26.09.2021, 14:46
Ein ganz kleines Bisschen verfluchte Shanaya sich selbst dafür, dass sie ihre Schulter nicht selbst richtete. Nur… wenn sie es beim ersten Mal nicht schaffte… ob sie dann noch einmal ansetzen würde… wahrscheinlich nicht. Aber wieso ausgerechnet der Kerl? Was blieb ihr übrig? Wenn sie nicht zufällig noch einmal auf die Schulter fiel und sich das Ganze damit erledigt hatte. Ein eher unwahrscheinlicher Gedanke. Da war das Schiff, von dem Greo ihr bestätigte, dass es viel zu nahe war, eine willkommene Ablenkung – wenn auch nicht von dem Schmerz. So entging ihr jedoch auch der Blick ihres Captains, dem sie die Schuld zuschieben konnte, wieso sich solch ein Widerstand in ihr regte. Irgendeinen Sündenbock brauchte sie schließlich. Und wer eignete sich besser als Lucien, der ihr diesen Typen auf den Hals gehetzt hatte?
Und der besagte Herr ließ natürlich auch nicht locker. Shanaya konnte nicht viel mit Zairym anfangen und ob sie ihm einfach so ihre Schulter zum Richten überlassen wollte… Ihr Verstand arbeitete jedoch genug an anderen Dingen, um darüber nachzudenken, jemand anderes um etwas Hilfe zu bitten. Außerdem hatte er so oder so schon nach ihrem Arm gegriffen. Eine Geste, für die er sich einen finsteren Blick einfing, nachdem die Schwarzhaarige kurz zusammen gezuckt war.
„Ich bitte tausendmal um Verzeihung, dass ich dir so weit traue, wie ich werfen kann.“
Ein kurzes, hämisches Grinsen folgte, die blauen Augen fixierten den Dunkelhaarigen mit festem Blick. Der Schmerz und die volle Aufmerksamkeit, die die junge Frau Zairym zukommen ließ, ließen sie die äußeren Umstände vergessen.
Erst eine vertraute Stimme ließ die Schwarzhaarige den Blick kurz herum schwenken, ihr Blick ruhte fest auf Lucien, der Greo an das Steuer wies und ihr förmlich ein Verbot auferlegte. Dann war er eben der Vernünftige! All zu lang musterte sie den Dunkelhaarigen jedoch nicht, wenn er den kurzen Blick überhaupt bemerkte, würde er ihm genug verraten. Auch wenn er der Grund war, wieso Zairym jetzt bei ihr stand – so war er genauso der Grund, wieso sie das von diesem Kerl über sich ergehen ließ. Sie erinnerte sich nur zu gut an den Tag, an dem Lucien sie bei der Schneiderin überrascht hatte. Und wie das schlechte Gewissen (welches für Shanaya eigentlich recht fremd war) an ihr genagt hatte. Sie richtete sich also wieder zu Zairym herum, gerade als James zu ihnen trat. Sein Gedanke war gut gemeint – das rechnete sie ihm auch an. Trotzdem vermutlich zum falschen Zeitpunkt. Ohne den Kopf zu drehen musterte sie den Mann aus den Augenwinkeln. Ihre Stimme zwar mit einem Hauch Dankbarkeit darin, trotzdem auch von dem Schmerz getrübt, der an ihren Kräften zog.
„Wenn du nicht willst, dass ich dir den Finger, die Hand oder gar den Arm abbeiße… warte, bis er fertig ist.“
Denn auch das Einrenken war sicher nicht nur ein leichtes Ziehen. Einen kurzen Herzschlag ruhten die blauen Augen noch auf James, ehe sie sich jetzt vollkommen Zairym zu wandte, in den blauen Augen das stumme, aber vollkommen überzeugende Versprechen, dass, sollte er mehr als einmal ansetzen müssen, sie ihm auf ganz andere Art und Weise weh tun würde.
[An der Reling | Direkt bei Zairym, James und Greo]