31.10.2020, 16:11
Es war ein ernstes Thema. Verschwundene Frauen und Mädchen konnte nur etwas wirklich Schlimmes sein und trotzdem musste Talin lachen. Die Vorstellung, wie ein Geisterwesen durch die Gegend zog und jeden verführte, belustigte sie, ließ ihre Augen auf jeden Fall aufblitzen. Vermutlich, nein sogar mit ziemlicher Sicherheit, steckte mehr dahinter, als irgend ein ominöses Wesen, aber es erregte dennoch ihre Aufmerksamkeit. Mit Ceallagh über mögliche Abenteuer zu diskutieren, machte ihr Spaß, auch wenn es sie traurig stimmte, dass Lucien sich ihnen nicht anschloss. Es wäre noch viel amüsanter, wenn ihr großer Bruder seine zu groß geratene Fantasie spielen lassen würde. Wie sie zu dritt darüber diskutierten, was mögliche Legenden waren, denen man abenteuerlustig hinterherrennen sollte. Das Bild war so real vor ihren Augen, dass sie einen Moment brauchte, bevor sie sich wieder auf den Blonden konzentrieren konnte. Als sie ihm schließlich antworten wollte, spürte sie, wie Aufregung und Bewegung die Besatzung des Schiffes ergriff. Talin richtete sich auf, vergaß völlig, worüber sie gerade noch gesprochen hatten und lenkte ihre Aufmerksamkeit an die Decke der Kajüte. Gerade, als sie verwundert die Stirn runzelte, kam auch schon Alex vorbei gerannt und zog Ceallaghs und ihre Aufmerksamkeit auf sich.
Das Herz der Blonden machte einen Hüpfer, bevor es anfing heftig, wie die aufgewühlte See zu schlagen. Was genau geschah da oben, bitte? Aufgeregt folgte sie dem Mann nach oben an Deck, wo er sich schneller als sie ein Bild von der Situation machte und dann zu Lucien und Shanaya ans Steuerrad eilte. Talin blieb noch einen Moment länger stehen, um sich ein Bild zu machen. Eine Verfolgungsjagd, wirklich? Und sie hatte unter Deck festgesteckt? Verdammt noch mal.
Ihr Blick glitt aufmerksam über das Hauptdeck und huschte dann noch einmal nach oben zu ihrem Bruder, der die Situation aber gut im Griff hatte. Ihr Herz schlug noch ein wenig schneller, als sie das Schiff in der Ferne entdeckte. Kurz kam ihr der Gedanke, wie wenig erfahrene Seefahrer sie an Bord hatten, aber sie verscheuchte ihn sehr schnell wieder. Wenn sie das andere Schiff erst einmal eingeholt hatten, dann wäre es egal, denn kämpfen konnten auf der Sphinx auf jeden Fall mehrere.
Für einen kurzen Moment schloss Talin die Augen, atmete tief durch und beruhigte ihr rasendes Herz und zwang sich zur Ruhe und Gelassenheit. In dem Moment, in dem sie die Augen wieder aufschlug, hörte sie die Stimme ihres Bruders übers Deck rufen. Kurz sah sie zu Lucien, bevor ihr Blick zu Isala glitt. Für einen Moment schoss ihr eine Erinnerung an ihre Kindheit durch den Kopf. Den Moment, als Lucien versuchte, ihr so viel wie möglich über die Schifffahrt beizubringen, dass sie zusammen von ihrer Heimatinsel fliehen konnten. Ohne also weiter darüber nachzudenken, trat sie schnellen Schrittes hinüber zu der jungen Frau und lächelte sie an.
„Ich helf dir dabei, wenn du willst.“
[unter Deck bei Ceallagh | dann auf Deck bei Isala]