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Land of all
Crewmitglied der Sphinx
für 250 Gold gesucht
dabei seit Apr 2016
#3
Ebenso wie Greo, setzte sich auch der Körper der Nordskov in Bewegung. Behielt das kleine beschauliche Lagerfeuer im Blick, an dessen Rand noch immer die drei Männer saßen und sich augenscheinlich mit den Geistern des Waldes in ihrem Rücken zu unterhalten schienen, während es Schritt um Schritt aus ihrem Sichtfeld verschwand. Doch im selben Moment, indem das dunkle Augenpaar Skadis prüfend erneut zu dem Älteren zurück sah, erkannte der Schäfer eine Regung. Wirkte schlagartig angespannt und unruhig, während sich die vollen Lippen zu einem einzigen Wort formten: Hund. Mit geweiteten Augen schnellte der kurze Haarschopf der Nordskov wieder zurück. Suchte für ein paar Herzschläge zu lange nach dem hinauf fahrenden Kopf des Tieres, dessen Ohren alarmiert aufgestellt waren und mit einem tiefen Knurren die Aufmerksamkeit seiner Besitzer auf sich zog. Selbst auf die Distanz war es unverkennbar, dass es sie oder zumindest ihre Gerüche bemerkt hatte. Im selben Augenblick schob Skadi bereits ihren Bogen zurück auf ihren Oberkörper, vergrub ihre Hände tief im kalten dunklen Boden und rieb sich Arme und Brust ein. Wandte sich dann mit ausladenden Schritten zu Greo herum und erwischte ihn nur noch an der Schulter, ehe die irritierten Stimmen und das erste Bellen erklangen. “Wie gut kannst du klettern?“ Wachsam fixierten die braunen Augen das im Schatten liegende Gesicht und erkannten doch jede Regung darin, als sie nur noch eine Hand breit von ihm inne hielt und über seine Schulter hinweg zu einem der dickeren Bäume schielte.

Der Mann, der direkt neben dem Hund saß, beobachtete die Haltung des Tieres und folgte dessen Blick, indem er sich selbst umwandte und mit konzentrierter Mimik in das dunkle Gewächs starrte. Greo registrierte nicht wirklich Skadis Bewegungen und ging nur ein paar Schritte rückwärts, das Gesicht unverwandt auf die Gruppe gerichtet. Was sollte er sich noch einreiben? Er war barfuß durch die Erde gestapft und hatte mit Sicherheit schon genug Düfte für den Hund hinterlassen, dessen Schemen sich in der Ferne erhob und lauernd loszulaufen begann. Er straffte die Schultern, als Skadi ihn berührte. „Besser als der Hund.“, sagte er, wobei er die Worte leise beim Ausatmen über die Lippen gleiten ließ. Fließend drehte er sich um und begann ohne groß Federlesen hochzusteigen. Um sie machte er sich da keine Sorgen, sie war vermutlich schneller.
Er hoffte nur, dass die Äste hoch und breit genug waren – denn wenn die Männer Waffen hatten, mit denen sie blindlings in die Wipfel schossen, hatten sie kaum eine Chance sich zu verbergen. Außerdem mussten sie sein Gewicht tragen und er schätzte, dass er deutlich schwerer und plumper war als die Frau-die-mal-ein-Kerl-war-und-dann-nicht-mehr-wie-war-noch-gleich-ihr-Name. Da er ohne Schuhe unterwegs war, ging es leichter mit dem Halt, aber dafür hingen sie ihm ihm mit den Senkeln um den Hals, rutschten auf seinen Rücken und drückten ihm gegen die Luftröhre. Greo kletterte trotzdem – und spürte jäh einen Widerstand. Er versuchte sich erneut auf den Ast zu hieven, wurde aber ruckartig zurückgehalten. Ein kurzer Moment von Panik überkam ihn. Seine Füße rutschten an der Borke ab und pendelten frei in der Luft. Er keuchte, versuchte das Geräusch aber so gut wie möglich zu unterdrücken. Er konnte den Kopf nicht drehen, um zu sehen, wo er fest hing, aber es mussten die Schuhe oder das Bündel mit dem toten Vogel sein, die ihn festsetzten. Innerlich fluchte er. Er musste das Ding bald loswerden, der Geruch nach Blut musste den Hund ohnehin auf ihre Spur bringen. Vorsichtig ließ er los und sank auf die Gabelung zurück, von der aus er gestartet war. Mit flinken Fingern zog er sich Vogel und Schuhe vom Rücken vor die Brust und kletterte erneut los. Er wollte erst etwas höher kommen. Seine Augen suchte kurz nach Skadi. Derweil waren zwei der Männer aufgestanden und folgten dem Hund bis zu den Bäumen. Ihre Stimmen wurden lauter. Sie waren irritiert. Hinter ihnen rief einer vom Feuer, sie sollten sich nicht so anstellen.

