23.04.2021, 19:08
Wenn etwas auf diesem verfluchten Schiff fehlte – und mit „verflucht“ meinte James nicht nur die Tatsache dass es das Unglück anzuziehen schien wie das Licht die Motten, sondern auch die Begebenheit dass er dazu verdammt war seine Zeit hier abzusitzen – ja, wenn etwas fehlte, dann war das wohl Privatsphäre. Okay, vielleicht war es nicht die beste Idee gewesen Soula einfach zu küssen. Aber welche Übersprungshandlung war schon eine gute Idee. Doch jetzt ließ dieses kleine, dumme Mädchen natürlich auch keine Gelegenheit aus, um damit hausieren zu gehen, dass sie ihn abgewiesen hatte. Dabei war dieser kleine, dämliche Kuss nun wirklich nicht sonderlich relevant, aber anscheinend war das hier für manche deutlich wichtiger als diese riesigen Vögel oder die Tatsache, dass inzwischen sogar 2 Männer über Board zu sein schienen.
James kam nicht umhin, über Soulas Worte die Augen zu rollen. Wirklich für voll nahm er sie natürlich nicht, wieso auch. Außerdem ignorierte er Calleaghs Worte gewissentlich. Wenn er sich in einem ziemlich sicher war, dann dass seine Kuskünste eigentlich keine Nachhilfe benötigten. Aber scheinbar war er durch diesen winzigen Fauxpas jetzt zum Gespräch der ganzen Crew geraten und jeder meinte, seinen Senf noch dazu geben zu müssen, ob er Küssen konnte und ob er Küssen durfte. Himmel, wo waren sie hier? Im Kindergarten?
“Haben wir wirklich nichts wichtigeres zu besprechen oder zu tun? Sowas wie.. Menschen in Seenot zu retten?“ gab er zu bedenken und hoffte, dass alle Anwesenden diese Sache schnell vergessen würden, schließlich war es doch einfach nicht weiter revelant. Er hatte Soula geküsst um Stress abzubauen und sich wieder wie ein Mann zu fühlen. Sie hatte ihm eine geklatscht. Damit war das Thema für ihn eigentlich erledigt und er stand zu dem, was er zu Tarón gesagt hatte. Nämlich dass es ihn einen Scheiß anging.
Über Taróns Reaktion war James zunächst mehr als nur überrascht. Ja, er war sogar positiv angetan. Denn seine gespielte Haltung, dass Soulas kleiner Anfall von weiblicher Hysterie doch etwas übertrieben war, war auch genau James‘ Auffassung und für diesen winzig kleinen Moment, fühlte der Schwerenöter sich sogar verstanden. Von Tarón. Ausgerechnet von Tarón. Wie sehr er sich da täuschte.
Ehe er sich nämlich versah, oder gar zustimmen konnte, dass bei so einem lächerlichen Kuss nun wirklich nichts dabei war, hatte Tarón ihm quasi schon die Beine weggetreten und ihm seinerseits einen Kuss aufgedrückt, was James dazu brauchte seine Augen ziemlich weit aufzureißen und zu versuchen, den älteren Mann von sich zu stoßen. Was zum Teufel fiel ihm eigentlich ein?
Dass Tarón sein Knie in unmittelbarer Nähe zu seinem besten Stück platziert hatte (welches sich vor lauter Ekel vor dem Kuss von einem Mann am liebsten in sich selbst zurück gezogen hätte) entging James ebenfalls nicht, gab seinen Befreiungsversuchen aber keinen Abbruch. Damit aber scheinbar nicht genug, denn der Andere schien auch noch gefallen daran zu finden, auf seiner Unterlippe herum zu kauen.
Während der Falke ihm in die Augen starrte, tat James ihm das ebenso erbost nach und wischte sich mit dem Handrücken über die Lippen, immer noch ein wenig fassungslos wie der andere so etwas hatte tun können. Wegen einer Frau, die sich deutlich mehr anstellte als es notwendig war. Dass Tarón eigentlich nicht viel mehr getan hatte als James es zuvor bei Soula probiert hatte, ging ihm nicht in den Kopf. Taróns Warnung brachte James dazu, voller Ekel geräuschvoll neben sich auf die Planken zu spucken, bevor er sich erneut mit Nachdruck über die Lippen wischte.
“Vielleicht solltest du dich nicht ständig in Sachen einmischen, die dich nichts angehen. Oder spielst du dich als Beschützer auf, weil du selbst was von ihr willst? He? Du kannst sie haben, keine Angst. Aber ich befürchte, viel Spaß wirst du mit ihr nicht haben. Etwas verklemmt.“ Ja, vielleicht wollte James provozieren dass Tarón wirklich zuschlug. Damit er zurückschlagen konnte. Und mittlerweile war es ihm auch ziemlich egal, dass vermutlich wieder jeder mitbekam was hier passierte.
(leicht in der Ehre verletzter James, - leider - in der Nähe von Taron)