04.11.2020, 21:04
Weil Greo ein Mensch mit eher praktischer Veranlagung war, sagte er nichts dazu, stellte seinen Kram ab und marschierte an ihr vorbei zu der entsprechenden Stelle, an der die gesuchten Materialien zu finden waren. Das musste man ihm lassen: er hatte ein gar furchtbares Namensgedächtnis, aber er wusste, wo er seine Werkzeuge und Übriges ablegte. Er zerrte das Gewünschte in den schmalen Gang und überlegte, ob sie sich das wirklich zutraute alles in einem Rutsch nach oben zu tragen oder sich aber auf den Schlips getreten fühlte, wenn er ihr das stattdessen abnahm. Ihm fiel da mehr als ein Weibsbild ein, was ihn einen Kopf kürzer gemacht hätte für den Frevel, ihr einen solchen Gefallen zu tun.
„Nimm davon, was du kannst.“,
versuchte er deshalb einen Mittelweg zu finden und wandte sich seinen Siebensachen zu, die es an Deck zu bringen galt. Ihre Frage legte seine Stirn in Falten und ließ ihn innehalten. In diesem Augenblick fiel ihm ein, wie schutzlos sie der Situation ausgeliefert sein mochte, wenn sie keinerlei Erfahrung mitbrachte und sich möglicherweise in kürzester Zeit fliegenden Eisenkugeln, schwingenden Degen und zerschmetterndem Holz gegenüber sah. Dieser Gedanke entsprang nicht etwa tiefgreifendem Feingefühl, vielmehr einer nüchternen Erinnerung, die ihm am inneren Auge vorbeizog und ihn für ein paar Sekunden einige Jahre zurück versetzte. Er neigte leicht den Kopf, was als nachdenkliche Geste oder ein halbwegs angedeutetes Nicken interpretiert werden konnte. Dann griff er nach seiner Kiste und richtete sich auf.
„Wenn es losgeht, halt dich vor allem von den Masten fern. Haben sie Kanonen, werden sie versuchen diese zu treffen und uns manövrierunfähig zu machen.“,
riet er ihr und stieg die Treppe hinauf, während er noch einen zweiten Satz hinterherwarf:
„Versuch auch von unseren Kanonen fern zu bleiben. Wenn der Schuss geht, schnellen sie zurück und dann willst du nicht in ihrer Bahn stehen.“
Obgleich er eigentlich hatte direkt an Deck zurückkehren wollen, wartete er auf der Treppe etwas ab, nachdem Alex an ihm vorbeigezogen war. Er hatte offenbar Skrupel sie in diesem für sie wahrscheinlich fremden Chaos zurückzulassen. Dementsprechend machte er eine unbeholfene Bewegung mit der Schulter, die sie dazu animieren sollte mit ihm gemeinsam an Deck zu gehen und das Zeug zu verteilen. Danach konnten sie immer noch schauen, wo sie nützlich und gleichzeitig halbwegs sicher war. Endgültige Sicherheit, das musste ihr klar sein, war mit ihrem ersten Schritt an Bord in weite Ferne gerückt.
„Leben ist immer lebensgefährlich.“,
meinte er leise aus einer Laune heraus und sein rechter Mundwinkel zuckte, als ob er fast darüber gelächelt hätte.
[erst Frachtraum mit Soula, dann Richtung Deck]