08.09.2019, 14:00
„Hm.“, machte Lucien ein weiteres Mal und konnte das Schmunzeln in seinem Unterton nicht ganz verbergen. Irgendwie klang der einfache Laut dadurch nach einem 'hab ich mir gedacht' – er hätte allerdings auch alles andere heißen können. Doch es stimmte. Er hatte nichts anderes von ihr erwartet. Von ihr nicht. Von Talin nicht. Für diesen Mut bewunderte er seine kleine Schwester – und genauso Shanaya. Denn er besaß ihn nicht. Auch wenn er sich hüten würde, das laut auszusprechen. Das Gespräch an sich, oder vielmehr die Richtung, die es nahm, machte ihn ohnehin unruhig. Dieses Versprechen ihrerseits, diese bedingungslose Loyalität, Wärme, Zuversicht. Das alles behagte dem Dunkelhaarigen nicht.
Doch zunächst kam er um eine Antwort erneut herum, als eine Brise, sanft wie ihre Worte, übers Deck strich und die träge durchhängenden Segel leise zum Flattern brachte.
„Na endlich.“
Die tiefe Erleichterung in seiner Stimme hatte dieses Mal zweierlei Gründe. Nicht nur das Wissen, dass sie sich nach einer unerträglichen Ewigkeit wieder in Bewegung setzen konnten. Er stieß langsam die Luft aus, schüttelte noch einmal kurz den Kopf und wandte sich dann wieder an die Schwarzhaarige.
„Mir wäre es lieber, sie käme nicht.“ Er löste sich von ihr, so langsam, dass sie nicht vom plötzlichen Verschwinden ihrer „Lehne“ überrascht werden und umkippen würde. Dann drehte er sich ihr halb zu und auf seinen Lippen erschien flüchtig ein Lächeln. „Aber ich werde es nicht vergessen.“, versicherte er.
Dann rutschte er gänzlich von der Kiste, hob den Granatapfel an den Mund und knabberte ein, zwei Kerne davon ab. Die tiefgrünen Augen huschten gedankenverloren zum Horizont im Westen, verweilten nur kurz, ehe er zurück zu der Schwarzhaarigen sah.
„Das Steuer gehört dir, Shanaya. Ich sage Talin Bescheid. Sie löst mich für heute Nacht ab.“