Greo machte keine Anstalten sich sonderlich lang bitten zu lassen. Wandte sich fast im selben Moment herum, als er seine flüsternde Stimme erhob und Skadi für einen kurzen Augenblick allein hinterm Busch zurück ließ. Mit verengten Augen sah die Jägerin seiner Silhouette hinterher und folgte ihm erst, als sie sicher gehen konnte, dass er hoch genug war, um nicht an den Knöcheln gepackt und hinab gezerrt zu werden. Immerhin konnte sie ihm oberhalb der Gabelungen kaum zu Hilfe eilen, sollte er sich ungewollt an einem der Zweige verheddern. Doch wie es schien bewegte sich der Hüne erstaunlich flink und elegant an den Ästen und der rauen Baumrinde hinauf und entlockte der Nordskov ein kurzweiliges Blinzeln, ehe sie sich endlich selbst in Bewegung setzte und Ast um Ast hinauf zog. Genauso wie vor 5 Jahren, als die Wälder ihrer Insel ihr zweites zu Hause gewesen waren.
Ein Japsen lenkte ihren Blick über die Schulter nach unten zurück. Ließ sie im letzten Moment den strauchelnden Hünen erkennen, der ganz offensichtlich irgendwo hängen geblieben war und wie ein Fisch mit zappelndem Unterkörper abzurutschen drohte. Wie von selbst, ließ sich die Jägerin ohne zu Zögern von ihrem Ast Kopf über hinab baumeln. Streckte sich mit angespanntem Körper in Greos Richtung, um das Band mit ihrem Dolch zu durchtrennen, das sich in einem der kleinen Abzweigungen des Astes verheddert hatte. Doch der Schäfer kam ihr zuvor und ließ sich bereits auf die Astgabel unter sich zurück gleiten. Zog seine Schuhe und den toten Vogel vor seine Brust, um einen Herzschlag später erneut in ihre Richtung hinauf zu klettern. Unmissverständlich deutete sie mit ausgestrecktem Finger auf seinen Ballast. Streckte kurz darauf beide Hände in seine Richtung, um ihm das Federvieh abzunehmen und es an seiner Statt weit hinauf in die Baumkrone zu tragen. Oder als Lockmittel weit genug von ihm entfernt zu deponieren. Doch der aufkommende Lärm lenkte ihre Aufmerksamkeit für einen Herzschlag zu lang auf den Boden unter ihnen zurück, um mit einem angespannten Schlucken die Tatsache zu verdrängen, dass ihn nicht mehr viel Zeit blieb, um unbemerkt ins schützende Geäst vorzudringen. Denn wenn sie den flackernden Lichtkegel richtig deutete, befanden sich die zwei Männer schon in unmittelbarer Nähe. Und mit ihnen das dröhnende Bellen des Hundes.
“Scheiße… was hat der Köter nur für ein Problem?“, erklang es dumpf und deutlich betrunken unter den Wipfeln empor. Darauf folgend scharrende Geräusche, als hätte der Mann verärgert seine Schuhspitze in den Boden gerammt oder versucht den Hund am Hinterteil zu erwischen.
Mit verengten Augen schielte Skadi auf Greo zurück. Presste die Lippen fest aufeinander, während sie bereits die Hände um ihre neue Beute schloss und sich ohne viel Mühe auf ihren Ast zurück zog. Das zusätzliche Gewicht war deutlich spürbar und drückte sich einer Schlinge gleich auf ihre Schulter. Doch wie so üblich ignorierte sie die Signale ihres Körpers und kletterte –wenn auch bedeutend langsamer- in Richtung Baumkrone hinauf.

