28.04.2021, 21:50
Der Junge mit dem lichten Haar war bereits über die Bordwand verschwunden, als Per seine Finger in die Laschen der Netze schlug wie die Vögel ihre Klauen in jeden Gegenstand auf dem Handelsschiff und später den kleineren Beibooten, der nicht niet und nagelfest gewesen war. Als hinge sein gesamtes weiteres Dasein davon ab. Was es in gewisser Weise auch tat. Ein falscher Griff, eine verkehrte Bewegung; die eiskalten Fluten hätten ihn bereitwillig wieder in ihre Arme geschlossen.
Sein Blick streifte über die hölzerne Außenwand des Schiffs, immer ein Stückchen näher zum Himmel, immer ein Stückchen weiter weg von den Wellen unter ihm, obwohl er mit dem dichten Nebel nicht wirklich sicher sein konnte, wo unten, wo oben war. Die Anwesenheit des Schiffs, das Rauschen des Wassers unter ihm, die dumpfen Stimmen leicht über ihm waren mehr oder weniger seine einzigen Anhaltspunkte. Mit der Menge an Salzwasser, die sich in seinen Gehörgängen gesammelt hatte während seiner eher unfreiwilligen Reise zwischen den Schiffen, verstand er noch weitaus weniger von dem vermeintlichen Austausch da oben. Nur, dass es auf einmal lauter zu sein schien als zuvor, aber das konnte schlichtweg daran liegen, dass seine Position sich verändert hatte.
Spielte letztlich vielleicht auch gar keine Rolle. Solange er die sichere Reling erreichte, solange da oben nicht doch spontan jemand beschloss, loszulassen und sein Schicksal damit zu besiegeln, nachdem er bereits wieder Hoffnung geschöpft hatte.
Solange die Vögel nicht wiederkamen.
Per griff nach nach einer Hand, die sich ihm entgegenstreckte, ohne zu wissen, wem sie gehörte. In einer Situation, in der eine so banale Geste nicht darüber entschieden hätte, ob er morgen noch einmal aufwachen, sein Bier trinken, was auch immer dürfte, hätte er das vermutlich nicht. Sofern nicht klar war, wer ihm da die Hand hinhielt, mit welchen Absichten.
Aber gerade war ihm das alles egal. Er packte zu, griff mit der anderen Hand an über die Reling und zog sich, mit Hilfe des Anderen, an Bord.
Die Realisierung, dass er sich an Bord befand, tatsächlich wieder festen Boden unter den durchnässten Sohlen spüren konnte, kickte viel zu spät ein, aber noch vor der Realisierung, dass mehr als ein halbes Dutzend Augen auf ihn gerichtet waren — und er bloß eines hatte, um zurück zu starren.
Während er noch dabei war, sich einzelne nasse Strähnen aus dem Gesicht zu wischen — ihm war gleich wie sehr seine Kleidung aufs Decke tropfte, und wie laut — kickten neben der allmählichen Realisierung auch seine Instinkte ein. Und mit ihnen die einzige Antwort, die ihm in dem Moment als logisch erschien:
„Parley.“
Er hob die Hand, als wollte er vorschnelle Handlungen unterbinden, obwohl sie noch gar nicht passiert waren.
„Ich steh' offensichtlich in eurer Schuld, aber ich würd' trotzdem gern Gebrauch von meinem Recht machen.“
Er warf einen Blick über die rechte Schulter, für einen Augenblick, bevor er sich wieder seinem Retterteam zuwandte.
„Sofern diese geflügelten Biester nicht zuerst wieder auftauchen.“
[ erst noch mit Rúnar im Wasser, dann an Deck | Tarón, Rúnar, James, Alex, Josiah, Soula ]