01.02.2022, 17:14
Ihre Antwort blieb knapp. Das überraschte Alex allerdings in Anbetracht ihrer Situation nicht wirklich. Vielleiht klang sie auch ein bisschen desillusioniert, ließ sich optisch allerdings nichts anmerken, als er aus den Augenwinkeln heraus zu ihr hinüberspäte. Er hatte ihre Gründe nicht herunterspielen wollen, immerhin hatten sie gereicht, um ihr Leben komplett hinter sich zu lassen. Naja, fast komplett, immerhin hatte sie ihr grimmiges Schoßhündchen mitgenommen. Oder mitnehmen müssen. Soula wirkte derweil zunehmend abgelenkt und beunruhigt. Alex musterte sie unauffällig. Auch mit seiner Antwort bezüglich der möglichen Szenarien, die sie gleich erwarteten, schien sie nicht zwingend zufrieden. Ihm lag eine Frage auf der Zunge, doch während er ihrem Blick wieder zum anderen Schiff folgte, bemerkte er auf halbem Weg, dass sich Skadi in eine Richtung bewegte, die ihm nicht behagte.
„Was tut sie denn da?“, brummte er unzufrieden zu sich selbst und trat bis zur Reling vor, um die Situation im Auge behalten zu können.Ausnahmsweise störte ihn nicht, was Skadi nicht tat, sondern was sie tat. So wenig es ihm auch schmeckte – der Lockenkopf befürchtete, dass sie mehr Macht innehatte, als ihm lieb war. Zumindest im Bezug auf Liam, dessen Plan zwar auch Alex nicht in den höchsten Tönen lobte, aber was hatten sie schon für eine Wahl? Wenn er jetzt den Schwanz einzog, weil sie ihm irgendwelche Flausen in den Kopf setzte, hatten sie ein Problem. Wer sonst wäre schon bereit, sich ins Krähennest zu begeben, um den Köder zu spielen? Mit Argusaugen beobachtete er die Situation und entspannte sich auch, als Skadi weiterzog, nur bedingt. Immerhin schien Liam sich wieder der Arbeit zu widmen und die andere Gruppe verschwand unter Deck. Alex wandte sich wieder dem Geschehen an Board des anderen Schiffes, um es Soula – im Fall des Falles – vorerst gleichzutun. Wenn die das Feuer eröffneten, würde dieser Mast gezwungenermaßen Platz für sie beide bieten, bis er den Überblick hatte.„Angst?“, fragte er frei heraus ohne sie anzusehen.Neutral, ohne Sorge oder Schadenfreude in der Stimme. Sie wirkte abwesend, kurzsilbig. Dabei hatte sie schon des Öfteren unter Beweis gestellt, dass sie durchaus mit Worten umzugehen wusste.„Bereust du deine Entscheidung jetzt doch?“Alex klang ausnahmsweise wirklich nicht so, als würde er sie aufziehen wollen. Es war ehrliches Interesse und vielleicht auch der Versuch, wieder mehr Worte aus ihrem hübschen Gesicht herauszulocken, um selbst etwas zu haben, auf das er sich konzentrieren konnte. An Deck des anderen Schiffes tat sich etwas und Tarón trat den Rückweg an. Einer der Seeleute der anderen Schiffsbesatzung folgte ihm. Dieser schien sich also für das Leben entschieden zu haben. Zumindest vorläufig, bis die Epogryphen ihnen auch den Garaus machten, wenn Liams Plan nicht funktionierte. Und er verfehlte.„Tja, scheint, als müsste ich doch noch länger warten, bis du mir deine ausnahmslosen Kampfkünste zur Schau stellen kannst.“Sein Mundwinkel zuckte, als er den Kopf nun doch kurz in die Richtung der jungen Frau wandte. Auch, wenn dieser Aussage zweifellos innewohnte, dass er diesbezüglich nicht viel von ihr erwartete, hegte er ausnahmsweise keine bösen Absichten. Viel mehr meinte er es sogar aufmunternd. Vorausgesetzt natürlich, die übrigen Männer hatten ihre begrenzten Chancen ebenso wahrgenommen wie der Dunkelhaarige, der soeben mit Tarón die Sphinx betreten hatte.