03.07.2021, 23:05
Immer wieder warf Skadi einen Blick auf die Beine über sich. Um sicherzugehen, dass Isala bei Kräften war und nicht alsbald von den Sprossen rutschte. Sie war bewusst voraus gegangen, um einen Sturz abzufangen. Um die Ältere nicht ungeschützt in Richtung Boden fallen zu lassen. Wie sehr der Nebel in der Wunde ihres Armes schmerzte, konnte sie lediglich erahnen. Die Mimik der Dunkelhaarigen hatte zumindest bei jeder unbewussten Bewegung verräterisch Preis gegeben, was sie vor der Jägerin gut zu überspielen wusste. Und die kleinen, diffusen Flüche, die über ihre Lippen glitten, waren auch für Skadi, einige Meter unterhalt, hörbar, wenn auch kaum verständlich gewesen.
“Alles okay?“ Gerade als Isala die letzte Sprosse verlassen hatte, wandte sich die Nordskov herum. Mit prüfendem Blick auf die hoch gewachsene Silhouette. Der Nabel war mit jedem weiteren Meter ihres Abstiegs dünner geworden. Hatte sich von der prickelnden Haut ihres Gesichts verzogen und den Blick auf fremde Schiffe Preis gegeben. Eines davon mit Sicherheit das Handelsschiff. Das andere – die Nordskov bezweifelte instinktiv, dass es gerade erst dort eingetroffen war. Ein Wrack dien Ausmaßes wirkte wie ein vor Jahren auf Grund gelaufener Korpus auf modrigem Holz.
Erst eine Regung in ihrem Augenwinkel lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Sphinx zurück. Unweit von ihnen, ganz in Nähe der Tür zum Hauptdeckt, standen Trevor, Rayon und Liam. Bandagiert, mit einer Schüssel in den Händen. Skadi blinzelte. Brauchte einige Atemzüge, ehe sie die Situation ansatzweise begreifen konnte. Und presste gewaltsam den Impuls hinab, der sich brennenden in ihren Glieder breit machte.
“Ich gehe und gebe Lucien und Talin Bescheid. Lass du bitte deine Wunde untersuchen, bevor es schlimmer wird und wir deine ganze Kraft wegen der Vögel oder des anderen Schiffs brauchen.“ Einen Moment bettete sich ihre Hand auf Isalas unverletzter Schulter. Spürte dem warmen Gefühl ihrer Haut unter ihren Fingerkuppen nach, ehe sie sich mit einem aufmunternden Lächeln wieder abwandte und in Richtung Achterdeck marschierte.
“Talin… Lucien?“ Immer wieder nahm sie mehrere Stufen auf einmal. Ignorierte für einen Moment das unangenehme Gefühl, dass die Anwesenheit der fremden Gestalt auslöste, dessen Rückseite wie ein Schatten über dem Absatz der Stufen aufragte. Sie hatte keine Zeit, sich damit aufzuhalten, wenn es wichtigeres gab. Die Vögel. Das Handelsschiff. Die Gefahr die spürbar in der Luft hing und sich wie ein Felsbrocken in ihrem Magen breit machte.
[bei Isala am Mast | dann auf dem Weg hinauf zum Achterdeck - zu Lucien, Talin, James und Per | unweit Greo und Shanaya]