“Keine Ahnung! Hat bestimmt wieder nen Kaninchen gerochen. Lass uns zurück gehen.“
“Hey… hast du das gehört?“

Stille setzte ein, in der auch Skadi in ihrer Bewegung inne hielt und versuchte mit einem zaghaften Blick zurück durch die vereinzelten Blätter die Szenerie am Baumstamm zu beobachten. Lauschte in die knisternde Stille hinein, die lediglich vom Knurren des Hundes und Knacken der Fackel durchbrochen wurde, die einer der Fremden bei sich trug. Und erst als die Nordskov bereits die dunklen Augen abwenden und sich weiter am Stamm hinauf ziehen wollte, hörte sie es. Das stetig lauter werdende Rascheln, das unter ihnen aus den Büschen ertönte.

Erst später würde er sich daran erinnern, dass sie nach ihm losgeklettert war und ihn ohne große Mühen flink überholt hatte. Dann würde er in der Stille eines frühen Morgens anerkennend nicken. Jetzt war dafür jedoch nicht der richtige Zeitpunkt. Skadi wollte ihm zur Hilfe kommen und nahm ihm das Bündel mit dem Vogel ab. Er hatte keine Hand frei, um ihr zu gestikulieren, dass sie ihn weit wegwerfen sollte, um die Aufmerksamkeit des Hundes auf die Bewegung abzulenken. Seine Finger krallten sich um einen Ast, der sich gefährlich unter seinem Gewicht zu biegen begann. Viel weiter nach oben wagte er sich nicht. Er konnte also nur hoffen, dass man ihn von unten nicht sah und das Geäst jenseits seiner Füße mögliche Schüsse in die Höhe abfangen würde. Er kletterte noch einen Meter hinauf, dann hockte er sich auf einen halbwegs stabilen Ast, der sich fröhlich abgabelte. Greo drückte sich so eng wie möglich an den Stamm und warf mit verengten Augen einen Blick nach oben, ob er Skadi entdecken konnte. Er wagte es nicht, etwas zu sagen, nicht mit den wachen Ohren des Hundes in der Nähe, der kein Wort verstehen, aber seine Stimme sicherlich vernehmen würde. Kurz flammte in ihm Hoffnung auf, dass die Kerle verschwinden würden. Stattdessen wurde das Misstrauen unten am Boden größer. Der Hund stromerte zwischen den naheliegenden Stämmen herum. Er schnüffelte, leckte sich die Schnauze, schnaubte vernehmlich und scharrte gelegentlich im Grund. Immer wieder drückte er sich durch Gebüsch, hob den Kopf irritiert und schaute einmal in die Baumkronen.
„Blödes Vieh.“, knurrte einer der Männer, der nicht ganz so benebelt schien, und kniff die Augen gegen die Dunkelheit zusammen. „Da ist nix, komm zurück!“
„Was, wenn doch?“, lallte sein Begleiter. „Ein Tier oder so?“ Seine Augen wurden rund. „Jemand hat uns belauscht!“
„Vielleicht deine Mutter.“, höhnte Ersterer. „Du Schwachkopf, wer sollte uns hierhin verfolgen?“ Das sagte er zwar, kehrte jedoch nicht um.
Der Hund kratzte derweil am Stamm des Baumes, auf dem Skadi und Greo hockten – wandte sich dann aber auch schon wieder ab und taperte witternd in das Unterholz.
„Was macht ihr da hinten?“, rief der dritte Mann vom Feuer her. Er stand auf und etwas klickte. „Stellt euch nicht so an. Da ist niemand.“ Der vierte Mann pflichtete ihm bei. Der Betrunkene runzelte die Stirn, drehte sich kurzerhand um und schlug sich durch das Gestrüpp zurück. Der erste blieb skeptisch. Er betrachtete den Hund und starrte in die Baumkronen. Irgendetwas hatte sich da bewegt. Er war sicher. Ob er eine wertvolle Kugel verballern sollte? Was, wenn sich da doch jemand versteckte? Er legte mit seiner Donnerbüchse an – zielen konnte er in der Dunkelheit aber nicht gut. Er zog hörbar die Nase hoch. „Ich krieg dich. Ich krieg dich du Bastard.“, sprach er zu sich selbst und drückte ab.

