29.09.2019, 23:47
Irgendjemand hatte beschlossen, dass Elians Schädelbasis der perfekte Mörser wäre, wenn man Schotter zu Staub verwandeln wollte. Irgendjemand zweites war offensichtlich fest entschlossen, ihm die Kopfhaut in kleinen Streifen von Schädel zu schälen. Und der kleine Bruder dieser Bastarde jagte dem ehemaligen Marinearzt alle zwei Sekunden eine lange, glühend heiße Nadel durch die Schläfe.
Anders ausgedrückt: Elian kam zu sich und stellte fest, dass er in der Hölle gelandet sein musste. Irgendwo rasselten Dämonen mit Ketten aus Metall und Stein. Ein Erdbeben tobte auf dem Schiffsdeck, grausige Erschütterungen bei jedem Schritt der Wachen. Die Hitze war unerträglich, vor allem auf seiner Stirn. Hitze und Kupfergeruch...
Er versuchte eine Hand zu heben - und konnte nicht. Ein unangenehmes Reißen gegen seine Haut warnte ihn vor weiteren gleichartigen Aktionen. Er versuchte es erneut, langsam, vorsichtig.
Meine Hände sind gefesselt?
"Halt die Fresse. Der Boss entscheidet."
"Deshalb frag ich ja, ob er durchgeknallt ist, Großer. Wenn er die Dinger einsetzt, tötet er uns alle."
"So nen Scheiß. Er treibt die Ratten aus ihren Löchern."
Moment.
Auf einen Schlag war er hellwach. Ein Zucken rann durch ihn, nur ein leiser Schauer in der lauen Abendluft, aber für Elian fühlte es sich an wie eine Gewitterfront aus Elektrizität. Gänsehaut am gesamten Körper. Er wagte es, blinzelte für eine Sekunde mit dem Auge, das sich weniger verklebt anfühlte. Er sah Gregorys Hinterkopf, einige Bodenplanken und ein paar Sterne am Nachthimmel.
Dann ertönten Schritte, und ein paar Stiefel stieg über ihn und blieb neben Gregorys gefesseltem Körper an der Reling stehen.
"Egal wie schlecht es für die Kopfgeldjäger bis jetzt gelaufen sein mag...deine Leute sind am Arsch, Doc."
Hastig schloss Elian sein Auge wieder und zwang sich dazu, langsam weiterzuatmen. Hinter ihm röchelte eine vertraute Stimme - Greo? (Oh, gut, Greo lebt ebenfalls noch) und er passte sich daran an, imitierte das schwere Atmen eines Verletzten.
So langsam er konnte, spannte er nacheinander Körperteile an, um sich davon zu überzeugen, wie er lag. Beine. Arme. Finger. Augenlider.
Na schön. Na schön. Wo zur Hölle ist mein Dolch?
Stiefel. Oh... Verdammte Hacke. Da steckt er gut. Wie soll ich da ran kommen ohne dass sie merken, wie ich mich bewege?!
Er blinzelte erneut, als er hörte, wie die Wachen eine Unterhaltung anfingen - und starrte geradewegs in Gregorys besorgte Miene.
Elians Augen riss für einen Moment weit auf. Er schielte verzweifelt nach hinten, konnte aber nicht erkennen, was die Wachen gerade taten. Was ist der Plan?! Bitte sag mir, dass wir einen Plan haben...
Gregory konnte natürlich keine Gedanken lesen. Aber vielleicht erkannte er zumindest, dass er im Fall der Fälle einen Verbündeten hatte, von dessen Einsatzfähigkeit ihre Bewacher bisher keine Ahnung hatten...
[Auf der Sphinx | bei Gregory, Zairym (und Greo)]