05.02.2021, 00:57
[Hauptdeck in der Nähe von Lucien und Ceallagh| spricht vor allem Rúnar an, ist aber laut genug für die meisten Umstehenden (und liegenden...)]In dem einen Moment standen sie noch beisammen – beunruhigt, aber immerhin mit so kühlen Köpfen, dass eine Planung und Analysieren der Lage möglich waren und Tarón Ceallaghs Worte bezüglich der Vögel mit der Andeutung eins grimmigen Nickens quittieren konnte – im nächsten brach das Chaos über sie herein.
Taróns Augen erspähten den Vogel - im Dunst dieses verdammten Todesnebels herangenaht, wie ein Geist – erst einen Sekundenbruchteil, bevor er sich auch schon auf das Krähennest stürzte.
‚Isa!‘
Der heisere Entsetzensschrei blieb dem Falken im Hals stecken, als er bereits mit den nahe bei ihm stehenden von den Füßen gerissen wurde und keine Chance hatte sich noch irgendwo anders festzukrallen als an den Planken unter ihm, die seine Fingernägel abschleiften wie Feilen.
Die Erinnerung an ein zu ähnliches Szenario brach über ihm zusammen, wie die Wellen, die die Aurora nur Monate zuvor verschlungen hatten und für einige schreckliche Sekunden vermischte sich die Vergangenheit mit der Gegenwart. Er konnte das Feuer riechen – ein Feuer, das nicht hier brannte, das längst erloschen war, als die Aurora in ihr ewiges Grab am Grund des Meeres fuhr - war sich sicher die Stimmen von Bad Bones und Hutcher unter denen derjenigen zu hören, die nun mit ihm segelten und er spürte den Schmerz in seinem linken Arm aufflammen, als hätte ihn erneut ein Trümmerstück der länge nach aufgeschlitzt und zerfetzt. Er nahm die Erschütterung wahr, als er mit dem Rücken gegen die Reling prallte, konnte sie aber kurzzeitig nicht einsortieren, ebenso wenig wie die Schatten der gigantischen, schlagenden Flügel über ihnen, die das wankende schreiende Schiff wie ein Nachtbote bedeckten.
Nur verschwommen sah er den Anflug von Grün und Blau – dunkel nun und seinem grellen fröhlichen Strahlen beraubt – durch sein benebeltes Sichtfeld zischen, ehe sich kühle Schuppen an seine Wange drückten und er Calwahs angsterfülltes Fauchen in Richtung Himmel in seinen Ohren zischen hörte. Das stellte die Verbindung irgendwie wieder her.
Taróns Hand fuhr über das Schuppenkleid der Echse, schob sie ein Stück von sich und er kämpfte sich wieder auf die Beine. Unweit von ihm kam auch Lucien wieder hoch und versuchte sich ebenso zu orientieren. Zwar blutete der Käpt’n, schien aber zumindest noch handlungsfähig, was Tarón als eine Silbermünze inmitten eines Haufens Scheiße verbuchte.
‚Reiß dich zusammen, Tarón! Verdammt!‘
Sie brauchten eine Idee, und zwar sofort! Sein Blick bohrte sich in die Augen dieses Monsters über ihnen – ein Monster, das davor stand zu vernichten, was Tarón gerade erst wiedergefunden hatte…Isa.
Tarón zwang sich dazu die Panik niederzukämpfen, die beim Anblick von Mast und Vogel in ihm aufkeimte. Panik würde sie nicht retten. Keinen von ihnen. Sein Blick flog umher, suchte nach einer zündenden Idee, denn auch wenn Josiah und Alex gute Schützen sein mochten und er sich selbst zutraute den Vogel ebenso zu treffen erwartete er nicht, dass dieses Mistviech sich davon ernsthaft beeindrucken ließ, sollte es nicht sofort erledigt werden… eher würde es noch wütender werden.
...Rúnar!
„Rúnar! Jetzt wäre der richtige Moment für deine Tiererfahrung!“
Bellte er dem Jüngeren zu, für den Moment jeden Mitgefühls für dessen eigene womögliche Verzweiflung, Verwirrung und Verletzungen beraubt. Dafür war keine Zeit. Selbst wenn sie zuvor darüber gescherzt hatten: Rúnar kannte sich offenbar tatsächlich mit Tieren aus! Und groß oder klein…Bestien waren Bestien. Doch um sich weglocken zu lassen erschien das Vieh im Moment zu wütend – zumindest war das der Eindruck, den der Falke hatte.
Er selbst sah mit gefurchter Stirn auf das Wesen…verdammt große Augen…wie eine Eule. Nachtvogel…
„Vielleicht können wir es blenden und so vertreiben…“
Überlegte er laut genug, dass auch die Schützen es hören konnten. Wenn sie denn schossen wäreder Kopf das einzig denkbare Ziel. In diesem Fall groß genug eine Chance zu haben ihn trotz der Umstände zu treffen, empfindlich genug vielleicht irgendetwas anderes als reine rasende Wut zu bewirken. Vielleicht. Denn wie tödlich ein Schuss ihrer Waffen aus dieser Distanz auf dieses Wesen sein würde war mit einigen Fragezeichen versehen. Verletzt wurde das Ding nur noch runberechenbarer werden. Und da es die Sphinx noch in den Krallen hielt war das keine gute Aussicht.
Doch Tarón dachte beim Blenden daran was Rúnar mit Calwah gemacht hatte und an diesen richteten sich seine Worte in erster Linie, hoffend, dass Rúnar den Plan entweder bestätigen würde oder mit einer besseren Idee daher kam… doch selbst wenn sie etwas Spiegelndes gehabt hätten – etwas, das groß genug wäre – die Schwingend es Wesens verdunkelten die Sphinx zusammen mit dem Nebel so sehr, dass der Plan daran scheitern konnte.
‚Aber wir haben Schießpulver …. und eine Küche.‘
„Glaubst du eine Blendbombe bringt bei der Art Vieh etwas? Schnell!“
Wenn dieser Plan nichts brachte würde er wertvolle Zeit verschwenden – Zeit, die sie nicht hatten … Zeit, die vor allem für die beiden Frauen im Krähennest tickte. Für Isala. Und Tarón – so Ideenreich und erfahren, wie er war – konnte sich hier nicht auf Erfahrung mit großen und gefährlichen Tieren stützen. Eine Wissenslücke, die sich nun auf schmerzhafteste Art bemerkbar machte, wie die verheilte Wunde am Arm, in den er unbewusst die Finger der anderen gekrallt hatte. Er brauchte eine fundiertere Meinung oder sie würden noch einmal vollkommen umdenken müssen…
‚oder es mit roher Gewalt versuchen…‘
Doch für ihre Kanonen war das Biest außer Reichweite…unter Deck hätten die auch am Grund des Meeres liegen können. Und ohne sie, nur mit ihren Gewehren… Nicht gänzlich unmöglich - aber ein dünner Faden, an den sie sich dann krallen mussten.
Es musste eine List geben, die ihnen die Sache zumindest leichter machte. Irgendein Kniff, der diesen Gockel davon überzeugte, dass er sich das falsche Schiff ausgesucht hatte und besser wieder in sein Nebelland verschwand oder ihn zumindest den Kopf in eine Position bringen ließ, die den anderen einen hoffentlich tödlichen Schuss erlaubte...