Greo hatte sichtlich Probleme damit weiter ins Geäst vorzudringen. Wann immer Skadi die dunklen Augen zurück wandte, um nach seinem Verbleib zu sehen, erkannte sie unter angehaltenem Atem wie sich der Hüne vorsichtig weiter hinauf zog und mit derselben Besorgnis auf den sich biegenden Ast über ihm blickte wie sie. Weiter würde er es wohl kaum mehr in die sichere Baumkrone schaffen, ohne krachend hinab zu stürzen und sich womöglich an den dickeren Ästen unterhalb sämtliche Rippe und Knochen zu brechen, ehe er schmerzhaft am Boden aufschlug. Somit schenkte sie ihm ein verstehendes Nicken. Fokussierte sich auf die Geräusche am Fußende des Baumes und ließ sich bäuchlings auf den Ast gleiten. Krabbelte Millimeter um Millimeter voraus, bis das erste leise Knacken ertönte. Weiter unten hörte sie bereits das Rascheln der Büsche. Das geräuschvolle Schnüffeln und Grunzen des Hundes, dessen Augen zu ihr hinauf blickten, ohne sie unter dem dichten Blätterdach erspähen zu können. Mit äußerster Vorsicht zog sich Skadi den Vogel von den Schultern und platzierte ihn dicht vor sich auf dem Ast. Ging dazu über das Seil von den schwarzen, ledrigen Füßen zu lösen, das Greo mit geübten Fingern daran festgebunden hatte. Im rechten Moment würde sie den Vogel ein letztes Mal fliegen lassen. Ihn als Ablenkung verwenden und hoffen, sich damit sowohl den Vierbeiner, als auch dessen betrunkene Herrchen vom Leib zu halten. Doch was auf die fortführenden Schritte folgte, war ein leises, bösartiges Zischeln und ein ohrenbetäubender Schuss. Irgendwo zersplitterte Holz. Flog in kleinen Stückchen durch die Luft und streifte die Nordskov am Bein.
So glaubte sie zumindest. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt das Gleichgewicht zu halten, das der Schuss jäh durcheinander gebracht hatte. Versuchte sich mit ausgestreckten Armen an einem der umliegenden Äste festzuhalten. Nur um dann doch ruckartig zur Seite zu rutschen. Erschrocken starrten die weit aufgerissenen Augen der Nordskov in die Dunkelheit des Blätterdachs. Sahen dem unausweichlichen Fall entgegen, den sie nur in letzter Sekunde verhindern konnte – die Hände fest um den Ast geschlungen, der leicht zu wippen begann. Der Vogel krachte jedoch geräuschvoll hinab und hinterließ vereinzelte schwarze Federn in der Luft. Nur wenig später hörte die Nordskov das Knurren des Hundes. Ebenso das triumphierende Auflachen des Mannes, kaum dass er sich siegessicher näherte und darauf hoffte, seinen Angreifer endgültig zur Strecke gebracht zu haben.
“Was zur Hölle ist denn das?“
Skeptisch stand er über das tote Vogelvieh gebeugt und trat erneut nach dem Hund, dessen Fang bereits nach dem Hals des Tieres ausgeholt hatte. Es glich einem Wunder, dass er bei seinem irritierten Blick nach oben nicht den hängenden Leib der Nordskov erkannte.
“Verdammt… wieso schießt du wie ein Irrer durch den Wald? Hast du sie noch alle?“
Abermals erhob sich Geraschel aus dem Unterholz. Einer der anderen war, aufgeschreckt vom lauten Schuss der Pistole, zurückgekehrt und rügte seinen Kameraden mit einem Schlag auf den Hinterkopf.
“Ich dachte da wäre was.“, entgegnete dieser brummend und unterdrückte den jähen Impuls seinem Kameraden eine überzubraten.
“Ach.. du meinst es lohnt sich die Jäger für nen dämliches Vogelvieh auf sich aufmerksam zu machen? “

Langsam versuchte sich Skadi unter dem Lärm des Gesprächs wieder hinauf zu ziehen, bevor ihre Arme jegliche Kraft verloren und ein weiterer Blick der Männer sie in dem aufgebrochenen Blätterdach entdeckte. Ganz davon abgesehen musste sie nach Greo sehen. Sicher gehen, dass ihn die Kugel nicht unerwartet getroffen hatte und er nur noch mit Müh und Not aufrecht am Baumstamm sitzen bleiben konnte. Mit einem kraftvollen Schwung glitt der Körper zur Seite und erreichte im rechten Moment mit einem Fuß die Oberseite des Astes. Zog sich unter einem schieren Kraftakt hinauf und stützte sich schwer atmend mit beiden Händen auf. Doch viel Zeit für eine Verschnaufpause ließ sich die Dunkelhaarige nicht. Hörte den allmählich entflammenden Streit der Männer bis hoch in den Wipfel, während sie in Zeitlupe auf ihrem Ast zurück rutschte und den Abstieg in Richtung Greo begann.
