20.11.2021, 12:43
Josiah wusste nicht, ob es wirklich erfreute, dass Alex keine Alternative vorschlug, als er auf Soula antwortete. Auf seinen Einwand nickte er knapp. So an für sich hatte Alex recht, allerdings befanden sie sich in einer kniffligen Lage. Schließlich mussten sie erst dafür sorgen, dass es dann überhaupt noch ein Schiff – oder eine Crew – gab, das es zu reparieren gab. Wie weit waren sie wohl vom nächsten Festland entfernt?
Er verfolgte seine restliche Ausführung des Planes mit unwilligem Argwohn. Soula neben ihnen wirkte ernsthaft entsetzt – Josiah warf ihr einen knappen Blick von der Seite aus zu. Doch sie protestierte nicht, verlor sich in keinen Anfall von fehlplatziertem Edelmute. Josiah war ein wenig erleichtert. Irgendjemand musste es tun, und es war nicht gerade so, als hätten sie viel Zeit übrig, die sie mit sinnlosen Diskussionen vergeuden könnten. Soula nickte und zog ab, und Josiah tat es ihr gleich.
Im zügigen Tempo ging es über das Deck, und Josiah stellte überrascht fest, dass der Argwohn sich in seinem Kopf eingenistet hatte. Aber es war nicht ganz der typische Argwohn. Etwas… etwas war anders. Kurz redete er sich ein, dass es einfach um die prinzipielle Ungewissheit des Plans ging. Improvisierte Waffen, ein unbekanntes Ziel, emotional geladene Schützen. Emotional geladene Schützen waren immer ein großes Problem. Wer nicht mit ganzem Herzen in einen Schuss oder Schlag war, der traf nicht sicher. Machte Fehler. Verschenkte Gelegenheiten. Und die meisten Menschen, die Josiah kennen lernen durfte, hatten Probleme damit, auf Menschen zu schießen, mit denen sie in friedlicher Einheit zu Abend gegessen haben. Doch egal, wie oft Josiah diese Faktoren in seinen Kopf umdrehte, es war nicht das Grundproblem. Da war ein Hauch von Sorge. Nur ein Hauch, aber immerhin. Josiah runzelte die Stirn. Das war definitiv neu. Zu erwarten, aber trotz allem neu. Es war nicht mal so, als hätten er und Liam sonderlich viel miteinander zu tun gehabt. Er war Teil des Mobiliars. Nun ja, Teil der Crew. Und da lag der Hase im Pfeffer.
Wunderbar, jetzt war er auch noch auf den Weg, sentimental zu werden.
Seine Schuhe polterten auf den Treppenstufen. Irgendwo vor ihm war Soula, doch er machte sich nicht die Mühe, den Kopf nach ihr zu wenden. Oder nach irgendeiner anderen Stimme. Mit zügigen, raschen Schritten arbeitete er sich durch den Bauch des Schiffes zum Frachtraum. Neben der Treppe Links.
Er blinzelte kurz in das dämmrige Licht, versuchte, den Inhalt in ein paar Kisten zu identifizieren. Er hatte keine Zeit zu verlieren. Grob schob er eine kleine Box bei Seite und griff suchend da hinter, als seine Finger gegen kühles Glas stießen. Es klapperte, als der Gegenstand wankte.
Die Nägel. Josiah zog eine Kiste hervor und starrte die Ansammlung kurz abwägend an. Alex hatte recht, sie durften nicht zu viele nutzen. Zu wenige aber, und sie würden sie sinnlos verschenken. Geschirr und Co hin oder her. Er zögerte kurz, dann bugsierte er kurzerhand ein paar der Gläser in eine der angrenzenden Kisten und schob seine Arme unter die Box. Im Zweifelsfalle konnten sie die übrig gebliebenen immer noch wieder nach unten schleppen. Würden sie oben hingegen mehr brauchen, könnte ein Trip zurück der Untergang sein.
Josiah wandte sich ab und trat den Weg zurück an. Vorbei an den Stimmen. Die Treppe rauf. Zurück zu Alex. Sein Kopf überschlug erneut die Umstände. Sollten sie Nägel und Besteck vermischen, oder lieber separieren (Nägel waren schließlich weniger leicht aus einem menschlichen Körper zu entfernen als eine Gabel)? Das Besteck zuerst? Im Wechsel? Sie würden es von der Angriffsfläche abhängig machen müssen.
Dann war er wieder bei Alex angelangt. Nickte knapp. Das würde spaßig werden.
[erst bei Soula & Alex | dann beim Frachtraum, alleine | wieder bei Alex (und Soula?)]