07.04.2020, 12:29
„Nach Laune und nach Jahreszeit. In zwei drei Monaten wird er Stellenweise rot wie ein gekochter Krebs sein.“
Er erwiderte ihren Blick mit einem amüsierten Lächeln. Ihre Augen strahlten ihre Neugier offen aus und Tarón fragte sich wie alt sie wohl war. Dass an Board so gut wie jeder offensichtlich jünger, als er selbst war, war ihm schon aufgefallen, doch das tatsächliche Alter war oftmals schwerer zu schätzen als gedacht. Die Zeit kräuselte sich merkwürdig um die Umstände und Erfahrungen der Menschen.
„Bisher war ich schnell genug.“
er zwinkerte ihr leicht und verschmitzt zu. Und das stimmte sogar. Grade am Anfang ihrer Bekanntschaft hatte die Echse durchaus versucht ihn zu beißen.
„Er heißt Calwah – und ich bin Tarón.“
Stellte er sich und die Echse vor, die nun um seinen Nacken herumwanderte, um von der anderen Schulter aus eine sich nähernde Person in Augenschein zu nehmen.
Taróns Blick glitt zu dem etwas blass wirkenden jungen Mann, dessen vornehme Kleidung an Board dieses Schiffes und inmitten der übrigen Besatzung seltsam und fehlplatziert wirkte.
Der Falke kam nicht umhin das kurze Aufwallen von Misstrauen in sich selbst zu bemerken – wie er es immer empfand, wenn er es mit Menschen aus „gehobenen Schichten“ zu tun bekam. Ob dies auf den jungen Mann tatsächlich zutraf oder nicht war eine andere Sache. Doch Taróns Augen musterten den Blassen etwas zu genau – und etwas zu kalt. Dennoch rang er sich ein Lächeln ab, verbannte die vorsichtige Distanz jedoch nicht aus seinen Augen.
Die junge Frau antwortete dem Neuankömmling bereits und Tarón kam nicht umhin angesichts ihrer frechen Art den Mund zu einem schiefen Lächeln zu verziehen, das im Gegensatz zu dem vorherigen bis in seine Augen reichte.
„Offenbar bist du schon dabei, hm?“
Erwiderte er dem Blassen nicht unfreundlich und rang sich dazu durch, ihm eine Chance einzuräumen. Wie er selbst schien auch er neu an Board – ein Gestrandeter der Umstände.