“Aber da war …“,erhob sich die dunkle Stimme unterhalb erneut und stockte, als ein heftiger Hieb gegen seine Schulter ihn aufatmen ließ. Wut blitzte in den dunklen Augen auf, die sich brummend zurück wandten und in die sichtlich genervte Miene des Älteren blickte.
“Da war gar nichts… und jetzt beweg deinen nichtsnutzigen Arsch zurück.“

Angespannt presste er sich an den Baum und schaute unter minimalsten Bewegungen abwechselnd hoch zu Skadi und dann wieder runter, wo sich ihre unbeliebte Gesellschaft befand. Er konnte unten kaum jemanden sehen und auch von der Jägerin konnte er allenfalls was von der Hüfte und mal vom Ellbogen ausmachen, je nachdem, wie sie sich gerade bewegte. Er hatte die Hoffnung, dass die Kerle unten entsprechend ebenso wenig erkennen konnten und zählte innerlich – mehr oder weniger korrekt – nervös von Tausend rückwärts. Er linste erneut über sich, wo er beobachten konnte, wie sich der Schnabel des Vogels zwischen ein paar Blätter in sein Blickfeld bewegte und irgendwie verharrte. Sie musste einen Plan haben. Werd‘ ihn los, beschwor Greo sie innerlich, schick das Ding zur Hölle und lenk sie von uns ab. Er hatte noch einen Gedanken, der jäh von einem Schuss unterbrochen wurde. Greo, mit seinem ganzen Leib dicht am Stamm, knallte mit der Stirn gegen die schroffe Rinde und fügte sich damit selbst eine Schürfwunde am Haaransatz zu, ohne, dass die da unten ihm tatsächlich gefährlich wurden. Der Schuss hatte ihn nicht erwischt, sondern war dicht an ihm vorbeigerauscht und etwas oberhalb in den Baum eingedrungen. Hätte er seinen Hut auf dem Kopf getragen: die Kugel wäre durch die Krempe geschossen und das wäre für ihn wahrscheinlich genauso schlimm gewesen, wie körperlich getroffen zu sein. Aber nichts dergleichen war passiert und Greo wagte es, sich wieder zu regen. Skadi hatte den Vogel fallen lassen und obwohl das für die Ablenkung sorgte, die sie dringend brauchten, war sein erster Impuls ein Schreck.
Erneut prickelte ein Schauer über seine Haut und die Härchen an seinen Armen stellten sich protestierend auf. War die Frau da oben etwa getroffen worden? Er konnte sie kaum ausmachen. Er getraute sich jedoch nicht nach ihr zu rufen, und sei es noch im leisesten Flüsterton. Prüfend schaute er zum Boden. Die Männer wähnten sich als erfolgreiche Jäger, oder zumindest teilweise. Sie waren beschäftigt und Greo war erleichtert darüber. Noch erleichterter war er, als er merkte, wie Skadi sich bewegte und versuchte sich weiter in Sicherheit zu bringen. Er sah ihr entgegen und hob kurz warnend eine Hand. Prüfend spähte er nach den Männern, die sich nun mit ihrer Beute wieder zum Feuer zurückbegeben hatten. Der Hund setzte sich unwillig und glotzte vom Feuer aus zurück ins Gebüsch, aber der Duft vom Leib des Vogels lenkte ihn an. Einer der Männer schaute ebenfalls skeptisch zurück, griff dann aber nach einem Humpen und beließ es zunächst dabei. Greo konnte das freilich nicht sehen, merkte aber, dass sie erst einmal weg waren. Er lockerte sich und winkte Skadi zu. „Die sind weg, schätze ich. Aber wenn sie merken, dass der Vogel ausgeblutet ist und keine Kugel drin war – wir sollten abhauen.“
