13.04.2021, 10:20
Die Kälte des Wassers ließ ihn schneller müde werden als angenommen, gefühlt jeder einzelne Muskel schien nach einer Pause zu ächzen und sein Atem lief, als hätte er einen Marathon in Bestzeit hinter sich. Nicht, dass sein Körper in der derzeitigen Verfassung tatsächlich in der Lage gewesen wäre, eine derartige Distanz in kürzester Zeit zurückzulegen — wenn überhaupt. Er hielt sich generell für keinen schlechten Schwimmer, aber außer Übung und die Tage, denen er fröhlich einem Glas nach dem anderen gefrönt hatte, zeigten erst langfristig ihre Folgen. Erst dann in Momenten, wenn man sie am allerwenigsten brauchen konnte. Noch zwanzig geschätzte Minuten länger und er hätte sich vermutlich nicht mehr über Wasser gehalten, wäre es nicht für die plötzlich erklingende fremde Stimme, die das stete Rauschen des Wassers und die Nebelwand vor ihm durchbrochen hatte, gewesen. Eine Stimme, die so jung klang und doch so, als hätte sie in ihrem vermutlich kurzen Leben bereits zu viel gesehen.
Er schwamm näher, den eigenen Atem laut und ungewohnt fremd im Ohr, und gerade als er selbst ausrufen wollte, schienen ihm die eigenen Stimmbänder zu versagen. Er öffnete den Mund, aber es war, als hätte man ihm die Worte direkt aus dem Rachen geraubt, noch bevor sie überhaupt eine Chance gehabt hatten, durch den schmalen Spalt zwischen den mittlerweile leicht bläulich verfärbten Lippen zu schlüpfen. Ihm blieb so gesehen wenig anderes übrig, als sich an die Fersen der fremden Stimme zu heften und auf die Großmütigkeit dessen Retter zu hoffen. Falls sie so viel Glück überhaupt haben sollten. Irgendjemand würde den Jungen doch bestimmt vermissen.
Er holte mit der Hand aus und hob sie kurzzeitig aus dem Wasser, eine Art non-verbale Bestätigung, während seine Beine weiterhin die meiste Arbeit leisteten.
„Hey, warte!“
Schlüpfte ihm über die Lippen. Als er das Tau zwischen den Fingern des Jungen sah, der bereits begonnen hatte, sich wie von Zauberhand langsam nach oben zu bewegen, schlich sich ein gemeiner Gedanke auf seine Zunge. Hätte er sich an Land befunden, nicht in kalten Fluten treibend und damit beschäftigt gewesen, sich selbst an der Oberfläche zu halten — das hieß, hätte sein Leben mehr oder weniger nicht auf Messers Schneide gestanden — hätte er den Gedanken längst geäußert.
Weil sich der Junge doch umgedreht hatte, biss er sich in die Innenseite seiner Wange. Keuchte bloß:
„Danke.“
Zumindest sah es so aus, als würde er warten.
[im Wasser | Rùnar | Tarón, James, Josiah, Soula, (Trevor) oben an der Reling]