26.03.2021, 14:20
Rayon stieß einen der obszöneren Flüche in seinem Repertoire aus, als die Sphinx sich wieder aufrichtete und ihn abermals von den Beinen holte. Er prallte unsanft mit dem Kreuz gegen die Wand des Schiffes und ein stechender Schmerz durchfuhr seinen ganzen Körper, bevor sämtliche Luft seine Lungen stoßartig zu verlassen schien. Der Dunkelhäutige wartete einen Moment lang, bis der schlimmste Schmerz vorbei war, schüttelte sich, atmete tief ein und richtete sich dann vorsichtig wieder auf. Immerhin war die Welt jetzt nicht mehr schräg.
"Alles in Ordnung da drin?", rief er in Richtung des Lazaretts, während er sich stabilisierte und vergewisserte, dass es Elian ebenfalls den Umständen entsprechend gut ging. Gregory antwortete mit einem dumpfen, aber bejahenden Stöhnen, das Rayon für einen kurzen Moment beruhigte, ehe er Farleys Stimme hörte:
"Der Vogel ist weg. Aber dafür stecken wir jetzt mitten in diesem komischen Nebel!"
Das war gut - oder auch nicht. Der Vogel war eine Sache. Groß, stark, unberechenbar, aber wenigstens ein Lebewesen, das bluten und sterben konnte. Dieser Nebel hingegen... Rayon, der die ganze Zeit über unter Deck gewesen war, hatte nicht viel davon mitbekommen, aber er schien Teile der Crew regelrecht in Panik versetzt zu haben, und das war gewiss kein gutes Zeichen. Gegen ein Naturphänomen konnte er mit seinen Messern und Äxten nichts ausrichten. Sie konnten nur hoffen, dass wer auch immer gerade das Steuerrad in der Hand hatte sie schnellstmöglich aus diesem Teufelszeug herausmanövrieren würde.
Kurz entschlossen setzte der Smutje seinen Weg in Richtung der Frachträume fort und stieg eiligen Schrittes eine der Treppen hinab - wobei er darauf achtete, stets mit den Händen Halt zu suchen, um auf ein weiteres Kippen des Schiffes vorbereitet zu sein. Wenn sie es schaffen sollten, diesen Nebel hinter sich zu lassen, war es gut möglich, dass der Vogel erneut angreifen würde, und dann mussten sie unbedingt auf ihn vorbereitet sein. Das vertraute Gackern der Hühner und Meckern der Ziegen empfing ihn, als er die Tierpferche betrat, deutlich lauter und schriller als üblich, was angesichts der Turbulenzen kein Wunder war. Das Herz wurde ihm ein wenig schwer bei dem Gedanken, eines der wertvollen Tiere opfern zu müssen, aber solange niemand mit einem besseren Plan um die Ecke kam, blieb ihnen wohl keine andere Wahl. Er tätschelte die Seite einer der Ziegen, die ihn lauthals anblökte, griff sich dann einen der Hühnerkörbe und musterte das Federvieh, das sie momentan mit sich führten. Sie erfreuten sich alle bester Gesundheit, aber selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte er vermutlich kein krankes Tier auswählen können, denn das hätte der Vogel höchstwahrscheinlich verschmäht - wenn sich ihr Plan nicht ohnehin völlig in Luft auflösen sollte, denn warum sollte dieses monströse Ungetüm eigentlich ein mickriges, kleines Huhn verspeisen, wenn es ein piratenhaftes Festessen vor sich ausgebreitet sah?
Trotzdem rang sich Rayon schlussendlich dazu durch, eines der Hühner zu greifen und in den Korb zu verfrachten. Ganz so einfach war das gewiss nicht, denn die Tiere waren so aufgeschreckt, dass sie ihr Bestes gaben, um vor ihm zu fliehen, was angesichts der Größe der Pferche natürlich ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen war. Sobald er das Tier sicher verstaut hatte, machte der Koch sich auf den Weg zurück zum Lazarett, wobei er zwei Stufen auf einmal erklomm, um möglichst nicht noch mehr Zeit zu verlieren.
"Einmal Hühnerbrust, wie bestellt", sagte er in einem Anflug von Humor, als er das Lazarett wieder betrat. Das seichte Lächeln auf seinem Gesicht erstarrte jedoch sofort, als er die Nebelschwaden sah, die inzwischen damit begonnen hatten, sich großflächig unter Deck zu verteilen und sich dabei ganz und gar nicht verhielten wie normaler Nebel. Mit gerunzelter Stirn stellte er den Hühnerkorb zur Seite, als ein besonders aufdringlicher Ausläufer geradewegs auf ihn zugesteuert kam und sich neugierig um sein Handgelenk zu legen schien. Rayon riss seinen Arm nach oben und trat instinktiv einen Schritt zurück. Nein, das war ganz gewiss nichts Natürliches!
"Was im Namen der Götter ist das für ein Zeug?", murmelte er und behielt den Dunst dabei genau im Auge.
[ Kurz unter Deck bei den Tierpferchen, dann w/ Huhn wieder im Lazarett bei Liam (Farley, Elian, Gregory) ]