Vorsichtig drehte er sich auf dem Ast und rutschte den Weg runter, den er hochgekommen war. Adrenalin überflutete ihn, als seine Füße den feuchten Grund des Waldbodens berührten und er verharrte kurz, als ob er ertappt sei. Dann wandte er sich behutsam um und hielt geduckt nach den Kerlen Ausschau. Sie mussten jetzt schnell sein. Er hielt Daumen und Zeigefinger zu einem O zusammen als Signal, dass die Luft soweit rein war und drückte sich hinter den Baum weg ins tiefe Dunkel zurück auf den Pfad, den sie hergekommen waren. In seinem Kopf klingelte es. „Das Blut vom Stamm“, wisperte er und schaute sich um, ob Skadi seine zaghaft geflüsterten Worte hören konnte, ob sie überhaupt in der Nähe war, „meinst du, das waren die?“

Just in der Bewegung hielt Skadi inne, ein Bein bereits auf den Ast unter sich gestützt und die beiden Hände fest um die Rinde des darüber liegenden gelegt. Mit starrem Blick sah sie der erhobenen Hand Greos entgegen, ließ das dunkle Braun nur langsam in die Augenwinkel und am Baum hinab huschen. Noch immer konnte sie dunkle Schemen zwischen den Blattbüscheln erkennen, wurde jedoch durch die eigenen Arme behindert und seufzte innerlich. Zumindest konnte sie nun mehr davon ausgehen, dass die Kugel den Hünen allerhöchstens gestreift und nicht getroffen hatte, so sicher wie er an den Baumstamm geklammert saß und den Blick ebenfalls gen Boden richtete. Was hätte das wohl für ein Drama gegeben, wäre sie mit einem verletzten Greo auf die Sphinx zurückgekehrt? Wahrscheinlich wäre sie zu allem Überfluss auch noch der Buhmann gewesen. Verwundert hätte es die Nordskov zumindest nicht – wenngleich ihr das darauffolgende Misstrauen gleichsam egal gewesen wäre. Erst als die ersten dumpfen Wortfetzen ihr Ohr erreichten, wagte sie es aufzusehen. Direkt in das von Schatten übersäte Gesicht des Älteren. Entgegnete ihm nur mit einem deutlichen Nicken ihre Zustimmung und machte sich leichtfüßig an den Abstieg. Nichts war ihr lieber als das. Von hier zu verschwinden und so viele Fuß und Meilen zwischen sich und diese Banditen zu bringen wir irgend möglich. Denn etwas anderes konnten sie bei diesen Worten kaum sein, oder? Gesuchte Verbrecher, wenn sie den Begriff „Jäger“ recht zu interpretieren versuchte.
Mit einem dumpfen Aufprall kamen die nackten Füße auf dem staubigen Boden zum Stehen und krallten sich jäh in den sicheren Untergrund. Noch während die Dunkelhaarige einige Herzschläge schräg neben dem Hünen in der Hocke verweilte, späten die dunklen Augen bereits sehnsüchtig zum sicheren Gebüsch hinüber, das schützend die Arme nach ihnen ausstreckte. Somit folgte sie dem Älteren ohne zu zögern wie ein Schatten. Blieb dicht hinter ihm, um jeden seiner Fußspuren mit einer wischenden Seitwärtsbewegung ihrer Füße im Nichts zu zerstreuen. Erst als sie bereits tiefer in den Wald vorgedrungen waren und die angenehme Stille ihre Köpfe umspielte, wagte sie es voraus zu eilen und in immer noch geduckter Haltung neben ihren Begleiter zu huschen. “Ich bin mir ziemlich sicher…“ War das dunkle Augenpaar prüfend umher geglitten, richteten sie sich mit einem skeptischen Funkeln auf das kaum erkennbare Gesicht neben sich. War die Dunkelheit jäh einnehmender geworden oder hatte das Licht des Lagerfeuers ihr Sehvermögen getrübt? “Bei dir alles okay? Hat dich der Schuss erwischt?“
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Nachrichten in diesem Thema
Land of all - von Skadi Nordskov - 23.05.2019, 22:49
RE: Land of all - von Greo - 13.08.2019, 16:13
RE: Land of all - von Skadi Nordskov - 22.09.2019, 17:42
RE: Land of all - von Greo - 12.01.2020, 14:43

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