gruppe um Liam und Rúnar, die sich mehr als deutlich vergrößert hatte. Immerhin – die Herrschaften waren noch nicht den Mast hinauf geklettert. Mit etwas Glück konnte sie einen der beiden überreden, unten zu bleiben, während sie den fehlenden Platz einnahm.
“Stimmt irgendetwas nicht?“
Ihre Stimme hallte über die Köpfe hinweg. Erfasste Greos Miene. Dann die Isalas, der sie ein sanftes Lächeln schenkte. Letztlich blieb sie bei der kleinen Traube neben Liam stehen und… blinzelte verdutzt. Tarón und James hatte sie bereits vollkommen ausgeblendet. Sogar Rúnar, an dessen Seite und Schulter vorbei sie auf das seltsam bekannte Gesicht Jóns starrte.
Ein trockenes Auflachen entfloh ihrer Kehle. Das Schicksal war so manches Mal schon ein mieser Verräter.
“Huh... heute ganz ohne Pferd?“
Der Anflug eines Grinsens verfing sich in ihrem Mundwinkel. Den jungen Mann nach all den Jahren noch einmal zu begegnen und sich kaum mehr an seinen Namen zu erinnern, war schon ein seltsam lustiger Zufall.
[ mit Per unterwegs zu den Hängematten, danach in der Waffenkammer | dann zurück an Deck zu Tarón, Jón, Runár, Liam, Greo, (James, Isala) ]